Der beschwerliche Weg nach Pamukkale

Nach einem interessanten, aber auch anstrengenden Tag in Ephesus, begeben wir uns auf den Weg Richtung Pamukkale und fahren gemütlich durch das Landesinnere. Da es nirgends einen Feldweg gibt, oder auch sonst keine Aussichtspunkte mit Parkplatz, beschliessen wir in einer Ausbuchtung, gleich an der nicht viel befahrenen Strasse zu übernachten. 

Wir kochen uns noch was kleines, als ein Auto neben uns hält. Ein älterer Mann sitzt in seinem Auto und fragt auf Türkisch, wir nehmen jetzt mal an, ob alles in Ordnung ist. Wir sagen, alles ok, kein Problem. Tja, ob wir ihn, oder er uns überhaupt richtig verstanden hat, wissen wir nicht. Auf jeden Fall fährt er weiter. Oliver liegt im Bett und ist gemütlich am Telefonieren, während Moni noch im Wohnzimmer sitzt. Da hören wir, wie ein Auto neben uns hält und schon klopft es. Aber dieses Mal sind es drei ältere Männer. Sie deuten Moni, sie solle aussteigen, was diese natürlich nicht macht. Wäre ja auch ein bisschen doof, im Dunkeln rauszugehen. So kommt Oliver und fragt, was denn los sei. Aber auch bei ihm wollen sie, dass er aussteigt. Einer der Männer fährt mit seinem Pick-Up zurück ins Dorf und kommt wenig später, mit einer vollbeladenen Ladefläche mit Männern aus dem Dorf zurück. Auch sonst kommen jetzt immer mehr Autos mit Männern vom Dorf. 

Moni macht vorsichtshalber mal den Abwasch und macht Abfahrtskontrolle, damit wir dann einfach losfahren können. Einer der Männer telefoniert mit einem der anscheinend etwas englisch kann. So fragt Oliver ihn, was die Männer denn überhaupt von ihm wollen und wo das Problem liegt. Doch als der alte Mann übersetzt bekommt was Oliver gesagt hat, hängt dieser das Telefon auf und läuft davon. Jetzt wird es Oliver aber langsam zu bunt. Dann fährt ein junger Mann mit seinem Roller zur Gruppe und meint, er könne ein wenig englisch. Moni hört, wie Oliver immer wieder das gleiche fragt und sich langsam aber sicher ärgert. Auf einmal kommt er wieder rein. Er meint, die spinnen doch, sie sagen zwar, es sei alles kein Problem. Aber warum sie sämtliche Männer aus dem Dorf geholt haben, kann uns auch keiner erklären. Komm wir fahren los. Wir setzen uns nach vorne und lassen den Motor an. Da stellen sich ein paar vor den Willi und hindern uns an der Abfahrt. Der Junge meint, alles kein Problem, aber wir dürfen nicht losfahren. Die Polizei komme gleich. Da sind wir aber froh. Vielleicht können die uns sagen, was wir falsch gemacht haben. Es geht nicht lange und schon stehen sie mit Blaulicht vor uns. Als erstes, wie könnte es auch anders sein, wollen sie unsere Papiere sehen. Sie erklären den aufgebrachten Männern, dass alles in Ordnung ist, und wir Touristen sind, und dass wir im Wohnmobil schlafen und nicht im Hotel. Zumindest verstehen wir das so. Aber der Mob lässt sich nicht beruhigen. Dem jungen Rollerfahrer ist die ganze Sache echt peinlich. Er entschuldigt sich immer wieder. Da die 3 Polizisten die Meute nicht beruhigen können, lassen sie uns über den Rollerfahrer wissen, dass wir ihnen folgen sollen. Für uns sieht es jetzt eher danach aus, dass sie uns mit ihrer Aktion aus der Gefahrenzone bringen wollen. So fahren wir von Bereket, der mit Blaulicht voranfahrenden Polizei hinterher. 

Immer wieder mal verlangsamen sie das Tempo, fahren dann aber wieder weiter. Wir haben das Gefühl, die wissen selber nicht, was sie jetzt mit uns machen sollen. Kurz vor Cine, halten sie bei einer Tankstelle, und deuten uns, wir sollen hier parkieren. Einer geht in den Tankstellenshop, kommt kurz darauf wieder raus, winkt uns von weitem zu, und schon brausen sie davon. Na toll, wieder keine Erklärung, einfach nichts. Das wird ja eine laute Nacht, so direkt an der Strasse. Oliver versteht die Welt nicht mehr. Was sind das für Eier lose Männer, 20 gegen 1, und dann haben sie nicht mal die Fähigkeit zu sagen, was denn das Problem ist. Hätten sie gesagt, es sei ihnen nicht wohl dabei, wenn wir hier schlafen, kein Problem, wären wir weitergefahren. Aber so wissen wir jetzt noch nicht, was das Problem ist. Und vor allem, dass hier einer der Alten, alle aufwiegelt, und selbst die Polizei diese Meute nicht unter Kontrolle bringt, gibt Oliver sehr zu denken. Er ist einfach nur masslos enttäuscht von diesem Land und den Leuten. Die ständigen Kontrollen und der ganze Überwachungsstaat. Es erstaunt ihn, dass es Moni gelassener nimmt, aber sie meint, man kann nur enttäuscht sein, wenn man zu viel erwartet. 

 

Am nächsten Tag fahren wir dann eine andere Strecke um nach Pamukkale zu kommen. Es wäre eine so schöne Gegend, aber irgendwie ist die Stimmung auf einem Tiefpunkt angelangt. Moni meint, sobald wir in den touristischen Gegenden sind, wird es sicher besser. Dort kennen sie fremde Menschen und Wohnmobile. Dann wird dann sicher auch das mit den nächtlichen Kontrollen aufhören. 

 

Da wir erst gegen Abend Pamukkale erreichen, beschliessen wir auf einem grossen Platz mit wunderschöner Aussicht zu nächtigen, und tatsächlich, wir bekommen in der Nacht keinen Besuch. Was für eine Wohltat. 

So fahren wir am Morgen zum oberen Eingang und hoffen, dass es von hier schöner aussieht, als von unten. Denn von unten, ist die Umweltverschmutzung gut sichtbar. Der einst schneeweisse Kalk ist an vielen Orten nicht mehr so sauber. 

Leider sind nur noch ein paar einzelne Becken mit Thermalwasser gefühlt, und man darf auch nur Barfuss auf das Plateau. Da es leider nur noch wenig fliessendes Wasser hat, beschliessen wir, dass wir auf diesen Fusspilz gerne verzichten. Vor allem, als wir noch einen älteren Chinesen beobachten, der genau dort, wo das frische Wasser rauskommt, seine Hornhaut am Kalkstein abkratzt, ist das Thema für Moni gelaufen

So schlendern wir auf dem Holzsteg ein bisschen weiter, setzen uns, und amüsieren uns köstlich über die vielen Touristen, die zum Teil ein richtiges Fotoshooting machen. Das geht so, eine zieht sich langsam aus, eine hält ihre Kleider, einer muss Fotos machen und einer sagt wie sie sich zu positionieren hat. 

Wir fragen uns, warum das wohl so ist? Wir finden, es ist für Dich schöner, wenn Du die Sehenswürdigkeiten auf den Fotos hast. Wir glauben, das käme nicht so gut an, wenn wir uns da so in Posen werfen, oder wer will uns denn schon in Badehosen sehen. Hi hi. Das tun wir Dir nicht an. Wir laufen also weiter, bis wir alleine sind. Anscheinend ist der hintere Teil für andere nicht mehr so von Interesse. 

Dabei entdecken wir einen riesigen Friedhof. Schon die grosse Menge der Grabstätten, und die Ausgrabungen faszinieren uns. Ein bisschen Bizarr finden wir, dass gleich neben dem einst imposanten Thermalbad, die letzte Ruhestätte kommt. Die Frage ist nun, ob Thermalbäder so tödlich sind, anscheinend nützt wellnessen nichts. 

Weit oben, in der Ferne, sehen wir noch ein Amphitheater. Obwohl wir jetzt schon so einige Theater gesehen haben, laufen wir den Berg hoch und werden belohnt. 

Hier steht mehr als nur noch die Treppe. Das Gebäude im Hintergrund ist fast vollständig erhalten. So kann man es sich besser vorstellen, wie das damals war. 

Auch heute noch gibt es ein Thermalbad. Natürlich verbunden mit sehr vielen Souvenirshops und einem Imbissrestaurant. 

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Kommentare: 4
  • #1

    s'Tanti (Sonntag, 24 Februar 2019 12:08)

    Ui, ui, ui, tönt ja wie der gruusligste Krimi bei uns in der warmen Stube !

    Hey, so schön, diese Kalksteinfelsen. Muss ja bei Sonnenschein wunderschön ausgesehen haben. Wunderte mich noch, warum man das Gelände nur barfuss betreten durfte. - Weil zu viele Touristen die Felsen schmutzig und mit dem liegen gelassenen Güsel unansehnlich gemacht hatten, wurden vor Jahren Hotels in der Umgebung abgerissen und der Zugang gesperrt. Nach einer Erholungszeit gewannen die Terrassen wieder an Schönheit und Eleganz und sind bis heute ein beeindruckendes Schausspiel. Deshalb geht man heute barfuss und auch das Baden auf den Terrassen ist seit Jahren verboten.

    So ein schönes Theater, und noch so gut erhalten.
    Na, das war ja wieder ein abenteuerlicher Abschnitt auf Eurer Reise !

  • #2

    Marielle (Dienstag, 26 Februar 2019 12:16)

    So wies tönt wirds eu nöd langwilig. s theater gseht wüki super schön us!

  • #3

    vreni (Freitag, 01 März 2019 17:32)

    ....das war jetut aber wieder absolut spannend und toll zu lesen !!
    mein heutiger Kommentar :
    doch doch... so ab und zu auch Euch auf den Fotos zu sehen fände ich gar nicht so daneben !

  • #4

    Marianne (Montag, 04 März 2019 12:28)

    Dieses Theater ist wirklich gut erhalten.
    A propos Fotos, da kann ich Vreni nur unterstützen......