Unser Entscheid für den Nova L

von La Strada

Es ist ja wirklich nicht leicht sich für ein Wohnmobil zu entscheiden, die Auswahl ist riesig und jeder hat das einzig Richtige und für jeden Zweck das Optimale. Na ja, so einfach ist es dann doch nicht. Wir machten uns unsere Gedanken und versuchten die Kompromisse so zu gestalten, dass keiner von uns beiden zu stark verzichten muss. Es muss Platz für zwei Personen bieten, der Schlafplatz sollte Fix sein, beim Essen möchten wir uns gegenübersitzen, ohne die Fahrersitze zu drehen. Die Küche sollte einen drei Flammenkocher haben. Das Fahrzeug muss einen zuschaltbaren 4x4 mit Untersetzung haben. Es sollte nicht von weitem als Wohnmobil zu erkennen sein. Zu gross sollte es auch nicht sein, da wir nicht als reiche Weisse in ihrem riesen Lastwagen gesehen werden möchten. Das mag vielen ein Sicherheitsgefühl geben, aber wir glauben, dass ein Lastwagen der grösser ist als ein durchschnittliches Haus in den Ländern die wir besuchen möchten, kaum wirklich sympathisch rüberkommt. Zudem muss es genügend Luxus bieten ohne protzig zu wirken, „na ja, da ist Mercedes sicher die optimale Wahl“. Des weiteren wollen wir eine Seilwinde, man weiss ja nie und „last but not least“ sollte es langlebig sein und sicher niemals undicht werden. Also kam eigentlich nur ein Monocoque in Frage, da es aus einem Stück gefertigt ist und keine Nähte aufweist. Denn wir dachten uns, wenn wir so über Stock und Stein fahren, werden sich diese zusammengepappten Wände verziehen und dann, na ja man stellt sich das halt so vor. Also wurde die Auswahl immer kleiner. Denn für die meisten 4x4 Wohnmobile muss man im Besitz des Lastwagen Fahrausweises sein, den wir ja beide nicht haben. Also gingen wir von Händler zu Händler und an die Caravan Ausstellung in Bern. Einen ganzen Tag im Getümmel und nichts gefunden, wir waren echt müde und enttäuscht. Das einzige Gefährt das halbwegs unserer Vorstellung entsprach war ein Mercedes Sprinter Kastenwagen von CS-Reisemobile der hinten an den Seiten Erker hat, damit man hinten quer schlafen kann. Ansonsten ziemlich eng und vom optischen eher dunkel und nicht ganz unser Ding. Aber da könnte man sicherlich noch etwas machen mit anderen Materialien. Wir nahmen uns noch die letzte Halle vor bevor wir uns auf den Heimweg machen wollten. Da stand ein La Strada Nova M, wir sahen ihn uns an und waren nicht wirklich begeistert, ein Bett das man vom Dach runter ziehen muss und überhaupt ist er viel zu protzig. Der nette Herr gibt uns unaufgefordert den Katalog mit Preisliste auf den Weg. Das war es dann, endlich nach Hause. Zuhause schauten wir die Kataloge nochmals durch, fanden aber, dass alles so in etwa dasselbe sei. Keine wirklich innovativen Sachen stachen hervor. Die Dusche im Gang war der absolute Renner, weiss der Geier wieso. Für uns absolut inakzeptabel. Wir wollen so wenig wie möglich um räumen, es soll alles an einem fixen Patz sein. Man stelle sich vor, der eine liegt im Bett und kann nicht mehr raus, weil der andere am Duschen ist. Als wir zu Hause den Katalog von La Strada nochmals durchblätterten, sahen wir den Nova L. Das war doch schon eher was uns so vorschwebte. Ein wirklich schönes inneres, edel verarbeitet, ein festes Doppelbett hinten, eine Küche mit drei flammen Kocher und ein schönes Badezimmer. Ja richtig, Badezimmer, gross, hell und angenehm zweckmässig. Am darauf folgenden Wochenende sind verschiedene Open Houses von Händlern, die wir besuchen wollen. Einer ist im St. Gallischen und der andere in der Nähe von Winterthur. Da der St.Galler den La Strada Nova L da haben soll, fahren wir da hin, um diese Version mal Live zu sehen. Doch was für ein Frust! Nachdem man uns einfach links liegen gelassen hat und nur nach mehrmaligem insistieren unsererseits, dass wir gerne den Nova L anschauen möchten, hat man jemanden gefunden der sich die Zeit nahm uns den Camper zu zeigen. Na ja, es war ein Nova M, ha ha. Wir taten unseren Frust kund, da wir extra zuvor telefonisch abgeklärt haben ob es ein Nova L sei oder nicht. Man versprach uns, am Montag sich bei La Strada zu erkundigen  wo der nächste Nova L zu besichtigen sei. Auch das lies auf sich warten, ich glaube fast bis heute. Also riefen wir in Deutschland bei La Strada an, die uns mitteilte, dass ein Nova L im Bernbiet bei einem Händler stehen würde, der bald ausgeliefert werden sollte. Also riefen wir da an um zusehen, ob es diesmal klappen würde.  Tatsächlich, am nächsten Wochenende hat er eine Ausstellung und da könne er ihn uns in der Garage zeigen. Super, wir fahren hin. Alles ist perfekt, der Wagen entspricht ausser der Farbe aussen und dass es kein 4x4 ist, genau dem was wir uns erträumt hatten. Wir setzen uns an den Tisch und besprechen die Preise und Lieferzeiten. Oliver würde gleich den Vertrag unterschreiben doch Monika macht so was unüberlegtes nicht. Also nehmen wir die schriftliche Offerte mit und versprechen uns zu melden, sobald wir uns entschieden haben. Oh die Euphorie war gross, das war unser Traum, genau so sollte es sein. Als wir zuhause die Preise mit denen vom Internet verglichen, stellten wir fest, dass die den €-Preis mit MwST. 19% umrechnen in CHF. Das kann doch nicht wahr sein, das heisst wir zahlen 11% für nichts. Also beschlossen wir mal in Deutschland nachzufragen und uns über den Import zu informieren. Wie der Zufall so spielte, hat es in der Nähe von Stuttgart einen Händler. Da Oliver so oder so am Freitag mit seiner Schwester nach Göppingen muss, trifft sich das doch wunderbar. Noch besser, so kann Oliver auch gleich noch kurz bei einem Lieferanten aus Stuttgart vorbei schauen, um ihm sein Leihgerät zurück zu geben. Also alles optimal und seiner Schwester macht es nichts aus, dass sie noch einen kleinen Umweg fahren. Also nichts wie nach Stuttgart. Leider war trotz Ankündigung der Chef nicht im Hause und würde erst so gegen 13:00h eintreffen. Kein Problem, dann gehen wir etwas essen im nahen Städtchen. Na das stellte sich nicht als so einfach dar, da fast alles geschlossen war. Aber was soll‘s, auch wir finden etwas zwischen die Zähne, obwohl es nicht das ist, was wir uns vorgestellt haben. Um 13:00h stehen wir wieder auf der Matte. Leider immer noch ganz alleine auf weiter Flur. Als er dann endlich da war, empfing er uns sehr herzlich und wir hatten ein gutes Gespräch mit der Folge, dass er uns eine Offerte via E-Mail zustellen sollte. So konnten wir endlich weiter auf unserer kleinen Tour.

Nun hatten wir alle Offerten zusammen um eine Entscheidung zu treffen. Oliver erstellte eine Excel Liste mit allen Preisen um genau zusehen wo was wie teuer ist. Unten dann die jeweilige Summe. Und wer hätte das gedacht, wenn wir das Gefährt in Deutschland kaufen ist es fast 30'000.- CHF günstiger, inklusive Import, Zoll und vorführen in der Schweiz. Nur unsere Zeit haben wir nicht gerechnet. Das ist doch ganz schön oder? Also beschliessen wir, dass wir das Fahrzeug entgegen unserer Überzeugung in Deutschland kaufen werden.

Gesagt getan, wir bestellen unser Wohnmobil, als 4x4 mit Untersetzung, und diversen Anpassungen. Kurze Zeit später erhalten wir den Kaufvertrag mit Aufhebung des Rücktrittsrechts und einer Anzahlung über 10’000Euro. Um sicher zu stellen, dass wirklich alles so ist wie wir es auch besprochen haben, haben wir extra noch einmal auf den Vertrag dazugeschrieben, dass das ganze Fahrzeug in anthrazit gespritzt wird, und die 19% MwSt. voll umfänglich zurückerstattet wird.

Einige Wochen später erhalten wir wieder ein Mail mit der Hiobsbotschaft, dass das Fahrzeug nicht mit 3,5t ausgeliefert werden kann. Sondern nur als 3.88t Version, da die Zuladung sonst zu gering sei. Super, für ein 3.88t Fahrzeug müssen wir den Lastwagen Fahrausweis machen der keiner von uns hat. Nach langen Diskussionen beschliessen wir den Mehraufwand auf uns zu nehmen und die Prüfung zu machen. Da es uns wichtig ist, dass beide das Fahrzeug aus Sicherheitsgründen führen dürfen, entstehen uns erhebliche Mehrkosten, die wir bis jetzt nicht einkalkuliert haben. Nun wurde Monika’s Ehrgeiz geweckt. So dass sie alles daransetzt die Prüfung vor Oliver im Sack zu haben. Was sie auch locker schafft. ( aber nur weil der Kanton Thurgau nicht so lange Prüfungswartezeiten hat ).

Am 26. März 2015 bekommt Oliver ein Mail von Herrn Ungeheuer mit folgendem original Text und Bild.

Hallo Herr Gross,

habe heute von La Strada eine Nachricht erhalten mit Bild Ihres Nova L.Sie haben die Kabine in Graphitgrau bestellt, jetzt erhalte ich ein Bild mitder Anfrage wegen der angebauten Markise und Stoßstange, die sind inder Farbe wie auf dem Bild. La Strada fragt an, ob die auch in Graphitgrau sein sollen wie die Kabine. Ich muss dem Werk so schnell wie möglich ihre Entscheidung mitteilen. Bitte schauen Sie sich das Bild an mund geben Sie mir nach Prüfung Bescheid.

Siehe Anfrage von LA

Hallo Heiner,

anbei ein Bild der Kabine für den Kunden Gross. Da dein Kunde ja eine einfarbige Kabine wünscht gibt es jetzt einige farbliche Abweichungen, da bei uns ja sonst immer Silber mit im Spiel ist.

Markise / Silber, und Stoßstange haben bei allen Kabinen die gleiche Farbe.

Bei einfarbiger Kabine siehe Foto.

Wir könnten lackieren, doch das würde dann kosten.

Markise 300,00€ Netto

Stoßstange 400,00€ Netto

 

Bitte um Info

Das haut Oliver fast vom Sockel und er schreibt ein ziemlich klares Mail zurück bzw. Entwürfe bis er sich beruhigt hat. Das kann doch nicht sein, dass man im Vertrag stehen hat, dass das ganze Fahrzeug aussen Anthrazit sein soll und nun kommen die und wollen Geld von uns, um das zu machen was wir von Anfang an so bestellt hatten. Also schrieb er so nett es in dieser Situation ging zurück.

Sehr geehrter Herr Ungeheuer

besten Dank für Ihre Information. Gemäss unseren Vertragsunterlagen steht ganz klar “Lackierung - ganzes Fahrzeug graphitgrau metallic, ohne Stern hinten, Logos von la Strada entfallen.” Interessanter Weise haben wir keinen Preisnachlass dafür erhalten, obschon es ja weniger Aufwand und Kosten verursacht, wenn das ganze Fahrzeug einfarbig gespritzt wird. 

Langsam sinkt unser Vertrauen, da es jetzt schon das 2.Mal ist, wo an der verbindlichen Bestellung Abänderungen stattfinden.

Das 1.Mal mit der Auf und Ablastung des Fahrzeuges was uns nun rund Fr. 6000.- Mehrkosten verursacht hat für die Führerprüfung.

Wir sind nicht bereit, Fehler die andere machen zu bezahlen. 

Wir bitten Sie, sich Ihrerseits auch an die verbindliche Bestellung zu halten. 

Zudem möchten wir Sie bitten, uns in regelmässigen Abständen auf dem laufenden zu halten, wie unser Fahrzeug aussieht, damit wir alle nicht im Juni 2015 eine böse Überraschung erleben.

Mit freundlichen Grüssen

Oliver Gross 

 

Auf diese Mail kam keine Reaktion mehr und auch auf unseren Wunsch uns regelmässig über den Stand zu informieren kam nie etwas.

In der Zwischenzeit durchstöberten wir das Internet nach Reiseberichten von Wohnmobilabenteurern. Es erstaunte uns doch sehr, dass die meisten ihr Fahrzeug Wohnbi nennen oder ihnen sonst mehr oder weniger lustige Namen verleihen. Was uns selbstverständlich dazu anstachelte für unser Wohnmobil einen originellen Namen zu finden, was gar nicht so leicht ist, wie wir feststellen mussten. So blieben wir bei Willi hängen. Fall’s Sie wissen möchten warum, lesen Sie weiter, ansonsten empfiehlt Ihnen Oliver, überhüpfen Sie diese Stelle.

Wir nennen unser Fahrzeug Willi, weil Monika sich über Oliver lustig macht, weil dieser sich nicht festlegen möchte, also stellen sie sich vor, wir stehen an einer Kreuzung, will i rechts, willi links, wiil i gradus oder willi do bliebe. Daraus resultierte unser Reisenamen, Monika, Oliver und Willi wurde zu Moli Will(i) reisen.

Am Montag 22. Juni kam ein Mail, dass unser Wohnmobil bei Ungeheuermobile in Calw angeliefert werden soll. Wir freuen uns riesig und beschliessen am Donnerstag nach Calw zu fahren um es in Augenschein zu nehmen, ob nun wirklich alles so ist, wie wir es bestellt haben und so, möglichst schnell alle Formalitäten erledigen zu können. 

Das mit den Überführungs-Nummernschildern ist ja so eine Sache, was man da alles machen muss und Unterlagen einreichen muss, inklusive der original Identitätskarte .

Aber gut, was macht man nicht alles damit das Fahrzeug endlich in die Schweiz importiert werden kann.

Also machten wir einen Termin mit Herrn Ungeheuer (der heisst wirklich so, ist er aber überhaupt nicht) um 11:00h ab. 

Monika würde schon um 6 Uhr losfahren damit sie auch 1000% sicher um 11:00 Uhr da ist. Doch Oliver weigert sich so früh aufzustehen und beharrt mit Teilerfolg auf 8:00h. Also fahren wir um (Kompromiss) 7:45h los.

Wie gesagt, wir sind viel zu früh, aber zum Glück ist Herr Ungeheuer auch schon da und wir können unser Wohnmobil in aller Ruhe begrüssen. Es gibt sogar Kaffee frei Haus geliefert durch Herrn Ungeheuer in unseren Willi. So haben wir in aller Ruhe einen Kaffee getrunken und uns schon die ersten Gedanken gemacht, wie wir ihn einrichten wollen.

Leider ist das Fahrzeug nicht so von La Strada geliefert worden wie wir das abgemacht haben. Die Stossstange, die Markise und die Eingangsbeleuchtung sind in Silber, was echt schrecklich aussieht. Also verspricht uns Herr Ungeheuer, dass er die Teile noch auf seine Kosten spritzen lässt, da es unserer Ansicht nach ganz klar war, dass das gesamte Fahrzeug in anthrazit sein muss. La Strada stellt sich auf den Standpunkt, dass das Fahrzeug ja ganz in anthrazit sei, nur die Anbauteile nicht, dass sei ja nicht dasselbe. Interessanter Weise sind die restlichen Anbauteile aber in anthrazit gespritzt. Wir empfinden das als spitzfindig und absolut lächerlich. Aber offensichtlich ist La Strada das egal, auch wenn sie erheblich weniger Kosten hatte, da wir alles einfarbig haben und nicht wie im Preis eingeschlossen zweifarbig und die La Strada Kleber so wie den Mercedes Stern konnten sie sich ja auch sparen, da wir die nicht wollten. Darüber sind wir wirklich froh, denn für diese Firma möchten wir nicht wirklich gratis Werbung machen.

Unser Tipp, wenn man bei La Strada etwas kauft, unbedingt alles schriftlich bis ins Detail, da sie sich sonst auf irgend welche kleingedruckten Sachen berufen, die man so nicht abgemacht hat. 

 

Aber gut, zum Glück hat Herr Ungeheuer da keinerlei Anstalten gemacht, dass er das nicht übernehmen werde und somit stimmt es für uns.

Um 11 Uhr kommt Frau Ungeheuer, sie ist zuständig für den administrativen Teil.

Also machen wir uns an die verschiedenen Dokumente um ein Überführungskontrollschild zu beantragen. Als alles geregelt war, so dass Sie nun das Fahrzeug einlösen können, machen wir uns auf den Rückweg. Die Vorfreude auf Freitag den 3.7.2015 ist bei uns riesen gross, denn dann sollten wir unseren Willi definitiv bekommen. Am Wochenende wollen wir noch die letzten Einkäufe tätigen so dass wir alles bereit haben um das erste Wochenende in unserem Willi zu verbringen. 

Monika hat keine Ruhe und findet den Termin vom 3.7. einfach zu spät, da wir ja schon einen Vorführtermin im Kanton Thurgau haben. Und ob das alles so schnell klappt, mit den Unterlagen die ans Astra gesendet werden müssen und das mit der CO2 Strafgebühr zahlen. Also ruft sie am Samstag morgen als erstes bei Herrn Ungeheuer an um ihn zu bezirzen damit wir das Fahrzeug schon am Mittwoch holen könnten. Oliver glaubt es einfach nicht, Monika hat es wirklich geschafft ihn davon zu überzeugen, dass der alles versucht, damit wir das Fahrzeug am Mittwoch holen können.

Er meinte er gebe am Montag bis ca. 15:00h Bescheid ob es klappt oder nicht.

Montag 29. Juni 2015

Oliver  entschliesst sich ein Mail ans Astra zumachen um nach zu fragen was für Möglichkeiten es gebe, dass der Prozess so schnell wie möglich erledigt werden kann, da wir ja schon einen Termin beim Thurgauer Strassenverkehrsamt haben.  Er hängt alle Unterlagen als PDF an und sendet es an die E-Mail Adresse die im Internet für Fragen angegeben ist.

Es ist absolut erstaunlich und überwältig Oliver fast ein wenig, eine staatliche Stelle die so schnell Antwort geben kann, gibt es doch nicht. Keine 10 Minuten und schon war die Antwort da, „Ihr braucht keine CO2 Abgabe zu zahlen, da Wohnmotorwagen davon ausgenommen sind.“ Wow das ist ja super, jetzt können wir diese Reserve in unserem Budget auch raus streichen.

Am Mittwoch, den 01.07.2015 ist es endlich so weit, wir können unseren Willi abholen. Die Vorfreude von Monika ist so gross, dass sie schon sehr früh am Morgen losfahren will, damit wir auch wirklich pünktlich dort sind. Oliver, kein Frühaufsteher, wehrt sich mit Händen und Füssen. Trotzdem sind wir 1 ½ h zu früh in Calw.  Herr Ungeheuer verdreht die Augen bei unserem Anblick und meint: „ Oh je! Die Schweizer, schon wieder zu früh da!“ Er muss mit unserem Wohnmobil noch aufs Landratsamt, deshalb schickt er uns in ein nahes Restaurant. Oliver meint triumphierend  „ gsehsch, ich has ja gseit! Mir chönd en nöd frühener ha!“ Und wieder einmal hat Monikas Held recht. Doch alles scheint gut zu sein, immerhin die Farbe entspricht genau unserem Wunsch. Als alle Formalitäten erledigt waren bekamen wir eine kurze Einführung, die hätte man auch weglassen können, da er uns alles zeigte was offensichtlich war und auf die Fragen die wir hatten konnte man uns keine genaue Auskunft geben. 

Aber was soll’s wir hatten unseren Willi und machten uns auf die Heimfahrt, uns stand ja noch der Schweizer Zoll bevor.

Wir brettern mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 100km/h auf  die Schweiz zu. Nach einer ereignislosen Fahrt treffen wir am Zoll von Konstanz ein. Frage, gehören wir jetzt zu den grossen Brummis oder zu den kleinen Autos? Wir entscheiden uns für den Lastwagenparkplatz. Schliesslich haben wir ja ein grosses Fahrzeug. Am deutschen Zoll geht alles reibungslos und schnell. Stempel drauf und gleich rüber zum Schweizer Zoll. Dort wird uns aber mitgeteilt, dass wir zuerst zu einer Speditionsfirma müssen um die Einführungspapiere zu erstellen. In einem Nebengebäude befinden sich diverse Büro’s von Speditionsfirmen. Im ersten Büro schickt man uns weiter mit der schnöden Antwort: „Wir haben jetzt keine Zeit¨“ Herausforderung angenommen, also klopfen wir an der nächsten Türe, treten ein und finden ein leeres Büro vor.  Noch bevor wir an der nächsten Türe klopfen, kommt gerade ein junges Bürofräulein retour, mit Top und kurzen Shorts (zur Freude von Oliver). In nur knapp 5 Minuten stellt sie uns ein Formular und die Rechnung für Fr. 80-- aus. In der Hoffnung, nun alles zu haben, kehren wir zum Zoll zurück. Nach eingehender Prüfung aller uns zur Verfügung stehender Dokumente  erhalten wir den Stempel und die Aufforderung nun zum Kassenschalter zu gehen. Was wir auch unverzüglich machen. Wir dachten he cool, läuft ja alles wie am Schnürchen, doch leider befindet sich in den meisten Schnüren ein Knopf. Da haben wir ihn ja schon. Da wir ja nicht mit rund 12’000Fr. im Sack herumlaufen, möchten wir gerne mit Kreditkarte bezahlen. Wegen der Tageslimite wollen wir den Betrag auf zwei Karten aufteilen, was der nette Herr am Schalter aber vehement ablehnt. Was nun? Er schickt uns querfeldein, dann über die Strasse, durch die Schrebergärten, über den Landi Parkplatz zu einem Bankomaten. Nun haben wir aber mit der Tageslimite dieses Bankomaten ein Problem. Das heisst, alles wieder zurück und das bei gefühlten 50 Grad im Schatten. Dann mit dem Auto nach Kreuzlingen zur nächsten Bank.

Zum guten Glück hat Monika ihr Geld bei der Thurgauer Kantonalbank, so dass wir den Betrag doch noch ausbezahlt bekommen. Ende gut alles gut, so können wir dem Zöllner alles in einer Summe, zwar in mehreren Noten bezahlen und offensichtlich ist das leichter für ihn als einen Betrag auf zwei Kreditkarten zu verteilen auch wenn es für uns einen riesen Marathon war. Aber wir sind ja keine Beamten und somit viel flexibler. 

Womit wir schon beim nächsten Problem wären. Unser Vorführtermin im Kanton Thurgau wurde annulliert, mit der Begründung, dass wenn das Fahrzeug nicht im Thurgau eingelöst wird, kann es auch nicht hier vorgeführt werden. Langer Rede kurzer Sinn,  nach langem hin und her mit Zürich und Winterthur, bekamen wir einen sehr kurzfristig freiwerdenden Termin in Winterthur.  

7.7.2015 Vorführen in Winterthur 

Am Dienstag morgen ruft Monika Oliver an um ihm mitzuteilen, dass sie gerade ein Telefon vom Strassenverkehrsamt bekommen hat mit der Information, dass wir unseren Willi um 14:50h vorführen können. Oliver ist begeistert und willigt sofort ein, so dass Monika dem Strassenverkehrsamt mitteilen kann, dass wir kommen. Also reorganisiert Oliver seinen Tag und versucht die Kunden auf einen späteren Zeitpunkt zu vertrösten, was ihm auch gelingt. Um 12:00h ist Oliver bei Monika und bereitet alles vor. Nur das mit den Unterlagen ist noch nicht klar und niemand weiss ob die Einladung zum Vorführen im Willi ist oder schon entsorgt. Zum Glück sind sie in unserem Unterlagen Chaos im Willi und alles scheint einwandfrei zu sein. Monika nimmt von Ihrem Arbeitsplatz noch einen Feuerlöscher mit Schweizer Sigel und Ablauf Datum mit, da wir nicht sicher sind, ob unser Billig Feuerlöscher von Jumbo für 90.- Fr. auch zugelassen ist. Obwohl er auch 6 Liter Füll-Volumen hat und genau gleich aussieht.

Um 13 Uhr meint Monika, Oliver soll sich auf den Weg machen, damit er sicher nicht zu spät komme, um Diskussionen zu vermeiden macht sich Oliver brav auf den Weg, obwohl er weiss, dass er nun mindestens eine Stunde zu früh da sein wird, aber was soll’s, so kann Oliver sich in  aller Ruhe mal um die Funktion der Stereoanlage kümmern, das schadet ja auch nicht.

Pünktlich um 14:45h steht er an der Einfahrt und wartet auf Einlass. Herr Gächter ist ein netter Herr so in unserem Alter. Er fragt nach den Papieren und Oliver überreicht ihm alles was er hat, mit dem Hinweis, dass es einfach alles sei was wir hätten. Er meint, das ist doch super, lieber zu viel, als dass etwas fehlt.

 

Zu meiner Beruhigung findet er alles was er braucht. Immer wieder kommen Leute vom Strassenverkehrsamt und wollen unseren Willi anschauen, alle sind begeistert und speziell bei der Frage, der hat ja nur zwei Plätze, das ist doch sehr ungewöhnlich, entgegne ich ihnen, dass dies ein reines Ego Fahrzeug sei. Denn so könne niemand auf die Idee kommen, dass sie mitfahren könnten. Ein weiterer Schutz ist, dass man den Lastwagenführerausweis C1 braucht, so sind wir ganz gut gewappnet vor dem Versuch unser Wohnmobil ausleihen zu wollen. Das finden alle ausnahmslos super. Nach etwas mehr als einer Stunde ist die Prozedur bestanden und ich bekomme den Fahrzeugausweis in die Hand gedrückt. Was für ein Gefühl, wir haben es geschafft und können jetzt sicher unsere erste Reise nach Norwegen in Angriff nehmen. Wir hatten ja genug Zeit um uns zu überlegen, wie wir unser Wohnmobil einrichten wollen, und das Wichtigste für uns war ein dunkler Vorhang zwischen der Fahrkabine und dem Innenraum. Da kommt unweigerlich die Frage auf, warum will man so was. Die Idee dahinter ist, dass es von aussen aussieht wie eine Wand, und somit niemand in den innen Raum sehen kann. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass die Klimaanlage während der Fahrt nur die Führerkabine kühlen muss. Wir finden, wenn vorne die Front und Seitenscheiben-Lädeli gezogen sind, ist es auffälliger, als wenn ein dunkler Vorhang gezogen ist, der auf den ersten Blick aussieht wie eine Wand. Zum guten Glück hat Moni ein Tanti, dass uns mit ihren kreativen Ideen tatkräftig zur Seite steht. So treffen wir uns am 10.7.2015 bei Monika mit Ihrer Tante Sylvia um den Vorhang zu schneidern und im Willi zu montieren. Alles klappt, als ob wir das schon 100 mal gemacht hätten, doch ehrlich gesagt, wären wir ziemlich aufgeschmissen gewesen, ohne ihre Hilfe. Es sieht einfach super aus und ist genau so wie wir uns das vorgestellt haben. Da es länger gedauert hat als vermutet machen wir uns erst viel später auf den Weg nach Deutschland zu Abenteuer Caravan.