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Hassan, der beste Koch vom Mittelmeer

Durch eine kurvenreiche Strasse gelangen wir wieder in ein kleines Dorf am Meer.

Es sieht schon etwas sehr Touristisch aus, aber zum Glück ist fast alles geschlossen und wir finden ausreichend Platz für unseren Willi mitten auf dem Dorfplatz am Hafen. 

Wir sitzen noch vorne in der Fahrerkabine, als ein Mann auf einem Velo langsam um den Willi kurvt. Da er Oliver anschaut, macht dieser das Fenster runter und wird auf Deutsch von dem netten Herrn angesprochen. Das ist aber ein sehr schöner Caravan, meint er, ob man so was auch als Occasion bekommen könne und wie teuer das etwa sei. Oliver spricht nicht gerne über den Preis, denn dann haben viele Leute eine falsche Vorstellung von uns und so weicht er geschickt aus und meint, dass er das nicht wisse, in der Türkei habe er noch nie ein Wohnmobil in diesem Stil gesehen. So plaudern die Zwei ein wenig miteinander, bis der nette Mann meint, er habe da weiter vorne ein Restaurant, das zwar geschlossen sei, aber, wenn wir mögen, würde er uns gerne auf einen Kaffee einladen. Er meint, das findet ihr schon, es heisst Hassan, der beste Koch vom Mittelmehr. Er verabschiedet sich und Oliver meint zu Moni, ach wie dieses Eigenlob stinkt, das macht mich so gar nicht mehr an, dahin zu gehen. Also gehen wir zuerst die nähere Umgebung erkunden und anschliessend doch noch zu Hassan auf ein Kaffee und ein Bier an der warmen Sonne. 

Er erzählt uns ein wenig von sich und seiner Familie und dass seine Tochter zurzeit in Deutschland sei, um Deutsch zu lernen. Wir sprechen ein wenig übers Reisen und da meint er, ihr habt es schon gut, nicht so wie wir Türken. Er hätte einmal nach Europa und in die Schweiz gewollt, um sich da alles an zu sehen, aber das Visum sei ihm verweigert worden, obwohl er ja kein armer Mann sei, habe man es abgelehnt und seit da, habe er beschlossen, dass ihn Europa irgendwo könne.  Doch seine Tochter müsse einfach Deutsch lernen, denn Deutsch sei in der türkischen Tourismus-Industrie wichtiger als Englisch. Auf einmal fragt er uns, ob wir heute Abend bei ihm Essen wollen, er habe noch zwei frische Zacken Barsche, er würde sie für uns auf dem Grill zubereiten, für ca. 130 Lira, also ca. 21 CHF. Ja, da sind wir nicht abgeneigt, meinen dann aber, er habe doch geschlossen. Das sei kein Problem, wenn er hier sei, koche er auch und zudem kommen noch zwei andere Gäste. Nun gut, dann nehmen wir das Angebot vom besten Koch des Mittelmeers gerne an.  Wir machen uns auf, um gemeinsam mit Laila weiter die Umgebung zu erkunden. 

Als wir zu Willi zurückkommen, staunen wir nicht schlecht. Da steht ein zweites Wohnmobil neben uns, aus Frankreich. Wir Brezeln uns ein wenig auf, denn wir gehen ja nicht jeden Tag auswärts essen und so geniessen wir es umso mehr. Um 19:30h stehen wir bei Hassan auf der Matte und der meint nur trocken, wenn ein Schweizer sagt, er komme um halb acht, ist er auch genau dann da und keine Sekunde früher oder später.

 Ja, so sind wir halt, wir Schweizer. Während seine Frau in der Küche den Tomaten Salat und die Bratkartoffeln zubereitet, macht Hassan die Glut im Cheminée bereit, um den Fisch zu grillieren. Es ist schon ein sehr spezielles Gefühl, so ganz alleine und exklusiv im Restaurant zu sitzen und dem Chef, nur für sich alleine, beim Kochen zusehen. 

Wir plaudern mit ihm über Gott und die Welt und geniessen die Ruhe. Der Tomaten Salat ist mit etwas Pfefferminze verfeinert, was ihm eine extreme Frische verleiht und die Bratkartoffeln sind sehr dünn geschnitten und herrlich knusprig.

Zu guter Letzt kommt der Fisch, einmal mit Gräten und einmal ohne. Man kann sich ja denken, wer was bekommt. 

Der Barsch ist genau auf den Punkt, auf dem offenen Feuer grilliert und hat ein herrliches, feines Rauch Aroma. Wirklich ein Traum. Dazu trinken wir einen Tropfen roten Agora der ganz OK ist.  Wir sind wirklich sehr positiv überrascht, auch wenn wir nicht sicher sind, ob er wirklich der beste Koch am Mittelmeer ist, sind wir aber sicher, dass er sein Handwerk richtig gut im Griff hat. Es war wirklich ein grosser Genuss bei ihm zu essen. Die anderen zwei Gäste kommen erst gerade als wir gehen. Das wird ein langer Abend für Hassan und seine Frau.

Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg zur anderen Seite der Bucht. Denn da steht eine alte Burg und die wollen wir erkunden. Der Weg führt uns zuerst über einen Hügel und dann durch ein riesiges Schiffs-Depot und Werft.

Da wir nirgends einen Weg sehen, der zur Burg führt, fahren wir immer weiter, auch wenn die Strasse immer schlechter und matschiger wird, bis es auf einmal nicht mehr weitergeht. Ja, super und niemand hat etwas gesagt von all den Leuten, die uns begegnet sind. Also dasselbe wieder zurück. Bei der Werft steht ein Mann, der Oliver auf Deutsch anspricht: „Was sucht ihr, wollt ihr zur Burg?“ Das können wir nur bejahen und so meint er: „Stellt euren Wagen gleich hier hin und dann könnt ihr diesen kleinen Fussweg zur Burg marschieren.“ Gesagt getan. Oliver will den Willi auf den Platz stellen, doch Schei...!!!  Die haben vor ein paar Tagen eine neue Wasserleitung gelegt und die Erde nur wieder darüber aufgeschüttet. Die über 4t Gewicht von Willi sind schlicht zu viel und so saufen wir mit dem rechten Hinterrad einfach ab. So tief, dass das linke Vorderrad in der Luft ist. Keine Chance, da ohne Aufwand wieder raus zu kommen. Dem Mann ist es sichtlich peinlich, dass er uns in diese Lage gebracht hat. So versucht er via Telefon einen Bagger zu organisieren, der uns rausziehen kann und Oliver fängt an eine Rampe zu graben. Das ist gar nicht so einfach, denn da hat es einige grössere Steine die mit dem Pneu so verkantet sind, dass es viel Schweiss und Blasen an den Händen erfordert diese raus zu holen.

Nach einiger Zeit kommt ein kleiner Lastwagen, der uns an eine Kette hängt und uns problemlos mit Unterstützung unserer Rampe und Willi rauszieht. 

Ja, das Loch das wir da gemacht haben ist beträchtlich. Oliver schaufelt es brav wieder zu. 

So schaffen wir es doch noch auf die Burg zu pilgern und die schöne Aussicht von da oben auf uns wirken zu lassen. 

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Kommentare: 3
  • #1

    s'Tanti (Samstag, 02 März 2019 13:40)

    Wow, was führt Ihr nur für ein interessantes Leben.......
    Wir Renter hocken zu Hause und jäten den Garten !!!

  • #2

    Marielle (Sonntag, 03 März 2019 14:51)

    Uh da ish de willi aber dreckig worde...

  • #3

    Marianne (Sonntag, 03 März 2019)

    Der Fisch bei Hassan und der frische Tomatensalat sahen wirklich sehr fein aus.
    Den Ausflug auf die Burg musstet ihr euch tatsächlich verdienen, aber ihr konntet dann eine wunderbare Aussicht geniessen, was auch Leila sichtlich genoss.
    Bei uns scheint zwar wieder die Sonne, aber jäten müssen wir zum Glück noch nicht :-).