Guelmim

Was ist denn nur los mit uns? Es ist schon wieder 9Uhr morgens und wir liegen immer noch im Bett. Los jetzt, raus aus den Federn.    

Wir wollen heute mal wieder Land gewinnen und an einen anderen Ort fahren. Wir schaffen es mit ach und Krach um 10:30h loszufahren. Wir wollen Richtung Tan-Tan und das, wenn möglich alles so nah am Meer entlang wie es geht. In Marokko herrscht ein richtiger Strassenbau Boom. Jede kleine, unbefestigte Strasse soll zu einem Hyper-Highway ausgebaut werden. So auch diese Strasse, die wir uns vorgenommen haben. Doch leider sind sie mit bauen erst am Anfang und so fahren wir mehr auf unbefestigten Strassen als auf Teer. Es ist faszinierend zu sehen wie sie „für uns“ völlig konzeptlos bauen. Da hat es einen Trupp der an einem Stück arbeitet, dann kommt nichts und dann wieder ein anderer Trupp der auch irgendwas wurstelt.  So auch in unserem Fall, immer mal wieder wird irgend ein Teil gebaut oder auch nicht. So fahren wir, ohne uns Gedanken zumachen an eine Brücke, die aber nur halb an der gegenüber liegenden Seite an die Strasse anschliesst, sodass Monika aussteigen muss um Oliver zu lotsen, da unsere Spurbreite in etwa dem breitesten Strassenteil entspricht und somit kein Spielraum besteht. 


Also geht Monika wiederwillig, da sie die Idee da durchzufahren ziemlich hohl findet und lotst Oliver auf die andere Seite. Doch damit fängt es erst an. Es wird so steil, steinig und sandig, dass Oliver beschliesst den 4x4 zu aktivieren plus die Untersetzung. Das war auch notwendig, denn die Strasse ist steil, schräg und rutschig. Auf einem kleinen Zwischenplato angekommen freuen wir uns, dass wir es geschafft haben und nichts passiert ist. Also 4x4 raus und weiter.  Na ja, nach der nächsten Kurve muss Oliver einsehen, dass es ohne nicht geht und der 4x4 plus Untersetzung wieder aktiviert werden müssen. Es schüttelt und rüttelt und das, obwohl wir nicht mal Schritttempo fahren und immer mal wieder nur mit 3 Rädern oder noch 2 Rädern Bodenkontakt haben. Aber nein! Was soll das! Unser extra gekauftes Tom Tom führt uns hier durch, aber jetzt wird es noch steiler und es liegen überall lose, grosse Steine auf dem Weg. Oliver beschliesst die Sache zuerst in Augenschein zu nehmen bevor er sich da ran wagen will. Als er zurückkommt, schüttelt er nur den Kopf. „Das ist unmöglich, das schafft man höchstens mit einem Unimog, aber nicht mit unserem Willi“! Also müssen wir alles zurück, was nicht ganz einfach ist, denn wir stehen in einem Hang und müssen Willi hier umkehren, da Oliver nicht rückwärts den steilen Abhang hinunterfahren will. Es ist nicht möglich den Steinen auszuweichen, die wir beim rauffahren so elegant „umkurvt“ haben. Als wir langsam zurückfahren, sehen wir einen Mann auf einem Motorrad, der uns wie wild winkt um uns zu deuten, dass es nicht möglich ist, da durchzufahren. Er rennt uns sogar den berghinauf entgegen, um uns von diesem Unternehmen abzuhalten. Was er eigentlich vergebens tut, da wir uns ja schon entschlossen haben umzukehren. Wieder unten bei der Brücke erzählt er uns, dass es unmöglich ist und wir den Weg zurück nach Guelmim nehmen müssen und dann Richtung Tan Tan auf der N1. Nun gut, das machen wir auch.

Kurze Zeit später begegnet uns eine deutsche Familie mit Baby in einem alten Ford Transit. Oliver hält sie an, um Ihnen von diesem Weg abzuraten, aber so wie es aussieht ohne Erfolg, denn sie kehren nicht um, sondern fahren weiter. Dann sollen sie, wenn sie meinen, dass sie es besser wissen. Wir ärgern uns über die Bauarbeiter die uns vorher immer mal wieder nach Zigaretten gefragt haben, uns aber nicht sagen würden, dass der Weg unpassierbar ist. So fahren wir weiter auf Teils befestigten und teils unbefestigten Strassen Richtung Guelmim. Eine sehr schöne, weiche und hügelige Landschaft in der vor allem Kaktus angepflanzt wird um Ihre Früchte zu ernten.

Auf einmal wird der Himmel immer röter und wir sehen einen Sahara-Sand-Sturm. 

Kurz darauf, kommt ein riesiger Torbogen und die Strasse wird genau ab da 4 Spurig. Beim Trottoire gibt es in regelmässigen Abständen Palmen. Alles ist vollkommen überdimensioniert und wirkt irgendwie surreal.

Eine Baustelle, wo sie gerade ein paar Häuser bauen, dass war es. Die Strasse zieht sich über mehrere Kilometer hin, bis wir in der Stadt Guelmim sind. Zu unserer Überraschung hat es am ersten Kreisel einen Wegweiser für eine Marjane (Einkaufscenter). Wir beschliessen gleich mal dahin zufahren um unsere Vorräte wieder aufzufüllen. Auf dem Parkplatz stehen bereits mehrere Wohnmobile.  Danach wollen wir nach Plage Blanche, der Name sagt ja schon alles. Wir machen noch einen kurzen Zwischenstopp um uns an einem schönen Ort zu verköstigen, es ist ja auch schon wieder 4 Uhr. Von diesem Ort können sich die Gartenbauer eine Scheibe abschneiden. Es ist herrlich.

Als wir so gegen halb sechs in Plage Blanche ankommen, müssen wir feststellen, dass es sich leider um ein Militärgebiet handelt. Wir werden mit einem riesigen Plakat, in mehreren Sprachen (auch Deutsch) darauf hingewiesen, dass im ganzen Gebiet Camping-Verbot sei. Was anscheinend den deutschen Touristen egal zu sein scheint. 

Wir jedoch finden, dass wenn sie es ja schon so gross und in so vielen Sprachen angeschrieben haben, wir es auch ernst nehmen und uns einen anderen Schlafplatz suchen.

Denn wir möchten nicht, dass „Wohnmobilisten“ negativ auffallen und es so immer mehr Orte gibt wo man unerwünscht ist. Das muss man ja nicht noch fördern.  Also schauen wir uns den Strand kurz an und machen uns auf den Rückweg in die Hügel, wo wir uns einen Platz zum Schlafen suchen und finden. Ruhig und ganz für uns alleine, ausser den Schafen, Ziegen und den zwei Hirten, die uns alle nicht weiter stören und wir sie auch nicht.

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Kommentare: 1
  • #1

    s'Tanti (Freitag, 09 Februar 2018 19:24)

    Das war aber ein zünftiges Stück Abenteuer, das Ihr auf diesem Teilstück erlebt habt. Wow..... interessante Bilder