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Nemrut Dagi

Nach Kappadokien sind wir gespannt auf Nemrut Dagi. Diese riesengrossen Köpfe sind bestimmt beeindruckend. So fahren wir und kommen immer mal wieder an eine Polizeikontrollstelle. Wir kommen immer höher und fragen uns, wenn das so viel Schnee hat, ob man dann die Köpfe überhaupt noch sieht? Wir kommen immer höher und die Strasse ist schon bald nur noch so schmal, dass wir stellenweise bereits mit den Rückspiegeln an der Schneemauer kratzen. Oliver meint noch, hoffentlich hört die Strasse nicht einfach irgendwann auf. Aber, so hoffen wir zumindest, da es ja eine Sehenswürdigkeit ist, wird die Strasse ja bis dorthin frei sein. Doch weit gefehlt, weit vorne sehen wir die Schneeräumung, und man winkt uns, dass es hier nicht weitergeht. Das wird ja heiter. Das ist mindestens 1 km, den wir jetzt rückwärtsfahren müssen, bevor wir unseren Willi wieder drehen können. 

 

Wir haben das Videomaterial um 33 Minuten und 28 Sekunden gekürzt. 

Als wir endlich wieder an der Stelle sind, wo wir drehen können, kommt ein Auto. Der ältere Mann, was heisst hier ältere? Er ist etwa in Olivers Alter und spricht gebrochen English. Er meint, sein Sohn habe im nächsten Dorf ein Hotel, wir können ja dort auf dem Parkplatz übernachten, vielleicht sei die Strasse ja morgen wieder offen. Ja, warum nicht. Oliver ist froh, wenn er nicht mehr weit fahren muss. So begleitet er uns zum Parkplatz und verabschiedet sich. Wie könnte es auch anders sein, gleich darauf kommt sein Sohn und meint, falls wir Waschen wollen, oder Free Wifi, oder Wasser brauchen, es hat hier alles, und wenn ihr Hunger habt, kommt in mein Restaurant. Das klingt doch verlockend. So machen wir eine Zeit ab und erholen uns noch ein wenig im Willi. 30 Min. vor der abgemachten Zeit, ruft er uns, dass das Essen fertig sei. Oh, jetzt aber schnell. Er hat für uns, wir sind die einzigen Gäste, den Holzofen angemacht. So lassen wir uns überraschen, was es denn feines zu essen gibt. Salat und Brot, Suppe, einen kalten Linsentopf und eine feine Gemüse-Eier-Pfanne.

Schon am Morgenfrüh kommt der junge Hotelier und meint, dass die Strasse noch nicht frei ist, aber es gibt in der Umgebung noch mehr Sehenswürdigkeiten, er würde mit uns fahren, wenn wir wollen. Aber wir beschliessen, lieber noch unsere Wäsche zu waschen. Wir waschen ganze 3 Maschinen. Leider fängt es schon bald an zu regnen, sodass wir die Wäsche schnell wieder zusammennehmen und mit unserer Wäscheschnur beim gedeckten Sitzplatz, unsere Wäsche wieder aufhängen. 

Ob das bei diesem Regenwetter jemals wieder trocken wird. Na ja, da wir ja eh hierbleiben, melden wir uns für das Nachtessen wieder an. Heute gibt es Salat und Brot, Suppe, und eine Pfanne mit Bulgur und Ziegenfleisch. 

Wir hängen so viele Sachen wie möglich im Willi auf, in der Hoffnung, dass diese dann am Morgen schon trocken sind. Was sie auch wirklich sind, so dass wenigstens bereits ein Teil weg ist. Wir haben herrlich geschlafen in dieser himmlischen Ruhe und vor allem absolut ungestört. Wir beschliessen dann aber, trotz unserer Wäsche, weiter zu fahren. Einen Teil hängen wir in die Garage, der Rest wird einfach überall verteilt. 

Schade, Nemrut Dagi können wir definitiv nicht besichtigen, aber wenigstens die anderen Sehenswürdigkeiten rund herum. 

Den Grabberg Karakus Tümülüsü

Die Brücke Septimus Severus aus der Römerzeit, wurde von 193 bis 211 nach Christus gebaut, ist 120m lang, 7m breit und mit 30m Höhe ein imposantes Werk. 

Arsenia, eine unterirdische Stadt mit einem grossen Denkmal.

Das Wetter wird wieder besser und so machen wir auf einem grossen Platz einen Kaffeehalt. Als plötzlich ein kleiner Traktor mit Anhänger auf den Platz fährt. Wir fragen uns noch, was der hier will und sind einfach nur schockiert. Es stört ihn auch nicht, dass wir im Fahrzeug sitzen. 

 

Wir fahren weiter Richtung Diyarbakir und geniessen das schöne Wetter. Immer wieder mal machen wir einen Stopp, und gehen ein wenig nach draussen. So wird auch unsere Wäsche nach und nach trocken. Diese Kontrollpunkte nehmen immer mehr zu. Hier werden alle angehalten, egal ob Tourist oder Einheimischer. Wir fragen uns, was denn das bringen soll, unser Pass wurde jetzt ja schon sicher 50mal kontrolliert. Wir haben noch nirgends so viele Wahlplakate vom Präsidenten gesehen wie hier in Diyarbakir, der Hochburg der Kurden. An jedem Lichtmast hängt ein Plakat.

Wir beschliessen das Museum in Diyarbakir zu besichtigen. Der Mann beim Ticketschalter sagt uns, mit dem Ticket ist das ganze Areal frei zu besichtigen. So sind wir dann doch enttäuscht, dass von den vielen Gebäuden nur gerade 3 zu besichtigen sind. Aber das Museumskaffee mit der herrlichen Terrasse ist wunderschön und die vielen filigranen Münzen sind sehr beeindruckend. 

Auf unserer Weiterfahrt kommen immer wieder Kontrollposten, sodass wir unsere Ausweise gar nicht mehr versorgen.

Jetzt finden wir wirklich, dass es an der Zeit ist, weiter zu reisen. Es gibt ja noch viele schöne Länder auf dieser Welt. Wir fahren und fahren und finden keinen geeigneten Schlafplatz. So halten wir bei einer Ausbuchtung und fragen uns, wann sie denn heute Nacht kommen werden. Und tatsächlich, um 4 Uhr hält ein Auto hinter dem Willi, einer steigt aus und macht Fotos von uns. Ach soll er doch, wir drehen uns um und schlafen weiter. Aber um 4.40 Uhr hält genau das gleich Auto wieder hinter uns, und vor uns steht ein Panzerfahrzeug. Sie wollen wieder einmal die Ausweise und dann muss Oliver aussteigen. Anscheinend wollen sie jetzt noch in den Willi rein, denn Moni hört, wie Oliver etwas barsch meint: „No, my wife is in the bed!“ So darf der nette Mann nur bei der Türe reingucken. Alles ok und sie verschwinden wieder. Nach dem Frühstück fahren wir zügig weiter Richtung Peri Bacalari. Wow, hier ist es traumhaft ruhig und wir beschliessen gleich hier zu bleiben. Wir fahren soweit es geht auf der matschigen Strasse ins Tal hinein, und sobald wir ausser Sichtweite sind, parkieren wir. Es schneit und ist kalt, trotzdem machen wir einen Spaziergang durch dieses Lehmfelsental. Herrlich, diese von der Natur geschaffenen „Skulpturen“. Wieder zurück im Willi heizen wir und machen uns einen gemütlichen Abend.

 

Wunderbar ausgeschlafen und ausgeruht, wollen wir diese interessante Gegend heute bei schönerem Wetter nochmals besichtigen.

Am Samstag, 9. März 2019 sind wir in Hope und sehen das erste Mal das Schwarze Meer. Aber bevor wir uns einen Schlafplatz suchen, müssen wir noch einkaufen. Gemäss Google gibt es hier drei MiGROS’s. Da wieder einmal ein kleines Verkehrschaos herrscht, beschliessen wir, zu einer zu fahren, die etwas ausserhalb liegt. Endlich angekommen, müssen wir feststellen, dass dieser Laden gar nicht existiert. Also wieder zurück. Vielleicht hat sich das Chaos ja aufgelöst. Und tatsächlich, wir haben Glück und können gleich beim Eingang parkieren. Als wir so vor dem Gestell des Mineralwassers stehen, wird Oliver von einer Frau gefragt, natürlich auf Türkisch. Ist ja schon interessant, alle meinen immer er sei Türke. Also die Frau bittet ihn, aus dem obersten Gestell ein kleines Mineralwasser runter zu holen. Dann möchte sie doch noch das andere, dann noch ein anderes, dann die zwei wieder rauf und vom richtigen noch drei runter. Zum Schluss tätschelt sie Oliver auf die Brust und sagt mit einem mega herzigen Lächeln: „Danke schön.“ Das sind dann wieder die Begegnungen, die einem Gut tun. Wir fahren ein wenig raus aus der Stadt und parkieren direkt am Meer. Wir finden, hier ist es schon fast ein bisschen tropisch. Aber das ist vielleicht, weil wir ja aus dem tiefen Winter hierhergekommen sind. Oliver kocht ein wunderbares Essen mit Poulet-Gemüse-Eintopf und Bulgur.

Als wir schon lange am Schlafen sind, fahren immer wieder Autos neben uns, mit so lauter Musik, dass wir uns wundern, dass die Leute keinen Gehörschaden haben. Vor allem fragen wir uns, der Platz ist so gross, warum fahren sie immer direkt neben uns? Um Mitternacht, fahren noch zwei Lastwagen auf den Platz, und auch hier, der eine schreit die ganze Zeit, wenn er mit dem anderen spricht. Rücksichtslos und egoistisch. Wir fragen uns, ob wirklich nur wir Schweizer immer das Gefühl haben, wenn man sieht die anderen Schlafen, dass man sich dann ruhig verhält. Aber wir verstehen noch vieles nicht in diesem Land. 

 

Am nächsten Tag fahren wir nach Arhavi und parkieren auf einem grossen Platz, mit Sicht aufs Meer, den Kinderspielplatz, das Outdoor Fitnesscenter und die vielen kleinen Restaurants. Wir möchten hier auch wieder alles auffüllen, noch unsere letzten Texte und Videos bearbeiten, denn wir wollen unsere Daten noch aufbrauchen. Da dieses Unterfangen mehr Zeit beansprucht als gedacht, bleiben wir gleich über Nacht hier. Nach einer erstaunlich ruhigen Nacht verbringen wir den heutigen Tag im Willi mit Schreiben und so bleiben wir gleich noch eine Nacht hier. Aber morgen werden wir dann definitiv weiterziehen. Wir haben dann 40 Tage in der Türkei verbracht, sind 4112 Kilometer gefahren und haben 3454 Fotos geschossen. Es hat hier sehr viele schöne Sehenswürdigkeiten, und als Wohnmobilreisender würde ich Dir vorschlagen, immer in der Mitte eines Dorfes zu parkieren. So wirst Du vielleicht weniger gestört in der Nacht. 

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Kommentare: 2
  • #1

    s'Tanti (Donnerstag, 14 März 2019 16:53)

    Wow, seid Ihr von Myra über Kappadokien nach Nemrut Dagi wieder durch wunderschöne Steinformationen und Gegenden gefahren, oder soll ich schreiben, gepilgert. Wunderschön diese verschiedenen Steinerhebungen, schade lag der Berg der Götter, Nemrut Dagi, gerade unter einer Schneehaube.

    Schöne Fotos und Videos habt Ihr da wieder gemacht. Bombastisch, diese Aufnahmen vom Mond, den Felswohnungen und den roten Felsen. Eine grosse Felsöffnung sah aus wie ein aufgerissenes Maul mit Halszäpfli. Und natürlich immer wieder appetitanregend Eure Bildchen von den Köstlichkeiten des Landes !

  • #2

    Marianne (Freitag, 15 März 2019 14:36)

    Wow, wieder einmal so hohe Schneemauern, wie wir sie in den 60iger-Jahre Richtung Waldheim hatten. Es hat sich trotzdem gelohnt, dass ihr den Weg nicht passieren konntet. So wurdet ihr mit einem wirklich sehr feinen Essen verwöhnt ~ es sah zumindest so aus und Zeit für einen Gross-Waschtag blieb auch. Ich staune immer wieder, wie ihr euch damit arrangiert!

    Fantastische Bilder..... unglaublich, was die Natur formt und für uns bereit hält, wenn man es nicht zerstört.