Mittelmeerküste Marokko

Am 09. Februar 2018 beschliessen wir, es doch nochmals zu versuchen. Wir möchten wirklich gerne noch die Mittelmeerküste besichtigen. Denn diese Ecke von Marokko fehlt uns noch. Also fahren wir von Chefchaouen nach Tetouan und dann Richtung Al Hoceima. Wirklich schön und die Leute lassen einem auch eher wieder in Ruhe.

In Oued Laou finden wir am Rande des Dorfes einen Strand Parkplatz. 

Wir geniessen das warme Wetter und den Strand und da den ganzen Nachmittag niemand etwas dagegen hat, bleiben wir hier über Nacht. Doch beim eindunkeln kommt ein Polizeifahrzeug und stellt sich ganz vorne an der Strandpromenade hin. Aber auch die sagen nichts. Also alles kein Problem.

Gegen 20 Uhr wollen wir mit Laila nochmals raus und spazieren am Meer entlang, als wir plötzlich von allen Seiten mit riesigen Scheinwerfern beleuchtet werden. Nicht gerade ein angenehmes Gefühl. Wir drehen um und machen uns aus dem Staub. Kaum sind wir wieder etwas entfernt vom Meer, gehen auch die Scheinwerfer wieder aus.

Wir finden, dass wir hier völlig sicher sind und mit Garantie eine ruhige und sichere Nacht verbringen werden.

Wir finden es hier sehr schön und angenehm und vor allem sehr sicher, darum bleiben wir noch eine weitere Nacht um diesen Service zu geniessen.

 

Am nächsten Morgen beschliessen wir weiter zu fahren, da wir nicht wollen, dass wir irgendjemandem auf die Nerven gehen und die uns dann doch noch vertreiben. Also fahren wir ein bisschen weiter und finden wieder einen schönen Platz mit super Meersicht.

Zwischendurch kommt mal einer und fragt, ob wir ein bisschen Brot haben. Wir sagen ja, aber es ist nicht mehr frisch, aber das ist ihm egal, er freut sich und bedankt sich herzlich, dafür ist jetzt Laila sauer, weil sie sonst immer das alte Brot bekommt. Gegen Abend kommt ein Militärmann und sagt, wir können hier nicht bleiben. Ja super, jetzt müssen wir im Dunkeln einen anderen Platz suchen. Auf die Frage wieso, kommt nur, geht nicht. OK.

Erst jetzt fällt uns auf, dass überall, der ganzen Küste entlang immer wieder Wachposten stehen. Und wir bemerken auch erst jetzt, dass es überall so kleine selbstgebaute Zelte hat, in denen die Wachposten schlafen können. 

Ja, so ist es für uns sehr schwer einen Schlafplatz zu finden, im Dunkeln und ohne einen Wachposten in Sichtweite. Bei einer anderen Schlafstelle, in einem ausgetrockneten Flussbett, kommt in der zweiten Nacht eine Militär-Patrouille, und das um 0.30h! Sie klopfen an die Scheiben bis Oliver nach vorne in die Führerkabine geht und das Fenster runterlässt. 6 Militärleute leuchten nun mit ihren Taschenlampen Oliver ins Gesicht. Der gute Mann spricht auf Französisch auf Oliver ein, doch der meint nur, ich kann kein Französisch. Denn er mag nicht schon wieder hören, dass wir hier nicht sein dürfen.

Also einmal auf dumm stellen, das fällt ihm ja nicht schwer. Sie wollen die Papiere und Oliver gibt ihm die Pässe. Er fragt, ob er sie fotografieren dürfe, doch Oliver will nicht verstehen und so zeigt der nette Herr sein Handy und die Pässe, also nickt Oliver. So oft wie in Marokko ist er sowieso noch nirgends auf der Welt registriert, und nein sagen kommt vielleicht auch nicht gut an. Also macht der gute Mann Fotos von den Pässen. Oliver juckt es in den Fingern, ihm das Handy aus der Hand zu reissen und es selber zu machen. So doof kann man sich doch gar nicht anstellen. Mitten in der Nacht mit Blitz einen plastikbeschichteten Pass zu fotografieren, das kann ja nicht gehen. Nach mehreren unscharfen und überbelichteten Versuchen ist er zufrieden oder tut immerhin so. Da sie offensichtlich ihr Anliegen Oliver nicht verständlich machen können, verabschieden sie sich und ziehen weiter mit den Worten „Bonne Nuit“. Ja das können die so leicht sagen.

 

Es ist unglaublich wie die Marokkaner ihre Grenze schützen oder vielleicht besser gesagt, die von Europa. Kein Mensch darf sich in der Nacht an der Küste aufhalten, es könnten ja irgendwelche Asylanten sein, die nach Europa wollen. Das ist für uns schon sehr gewöhnungsbedürftig, da wir an der Atlantik Seite von den Militärposten immer sehr freundlich begrüsst und willkommen geheissen wurden. Uns wurde auch immer wieder mal gesagt, dass falls etwas sei, man einfach zu ihnen kommen solle, sie seien Tag und Nacht für uns da.

Und hier an der Mittelmeer-Küste sind sie zwar immer noch sehr freundlich, aber man will offensichtlich keine Zeugen, falls etwas los sein sollte. So interpretieren wir es jetzt mal.

 

Was auch noch interessant ist, hier hat es extrem viel Landwirtschaft und alles ist grün und fruchtbar. Bei uns gibt es ja diese sogenannten Siloballen. Hier sehen wir so etwas Ähnliches. Es erinnert uns immer ein wenig an die alten Afrika Filme, da haben die Hütten der Eingeborenen auch so ausgesehen.

Auch das Meer ist genau nach unserem Geschmack, ein sanftes Wellenrauschen, Glas klar, mit schönen Sandstränden, eigentlich ein Ferien-Paradies. Wir machen eine Unterwasser Dokumentation und tauchen unsere Kamera mutig ins Wasser um die schönen Wasserpflanzen zu filmen.


Am Morgen fahren wir weiter bis wir zur Plage Souani-Sfiha kommen. Da wird ein ganzer Küstenabschnitt neu überbaut. Wir finden in einem Pinienwald einen Parkplatz, von dem man genau zur Strandpromenade kommt, die wirklich bereits wunderschön mit Abfallkübeln und modernen Strassenlampen gebaut ist, obwohl noch kein einziges Gebäude fertig gestellt ist. Wir spazieren zum schönen Sandstrand, laufen dem Meer entlang und staunen nicht schlecht, da hat es tatsächliche eine kleine Insel mit spanischen Flaggen. Noch nicht einmal zurück bei Willi kommt einer und fragt, ob das Fahrzeug da hinten uns gehört. Kurz parkieren ist ok. Hier schlafen aber nicht. Weil er so gut Englisch spricht fragt Oliver ihn nach der Insel und warum denn schlafen am Meer nicht erlaubt ist. Auf der Insel hat es nur spanisches Militär und hier schlafen geht nicht wegen der Sicherheit. Schade, wieder nichts gewesen.

Kurz vor Bni Chiker finden wir in einem Waldstück ein verstecktes Plätzchen. Nach einer ruhigen Nacht, verbringen wir den Tag mit Video’s machen und Text schreiben, und was meinst Du von wem bekommen wir um 15 Uhr Besuch? Falsch, nicht vom Militär, sondern von der Polizei. Drei Männer, in einem total vergitterten Fahrzeug, parkieren neben uns. Einer macht einen Rundgang um Willi, einer beobachtet das Ganze von der Seite und einer versucht mit uns zu sprechen. Zum Glück können wir immer noch kein Französisch und so wünschen sie uns einen guten Tag und gehen wieder. Da sie nicht gesagt haben, dass wir hier nicht schlafen dürfen, finden wir, sie wissen ja jetzt, dass wir hier sind und haben nichts gesagt, also bleiben wir über Nacht.

Auf der Weiterfahrt Richtung Nador fahren wir an den äussersten Zipfel ans Cap des Trois Fourches. Es ist eine kleine Strasse, herrliche Meersicht, kleine herzige Dörfer, bis wir zum Leuchtturm kommen, wo die Strasse auch endet. Wir sind begeistert und finden es wäre schön, wenn wir hierbleiben könnten. Wenigstens zum Essen und ein wenig spazieren. So fahren wir wieder ein Stück zurück und beginnen unser Gemüse zu schnippeln, als ein Auto mit 2 Militärmännern hält. Er will wissen was wir hier machen und ob wir hier schlafen wollen. Essen ist ok aber Schlafen nein. So fragt Moni warum, wo denn das Problem sei. Es geht nicht aus Sicherheitsgründen.  Ok, wir essen und machen einen herrlichen Spaziergang zur Bucht. Also, dann auf ein Neues, Schlafplatz suchen ist ja unsere liebste Beschäftigung. 

Kurze Zeit später sind wir geschockt, in Bni Chiker/Nador sichert ein riesiger Grenzzaun die Grenze zwischen Marokko und Spanien. Eine ganze Stadt oder Gegend wird einfach auseinandergenommen und mit 3 Reihen Nato-Sicherheits-Stacheldraht gesichert. Und wer schreit da, weil Israel oder Amerika eine Mauer bauen will?

Also weiter Richtung Nador. Wir staunen als wir in Nador sind, es wirkt ziemlich europäisch.

Und wir trauen unseren Augen nicht, da hat es tatsächlich tausende von Menschen, die über die Meerespromenade flanieren, Kinder auf Spielplätzen, die Eltern sitzen im Kaffee und schauen den Kindern zu, alle Spielplätze sind voll ausgelastet von den vielen spielenden Kindern. Und es hat tatsächlich auch genügend Parkplätze zur Verfügung. Eine richtig friedliche Atmosphäre liegt in der Luft

Wir fahren noch bis Ras Kebdana und dann alles im Landesinneren zurück nach Al Hoceima. Zum Glück haben wir ja unsere Schlafplatz-App, so müssen wir nicht wieder neu nach guten Schlafplätzen suchen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    s'Tanti (Montag, 26 Februar 2018 18:05)

    Wunderschöne Blumenaufnahmen - und in diesem "Vogelnestli" haben die Vögeli mit den Raupen gleich einen Vorrat angelegt, hi, hi, hi, schöne Symbiose !!
    Wow, dieser "Höhlenzeltplatz ist eine Wucht. Hat da der Willi nicht rein gepasst ? Ihr haltet doch sonst immer Ausschau auf einen speziellen Schlafplatz.
    Wir frieren uns hier fast den "Nasenzinggen" ab und Ihr habt so tolles Wetter. Darf man da auch mal ein bisschen neidisch sein ?
    Sehr schönes Unterwasservideo. Gratuliere Oliver. Gab es anschliessend zum Znacht Seeigel auf Seegras ?

  • #2

    Gotti (Mittwoch, 28 Februar 2018 20:40)

    Super! - ich bin wieder voll eingetaucht in eure letzten Berichte mit den tollen Aufnahmen, neuerdings sogar Unterwasser. Würde mich noch wunder nehmen wie du das gefilmt hast Oliver ? - hast du nasse Füsse gekriegt ?

    Eine Frage: Wäre ab und zu ein Landkarten-Ausschnitt über eure Ziele oder Standorte möglich ?