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Athen

Langsam bleibt uns nichts Anderes übrig als uns auf den Weg nach Athen zu machen. Oliver graut es vor der grossen Stadt. Der Lärm, Gestank, die vielen Leute und nicht zuletzt wird es sicher viel schwieriger einen schönen Schlafplatz zu finden. Und das nach all der Ruhe die wir in der letzten Zeit auf dem Peloponnes erfahren durften. Aber was soll’s. Wir müssen unsere Kleider waschen. Da es nicht wie in Italien, in jedem grösseren Kaff einen Waschsalon gibt, oder wir diese schlicht nicht finden, fahren wir nun nach Athen. Da gibt es einige Easy Waschsalons. Zu unserer grossen Überraschung ist auch hier der Fahrstil der Griechen sehr zivilisiert und überhaupt nicht aggressiv. So fahren wir relativ entspannt durch Athen und freuen uns jedes Mal wie die Kinder, wenn wir aus der Ferne einen Blick auf die Akropolis erhaschen. 

Leider ist die Parkplatz-Situation katastrophal und in der unmittelbaren Umgebung des Waschsalons ist einfach nichts zu finden. So machen wir den «Griechen» und stellen unseren Willi in die zweite Reihe, auch wenn das nur unter grossem Protest des Willi-Chauffeurs geschieht. Pannenblinker rein, Motor aus und alles schnell ausladen. 

Moni bleibt im Waschsalon und Oliver macht sich auf die fast hoffnungslose Suche nach einem Parkplatz. Nach einer nicht nur gefühlten Ewigkeit, erscheint Oliver zu Fuss bei Moni im Salon. Da die Suche nach einem Parkplatz etwas länger dauerte und auch einen etwas längeren Fussmarsch in Anspruch nimmt, kann er gleich zwei Säcke mit gewaschener Wäsche unter den Arm klemmen und sich zurück zu Willi und Laila begeben. Zum Glück haben wir von unseren Freunden einen Tipp für einen Parkplatz in der Nähe der Akropolis bekommen, den wir nun ansteuern können. Leider ist der Parkplatz so extrem schräg, dass ein halbwegs gerades stehen unmöglich ist. Ach du Schande, was machen wir nun? 

So stellen wir uns an die geradeste Stelle hin und versuchen so gut es geht, mit der Luftfederung auszugleichen. Für eine Nacht wird es schon gehen. Sicher ist nur, dass uns das Blut nicht in den Kopf laufen kann, so schräg wie wir stehen. Als es schon dunkel wird, machen wir uns auf den 1,2 Km langen Weg zur Akropolis. Was für ein Anblick! Majestätisch thront der Parthenon hell beleuchtet hoch über der Stadt. Moni meint, bei Tag sieht der sicher nur halb so gut aus wie jetzt, so schön beleuchtet. 

Nach einer halbwegs erträglichen Nacht (laut und schräg) machen wir uns wieder auf den Weg Richtung Akropolis. Laila lassen wir nach einem ausgiebigen Spaziergang im Willi zurück, da sie ja nicht mit in die Museen darf. Ja, Moni hatte recht. Bei Tage sieht das Ganze nur noch halb so attraktiv aus, da man nun die Stahlseil-Konstruktion sieht, die den Parthenon zusammenhalten. Da das Wetter besser ist als im Internet vorausgesagt, spazieren wir am Akropolis Museum vorbei, das können wir auch noch besichtigen, falls es doch noch zu regnen beginnt. 

Wie immer spulen wir so Kilometer um Kilometer ab, bis uns die schmerzenden Füsse in ein Restaurant zum Mittagessen führen. Ja hier ist es warm und das Essen schmeckt uns ausgezeichnet. Da es inzwischen jetzt doch noch regnet, bleiben wir sitzen und geniessen noch einen Kaffee, bis der Regen wieder nachlässt. Wir klappern noch den Syntagma-Platz vor dem Regierungsgebäude ab, der uns aber weder begeistert, noch sonst irgendwie beeindruckt.

Nur die zwei Soldaten, die stündlich ihre Wachablösung vor den Touristen zum Besten geben, mit Ihren «für uns» so lächerlichen Bewegungen und Pantoffeln, ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Nein, vor lauter staunen vergessen wir sogar Fotos davon zu machen.

Wir fragen uns schon ein wenig was das soll, aber gut, andere Länder, andere Sitten oder andere Kultur. So machen wir uns langsam aber sicher wieder auf zu Laila, die uns freudig begrüsst. Der Sonntag empfängt uns mit strahlend blauem Himmel. Heute greifen wir die Sehenswürdigkeiten von der anderen Seite der Akropolis an. Wir schauen uns die Agora an und geniessen die schöne Parkanlage und das kleine Museum, das auch im Eintritt inbegriffen ist. 

Ja, jetzt im Winter sind die Eintritte fast überall 50 % günstiger, was neben dem viel geringeren Touristen aufkommen, ein ganz angenehmer Nebeneffekt ist. Doch so eine Besichtigung und die vielen Kilometer die man so macht, kosten einem auch viele Kalorien, die selbstverständlich wieder gefüllt werden müssen. Zumindest findet das unser Bauch und so gehen wir in ein kleines Kaffee mit Creperie und lassen uns so richtig verwöhnen. Also in solchen Kaffees, die ein wenig das Gefühl eines Wohnzimmers ausstrahlen, sitzen die Athener und geniessen das zusammen sein in Gruppen, bei Kaffee und einer der vielen verschiedenen Creps die man hier im Angebot hat. 

Wow, das war wohl eine der besten Creps die wir je gegessen haben. Die muss sich in keiner Weise vor den französischen Creperien verstecken, im Gegenteil. So sympathisch und so schön angerichtet und der Geschmack einfach himmlisch. 

Das haben wir in Frankreich nie bekommen. Sowieso muss man an dieser Stelle mal ganz klar sagen, Griechen sind zwar zurückhaltend, aber sehr freundlich und hilfsbereit. Wir haben bis jetzt noch in keinem Europäischen Land so freundliche Leute getroffen wie hier. Auch alles was man bei uns zuhause hört, wie schlecht es den Griechen geht. Das mag durchaus so sein, aber Fakt ist, es ist sehr sauber. Die Leute legen grossen Wert darauf das ihr Umfeld gepflegt ist. Die Autos sind zwar in Schnitt um einiges älter als bei uns, aber die Leute pflegen sie so, dass sie auch im hohen Alter immer noch sehr gut aussehen. Auch sieht man nie irgendwelche Leute rumgammeln oder Jugendliche die sich in irgendeiner Weise daneben aufführen. Nein, wir sind sehr positiv überrascht, denn, wenn man Griechenland mit Italien vergleicht, kann man sich nicht vorstellen, dass es den Griechen viel schlechter gehen soll.  Aber gut, das ist ja nur der subjektive Eindruck von uns.

Nach dieser angenehmen Auszeit in der Creperie machen wir uns weiter auf den Weg Richtung Akropolis Museum, das wir nun doch bei schönstem Wetter besuchen müssen.  

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Kommentare: 4
  • #1

    Vreni (Sonntag, 13 Januar 2019 18:03)

    Toll was ihr alles erlebt im Land der Götter !

  • #2

    Strolch (Sonntag, 20 Januar 2019 08:39)

    Jaja, das Parken bei Easy Wash ist so eine Sache. Da hatten wir wohl Glück nach drei Runden nur 500m weg einen Platz in der ersten Reihe gefunden zu haben. Also soooo schräg ist der Platz nicht. � Wir haben da zwei ruhige Nächte verbracht. �� Aber die Creps haben wir leider verpasst. � Macht's gut.

  • #3

    s'Tanti (Sonntag, 20 Januar 2019 13:39)

    Soooo schöne Aufnahmen, interessanter Bericht zu Land und Menschen, stelle ich mir gerade als sehr angenehmes Reieland vor. Toller Rundgang durch das imposante Museum. Mal sehen was wir noch planen.

  • #4

    Marianne (Sonntag, 20 Januar 2019 22:56)

    Griechenland muss in der Tat eine Reise wert sein ~ nur schon der Crêpes wegen......
    Museen sind zwar nicht so meine Sache, aber das sind ganz tolle Bilder.