Wieder ein Tag zum streichen

Am Sonntag, 05. August, findet unser Willi, er wäre doch wieder einmal an der Zeit um uns mit einem seiner Warnlampen zu ärgern. Es ist wieder das Motorblockzeichen. Das heisst, wir müssen so bald wie möglich in eine Garage, weil sonst wieder der Kriechmodus eingeschaltet wird. Nun gut, da wir eh gerade in Liverpool eingefahren sind, verbringen wir den Rest des Nachmittages mit einer Stadtbesichtigung und der Planung und dem Suchen nach geeigneten Sachen für unseren Toilettenumbau. In einem Outdoor-Laden finden wir einen Wasserdieb, der eignet sich bestens als Urinschlauch, und in einem Einkaufsladen finden wir einen Putzeimer, der von der Grösse her auch passt. So nimmt Oliver gleich seine kleine Säge aus der Garage und köpft den Eimer, denn schliesslich kommt es auf jedes Gramm an. Jetzt fehlt nur noch ein geeigneter Wasserbeutel. Und dann können wir mit dem Umbau beginnen.

Also Liverpool präsentiert sich uns als sehr ruhige und angenehme Stadt. Oder, es ist so ruhig, weil es Sonntag-Abend ist und Ferienzeit. Keine Ahnung. Auf jeden Fall finden wir überall einen Parkplatz. Die Kathedrale ist ja gewaltig. Beim grossen Eingangstor hat es eine überdimensionale Skulptur. Hmmm. Wir wissen leider nicht, was, oder wenn sie darstellen soll. Im Internet haben wir nachgelesen, dass es sich um eine grosse Christfigur handeln soll. Wir finden sie definitiv äusserst unattraktiv, um nicht zu sagen hässlich.

Das Anfield Stadion in Liverpool ist der Hammer. Im Jahre 1884 wurde es eröffnet und seit da, schon oft renoviert und erweitert. Es ist ein reines Sitzplatzstadion und bietet Platz für über 54'000 Zuschauer. Was uns erstaunt 

Die Umgebung des Hafenareals ist sehr speziell, hier wird alt mit neu gekonnt durchmischt, und es macht echt Spass durch die Gassen zu schlendern und die Atmosphäre hier einfach nur zu geniessen.

Unser Schlafplatz ist in einer kleinen Seitenstrasse, und gleich nebenan, hat es eine grosse Parkanlage. Wir staunen nicht schlecht, da tummeln sich etwa 30 Hasen in jeder Grösse darauf und dies mitten in Liverpool. 

Am nächsten Morgen, nach dem Kaffee machen, geht der Alarm des Kühlschranks los. Auch das noch. Anscheinend ist die Gasflasche leer. Oliver geht raus und schaltet um auf die zweite. Das fängt ja gut an. Schon sehr früh, stehen wir bei der Mercedes Garage auf der Matte. Also das muss man Mercedes schon lassen, die sind immer sehr freundlich und hilfsbereit. Er meint sogar, wir hätten auch am Sonntag auf das 24 Stunden Telefon anrufen können. Nach dem kontrollieren und abfragen des Bordcomputers meint der Mechaniker, es sei wieder der Dieselpartikelfilter der voll ist und ausgebrannt werden muss. Das Problem hatten wir ja schon im Sommer 2016. Also, als Willi gerade mal ein Jahr mit uns unterwegs war. Schon damals hat der Mechaniker gemeint, das sei nicht möglich, aber nun ja, wir lassen Willi hier und gehen mit Laila spazieren. Leider kommen wir nicht sehr weit. Wir laufen auf der linken Strassenseite hintereinander auf einem schmalen Trottoir, als ein rechts am Strassenrand parkierter Tanklastwagen unvermittelt losfährt und die Strasse überqueren will, um in das Einfahrtstor neben uns zu gelangen. Doch leider übersieht er den Kleinlaster der gerade an ihm vorbeifahren will. Diesem bleibt nichts Anderes übrig, als in unsere Richtung auszuweichen. Oliver kann sich nur noch durch einen Sprung zur Seite retten, wird aber doch noch gestreift. Der Chauffeur des grossen Lastwagen steigt lachend aus um das Einfahrtstor zu öffnen. Da wird Oliver sauer und sagt ihm die Meinung, worauf dieser nichts mehr sagt, einsteigt und losfährt. Nicht einmal eine Entschuldigung, rein gar nichts. Was sind das nur für Menschen. Es kann immer mal was passieren, aber dann lacht man doch nicht noch, sondern entschuldigt sich. Denn dies war eine sehr heikle Situation. Uns ist es vergangen hier zu spazieren und so gehen wir wieder zurück zur Garage.

 

 

Manchmal denken wir wirklich, wir sind noch so der Rest einer aussterbenden Spezies. Wir halten uns an Verbotstafeln, während andere dann Seelenruhig über Nacht parkieren, kein Wunder gibt es schon bald überall Höhenbegrenzungen. Oder wir gehen nicht mit Laila am Meer spazieren, weil es überall Verbotstafeln hat, aber ausser uns scheint das niemanden zu interessieren.

 

Wir müssen noch ein wenig warten, bis Willi wiedergebracht wird. Der Mechaniker meint, jetzt müsste wieder alles in Ordnung sein, es koste nichts, das gehe auf Garantie. Da sind wir aber froh. Wir haben dieses Jahr schon ziemlich hohe Kosten im Budget von Willis Unterhalt.

 

So machen wir uns also auf den Weg. Doch schon nur nach 1 Stunde fahren, leuchtet dieses vermaledeite Zeichen schon wieder. Also wieder schauen wo die nächste Garage ist und auf ein Neues. Oi, oi, oi! Dieses Mal ist die Dame am Empfang aber gar nicht nett. Sie meint, wir können nicht einfach kommen und meinen wir bekommen einen Termin. Aber sie gäbe uns gerne einen Termin für kommenden Donnerstag, oder wir können das Fahrzeug hierlassen und sie rufe dann an, wenn es fertig sei. Nachdem Oliver ihr klargemacht hat, dass wir unmöglich ohne Willi hier wegkönnen, da wir sonst obdachlos sind und wir auch nicht bis Donnerstag hier warten können, meint sie widerwillig, dann gehe sie halt den Garagenchef fragen. Dieser versteht unsere Situation und meint, das sei kein Problem, er schaue sich das mal an. Wieder wird der Bordcomputer abgefragt, doch dieses Mal zeigt es den Dieselpartikelfilter als leer an, aber die nachfolgende Sonde als defekt. Ach herrje. Wieder müssen wir Willi abgeben und warten. Irgendwann kommt die unfreundliche Dame wieder, hält Oliver ein Papier unter die Nase und sagt: „Es kostet 490 Pfund. Die Sonde ist defekt. Ist das Ok?“ Ja, was haben wir denn sonst für eine Wahl. Ohne dieses Ding kriecht Willi ja nur noch. Also warten wir wieder. 

Einige Stunden später kommt sie wieder, damit wir die Rechnung begleichen können. Da wir mit Kreditkarte bezahlen, und Oliver sieht, dass das Gerät auf Euro eingestellt ist, will er, dass in Pfund abgerechnet wird. Das gehe nicht, sie könne nicht einfach umschalten. Bis es dann irgendwann doch geht. So hätten wir noch dank dem schlechten Wechselkurs ca. 60 Franken mehr bezahlt. 

 

Ziemlich geschockt, fahren wir nun also weiter. Die Sonne scheint mal wieder und so parkieren wir in River Clwyd an einer Strandpromenade und wollen uns wenigstens noch ein bisschen die Füsse vertreten und die Sonne geniessen. 

Als wir so auf einer Bank sitzen, sehen wir von weitem, wie ein Hund durch den Meeresarm schwimmt, und am anderen Ufer auf Mövenjagd geht. Der Hundebesitzer macht sich nicht einmal die Mühe den Hund zurückzupfeifen. Auch andere Hundebesitzer und Strandgänger sehen der Jagd einfach zu. Keine Ahnung wie der Hund es schafft, aber er erwischt eine Möve und spielt im Meer mit dem armen Vogel. 

Immer wieder schafft es die Möve ein wenig aus dem Wasser zu fliegen, und schon drückt er sie mit der Pfote wieder unter Wasser. Wir regen uns auf, dass hier niemand eingreift und wir zu weit weg sind um was zu machen. Erst, als die Möve nicht mehr reagiert, hören wir einen kurzen Pfiff und der Hund schwimmt sofort ans andere Ufer zurück zu seinem Herrchen. Der wäre also abrufbar gewesen. 

Was sind das nur für Menschen. Geschockt und wütend zugleich laufen wir zu Willi zurück. So fahren wir weiter und überlegen uns, ob wir diesem Tag nicht frühzeitig ein Ende setzen und einen Schlafplatz suchen.

 

Wir beschliessen noch einen kleinen Abstecher zur Insel Anglesey zu machen. So fahren wir in Bangor über die Menai Bridge. Eine tolle, aber sehr schmale Brücke. Aber Oliver weiss ja, wie breit Willi ist, und so hält Moni tapfer die Kamera raus und filmt. 

In Beaumaris-Llanfaes können wir es kaum glauben, da hat es direkt am Strand eine ganze Wiese, wo überall parkiert werden darf. Und das Dorf selber sieht so schön aus, da freuen wir uns jetzt schon auf die Dorfbegehung. Als wir vor der Barriere zum Parkplatz stehen, kommt ein netter Herr und meint, es sei schon ok, er habe eine Parkkarte, wir können einfach durch. So cool, dieser Schlafplatz entschädigt uns für diesen verkorksten Tag. So essen wir was kleines und geniessen die Aussicht. 

Ach wie schön kann doch das Leben sein. Aber Moni muss ja wieder alles zerpflücken. Sie meint, wir wissen ja nicht ob wir hier übernachten dürfen. Und tatsächlich, auf unserer Nachtrunde mit Laila sehen wir bei der Einfahrt, das Übernachtungsverbot. Wäre ja auch zu schön gewesen. Das Dorf ist sehr gepflegt und hat auch noch eine Burgruine. 

Zurück auf der grossen Wiese müssen wir schmunzeln. Dieser ganze riesige Platz ist nicht eingezäunt, sondern hat nur rundherum einen kleinen Erdwall als Absperrung. Da hat doch tatsächlich einer mit einem Mercedes SUV gedacht, er komme mit seinem super Offroader da drüber. Und jetzt hängt er fest, die Hinterräder in der Luft. Wir verdrücken uns ein Lachen, aber innerlich zerreisst es uns fast. 

So fahren wir auf den, nur wenige Meter entfernten Parkplatz, lesen die Parkordnung und freuen uns, das wir hier übernachten können. Am Morgen sehen wir dann, dass trotz des Verbotes 6 Wohnmobile unten auf der Wiese stehen.

 

Es war uns gar nicht so bewusst, dass die Küste von England auch so touristisch ist wie Rimini. Immer wieder sehen wir kleine Orte, mit Hafen, Badestrand, vielen Restaurants und kleinen Läden die Strandutensilien verkaufen. In Pistyll-Llithfaen finden wir einen schönen Platz und geniessen das warme Wetter und die tolle Aussicht. Hier können wir auch wieder einmal ausgiebig spazieren.

Als wir wieder einmal an einem Hafen parkieren, kommt auf einmal ein bunter Bus mit Musik daher. 

Wir fühlen uns gleich in unsere Kindheit zurückversetzt. Ein Glace Bus. Da können wir nicht wiederstehen. So ein feines Softeis haben wir schon lange nicht mehr gegessen. Spannend was es alles auf vier Rädern gibt, eine Bank, der Lebensmittelwagen, der Haarschneidebus, der Glacewagen. Falls wir noch mehr Rollendes entdecken, melden wir es wieder. 

Am Freitag, 10. August finden wir in Saint Dogmaels-Poppit am Strand einen Parkplatz wo wir dann auch gleich übernachten können. So durchqueren wir die Dünen, und setzen uns dann beim Baywatch-Turm auf die Treppe und bewundern das gewaltige Naturschauspiel. So ein Sonnenuntergang am Meer ist einfach beruhigend und faszinierend zugleich. Auf dem Retourweg sehen wir beim Eingang zum Strand, dass es 6 Parkplätze für Behinderte hat, und einen Strand-Rollstuhl. Das ist doch echt super. So gehen wir zu Willi zurück und kochen uns noch was Feines. Es gibt einen Spinat-Omeletten Turm. 

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