Eine Horror-Nacht

Nach dem unerfreulichen Parkplatzschaden suchen wir wieder einen einsamen Parkplatz, am liebsten am Strand, denn dort gefällt es uns allen am besten.

Wir finden tatsächlich einen. Super gut, von der Strasse nicht sichtbar. Auf der einen Seite ein herrlich duftender Pinienwald, mit blühenden Pflanzen. Beim Spazieren bekommen wir

gleich Hunger, da riecht es so fein, dem müssen wir jetzt auf den Grund gehen. So schnuppern wir alle Pflanzen und Büsche ab, was Laila ziemlich erstaunt, bis wir wissen was hier so gut riecht. Es ist der süsse Duft vom Jasmin-Busch und einem Busch der nach Curry riecht und diese Kombination lässt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Riesige blühende Rosmarinbüsche beglücken nicht nur unser Auge, sondern auch unser Riechorgan.

Auf der anderen Seite ein einsamer, breiter Sandstrand mit dem tosenden, wilden Atlantik.

Und das Beste, absolut alleine, es hat keine Menschenseele in der Umgebung. Wir schlafen herrlich und sehr lange. Am nächsten Tag regnet es und wir beschliessen gleich hier zu bleiben. Es ist friedlich. Wir sind ein bisschen am Schubladen räumen und putzen, denn Marokko hat so ziemlich viele Spuren hinterlassen, und nach 5 Monaten gibt es bereits Sachen, die wir wirklich nicht brauchen und nur als unnützes Gewicht mitschleppen.

Ab und zu, wenn die Sonne mal kurz durchdrückt, geniessen wir unsere schöne Umgebung.

So verbringen wir unsere letzte Nacht in Spanien in absoluter Ruhe. Bis wir um 3 Uhr Nachts erschrecken. Wir hören, Schläge, hmmm wie sollen wir Dir das erklären. Moni meint, es hört sich an, als ob jemand einen Baum fällen will. Hoffentlich nicht so ein Psycho der will, dass wir in unserem Willi erschlagen werden. Oliver findet das Ganze ziemlich suspekt. Wer sollte denn schon bei so einem Sturm und Regen draussen in der Nacht stehen und einen Baum fällen, nur um uns zu erschlagen. Da die Schläge nicht aufhören, schauen wir aus allen Fenstern und auch aus dem Dachfenster, aber wir sehen nirgends was. Hmm, keine Ahnung. Aber die Idee um rauszugehen und nachzuschauen finden wir auch nicht so gut.

Also ziehen wir uns die Decke über den Kopf und schlafen weiter. Morgens um 6 Uhr geht unser Alarm los. Unser Notfallszenario, dass wir ja schon oft geübt haben, beginnt. Aber wieder nichts. Wir sehen und hören nichts. So fahren wir mit Willi aus unserem Versteck raus und parkieren mitten auf dem Platz, damit wir Rundumsicht haben. Aber wieder nichts.

Also auf ein Neues. Bettdecke über den Kopf und endlich schlafen. Als wir um 9 Uhr aufstehen, fahren wir wieder ein bisschen an den Rand und gehen mit Laila Richtung Meer.

Uns trifft fast der Schlag, da liegt ein Geldautomat, total zertrümmert vor der Düne. Die müssen über den Strandweg gekommen und gegangen sein und weil wir so gut versteckt waren, haben sie uns nicht gesehen.

Ja toll, und was jetzt? Unsere Schuhabdrücke und Willis Reifenspuren sind am Tatort.

Wir müssen es der Polizei melden, also mal im Internet schauen, wo der nächste Posten ist.

Die werden uns ja hoffentlich nicht verdächtigen. In der Zwischenzeit sehen wir ein Polizeifahrzeug auf der Strasse vorbeifahren. Super, die haben wir natürlich voll verpasst.

Moni meint, die fahren ja irgendwann sicher wieder retour, und steht an die Strasse. Da kommt vom Strand her ein weisses Auto, an der Seite angeschrieben mit Ministerio de Agricultura, Alimentacion Y Medio Ambiente.

Sie hält ihn an und versucht ihm zu erklären um was es geht. Na ja, man könnte fast meinen der macht es wie wir sonst auch und stellt sich auf dumm. Da kennt er aber Moni nicht, die lässt nicht so schnell locker. Also bringt sie ihn dazu, mit ihr zum Strand zu fahren. Er wendet sein Fahrzeug und Moni läuft nebenher. Sie zeigt ihm, dass es da vorne links auf der Seite ist. Er meint, ok und fährt los. Aber nein, was macht denn der Typ. Er gibt Gas und fährt daran vorbei und runter an den Strand. Ja ist denn der Typ blind oder was? Sie rennt ihm hinterher, schreit und winkt. Er steigt unten am Strand aus, sieht sie winken und fährt wieder zurück. Neben ihr hält er an und Moni sagt: „Hier, sehen sie?“ Er meint: „Ach!“ und fährt los.

Ja spinnt denn der, er fährt noch über ein paar grosse Teile, die da überall umherliegen und steigt aus. Tja und jetzt? Zum Glück ist Oliver jetzt hier. Das glaubt ein Mensch alleine nicht. Der Typ meint, er sei ja nur für die Agro zuständig und: „Ach Polizei, macht nur Fotos und sonst nichts. Ich muss jetzt arbeiten gehen!“ 

 

Völlig konsterniert schauen wir zu, wie der Mann davonfährt. Zur Sicherheit macht Moni noch ein Foto, damit wir wenigstens beweisen können, dass wir es versucht haben.

Wieder im Willi sitzen wir nun da und fragen uns was wir jetzt machen. Sollen wir als Touristen zur Polizei gehen, während es Einheimische kein bisschen interessiert. Wir finden es auch komisch, dass an diesem Morgen jetzt schon 3 Auto ganz langsam vom Strand her rüber zur Strasse fahren und keiner sieht etwas. Auch der Mann, fährt über die Sachen, steigt aus, hinterlässt seine Fuss- und Fingerabdrücke und fährt dann los. Oder hat der jetzt so sein Alibi, ich war ja am Morgen da wegen zwei Touris? Wir entscheiden uns zu gehen, da wir uns sagen, warum sollen wir hier Zeit verlieren mit Büroarbeit und Erklärungen und Sprachschwierigkeiten, wenn’s ja die eigenen gar nicht interessiert. Eigentlich tragisch, wenn man auch schon anfängt so zu denken.

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Kommentare: 2
  • #1

    Eveline (Montag, 05 März 2018 22:32)

    Also euers Notfallszenario intressiert mi brennend, krieg grad en Kicherafall wenn ich mir vorstell wie das chönnti uusgseh � aber ihr chönnd üs das jo denn in Schottland demonstriere�

  • #2

    s'Tanti (Donnerstag, 15 März 2018 15:39)

    Oh je, da sieht man mal wieder, wir Schweizer, immer korrekt und ja nicht auffallen - und die andern scheren sich einen Scheiss um einen aufgebrochenen Tresor am Strand !
    Habt Ihr schon wieder nachgeschlafen ? Musste ja eine Nacht zum Vergessen sein...