Die ersten Wochen in Marokko

Mit Willi ist es in Rabat, mit Ihren knapp 600’000 Einwohnern sehr anstrengend, und da wir im Moment eher das Bedürfnis nach Ruhe haben, fahren wir zu unserem nächsten Stellplatz.

In dieser Gegend gibt es nicht gerade viele Möglichkeiten.

Für 70 Dirham(7Fr.) haben wir wieder Wifi, allerdings nur gerade neben der Reception, Wasser usw. Wir sind die Einzigen mit Wohnmobil, sonst sind alles Bungalows.

Auch hier bleiben wir zwei Nächte. Es ist für Laila die reinste Therapie, denn es gibt hier freilaufende Hühner, Güggel die morgens um 5 Uhr schon wach sind, Pfaue und viele Katzen.

 

Am Freitag, 8. Dezember fahren wir weiter nach Casablanca. Hier finden wir gleich neben der riesigen Moschee einen Parkplatz.

Dieses Gebäude ist wirklich faszinierend. Es soll der höchste Mosche Turm sein mit über 200m. Das ganze Areal ist riesengross und kann besichtigt werden. Leider ist es Freitag und somit ist es nicht Muslimen nicht erlaubt die Mosche selber zu besichtigen. Wir erhaschen nur einen kleinen Blick ins Innere durch das riesige Eingangstor. 

 

 

Was in Marokko interessant ist, wenn es irgendwo einen öffentlichen Parkplatz hat, sitzt sicher irgendeiner mit Leuchtweste da und will Geld. Wir haben immer noch nicht herausgefunden, ob die angestellt sind, oder ob es für sie einfach eine Einnahmequelle ist. Denn auch am Strand, oder auch sonst überall, kommen sie mit ihrer Weste, weisen dich beim Parkieren ein und wollen dafür Geld. (Wir haben schon zugeschaut wie einer beim Einweisen immer noch per Handzeichen zum Zurückfahren signalisiert hat, dabei ist er dem hinteren Fahrzeug schon lange reingefahren. Meistens sind die Einweiser aber nach unserer Rückkehr verschwunden, sodass einem das Gefühl beschleicht, doch über den Tisch gezogen worden zu sein.

 

Egal wo wir durchkommen, die kleinen Kinder winken uns freudig zu und strahlen uns an. Was wir immer mit viel Freude erwidern.

 

Wir fahren weiter der Küste entlang und finden in El Jadida am Meer einen schönen Platz. Wir fahren mit Willi auf die Sanddüne damit wir freie Sicht aufs Meer haben und beschliessen hier zu übernachten, obwohl es links und rechts neben unserem Platz, so ca. 50m entfernt, so einfache Hütten hat und wir uns fragen, ob hier wirklich jemand wohnt, oder ob das einfach so „Unterkünfte“ sind für Wochenendfischer.

Aber egal, wir fühlen uns wohl. Genauso wie die herzige Hundefamilie die mit ihren 3 Welpen in unmittelbarer Nachbarschaft lebt.

Abwechselnd hat einer Hüte-Dienst und der Andere geht auf Nahrungssuche. Manchmal schnuffeln sie um den Willi herum und gehen dann wieder weiter.

Am nächsten Tag machen wir einen gemütlichen Strandtag, spazieren dem Meer entlang, geniessen die Sonne und die Liegestühle, Laila bekommt wieder mal einen neuen Kurzhaarschnitt, wir bauen Steinmännchen und geniessen den Sonnenuntergang.

In der Nacht fängt es an zu winden, sodass der ganze Willi, mit seinen über 4 Tonnen sanft im Sturm hin und her wiegt. Es fühlt sich an wie auf einem Schiff mit hohem Wellengang doch das, wiegt uns sanft in den Schlaf. Am Morgen regnet es. 

Und so regnet es bis auf ein paar Unterbrüche den ganzen Tag. Die kurzen Unterbrüche nutzen wir jeweils für kleine Spaziergänge mit Laila, die es nur halb so lustig findet, dass wir so Wasser scheu sind.

Wir beschliessen noch eine weitere Nacht hier zu verbringen.

Am nächsten Tag sieht es am Strand aus als ob es geschneit hätte. Stellenweise bis 1 Meter hoch, wie geschlagenes Eiweiss türmt sich der Schaum am Strand entlang.

So fahren wir am Dienstag, 12. Dezember weiter Richtung Safi. Eine kleine Stadt mit einer Wehrmauer und viel Verkehr, da sich kurz nach Safi ein grosses Industriegebiet befindet. Kurz nach diesem sehen wir einen kleinen Weg der durch die Dünen und Büsche führt. Denn schnappen wir uns gleich.

Ups, da haben wir doch am helllichten Tag jemandem das Schäferstündchen versaut. Diskret fahren wir weiter, was natürlich mit Willi nicht so einfach ist.

Ja, das gibt es hier also auch, trotz Kopftuch und langem Rock.

 

Alkohol gibt es nur in vereinzelten kleine Spezialläden. Und trotzdem sind die Strände und Dünen überall mit Glasscherben der Wein und Bierflaschen übersäht. Aber eigentlich klar, wenn man es schon heimlich trinken muss, kann man ja das Altglas nicht offiziell entsorgen.

 

Wir staunen, wie viele Männer sich hier zum gemütlichen Fischen und plaudern  (Bierchen) treffen.

Immer mal wieder fährt einer mit dem Motorrad oder mit Pferd und Wagen vorbei.

 

Am Nachmittag wollen wir den kleinen, holprigen und ausgewaschenen Weg zum Meer hinunterlaufen, als wir sehen, dass ein junger Mann mit seinem Pferdekarren steckengeblieben ist. Wir wissen nicht wie lange der da schon feststeckt, auf jeden Fall ist er vollkommen durchgeschwitzt, und das arme kleine Pferdchen hat auf der Seite eine riesige Wunde vom scheuern des nicht wirklich passenden Fahrgeschirr. So versuchen wir es gemeinsam mit schieben, aber das arme Pferdchen reisst es fasst aus den Hufen, so schwer ist der Wagen mit Sandsäcken beladen. Die Gefahr, dass der Wagen mit samt Pferd kippt ist riesig. Alleine schaffen wir es nicht, so rennt Moni den Weg hinauf zu dem Auto und macht dem Mann klar, er müsse sofort mitkommen. Als er sieht um was es geht, ruft er irgendwas, und plötzlich tauchen aus dem nichts noch mehr Männer auf, zuletzt sind es 8 Männer, die den Wagen aus dem Loch befreien. Kaum draussen, zieht das kleine Pferdchen den Wagen den steilen Berg hinauf. Oben angekommen dreht sich der junge Mann um, pfeift uns und winkt freudig. Auch die anderen Männer bedanken sich bei uns.

Wir fragen uns, was wohl passiert wäre, wenn wir ihn nicht entdeckt hätten.

Leider gibt es keine Fotos von dieser Aktion, da wir ja die Hände zum Schieben brauchten.

 

Spannend finden wir immer wieder, wie hier noch mit Holzpflügen geackert wird. Mit Eseln oder Kühen, und an Orten, wo man eigentlich denkt hier wächst doch nichts. Oder schon fast wagemutig am Abgrund entlang. Jede noch so kleine, fruchtbare Ecke wird genutzt.

Einmal mussten wir schnell halten, denn am Strassenrand sahen wir 2 Bäume auf denen Ziegen sassen. Wir wollten kurz ein Foto machen, als auch schon einer daherkam mit einem herzigen jungen Geissli auf den Armen und Geld wollte, für ein Foto mit den berühmten Geissen auf den Bäumen. Wir lehnten dankend ab, weil wir uns ehrlich gesagt fragten, ob es denn eigentlich nur ein Fake ist, mit diesen Geissen, oder ob die doch auch von selbst auf die Bäume gehen.  Auf jeden Fall freuen sich die vielen Touristen die Ihre Fotoapparate auspacken und wie wild, die berühmten Ziegen fotografieren.

Während unserer Weiterfahrt Richtung Marrakech, sehen wir dann doch noch Geissen, ohne Hirt, der Geld fürs Foto will. Also gehen die da doch selber rauf.

 

Am Nachmittag treffen wir dann urplötzlich in Marrakech ein, mitten im Stau. Wir schlagen uns so langsam durch die ganze Stadt, da sich unser Ziel, der Campingplatz, auf der anderen Seite befindet.

 

Ja, Camping Plätze sind so eine spezielle Sache, es hat einfach zu viele Leute von denselben Ländern. So rotten sich die Nationen immer ein wenig zusammen, Niederländer zu Niederländer, Deutsche zu den Deutschen Franzosen zu den Franzosen, nur die Schweizer schauen, dass sie möglichst weit auseinanderliegen. So machen auch wir das, möglichst am hintersten Ende, wo man immerhin ein wenig das Gefühl hat alleine zu sein. Für Oliver, der lieber alleine ist, ist es auf jeden Fall das grössere Problem, denn Moni geniesst zum Leidwesen von Oliver, das Free WiFi, auf den Campingplätzen und pflegt die Kontakte in die Schweiz mit SMS-en und telefonieren.

 

Da wir noch 3 Tage Zeit haben, bevor unsere Töchter kommen, machen wir eine kleine Tour dem Atlas entlang.  Die Strassen sind zum Teil eher wie Flussbetten, doch für unseren Willi ist das kein Problem. So fahren wir durch die wunderschöne Berg Landschaft und die kleinen Dörfer, bei denen man den Eindruck bekommt, dass man der erste Mensch ist, den diese Leute sehen.

Immer wieder winken uns die Leute zu und diesmal nicht nur die Kinder, auch die Erwachsenen und Alten freuen sich, wenn sie uns sehen.

Die erste Nacht verbringen wir auf einem Waldparkpatz oberhalb von Demnate. Auf einmal klopft jemand an unsere Tür. Oliver macht die Türe auf um zuschauen wer da ist. Ein junger Mann mit Taschenlampe steht vor der Tür und stellt sich auf Englisch vor. „Ich bin Jusuf und bin der Parkwächter, wenn Ihr etwas braucht oder ich euch helfen kann, findet Ihr mich die ganze Nacht oben beim Feuer.“ Er zeigt den Hang hinauf zu einem Feuer.

Oliver ist völlig überrumpelt und bedankt sich ganz herzlich bei dem jungen Mann für die Gastfreundschaft. Als Oliver die Türe schliesst, meint Moni: „Dass machst du nie wieder!“  „Ääää, Was?“  „Einfach die Türe aufmachen mitten in der Nacht, da hätte ja einer mit einem Knüppel stehen können.“ Ist aber nicht. So verbringen wir eine ruhige und vor allem sichere Nacht.

 

Am nächsten Morgen fahren wir weiter in die Berge, immer höher und enger, bei manchen Dörfern kommen wir nur mit zirkeln um die Häuserecken. Und es bestätigt uns einmal mehr, dass Willi die richtige Entscheidung war, denn mit einem grösseren Gefährt hätten wir da keine Chance auf ein durchkommen.

Moni meint auf einmal, hoffentlich schaffen wir es bis morgen Abend zurück nach Marrakech, denn die Strasse windet sich immer weiter den Berg hinauf und nach jeder Kurve kommt wieder eine und dann noch ein Berg und noch mehr Kurven. So beschliessen wir so lange wie möglich zu fahren, damit wir irgendwann wieder in die Zivilisation kommen.

Als es dunkel wird, beginnen wir einen Parkplatz für die Nacht zu suchen, was immer eine besonders schwere Aufgabe ist, wenn es dunkel ist.

Wir finden einen grossen Kiesplatz auf dem wir unser Nachtlager aufschlagen. Als wir gerade mit essen fertig sind, hupt jemand vor dem Willi, da Oliver ja nicht einfach die Türe öffnen darf, machen wir das Licht aus und lassen ein Rollo runter, damit wir sehen wer draussen ist. Oh oh, die Polizei, was machen wir nun? Doch bevor wir das zu Ende denken können, fährt er unverrichteter Dinge wieder davon.

Wir beschliessen dennoch einen anderen Schlafplatz zu suchen. Mit Hilfe von Google Maps finden wir schnell in der Nähe einen Platz der uns geeigneter scheint.

 

Von Azilal sind es nur nach knapp drei Stunden bis Marrakech, sodass wir entspannt zurückfahren können und noch genügend Zeit haben uns auf unseren Besuch vorzubereiten.

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