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Endlich in Russland

So fahren wir endlich los Richtung Russland. Immer der Heerstrasse entlang, den Kaukasus hinauf. Bei einem Parkplatz machen wir rast und Oliver beschliesst, hier die Platine in der Heizung einzubauen, da es immer kühler wird. Also muss alles wieder raus, um an die Heizung zu gelangen und wie ja nun alle wissen, stellt Oliver wiedermal alles auf den Boden, baut die alte Karte aus und installiert die Neue. Jetzt kann ja nichts mehr schiefgehen. Oliver ruft Monika, sie solle die Heizung in Betrieb nehmen. Doch es passiert nicht viel. Zwar zeigt das Display alle Symbole doch der Fehler H255W erscheint so gleich. Was für ein Scheiss. Nochmals alles durchmessen, doch überall steht mindesten 12.6V an und ca. 4 Amper. Am Strom kann es doch nicht liegen. Die Anforderungen dieser Sch... Truma Kiste sind doch erfüllt. Also alles nochmals ausschalten und neu starten. Doch auch das nützt nichts. Nun versuchen wir mal einen Reset auf dem Bedien-Panel, für irgendetwas muss der ja sein. 

Ach nein! Was soll das? Jetzt haben wir wieder den Stand, dass gar nichts mehr geht und nur noch zwei Symbole sichtbar sind. Diese ganze Geschichte mit der Heizung hat uns jetzt so viel Nerven, Zeit und Geld gekostet, dass wir beschliessen, dass uns die Heizung am Arsch abgeht und wir auch ohne Heizung und Warmwasser glücklich sein können. So zieht Oliver die Sicherung, damit die Heizung keinen Strom verbrauchen kann. Irgendwie befreiend. Denn nun können wir einfach nach Russland und wenn es kalt wird, lassen wir eben den Motor laufen und heizen so, auch wenn das komplett gegen unser Umweltempfinden ist. Wir machen uns weiter Richtung Russland, bis wir eine lange Lastwagen Kolonne sehen. 

Ui, das meinen die ernst. Ist das schon der Stau vom Zoll? Da es schon relativ spät ist, beschliessen wir an den Fluss runterzufahren und da zu übernachten.

Am Morgen machen wir uns wieder auf den Weg, kommen aber nicht sehr weit. Bei Gudauri steht alles still und niemand weiss was los ist. Eigentlich sind wir jetzt nur noch ca. 45 Km von der Grenze entfernt, nun können wir nur hoffen, dass es nicht allzu lange dauert. So warten und warten und warten wir. 

Jetzt klopft jemand an die Seitenscheibe und fragt Oliver auf Deutsch, ob wir wissen was los ist. Leider haben wir keine Antwort auf diese Frage, doch der Mann erzählt uns, dass sein Sohn hier in Georgien lebe und er nach der Pensionierung auch hier hinziehen wolle. Aus diesem Grunde sei er auf dem Weg nach Stefanzminda, um sich da mal alles anzuschauen. Da dies sein bevorzugtes Niederlassungsgebiet sei. Er meint, vielleicht ist der Pass noch nicht offen, denn gestern sei er auch nicht befahrbar gewesen. Ja das stimmt uns ja zuversichtlich, dass wir irgendwann vor Ablauf des Visa’s in Russland ankommen. 

Doch nach knapp 4 Stunden rennen alle Leute los zu ihren Autos und starten die Motoren und wirklich das Rennen beginnt. Aus den friedlich wartenden Leuten, wird ein Haufen aggressiver Autorennfahrer, die um jeden Meter kämpfen. Unglaublich! Oliver hofft, dass es in Russland dann vielleicht ein wenig gesitteter zu geht als hier. Aber wenn wir an all die YouTube Videos denken, die im Netz gezeigt werden, ist das kaum der Fall. So fahren wir die nasse und zum Teil schneebedeckte Strasse, den Pass hinauf und staunen immer wieder, wie die Leute keine Ahnung haben wie man im Schnee fährt und so sind nicht wir die Bremse, sondern viele der Raser die uns zuvor sehr risikoreich überholt haben und die wir nun wieder überholen müssen, was dem einen oder anderen eher peinlich zu sein scheint. Doch kaum ist die Strasse wieder schneefrei, rasen sie wieder in vollem Karacho an uns vorbei. Da die Tunnels nicht beleuchtet sind, fährt man einfach in ein schwarzes Loch. Und da es auch in den Tunnels viele tiefe Schlaglöcher hat ..... Na ja, «wir» haben ja Zeit und die nehmen wir uns auch. 

In Stefanzminda reicht es uns. Zudem ist es ja schon wieder Abend und so beschliessen wir da zu übernachten und erst am Morgen nach Russland zu gehen.  

Am Morgen ist alles weiss und wir müssen als erstes den Motor laufen lassen um irgendwie etwas Wärme zu generieren. Doch schon bald wird es mollig warm und wie schälen uns aus dem Bett um noch eine Runde mit Laila zu laufen und dann endlich ab nach Russland. 

Heute, Sonntag, 21.04.2019 wird es sicher viel weniger Leute am Zoll haben. Das hoffen wir zumindest.  Nach kurzer Fahrt werden wir aber ausgebremst. Denn die Kolonne vor dem Georgischen Zoll ist schon beträchtlich und es werden immer nur gerade so viele Leute durchgelassen wir der Zoll abfertigen kann. Das scheint nicht allen ins Hirn zu gehen und sie versuchen nonstop einem noch zu überholen, links, rechts. Hauptsache sie sind etwas weitergekommen. Zu unserem Erstaunen, sind fast alles Armenier, die sich aufführen wie die grössten Egoisten die man je gesehen hat. Doch auch wir kommen mit Anstand und Sitte an den Zoll. 

Moni muss wieder zu Fuss über die Grenze und Oliver und Laila im Willi. Der Zöllner schaut, dass ein Auto ums andere nach vorne fährt. Als Oliver am Zoll steht, kommen von hinten einige Armenier, die sich zu Fuss vordrängeln, bis ein älterer Armenier laut wird und den anderen offensichtlich sagt, dass das völlig sinnlos ist was sie da machen. Sich vor Oliver hin zu drängeln nützt nichts, denn ihre Autos stehen ja hinter ihm und solange er nicht weg sei, kommen sie auch nicht durch. Den meisten leuchtet das ein und so lassen sie Oliver in aller Ruhe den Zoll durchlaufen, der nun schon fast provokativ langsam macht. Ja, mal schauen was am Russischen Zoll passiert.

 

Moni hat in der Zwischenzeit den Georgischen Zoll wieder zu Fuss hinter sich gebracht. Obwohl es eigentlich gar nicht so viele Auto vor dem Zoll hat, stehen hier in der Halle sicher hundert Menschen. So dicht gedrängt, wie Schafe in einem Transporter zur Schlachtbank. So viel Körperkontakt, da ist ein Open-Air-Konzert nichts dagegen. Jeder hustet und niest, aber wohin denn auch, kannst dich drehen wie du willst, hast eh nirgends Platz. Also dem Vordermann ins Genick. Moni möchte hier so schnell wie möglich durch. Sie schaut, welche der Leute am schnellsten vorankommen und nimmt sogleich Verfolgung auf. Ha, das geht ja ruckzuck. Schliesslich muss sie ja den Anschluss mit Oliver halten. 

Da drückt einer von zuhinterst, mit einem schon etwas älteren Kind auf dem Arm nach ganz vorne. Sie fragt sich noch, wie er sich das vorstellt, schliesslich wollen ja alle hier so schnell wie möglich durch. Aber auf einmal steht er zuvorderst, dreht sich um und ruft seiner Frau mit einem weiteren Kind auf dem Arm. Auch sie zwängt sich ganz nach vorne. In der Zwischenzeit steht auch Moni ganz zuvorderst, und als dann die Grossmutter auch noch das Gefühl hat, sie müsse vordrängen, findet Moni, die kann jetzt warten. Sonst kommen da noch mehr von der Familie. Und ausserdem versteht sie ja auch nicht, was ihr die Frau sagen will. Geschafft. Das Timing ist perfekt, als Moni rauskommt, sieht sie gerade wie Oliver auch schon fertig ist und losfährt. 

So, die Georgische Grenze haben wir hinter uns. Jetzt noch die Russische. Es ist wirklich alles nur noch auf Russisch angeschrieben und Englisch kann hier auch keiner. Hoffentlich klappt alles. Jeder muss einzeln mit seinem Pass zu einem Häuschen, wo alles genau kontrolliert wird. Er schaut sich das Foto unseres Schweizer Passes genau an, studiert dann jede Falte in unserem Gesicht, vergleicht die Anzahl grauer Haare, blättert dann zum Eintrag des Russischen Visums und macht dann wieder ungeniert den Fotovergleich mit dem Gesicht. In der Zwischenzeit kann Oliver den Zöllnern noch unseren Willi zeigen. Laila und ihre Unterlagen will aber keiner sehen. Endlich bekommt Moni beide Pässe zurück und wird mit einem herzlichen, Willkommen in Russland, begrüsst. So, jetzt müssen wir wieder ein Stück fahren, und dann muss Oliver mit den Fahrzeugpapieren zum nächsten Häuschen. Es hat nur 3 Grad und ein ekliger Wind geht. Irgendwann kommt er wieder mit 3 Zetteln in der Hand und meint, so die kannst Du jetzt ausfüllen. Gesagt, getan und wieder geht er raus und trotzt der Kälte vor dem Häuschen. Freudig winkt er mit den Zetteln, als er wiederkommt. Hurra, wir haben es geschafft. Wir sind tatsächlich in Russland. Und das Ganze hat keine 4 Stunden gedauert. Was uns jetzt noch fehlt ist eine Fahrzeugversicherung für unsern Willi, Geld, und eine Simkarte. Auch das ist kein Problem. Unmittelbar nach dem Zoll tauchen ein paar kleine Häuschen auf. An jedem hat es eine grosse Tafel. So parkieren wir hier und gehen beim Häuschen mit der Versicherungstafel rein. 

Dort kann man aber nicht mit Karte bezahlen. Moni bleibt bei der Frau, die bereits mit dem Ausfüllen des Antrages anfängt, während Oliver im angrenzenden Haus beim russischen Bankomat versucht Geld zu bekommen. Das ist gar nicht so leicht, wenn man keine Chance hat, irgendwas zu lesen. So bittet er einen Mann, der gerade vorbeiläuft um Hilfe. Das Handzeichen für Money, Money versteht man auf jede Sprache. Mit einem dicken Bündel Banknoten kommt er schnell wieder zurück. So schliessen wir für unsere erste Russland Durchfahrt eine Versicherung für 14 Tage ab. 

Wir heizen unseren Willi während der Fahrt auf und nehmen die erst beste Gelegenheit, parkieren, machen die ersten Fotos in Russland und vor allem einen warmen Kaffee. 

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Kommentare: 4
  • #1

    Andreas (Donnerstag, 02 Mai 2019 00:35)

    Gratuliere. Wir hatten in Georgien am Militairy Highway unsere kälteste Nacht mit -20 Grad und -12.7 im Camper. Musste alle 2 Stunden den Motor starten, damit er nicht ganz einfriert. Der Zoll sieht aber top modern aus. Das war vor 6 Jahren noch anders. Gute Zeit in Mütterchen Russland.

  • #2

    Vreni (Sonntag, 05 Mai 2019 15:17)

    Geduld Geduld - das ist inzwischen sicher eure "Kernkompetenz" !
    Ich bin gespannt wie es in Russland weiter geht, ob die auch so kompliziert sind ?

  • #3

    s'Tanti (Sonntag, 05 Mai 2019 17:07)

    Wow, die ersten Bilder von Russland, eigenartig und sehr speziell.
    …. Und den Tunnel-Video, ich glaube, da wäre ich so ganz ohne Orientierungslinien und Lampen die Wände hoch gefahren. Gut macht das jeweils Valentin.
    …. Ja, Zoll- und Ämterschlangen, da könnte man nach ein paar ausgedehnten Reisen ein eigenes Buch schreiben !! Wir auf jeden Fall auch.

  • #4

    Marianne (Sonntag, 12 Mai 2019 22:46)

    Uiiiiuiiuii, die Strassen und Tunnels sind ja furchterregend. Am zweiten Tag brauchtet ihr mega viel Geduld, ich glaube, für Emil wäre das nichts......
    Der Zoll sieht wirklich top modern aus, aber eigentlich sollten sie eher einmal Geld in die Schlaglöcher und dunklen Tunnels investieren. Viel Spass in Russland.