Schnee in Marokko

 

Am Freitag, 2. Februar 2018 fahren wir Richtung Meknès/Fes. Es schneit immer mal wieder, und die Strasse über den Atlas ist öfter mal für kurze Zeit oder auch etwas länger gesperrt und für die Lastwagen sogar ganz. Wir gehen mal davon aus, dass hier die wenigsten Autos mit Winterpneu ausgerüstet sind. Wir mit unseren Allwetterpneus, die auch als Winterpneu zugelassen sind, fahren auf jeden Fall problemlos die schneebedeckte Strasse hinauf.

Im Schnecken-Tempo fahren wir hinter einem stinkenden, schwarz rauchenden, alten Büschen her bis sich endlich die Möglichkeit zum Überholen ergibt. Voller Freude den Stinker los zu sein, fahren wir um die nächste Kurve. Ach nein! Weiter vorne sehen wir einen riesigen Stau vor uns und wir hoffen, dass es kein Unfall ist.

Aber als wir so nach und nach näherkommen, stellen wir fest, dass es sich hier, nicht um einen klassischen Stau handelt, sondern um Autos die parkiert sind und das auf beiden Strassenseiten oder auch auf der Fahrbahn selber. Man kann sich das Chaos jetzt vorstellen. Die einen wollen den Berg hinauf und die anderen hinunter und die, die da parkieren interessiert es in keinster Weise, dass der Verkehr zum Erliegen kommt. Je näher wir der ganzen Sache kommen, desto mehr wird uns klar was dieses Tohuwabohu überhaupt soll.

Alle wollen hier schlitteln und sich im Schnee vergnügen. Uns läuft es eiskalt den Rücken hinunter, wenn wir die Bekleidung der Leute sehen. In alten, ausgelatschten „Schlarppen“ mit oder auch ohne Socken und zum Teil in dünnen Hosen und Jacken.

Es gibt Schlitten und Gummistiefel zum Mieten, man kann Pferdereiten, und an manchen Stellen hat es kleine Stände, die heissen Tee verkaufen oder auch Brote mit grilliertem Fleisch oder Gemüse. Die Schlitten sind mit alten Ski und Holzbrettern zusammengebaut und dementsprechend schnell und offensichtlich sehr schwer zu lenken, so unkontrolliert wie die Leute da runter brettern.

Manche Leute machen sich ein Feuer und sitzen um das wärmende Feuer zusammen. Zum Glück fahren wir nun hinter einem Linienbus her, so kann er für uns den Weg freipflügen. Wir staunen, mit welcher Ruhe und Gelassenheit die Leute hier im Stau stehen, und denken uns noch, wir müssen uns unbedingt ein Stück dieser Gelassenheit abschneiden. Handkehrum denken wir aber auch, das kann doch nicht sein, die parken hier einfach alles zu und gehen schlitteln, egal ob die anderen durchkommen oder nicht.

Als wir nach längerer Zeit endlich wieder fahren können, dauert es nicht lange und schon wieder die gleiche Szene. Das geht so weiter, bis wir wieder im Tal unten bei Ifrane ankommen. Dieser Ort ist so überraschend für uns wie der Schnee in der Wüste. Wir trauen unseren Augen nicht und fühlen uns wie in einer französischen Stadt nahe der Deutschen Grenze. Alle Häuser haben rote Giebeldächer, schöne Vorgärten und alles ist sehr gepflegt.

Selbst die neuen Häuser werden in diesem europäischen Stiel gebaut. Zudem hat es gerade noch ein grosse Fest im Dorf bei dem sich Leute als Walt Disney Figuren verkleidet haben.

Ein klassischer Ferienort in den Bergen.

Da es inzwischen schon spät am Nachmittag ist und wir mehr oder weniger dringend Diesel, Wasser und schon bald einen Schlafplatz brauchen, beschliessen wir weiter zu fahren und den Disney Figuren und dem Fest nicht weiter auf den Grund zu gehen. Leider ist die Gegend zwischen Meknès und Fes sehr verbaut und es ist uns nicht möglich einen geeigneten Schlafplatz zu finden, sodass wir irgendwann mitten in Fes stehen und uns etwas verloren auf die Suche nach einem Campingplatz oder Stellplatz machen. Da überholt uns auch noch so ein Idiot auf seinem Motorrad auf der rechten Seite und wagt es auch noch uns

an zu hupen. Oliver muss sich beherrschen, dass er nicht auch zurück hupt, aber da Moni immer meint, dass unsere Hupe (Achtung nicht böse gemeint) etwas schwul klingt, unterlässt er es. Beim nächsten Rondell schon wieder dieser Ar...! Diesmal wendet der auch noch und kommt uns am Rotlicht (in Marokko gibt es sehr viele Rotlichter am Kreisel, weiss der Geier für was die denn noch einen Kreisel bauen, aber irgendwie beschleicht einem das Gefühl, dass sie noch nicht begriffen haben, für was ein Kreisel ist) frontal entgegen auf die Fahrerseite. Oliver macht das Fenster runter und ist schon in Stimmung mit diesem I... streit anzufangen. Doch dieser fragt ganz nett, ob wir einen Camping-Platz suchen. Oliver eher perplex kann dies nur bestätigen. Da meint dieser, wir können ihm folgen, er würde uns hinführen. Da es nun schon spät ist und das Fahren bei Dunkelheit im Marokko nicht lustig ist, wie schon mehrfach in unseren Berichten geschrieben, fahren wir brav dem netten Mann hinterher.

Im Camping angekommen bringt er uns zur Rezeption und fragt uns was wir so vorhaben, wo wir waren und ganz nebenbei, ob wir vielleicht für Morgen einen Führer für Fes möchten. 

Da uns der Preis eigentlich sehr moderat dünkt, 200 DHR ca. 21 CHF, für ca. 5 Stunden, sagen wir zu, nur bei der Zeit muss er noch etwas nachbessern, denn Oliver will nicht schon um 9 Uhr los. So einigen wir uns auf 10 Uhr.

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Kommentare: 3
  • #1

    s'Tanti (Freitag, 09 Februar 2018 18:55)

    Wow, schlitteln in Marokko, das sind aber lustige Bilder !! Ja, es ist halt Winter - und, andere Länder andere Bräuche......
    Jöööö, so herzig, das Dörfli.

  • #2

    Paola (Sonntag, 11 Februar 2018 14:55)

    Eine echte olympisches Slalom und Gedulsspiel mit Willi!
    Das eroupäische Dorf hat vielleicht eine amerikanische Fasnacht gefeiert. ;-)

  • #3

    Marielle (Dienstag, 13 Februar 2018 19:05)

    So guet, sinds eifach am schlittle in Marokko =D