· 

Russland

Da wir am Tag unserer Einreise ja noch nicht weit gekommen sind, fahren wir noch bis nach Wladikawkas. Irgendwie ist es ruhig. Die Strassen sind sehr gut, der Strassenverkehr läuft gesittet und es hat überall Parkplätze. Auch hier in Russland sind die Einkaufsläden anscheinend auch am Sonntag geöffnet. So beschliessen wir, uns doch noch nach einer Sim-Karte umzuschauen, und wenn wir schon hier sind, schauen wir auch noch kurz in einem Einkaufsladen vorbei. Wahnsinn, hier bekommt man alles, und wir meinen immer, wir müssen unseren Vorrat noch auffüllen, man weiss ja nicht was man im nächsten Land noch bekommt und was nicht. Aber hier gibt es Lindor-Kugeln, Ferrero Rocher, Büchsen mit Russischem Salat, Bier, Wein, die ganz normalen Pflegeprodukte, wie wir sie aus der Schweiz kennen. Kurz gesagt, alles was wir kennen. Nur das Fleischangebot ist etwas mickriger, aber von guter Qualität.

Als wir uns nach einer Sim-Karte erkundigen und sagen, dass wir nur Daten brauchen, meint er, kein Problem. Daten sind unlimitiert. Ah cool, und was kostet das? Da meint er doch glatt, nichts, das ist eine: „Gift from Russland.“ Also ein Geschenk. Wir staunen nicht schlecht und schauen ihn verdutzt an. Aber anscheinend ist es so. Wir gehen also raus und testen unsere Telefone sogleich. Tatsächlich, es funktioniert. Wow, unlimitierte Daten. Leider wärt unsere Freude nicht sehr lange. Denn noch nicht mal retour im Willi geht nichts mehr. Oliver meint, siehst du, diese Sim-Karte muss man auch zuerst aufladen. So gehen wir zurück ins Einkaufscenter. Denn dort hat es wie in Georgien so eine Box. Da allerdings alles auf Russisch ist, meint Moni, lass uns jemanden fragen. Aber bis sie mit jemandem kommt, hat er schon 1000 Rubel (16 Fr.) im Kasten versenkt. Irgendwie geht die Karte aber immer noch nicht. Die Frau meint, wir sollen mitkommen, und da sie aus dem Telefonshop ist, versucht sie die Karte freizuschalten. Was ihr auch gelingt. Allerdings wieder im Willi zurück funktioniert es wieder nicht mehr. Was soll’s. Wir sollten unsere Zeit eh nutzen um wieder mal was am Blog zu schreiben. So fahren wir noch bis kurz vor Grozny und stellen uns wie die LKW-Fahrer auf den Parkplatz. 

Oliver fragt Moni, was meinst du, wird es eine ruhige Nacht? Oder kontrollieren sie uns auch in der Nacht, denn wir sind ja jetzt schon an so vielen Polizeikontrollen vorbeigefahren. Sie ist zuversichtlich und meint, ja klar wird es eine ruhige Nacht, warum sollten wir gestört werden. Und tatsächlich, wir hören nicht einmal, als unser LKW-Nachbar irgendwann morgens früh losfährt. So sind wir nun gespannt auf Grozny. Da es bereits unser zweiter Tag in Russland ist, diskutieren wir, was wir nun machen wegen der Registration. Denn es heisst, dass man sich spätestens 3 Tage nach Einreise registrieren muss. Die zwei Camper die Moni in Tbilisi getroffen hat, haben uns geschrieben, dass man sich als Wohnmobiltourist nicht registrieren muss, da man ja eh nie länger als 3 Tage an einem Ort ist. Olivers Internetsuche hat aber ergeben, dass es ziemlich hohe Busen gibt, wenn man erwischt wird. Aber wo, dass man sich registrieren kann, ist wieder mal unser grosses Fragezeichen. Moni meint, hier stehen ja fast an allen grossen Kreuzungen Polizisten, die müssten das ja wissen. Denn wir möchten schon gerne auf Nummer sichergehen. Gesagt, getan. Wir halten und fragen. Total hilfsbereit sucht er im Internet die Adresse und zeigt sie uns dann auf unserem Googlemaps. Da wir bei dieser Kreuzung nicht über die doppelte Sicherheitslinie fahren dürfen, wird es ziemlich kompliziert. So meint er kurzerhand, wir sollen ein bisschen weiter oben einen Return machen und dann doch hier abbiegen. Er meint, das sei kein Problem. Also machen wir das, und als wir wieder angefahren kommen, steht er mitten auf die Strasse und hält zwei Spuren für uns auf, damit wir sicher die doppelte Sicherheitslinie überfahren und dann über zwei Spuren in die für uns richtige Richtung fahren können. Wir winken ihm zum Dank nochmals freudig zu, was er sogleich erwidert. Hier findet man wirklich überall einen Parkplatz. Zu Fuss machen wir uns nun auf die Suche, nach dem Migrationsamt. Leider werden wir von einem Ort zum anderen geschickt, aber immer mit netten Leuten, die uns den Weg zeigen. Einen Vorteil hat das Ganze, dieses Quartier haben wir nun schon bereits besichtigt. Für heute geben wir die Suche auf. 

Am Abend machen wir noch einen Spaziergang durch die Stadt. Irgendwie fasziniert uns dieses Lichterspiel, aber, wenn man an den enormen Stromverbrauch denkt......

Wir verbringen eine ruhige Nacht in mitten dieser Stadt. Erst gegen Mittag fahren wir wieder weiter. Unser nächstes Ziel ist die Post, denn wir haben gelesen, dort könne man sich auch registrieren. Die Frau am Schalter weiss von nichts und fragt ihre Kollegin. Diese meint, ah ja, kommen sie mit. Wir laufen ein paar Gebäude weiter, gehen in den 3. Stock und dort übersetzt sie mit dem Translater, es tue ihr leid, aber wir müssen hier warten bis der Chef komme. Egal, Hauptsache wir sind dann endlich registriert. Der Chef entpuppt sich als eine Frau, sie schaut sich unsere Pässe an, und meint, sie könne uns nur registrieren, wenn wir eine Wohnadresse oder eine Hoteladresse haben. Ja, wir gehen jetzt davon aus, dass da wir ja immer weiterfahren und nie irgendwo länger bleiben, wir uns also nicht registrieren müssen. Aber so können wir wenigstens, wenn doch etwas wäre sagen, wir waren dort.

Immer wieder fahren wir durch kleine, unscheinbare Dörfer. Aber ausserhalb hat es nie Strassen, die wir nehmen könnten, um einen Schlafplatz zu finden. So sehen wir etwas ausserhalb eine kleine Fabrik. Mal schauen, ob wir dort hinten etwas finden. Aber die Strasse führt nur an einem kleinen Bauernhof vorbei und endet bei der Fabrik. Also wieder zurück. Auf dem retour Weg, steht beim Hof ein junger Mann am Strassenrand und winkt wie verrückt. Moni meint, komm halt an. Aber Oliver findet, wieso, kannst Du russisch? Nein, aber vielleicht können wir ja hier übernachten. Also halten wir an. Freudig meint er, hello can i help you? Leider ist das, das einzige was er in Englisch kann. Mit dem Google Translater schreiben wir hin und her. Er meint, Oliver soll aussteigen und im Haus schauen, wir können da übernachten. Das ist ja so lieb, aber wir haben doch unser eigenes Bett. So muss Oliver ins Haus, und kommt dann mit ihm zurück. Er öffnet die Seitentüre und zeigt ihm unser kleines Häuschen. Der Mann stellt sich als Adam vor und meint, ok, gebt mir 5 Minuten, ich muss zuerst aufräumen. Ich mache Tee und Essen für uns. Uns ist das nicht recht, aber es ist auch schön, einmal mit der Bevölkerung Kontakt zu haben. Er hat auf jeden Fall eine riesige Freude, dass wir hier sind, und seine Freude steckt uns an. Sogar den Holzofen hat er angezündet, weil es doch wieder sehr frisch ist. 

Wir verbringen einen lustigen und unbeschwerten Abend mit spannenden, hin und her schreibenden Sätzen. Bis er auf einmal sagt, so ich muss jetzt ins Fussballtraining, fühlt euch wie zu Hause. Wenn ihr geht, löscht das Licht und macht die Türe zu, damit es schön warm bleibt. So was würde einem in der Schweiz nicht passieren. 

Am nächsten Morgen ist er auch schon wieder sehr früh hier, denn hier ist ja nur das Farmhaus. Er und seine Familie wohnen im Dorf. Er hat wieder Tee gemacht und einen Früchteteller. So fragen wir ihn, um welche Zeit er denn bei der Arbeit sein müsse. Er meint um 9 Uhr, da es bereits 9 Uhr ist, stehen wir auf und schreiben ihm, wir wollen nicht, dass er zu spät zur Arbeit kommt, aber er meint, ach, hier ist Russland, das ist kein Problem. Wir schreiben ihm, dass das in der Schweiz nicht möglich wäre. Da lacht er und meint, hier in Russland heisse es, die Schweizer seien wie ihre Uhren. Immer pünktlich. Sogar in Russland haben wir Schweizer diesen Ruf. 

So fahren wir weiter nach Chassawjurt. Dort gibt es gemäss Adam verschiedene Mobilanbieter. Kurz vor 10 Uhr sind wir da, aber die meisten Läden sind noch geschlossen. Ja wer die Wahl hat.... Zu welchem gehen wir denn jetzt. Moni ist der Meinung, wir gehen zu MTS. Bei denen haben wir ja sicher noch ein bisschen Guthaben, doch Oliver findet, das interessiere ihn nicht, er will einfach eines, das endlich funktioniert. So nehmen wir den Shop, der anscheinend 3 verschiedene Anbieter hat. Das passt doch. Wieder spricht hier niemand englisch, sodass wir wieder über den Translater miteinander kommunizieren. Die jungen Frauen kichern und schauen uns an, als ob wir Ausserirdische sind, bis eine Moni das Natel vor das Gesicht hält und dasteht, dürfen wir ein Foto machen von Euch? Moni schreibt ihr dann zurück, wir alle gemeinsam sei Ok. 

Eine weitere schreibt, wir haben noch nie Ausländer gesehen. So wird es ein lustiges hin und her. Eine Frau meint auf Englisch, hilf dir selbst und bietet uns Schokolade an. Eine der Frauen beschäftigt sich intensiv mit unserer Karte, bis sie dann einen Mann ruft, der gebrochen Englisch spricht. Dieser erklärt uns, wir hätten eine falsche Sim Karte bekommen, wir sollen mit ihm mitkommen. So laufen wir quer über den Platz zum MTS Shop. Dort wechselt der Verkäufer die Karte und meint, so jetzt geht es. Und auf unsere Frage wegen den Daten, meint auch dieser, Daten sind unlimitiert. Wow, wie cool ist das denn. Und keiner der vielen Leute wollte etwas für seine Hilfe und die Zeit die er investiert hat. Wir staunen. 

So fahren wir erleichtert weiter, durch die vielen landschaftlichen Facetten von Russland, Richtung Kaspisches Meer. Es fasziniert uns, auch hier laufen die Kühe, Schafe, Pferde, Schweine alleine oder in Begleitung ihres Hirten über die Wiesen. Es gibt hier Berge, Kilometer lange gerade Strassen durch die Steppen, und das Kaspische Meer. 

Auch in Astrachan findet man überall Parkplatz und so können wir in Ruhe die Stadt besichtigen und Dir wieder einmal ein paar Videos und Fotos senden.

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Andreas (Donnerstag, 02 Mai 2019 00:46)

    Zum Registrieren müsstet ihr einfach in einem Hotel übernachten. Die machen dann die Registrierung für euch. Das ist der einfachste Weg. Die Russen sind echt lieb und hilfsbereit. Alles Gute.

  • #2

    Vreni (Sonntag, 05 Mai 2019)

    Positive erste Eindrücke in Russland ! Toll !
    ich warte gespannt auf die Fortsetzung.....

  • #3

    s'Tanti (Sonntag, 05 Mai 2019 17:33)

    Herrliche Stadtaufnahmen !! Das muss auch ausgesehen haben. Diese Lichter...…
    Sympathische Geschichte mit Adam und den Verkäuferinnen. Jö, Laila am Kaspischen Meer, ich war noch nie dort !
    Und Oliver, prüft er die Wassertemperatur oder hat er Ausschau nach einem Zmittag ?