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Visa für Russland V.III

Nun haben wir also wieder Zeit und können eine Woche den Nordwesten von Georgien erkunden. Da soll es nach Moni’s Recherchen den schönen Okatse Canyon geben und einen über Hundertmeter hohen Wasserfall. So planen wir uns eine schöne Rundreise.

Also machen wir uns auf dahin. Als wir in der Nähe von Mzcheta sind, möchte sie spontan auch noch dorthin. Da soll in einer der Kirchen das Grab des Heiligen Gabriels sein. 

Da der Weg zum Canyon doch ziemlich weit ist, ca. 300 Km, beschliessen wir ihn, in Etappen zu machen. Wir finden auch einen schönen Schlafplatz direkt am Fluss. 

Von da aus sind es nur noch ca. 80 Km zum Canyon. So werden wir am nächsten Tag relativ früh da sein und den Tag mit wandern verbringen können. Zuerst fahren wir gleich zum Wasserfall. Der ist ja schön, aber als Schweizer ist man nicht so sehr beindruckt davon, zudem führt er relativ wenig Wasser, sodass er noch etwas traurig daherkommt. 

Nun gut, das eigentlich sehenswerte soll ja der Canyon sein, also auf dahin. Da erwartet uns ein recht grosses Infocenter. Das lässt einem ja schon mal neugierig werden, denn für nichts würden sie ja kaum ein solches Center bauen.

 

Also parkieren wir Willi und wollen zum Eingang. Doch davor stehen duzende 4x4 Minibusse und ihre Fahrer und alle wollen uns zum Canyon fahren. Sie meinen, mit euerm Fahrzeug geht das nicht, aber wir fahren euch ganz günstig. Zum Laufen sei es viel zu weit, es sind 7 Km. Zu weit? 7 Km?  Doch Oliver will zuerst mal ins Center und die Tickets kaufen und sich da informieren. Die Dame meint auch, zum Fahren braucht es einen 4x4 und zum Laufen ist es sehr weit. 

Nun gut. Wir beschliessen trotz unseres 4x4 Gerätes, dass wir lieber laufen wollen. Das hat nur einen Haken. Wir dürfen Laila nicht mitnehmen, es sei verboten über die Brücke Tiere mitzunehmen. Wir können das zwar nicht verstehen, beschliessen aber, Laila im Willi zulassen und zu Fuss loszugehen. Die Fahrer haben kein Verständnis und lachen uns ein wenig aus. Doch uns spornt das gerade an. Los geht es. 

Der Weg ist sehr gut ausgebaut und auch die Distanz ist mit 2,2 Km keine Herausforderung. Unten angekommen, müssen wir unser Billett zeigen, damit man uns das Tor aufschliesst und wir zur Brücke kommen. Nun verstehen wir auch warum Tiere nicht erlaubt sind. Denn die ganze Brücke oder besser der ganze Steg entlang der Canyons, ist mit einem Gitterrostboden gemacht und da der ganze Steg ca. 3 Km lang ist, wäre das wirklich unmöglich für einen Vierbeiner ohne Schuhe.  Wir müssen uns ein wenig an die dauernden Vibrationen der Konstruktion gewöhnen und an die rostigen Stahlseile. 

Zum Glück sind die Bäume noch nicht grün, sonst würde man nicht viel sehen, denn der Steg führt alles durch den bewaldeten Abhang bis zu einer Aussichtsplattform, die in den Canyon hinausragt und als Höhepunkt anzusehen ist.

Ja, es ist schön. Aber ehrlich gesagt, kennen wir einige Schluchten in der Schweiz, die uns weit besser gefallen haben. Doch es war ein sehr schöner Ausflug und es hat auch gut getan mal wieder richtig zu laufen und nicht nur mit Laila spazieren zu gehen. Sie mag eben nicht mehr so lange laufen. Ein wenig rum schnuffeln reicht ihr je länger je mehr.

 

Zurück bei Willi checken wir das Mail und siehe da, ein Mail vom Russischen Visa Center ist gekommen.

Kurz gesagt, ihnen ist nun eingefallen, dass sie noch einen Fahrausweis wollen und die Zulassungspapiere und erst noch alles in Russisch. Bei jedem Besuch im Visa Center haben wir ihnen gesagt und auch im Antrag steht, dass wir mit dem Auto einreisen wollen, aber nie hat uns jemand etwas gesagt, dass man da noch etwas bringen muss. Auch beim Hund haben wir nie eine Mitteilung12 bekommen, dass wir irgendetwas machen müssten. Na ja, das sollte ja kein Problem sein, der internationale Führerschein ist ja auch in Russisch. Und die Fahrzeug-Papiere sind zwar nicht auf Russisch, aber doch sehr international. So müssen wir unsere Route massiv kürzen.

Wir machen uns auf den Weg, einen Schlafplatz zu suchen und wollen erst Morgen zurück nach Tbilisi fahren. Doch davor müssen wir noch dringend tanken, denn die Anzeige steht schon seit der Hinfahrt auf null und falls wir in der Nacht heizen müssen, könnte es dann eng werden. Weiter unten im Tal, in Choni, finden wir eine Tankstelle. Der Tankwart fragt, wie viel wir wollen und Oliver meint füllen. Euro Diesel, oder hat er zumindest gedacht. Oliver und Moni sprechen miteinander, als der junge Mann auf einmal aufhört zu tanken und nochmals nachfragt Regular? Oliver etwas irritiert, ja den teureren Euro Diesel. Da wird der Junge etwas Bleich und meint, er habe Benzin in den Tank gefüllt. Ach du Schei.... Was nun? Wir schieben Willi auf die Seite und der junge Mann kommt mit einem Schlauch und versucht das Benzin aus den Tank zu saugen. Doch der Erfolg lässt zu wünschen übrig. Man hat das Gefühl, er hat mehr Benzin im Mund, als da aus dem Schlauch rauskommt. Da kommt ein anderer junger Mann, der ein wenig Englisch spricht. Er meint, er rufe kurz einen Kollegen an, der sei Automechaniker. Der wisse sicher, was man machen kann. So werden es immer mehr Leute und auf einmal kommt einer, schmeisst zwei Kartons unter den Willi und legt sich so unter unseren Willi. Ein zweiter Mann bringt das Werkzeug und reicht ihm einen Schraubenschlüssel. 

So fängt er einfach an, den Dieseltank am Willi abzumontieren und wir versuchen krampfhaft mit Mercedes Deutschland eine Lösung zu finden. Das heisst, die versuchen Ihre Werkstätte in Georgien zu kontaktieren, aber ohne Erfolg. Inzwischen ist der Tank abmontiert und mit vereinten Kräften wird nun der Inhalt, der aus ca. 15 L Diesel und ca. 50 L Benzin besteht, in leere Kanister umzufüllen. 

Moni ruft wieder Mercedes an, da wir bis jetzt keinen Rückruf bekommen haben. Sie fragt, was man sonst noch machen müsse, ausser dem Tank zu leeren. Nichts, ihr Service Techniker würde genau dasselbe machen, kam als Antwort. So macht es also keinen Sinn, dass jemand von Mercedes noch kommt und Moni bedankt sich für die telefonische Hilfe und meint, falls noch etwas sein sollte, melden wir uns wieder. Inzwischen ist auch der örtliche Polizei Chef gekommen und will wissen, was hier los ist. Die Leute erklären, was passiert ist. Zum guten Glück kann sein Kollege sehr gut Englisch, so dass Oliver ihm erklären kann, dass es sein Fehler war und nicht der des jungen Tankwartes und so entspannt sich die Lage ganz schnell. Nach dem er Oliver ausrichten liess, dass die Schweizer ja super Fussball spielen und Oliver sich lachend dafür entschuldigte, dass sie gewonnen haben, schüttelt er Oliver die Hand und meint, ich bin .... (sorry, Name vergessen) er freue sich einem Schweizer die Hand zu schütteln. Der junge Polizist meint, das sei eine Freundschaftserklärung, denn hier auf dem Land sei man viel freundlicher und helfe einander und freue sich, wenn man einen Fremden kennen lerne. Das sei ja nicht jeden Tag möglich. Nicht so wie in Tbilisi, wo bald mehr Ausländer leben als Georgier.  Oliver meint nur, das ist doch in jeder grösseren Stadt so. Inzwischen ist der Tank wieder montiert und Sie fangen an, ihn mit Kanistern zu befüllen. Oliver denkt sich, je mehr Diesel im Tank ist, desto weniger schlimm ist das bisschen Benzin, das sicherlich immer noch im Tank ist und so meint er, es müssen mindesten 20 L rein, sonst läuft er nicht an. Nett wie sie sind, machen sie das und Oliver soll nun starten. Ja etwas mulmig ist ihm schon dabei. Was, wenn es nun doch schon Benzin angesogen hat? Aber Ok, lassen wir ihn anlaufen und siehe da, er läuft, als ob nie etwas gewesen wäre. Oliver stellt den Motor ab und will sich bedanken und fragen was es kostet. Da setzt sich der Hilfsmechaniker in den Willi und will ihn wieder starten. Doch nichts geht. Oliver sieht seinen verzweifelten Blick und meint. Du musst auf die Kupplung stehen, sonst geht hier gar nichts und siehe da, der Motor brummt und es macht sich gleich eine allgemeine Entspannung breit. Oliver bittet den jungen Polizisten, den Mechaniker zu fragen, was es kostet. Der Mechaniker sagt etwas zum Polizisten und der Mimik und Gestik an, fragt er den Polizisten, ob er so viel verlangen könne. Der Polizist nickt und sagt, 100 Gel möchte der Mechaniker haben. Dem Mechaniker scheint es ein wenig peinlich zu sein. Doch Oliver ist so froh, dass alles wieder in Ordnung ist, dass er ihm 120 Lari in die Hände drückt und sich herzlich bedankt.

Nun soll er aber mit Willi an die Tankstelle fahren, um den Tank noch zu füllen. Danach steigen wir beide aus und bedanken uns bei jedem Anwesenden persönlich für die Hilfe und alle freuen sich, dass wir uns bei ihnen so bedanken. Nun aber los. Es ist ja schon dunkel und wir brauchen einen Schlafplatz. Wir finden in der Dunkelheit einen Platz ganz nahe eines Friedhofes. Das geht schon für eine Nacht, was soll’s. Wir kochen uns noch eine Suppe und wollen dann schnell ins Bett, damit wir Morgen noch nach Gori ins Stalin Museum können und danach noch aufs Visa Center um die Unterlagen abzugeben. Kaum haben wir gegessen, kommt zum ersten Mal die Polizei und meint, es sei hier nicht gut zum Übernachten. Wir sollten doch noch etwas weiterfahren, so 2 bis 3 km und gingen wieder. Ok. Dann machen wir das und so fahren wir auf eine Nebenstrasse der Autobahn und parkieren am Rand um zu schlafen.   

Am morgen stehen wir relativ früh auf und machen uns auf den Weg nach Gori. 

Das ist schon spannend. Stalin, oder Ioseb Jughashvili, wie er mit bürgerlichem Namen hiess, wird hier als Held hingestellt und von all seinen Verbrechen und Morden an seinen Leuten wird so gut wie kein Wort erwähnt.

Nur eine Gefängniszelle wird gezeigt und dass auch nur, wenn man per Zufall in die halb offene Türe schaut. 

Das ist alles an Kritik, was hier zu sehen und hören ist. Selbst Stalins Geburtshaus wurde mit einem tempelartigen Dach überbaut. 

Wir denken uns, es muss doch schlimm sein, wenn der berühmteste Sohn der Stadt, so ein Mensch war. Man stelle sich mal vor, in Österreich würde in der Geburtsstadt von Hitler, so ein Personen Kult gemacht. Da würde die ganze Welt zu Recht aufschreien. Nun gut, wir haben es gesehen und verstehen eben so manche Sachen, die wir antreffen auf unserer Reise nicht wirklich. So fahren wir nun auf fast direktem Weg nach Tbilisi und machen noch einen Abstecher nach Uplistsiche. Diese Höhlenstadt schauen wir uns aber nur von aussen an. 

Trotz Rush Hour finden wir zu unserer Überraschung gleich einen Parkplatz, sodass wir hier nun übernachten und morgen früh zum Visa Center gehen können.

 

Um 10 Uhr stehen wir da auf der Matte und werden sogleich in den zweiten Stock begleitet, wo wir unsere Unterlagen abgeben müssen. Dort warten wir auf die Person, die uns das Mail geschrieben hat, da sonst niemand so richtig weiss, was das soll. Als die Gute Frau dann endlich gefunden wurde, meint sie, dass wir das Alles übersetzen lassen und von einem Notar beglaubigen lassen müssen. Oliver meint, aber da, im Internationalen Fahrausweis steht doch alles auf Russisch. Da meint sie, falls sie den nicht mehr brauchen, kann man schon den nehmen. Aber sie bekommen ihn nicht mehr zurück. Oliver meint, und wieso machen sie dann nicht einfach eine Kopie? Zudem muss ja der Fahrzeugausweis auch komplett auf Russisch übersetzt werden. So fragen wir, wo man das machen lassen könne und sie meint, gleich da unten ist ein Übersetzer und Notar. Die machen solche Sachen täglich. Ok. Dann gehen wir mal da hin und lassen das machen.

 

Beim Übersetzer werden wir fragend angeschaut. Was soll denn das? Das haben wir noch nie gemacht, aber wenn sie das wollen, machen wir das natürlich. Kostet ca. 35 Lari pro Seite. Am Montagnachmittag sollten wir es frühestens bekommen. Sie werde sich dann per Mail bei uns melden. Wir bezahlen 30 Lari als Vorauszahlung und machen uns wieder auf den Weg. 

 

Was für ein Schei..... Jetzt stinkt es uns langsam gewaltig und die Freude nach Russland zu reisen, ist merklich kleiner geworden. So beschliessen wir, dass wir uns etwas Gutes tun sollten und gehen in den Carrefour einkaufen. Da bekommt man so ziemlich alles was man möchte. Denn weit fahren können wir ja nicht, wenn wir am späteren Montagnachmittag wieder auf dem Notariat erscheinen müssen, und dann hoffentlich endlich alles im Visacenter abgeben können. Das Einkaufen in so einer Stimmung ist bei uns nie gut. Da werden dann meistens so Trösterli gekauft. Moni nervt sich jedes Mal mehr, dass hier jedes einzelne Gemüse oder jede Frucht einzeln in einem Plastiksack verpackt wird. Stell Dir das mal vor, Du kaufst eine Kiwi und die wird in einen Plastiksack gepackt und zugeklebt. Den Sack muss man aufreissen um die Frucht wieder rauszunehmen, also kann man ihn nicht mal als Abfallsack benützen. Die ganze Welt schreit wegen dem Plastikmüll und hier wird alles einzeln verpackt, und wehe, du hast es nicht einzeln. Störrisch wie ein Esel legt sie wieder, wenigstens die Früchte, lose auf die Ablage. Anscheinend kennt man sie hier schon, denn er wiegt wirklich alles einzeln und nimmt dann ihren Plastiksack. Trotzdem ist hier der Plastikmüll abartig hoch. 

Als wir so über den Parkplatz laufen meint sie, schau doch mal in den Mails, vielleicht haben sie ja schon geschrieben. Tatsächlich hat das Notariat bereits geschrieben, aber nicht etwa, dass wir früher kommen können, nein, sie schreiben, es tue ihnen leid, aber die Übersetzung wird erst am Mittwoch fertig sein.

So fahren wir wieder zum kleinen See in der Nähe des Carrefour. Oliver macht eine feine Erdbeerbowle nach Papi’s Rezept und Moni reagiert sich an der dreckigen Wäsche ab. Als alles frisch gewaschen draussen an der Leine hängt, geniessen wir die Bowle und das Feine Essen das Oliver in der Zwischenzeit gezaubert hat. So hellt sich unsere Stimmung wieder langsam auf. Am nächsten Morgen müssen wir zuerst unseren Reservewassertank umpumpen, da wir nach dieser Waschaktion kein Wasser mehr haben. Den Rest des Tages verbringen wir mit Schreiben und Fotos aussortieren. 

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Kommentare: 4
  • #1

    Andi (Sonntag, 07 April 2019 23:10)

    Tja, da hatten's wir einfacher mit dem Russlandvisa, das wir problemlos in Bern haben machen lassen. Aber wir sind ja auch von der Ukraine nach Russland und danach Georgien gefahren.

  • #2

    Marianne (Mittwoch, 10 April 2019 22:12)

    Auwaia, da hattet ihr ja Glück, dass der Willi nach der "Benzin-Aktion" gleich wieder angesprungen ist. Da hätte ich einen riesigen Schock gehabt. Den Dieseltank zu demontieren war wohl die einzig richtige Entscheidung.

  • #3

    s'Tanti (Sonntag, 14 April 2019 12:51)

    Ja, Andi, stell dir mal vor, die hätten Ihr Russlandvisa auch von Bern gehabt, was die alles verpasst hätten, wären sie während der Wartezeit nicht auf ihre Rundreise gegangen und hätten die sehr interessante Sehenswürdigkeiten
    nicht besucht.

  • #4

    Vreni (Sonntag, 05 Mai 2019 13:25)

    Wie schön: im Endeffekt hat sich das Diesel-Schock-Missgeschick als unvergessliches Erlebnis mit hilfsbereiten und freundlichen Landsleuten herausgestellt.
    Dafür stellt euch "Mütterchen Russland" auf eine harte Geduldsprobe ! Bin gespannt wie's weiter geht.