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Kasachstan I

Am Donnerstag, 02. Mai 2019, sind wir gegen 10 Uhr an der Russischen Grenze. Wir werden von den beiden Zöllnerinnen gefragt, ob wir sicher sind, Russland schon jetzt zu verlassen, da ja unser Visum noch 11 Tage gültig wäre. Sie fragt noch einmal nach, und als wir nochmals ja sagen, macht sie den Ausreise-Stempel mitten ins Russland-Visum und meint, jetzt können sie nicht mehr zurück. Lustig, genau das war gestern noch Olivers Horrorvision. Er meinte zu Moni, stell dir mal vor, Russland stempelt uns aus, und die Kasachen sagen nein. Was machst du dann? Hi hi, wird schon gut gehen. 

Jetzt wird Willi noch gecheckt. Sogar die Motorhaube muss Oliver öffnen. Laila ist sich ja schon bereits gewohnt, dass bei uns regelmässig jemand ins Fahrzeug steigt und die Matratze hochhebt und im Kühlschrank nachschaut. So reagiert sie gelassen und lässt sich von ihr genüsslich streicheln. Hier werden jetzt auch das erste Mal Lailas Papiere kontrolliert. Alles ok, wir können weiterfahren. Wir fahren nun also durch das Niemandsland und staunen, dass der Kasachische Zoll so weit weg ist. 

Kurz vor dem Zoll kommt eine erste Kontrollstelle. Dort werden wir gefragt, wieviel Personen wir sind und bekommen dann ein paar Zettel und können weiterfahren. 

Beim Kasachischen Zoll muss Moni wieder alleine durch den Zoll. 

Aber alles geht ruck zuck und mittlerweile liebt Moni das Geräusch, wenn der Stempel in den Ausweis gedrückt wird. Wieder perfektes Timing. Sie sieht gerade noch, wie der Zöllner aus dem Willi aussteigt und Oliver wieder weiterfahren kann. Moni macht Autostopp und ist froh, dass Oliver anhält und sie wieder mitnimmt. 

Jetzt will sie natürlich wissen, wie es ihm ergangen ist. Er musste wieder mit den Fahrzeugpapieren und seinem Ausweis zum Zoll-Büro, wo auch er seinen Stempel bekommen hat. Retour beim Willi, wieder die obligate Besichtigung, wo der Zöllner total begeistert auf Deutsch sagte, oh schön Haus. Er schaute sich die Küche und das Bad sehr genau an, aber nicht, um zu kontrollieren, ob sich da jemand versteckt, nein er ist einfach total begeistert und gibt unserem Willi immer wieder ein Däumchen nach oben. Jetzt müssen wir wieder eine Fahrzeugversicherung und eine Sim-Karte haben. Wir parkieren gleich nach dem Zoll und schon kommt eine vermummte Frau mit Skibrille und klopft an die Scheibe. Sie meint, Money, Money? Aber wir brauchen immer zuerst ein wenig Zeit. Und wenn es einen Bankomaten hat, wollen wir eh lieber unsere Rubel behalten für die nächste Russland Durchfahrt. So schauen wir uns jetzt zuerst einmal um. Der Mann beim Versicherungsbüro, meint, ob wir Geld haben? Wir fragen nach der Visa-Card, aber die will er nicht, und erstaunlicherweise steht schon eine der vermummten Frauen wieder neben uns. So wechseln wir bei Ihr einen Teil unserer Rubel und sogleich verschwindet sie wieder. Auf einmal stehen vier Männer um uns herum, jeder nimmt den Fahrzeugausweis und alle sprechen wild durcheinander. Einer behauptet, grosses Auto, viele Leute. Hallo? Was soll das? Das Fahrzeug ist für 2 Personen, und ausserdem, was geht die das an. Als Oliver energisch zum 5 Mal wiederholt, dass wir nur für 2 Personen Platz haben, gehen sie wieder. So können der Mann und Oliver in Ruhe wieder den Antrag für die Versicherung weiter ausfüllen. Wir bezahlen 15'000 Tenge und erschrecken zuerst mal ab dem Preis, das sind ja 40.30 Fr. für einen Monat. 

Wir fragen ihn auch gleich noch nach einer Sim-Karte, aber er meint, die bekommen wir weiter vorne beim Kiosk. Als wir rauskommen, verstehen wir auch, warum diese Frauen so vermummt sind. Der Wind bläst uns erbarmungslos den Sand in die Augen und sofort knirscht es zwischen den Zähnen. Na hoffen wir mal, dass dieser Wind sich wieder legt. Beim Kiosk können wir eine Sim-Karte kaufen, aber sie meint, um die zusätzlich gekauften 16 GB freizuschalten, müsse die Sim-Karte in ein Natel und nicht in unseren Router. So holt Oliver im Willi sein Natel und will bereits unterwegs die Sim-Karte rausnehmen. Er denkt sich noch, hoffentlich windet es das kleine Kärtchen nicht gleich fort. Ja was meinst Du passiert, wenn Du bei Sturm so ein kleines Kärtchen aus dem Kästchen nimmst? Genau. Auf einmal hört Moni, wie ihr Name relativ gereizt ertönt. Sie eilt zu Oliver und dieser meint, schnell, hilf mir suchen. Das Sim-Kärtchen ist vom Sturm mitgerissen worden. Aber zu unserem Glück finden wir es gleich auf Anhieb. Also wieder zurück zu der jungen Frau. Sie ist so nett und lädt unsere Sim-Karte nun doch in ihrem Natel auf und zeigt uns dann auf dem Display die Nachricht der Aufladung. Cool, wir verstehen uns ohne Worte. Hei super. Das ist ja mega lieb von ihr. Wir haben jetzt also eine Sim-Karte mit 4 GB und nochmals zusätzlich 2x 8 GB gekauft. Das Ganze kostet uns 3800 Tenge, also gut 10.30 Fr. Das läuft ja heute wie am Schnürchen. Wir sind einfach so, ruckzuck über die Grenze gefahren, und erst noch ohne allzu lange Wartezeiten, haben eine Versicherung und eine Sim-Karte. Unser Abenteuer Kasachstan kann beginnen. Allerdings haben wir uns das anders vorgestellt. Dieser Sandsturm wird immer heftiger. Und die Sicht, na ja. Viel sehen wir nicht von der Landschaft.

Aber was echt spannend ist, wir sehen immer wieder Pferde, Kühe, Erdmännchen und ganz viele Kamele, die seelenruhig die Strasse überqueren.  

Wir können es uns nicht verkneifen und gehen in den ersten Supermarkt den wir finden. Aber leider müssen wir feststellen, dass hier das Sortiment echt dürftig ist. Frisch Waren gibt es kaum, aber jede Menge Konserven. Oliver sieht im Gestell eine wirklich sehr schöne Büchse. Wir fragen uns, was das wohl sein wird. Denn die Büchse sieht wirklich sehr schön aus. 

Daher geht Oliver mal davon aus, dass muss so eine Art Rindsgulasch sein. Die nehmen wir jetzt als Notreserve ans Lager. Die Strasse ist echt schlimm. Am Laufmeter riesige Löcher im Asphalt. Wenn man hier einfach so reindonnern würde, wäre die Achse am Arsch. Die Sicht wird auch immer schlechter, und so fahren wir abseits in die Steppe und übernachten. 

Da wir zum Teil nur mit 20 Km/h fahren können, beschliessen wir, morgen früh schon loszufahren, und dann halt öfters Pausen einzulegen. Wir sind uns nicht gewohnt, so lange am Tag unterwegs zu sein. Jetzt fängt es auch noch an, leicht zu regnen. Am Morgen müssen wir zuerst die Scheiben putzen, denn so können wir nicht weiterfahren.

Nachdem wir auch innen das gröbste vom Sand befreit haben, fahren wir los. Aber dank dem Sandsturm, können wir problemlos nach 4 Stunden Fahrt wieder auf unserer Glasabdeckung in der Küche schreiben. Und auf der Bettdecke können wir schon bald mal eine kleine Sandburg bauen.

Auch auf den Kartons der Teigwaren im Schrank, können wir uns mit Herzchen verewigen. Zumindest bis zur nächsten Putzaktion. Ach muss Liebe schön sein, überall hat es Herzchen. Die ganze Putzerei in Georgien war also für die Katz. Aber was eigentlich noch viel schlimmer ist, wir bekommen hier nirgends Wasser. So beschliessen wir, heute im Einkaufsladen grosse Flaschen zu kaufen. Und tatsächlich, hier gibt es 19 Liter Flaschen. Zum Preis von 1200 Tenge, also, 3.25 Fr. Bei der Fahrt durch eines der vielen Dörfer sehen wir einen Markt, und da es in den Läden kein frisches Gemüse gibt, halten wir und kaufen ganz viel Gemüse ein. Oliver hat keine Lust auf Fleisch und Fisch.....

Heute wollen wir uns ein schnelles Mittagessen machen, daher öffnen wir die wunderschöne Fleischdose. Aber Moni meint schon beim Kippen in die Pfanne, komm, Laila hat auch Freude daran. Oliver findet aber, das kochen wir jetzt. Siehe Foto.

Also Laila freut sich über das unerwartete Mittagessen und Moni ist froh, muss sie es nicht mehr anschauen. Wobei das Gesicht von Oliver köstlich ist.

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Kommentare: 3
  • #1

    Andreas (Freitag, 10 Mai 2019 20:36)

    Die Bienen-SIM-Karte hatten wir damals in Russland. Gegen Sandsturm hilft nur alle Lüftungen zukleben und am besten noch einen Nylonstrumpf über den Schnorchel, damit auch der Motor nicht so viel Staub abkriegt. Gute Fahrt.

  • #2

    s'Tanti (Montag, 13 Mai 2019 15:39)

    Ui, ui, ui, Sandsturm und Kamele, das tönt nach Wüste. Scheint aber doch sehr belebt zu sein und nicht so öde.
    Hey, Oliver, warum Büchsenfleisch, so ein gut genährtes Erdmännchen oder ein Wildhase auf dem Teller würde doch Einiges mehr hergeben !
    Was einem schnell auffällt, die Strassen und der Willi sehen nicht gerade gepflegt aus …!!

  • #3

    s'Tanti (Montag, 13 Mai 2019 15:42)

    Oh, vergessen, die Küche auch nicht ..!