Teppichkauf

Am Samstag, 27. Januar möchten wir endlich ein wenig weiterkommen. Doch wie könnte es anders sein, wir fahren durch diese schöne Gegend und schon bald sehen wir von weitem 2 Berge, die mit Höhlen gespickt sind.

Also nix wie los. Wieder eine kleine Schotterpiste, da die Aussicht da oben herrlich ist, fahren wir immer weiter und weiter, bis wir ganz oben sind. Super, also unser nächster Schlafplatz ist gesichert, hier bleiben wir.

Kurze Zeit später kommen aus 2 verschiedenen Ecken zwei Schafhirte mit ihren Geissen und Schafen auf uns zu. Nacheinander kommen beide bei uns vorbei, geben uns die Hand, heissen uns willkommen und ziehen weiter.

In der Nacht kommt ein eisiger Wind daher. Eigentlich müssten wir jetzt unsere Kühlschrankwindschutzbleche montieren, was wir aber nicht machen, da wir sie ja sonst am Morgen wieder demontieren müssten und zudem ist es uns zu kalt, diese in der Garage rauszuholen und zu montieren.

 

Auf jeden Fall beschliessen wir am Morgen, hier ist es uns zu kalt, wir fahren weiter. Um halb 9 sind wir schon unterwegs.

 

Da wir wieder einmal auf Wassersuche sind, gehen wir in Taznakhte tanken und dürfen auch noch unser Wasser füllen, was allerdings sehr lange dauerte, da der Wasserdruck eher gering ist. Immer wenn wir mit unserem Wasserdieb Wasser tanken, muss einer diesen beim Wasserhahn festhalten und der andere muss mit dem Schlauch den Willi betanken.

Während dieser Wartezeit, machen wir Bekanntschaft mit Omar, einem Berber, der sehr gut Deutsch spricht. Er erzählt uns, dass er mit einem Österreicher zusammen ein Buch geschrieben hat, über die Teppichkunst der Berber und sein Dorf. Er möchte uns unbedingt sein Buch zeigen und fragt, ob wir nicht Zeit hätten, da er auch sehr gerne Deutsch spricht und seine Deutschkenntnisse erweitern möchte. So willigen wir ein und sind gespannt auf sein Buch. Da wir ins Nachbardorf müssen, nehmen wir ihn im Willi mit und fahren also zu dritt in ein kleines Berber Dörfchen, wo wir durch verwinkelte Gassen zu einem Haus kommen. Er warnt uns vor jedem Türrahmen, damit wir uns nicht den Kopf stossen. Voller Stolz zeigt er uns, mit was die Frauen die Wolle einfärben, mit Henna, Safran, Kobalt, und noch vielen anderen Naturprodukten.

Er führt uns durch verschiedene Räume, erklärt uns alles und wie könnte es auch anders sein, landen wir in einem Raum mit wunderschönen Teppichen.

Eine alte Frau zeigt uns, wie sie die Wolle mit zwei „Kämmen schärt“ und anschliessend zu einem Faden spinnt. Wir bekommen feinen Safrantee und dann zeigen sie uns ihre Teppiche und erklären uns die verschiedenen Materialien wie Kaktus, Kamel und Schaf.

 

Es ist schwierig bis unmöglich, ihm klar zu machen, dass wir keinen Teppich gebrauchen können. Er erklärt uns die verschiedenen Materialien und macht uns einen Kaktus Teppich schmackhaft. Denn dieser ist sehr pflegeleicht. Nur gut ausschütteln, und falls es mal einen Fleck hat, mit einer Bürste ausbürsten und schon ist er wieder sauber. Er meint, absolut perfekt für unser Fahrzeug und Kissen kann man immer gebrauchen und schon fängt er an uns seine Kissen zu zeigen. Nach noch mehr Safrantee sind wir stolze Besitzer eines Kaktusteppichs und zwei kleinen Kissen.

Da wir aber darauf bestehen, dass die Kissen gefüllt sein müssen, meint er, dann müssen wir zurück in das Städtchen, in den offiziellen Verkaufsladen. Dort werden sie noch gefüllt und zugenäht. Nun geht es also zurück in die Stadt, zum Verkaufsladen der Kooperative.

Auf dem Retourweg erklärt er uns, wie diese Kooperative funktioniert.

Vor dem Laden parkt schon ein Schweizer-Wohnmobil. Sie erzählen uns, dass sie letztes Jahr schon hier waren und einen Teppich für zu Hause gekauft haben. Sie hätten mit Omar Briefkontakt gehalten, und sich für heute wieder mit ihm verabredet. Sie sucht sich noch schöne handgemachte Sandalen aus, und wie so oft fragt der Verkäufer ob sie was zu tauschen habe. Sie lacht und sagt uns: „Die wollen immer tauschen, darum haben wir viele Sachen dabei, die wir zu Hause nicht mehr gebrauchen.“ Als wir sehen, mit wie vielen Sachen der Verkäufer retour kommt, erschrecken wir gleich ein bisschen. Herrenturnschuhe, Herrenhalbschuhe, ein Radio und einem kleinen Schnäpschen. Omar hat uns in der Zwischenzeit stolz sein Buch gezeigt. So, unsere Kissen sind fertig und wir verabschieden uns.

Jetzt aber nichts wie los. Wir wollen ja eigentlich noch ein bisschen fahren. Kurze Zeit später, sagen wir noch zueinander: „Da hinten sieht es aber komisch aus, dieser Himmel?!“ Nach der nächsten Kurve stecken wir bereits in einem kleinen Schneesturm. „Hilfe, nichts wie weg hier!“

Das ist uns nun doch zu kalt. Also fahren wir weiter. Als wir wieder im Tal sind, ist alles vorbei. Wir sehen immer wieder Wasserbrunnen und denken, wie schön es doch ist, wenn man einfach den Hahn öffnen kann und das Wasser kommt. Was für ein Luxus.

 

Wir halten wieder Ausschau nach einem Schlafplatz, als Moni wieder eine kleine Eselsherde sieht, die an einem Wasserbrunnen auf ein Wunder warten. Sie meint: „Komm, so viel Zeit muss sein, die haben Durst und können sich das Wasser nicht holen. Und vielleicht hat es ja da hinten gleich auch noch einen guten Schlafplatz.“ Was kann man bei so vielen Argumenten noch sagen. Also, dieses Mal ist es ein Brunnen, ca. 30 Meter tief, mit 2 Lederbeuteln. Also ziemlich streng, dafür muss man nicht so oft füllen.

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Kommentare: 2
  • #1

    s'Tanti (Samstag, 10 Februar 2018 16:59)

    Ja, ja, aus Erfahrung kann ich sagen, wenn du dir so ein Lädeli zeigen lässt, da kommst du nie ohne einen oder mehreren Gegenständen raus, das liegt halt so in der Natur. Aber seht das mal nicht so eng, das gibt sicher wieder mal eine gute Gelegenheit um einen Tausch abzuwickeln !!! Zum Beispiel : Kissen gegen ein grosses Steak, gell Oliver.

  • #2

    Gotti (Sonntag, 18 Februar 2018 22:27)

    Unsere "Teppich"-Bekanntschaft war damals ein "Heimweh-Schweizer", der perfekt schweizerdeutsch sprach. Im Dorf sei gerade "Tag der Wolle", und wir sollten doch mitkommen um beim Teppichknüpfen zuschauen. Ich durfte sogar ein paar Knöpfe mitknöpfen (was den Teppich hoffentlich aufwertete !), dazu gab es Pfefferminztee und man zeigte uns unermüdlich Teppiche. Nach mehreren Verabschiedungsversuchen dämmerte es uns allmählich, dass wir dieses Geschäft niemals ohne Teppich verlassen würden. PS. die zwei Berberteppiche machen uns aber heute noch Freude!