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Matera

Am Montag, 3. Dezember 2018 besichtigen wir Matera. Liebe Paola, herzlichen Dank für den super Tipp und Deine Jahrzehnte lange Freundschaft. (Sind wir doch schon soo alt?) 

(Natürlich nur Moni, Oliver ist jung und knackig J)

 

Wie immer fahren wir zuerst quer durch das ganze Dorf um uns eine Übersicht zu verschaffen, und um dann einen geeigneten Parkplatz zu finden. Aber es herrscht Verkehrschaos pur, wie fast in allen Städten. So beschliessen wir, zuerst ein wenig ausserhalb einen Einkaufsladen zu suchen und dann etwas zu essen. Bis dahin müsste Mittagsruhe sein, dann versuchen wir es erneut, und vielleicht haben wir Glück und der Regen macht eine Pause für uns. Einen Laden zu finden ist gar nicht so einfach. Sodass wir den erst besten nehmen. Was sich aber als teurer Entscheid entpuppt. Aber wenn wir noch lange in der Gegend herumkurven kostet das auch, und erst noch Nerven. 

 

Frisch gestärkt machen wir uns auf den Weg nach Matera-Sassi. Wir sind gespannt auf die Felsenwohnungen. Zu unserer Überraschung finden gleich in der Nähe der Sassi einen super Parkplatz. In Anbetracht der vielen Treppen und da wir ja sicher eine der Grottenwohnungen besichtigen möchten, beschliessen wir, Laila im Willi zurückzulassen und machen uns alleine auf den Weg.

 

Ein kurzer gang durch die Neustadt und wir stehen am Rande einer grossen Schlucht. Von da aus haben wir einen schönen Überblick über die Sassi.

Wie wir erfahren ist die Gegend seit dem Neolithikum bewohnt. In der Karstschlucht Gravina von Matera hat es überall Höhlen, welche im Laufe der Jahrtausende zu richtigen Wohnungen ausgebaut wurden. 

Bis weit überden zweiten Weltkrieg wurden die Sassi als Schande der Nation betrachtet.

Die hygienischen Verhältnisse müssen ziemlich übel gewesen sein, aber das war ja auch an anderen Orten so, bzw. ist in vielen Ländern immer noch so.

Heute wird überall eifrig renoviert, denn die Sassi ist ein Weltkultur Erbe und von der Unesco anerkannt und 2019 ist sie Weltkulturhauptstadt.

Es macht richtig Freude zu sehen wie die alten Gemäuer und Gassen langsam wieder zum Leben erweckt werden. Man spürt richtig wie die Leute wieder stolz sind auf ihre Geschichte und ihre Stadt. 

Wir finden eine Grottenwohnung, die wir für je 3 Euro besichtigen können. Die Küche ist ein richtiges Bijou. 

Auch sonst fühlt es sich angenehm warm an. Klar man darf nicht vergessen, wenn man nur Kerzen hat, ist es auch nicht mehr so hell, und das kann dann schon auf das Gemüt schlagen. Zudem gibt es nur ein Fenster, das abgesehen von der Türe, für die ganze Frischluftzufuhr sorgt. Die Menschen lebten in erbärmlichen, unhygienischen Verhältnissen, da es kein fliessendes Wasser und kein Abwassersystem gibt. 

Moni begeistert es, dass der Stall für das Maultier gleich neben dem Bett ist, aber Oliver findet die Vorstellung eklig, wenn das verschwitzte Tier nach dem Arbeiten am Bett vorbei streicht. Oder am Morgen, wenn dann der Stall gemacht werden muss. Aber das Maultier war das wichtigste und wertvollste für die Sassi-Bewohner. 

Im Jahre 1950 wurden viele Bewohner umgesiedelt. Worauf Sassi zum Unterschlupf für Kleinkriminelle und zum Drogenumschlagplatz wurde. 

In einem weiteren Felsschlupf sind Wagen und ein Model, wie sie Anno Domini ihre Sachen kühl lagern konnten, dargestellt. Die Idee ist ja mega genial. Durch ein Loch oben in der Decke, wurde Schnee hinuntergeworfen. Auf einer Höhe von über 400 m gibt es im Winter auch hier manchmal Schnee und Eis. In der Höhle wurde der Schnee dann auf dem Boden gut verteilt, dann eine Lage Stroh, dann wieder Schnee und so weiter. So hatten sie einen kühlen Raum um Lebensmittel zu lagern, und da das Schmelzwasser auch gleich aufgefangen wurde, hatten sie auch noch zusätzlich sauberes Wasser auf Vorrat. 

Dann besichtigen wir noch die kleine Felskapelle. Auch hier gut sichtbar an den Wänden, dass es nur Kerzenlicht gab. Unter der Kapelle war ein Stall, sodass die Kapelle von der aufsteigenden Tierwärme gewärmt wurde. 

Erst in den 90-er Jahren wurde der Wert und die Schönheit wiedererkannt. Worauf viele Grottenwohnungen und Kirchen aufwändig restauriert wurden. Der grösste Teil der Sassi ist inzwischen von der Stadt aufgekauft worden. Als die Stadt ca. 1991 auch noch die grosse Piazza restaurieren wollte, fand man eine extrem grosse Zisterne, die die Stadt mit Wasser versorgte. 

Diese Stadt ist wirklich sehr sehenswert und wunderschön. Zum Glück wird hier trotz Renovationen der Charme dieser Felsenstadt gewahrt und so für die Nachwelt erhalten.

 

Da wir nicht wissen, was es in Griechenland für Möglichkeiten gibt um unsere Kleider zu waschen, suchen wir noch eine Lavanderia. Der Preis für 3 Maschinen waschen und Tumblern beträgt 19.50 €. Und wieder staunen wir, wie viele Leute hier ihre Wäsche waschen und trocknen. Wir hätten uns mit dem Wäschegeld schon eine (kleine) Waschmaschine kaufen können. 

Wir fahren mit vielen schönen Eindrücken weiter Richtung Brindisi. Bevor wir Italien verlassen, wollen wir aber nochmals alles auffüllen und auf Vordermann bringen. Der Preis für das AdBlue haut uns fast aus den Socken. 38 Euro für 20 Liter, das ist neuer Rekord.

 

Wir sind ja jetzt schon des Öfteren mit Fähren gereist, aber diese Grimaldi Fähre übertrifft alles. Wir fragen uns, wo alle diese vielen Lastwagen hingehen. Sie verschwinden einfach alle im Bauch der Fähre. Denn diese wirkt gar nicht so gross. 

Uns lassen sie bis fast zuletzt warten. Warum auch immer. Oliver hat nichts dagegen, denn die meisten Lastwagen müssen Rückwärts in den Schiffsbauch gefahren werden und das mit Anhänger. Hut ab. Wir lassen Laila im Willi, da sie es dort definitiv schöner und angenehmer hat als in einer dieser Transportboxen oben auf dem Offendeck, da stinkt es abartig nach Diesel und Abgase von der Fähre und dass möchten wir ihr nicht antun. Denn sonst sind die Hunde auf dem ganzen Schiff verboten.

Wir durften in Italien 60 Tage verbringen, und obwohl der hiesige Strassenverkehr zum Teil sehr anstrengend war, hat uns hier keiner gerammt. Hurra.

 

Wir sind 5424 Kilometer gefahren, bei einem Dieselverbrauch von 650.2 Liter.

Und wir haben 16.81L AdBlue verbraucht. Es war eine sehr schöne Zeit hier in Italien. Und für uns immer wieder faszinierend zu sehen, wie unterschiedlich die verschiedenen Regionen doch sind. 

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Kommentare: 2
  • #1

    s'Tanti (Montag, 10 Dezember 2018 19:15)

    Was für eine interessante Geschichte, und erst noch sehr schön dokumentiert ! Da möchte ich mir aber eher nicht vorstellen, wie man dort gelebt hat.
    Matera war sicher auch abends gemütlich mit der Weihnachtsbeleuchtung.

  • #2

    Vreni (Sonntag, 16 Dezember 2018 22:32)

    Toll zu lesen, was Ihr alles erlebt und zu sehen bekommt.