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Kasachstan III

Bis jetzt haben wir auf unserer Durchreise durch Kasachstan noch nie andere Camper getroffen. Nur einmal haben wir einen Velofahrer gesehen. Der mit Sack und Pack mit seinem Drahtesel dem Sandsturm trotzte. Unterwegs auf der E38 hat es immer mal wieder so Parkplätze mit einem WC-Häuschen und einer Rampe für die Autos, um sie notdürftig wieder zu reparieren. Es wird auch rege benutzt, wobei uns das bei diesen Strassen nicht wirklich erstaunt. 

Die vielen kleinen Gedenkstätten, die einfach so in der Steppe auftauchen, sind jedes Mal ein Hingucker, oder auch die Adler und Steinböcke. Die einen, sehen so speziell aus, dass wir anhalten und sie uns genauer begutachten.

Auch die hiesigen Friedhöfe finden unser Interesse. Denn von weitem haben wir immer das Gefühl, ah cool, da vorne kommt endlich wieder ein Dorf, und wenn wir dann näherkommen, stellen wir fest, dass wir doch lieber weiterfahren, als in diesem „Dorf“ zu bleiben.

Zum Glück sehen wir wieder ein grosses Einkaufscenter, denn Oliver findet, nach ein paar Tagen ohne Fleisch, es wäre langsam wieder an der Zeit, sonst werde die Ernährung dann doch ziemlich einseitig. Moni meint, sie hat noch keine Mangelerscheinungen und will lieber kein Fleisch. So freut sich Oliver jetzt schon auf unser Essen. Wir staunen immer wieder über diese Einkaufsläden. Man könnte meinen, die ernähren sich hier ausschliesslich von süssem und von Büchsen.

Wieder unterwegs, halten wir in der Steppe, und machen Pause. Es dauert nicht lange und schon kommt ein Schafhirte auf einem Pferd auf uns zu. Als er näherkommt, sehen wir, dass sie zu zweit auf dem Pferdchen sitzen. Sie begrüssen Oliver herzlich mit Handschlag, und nach einem kurzen Schwatz, den alle nicht verstehen, verabschieden sie sich wieder und reiten davon. 

Oliver macht sich mit Freude ans kochen. Wie sich herausstellt sind unsere Teller schon fast zu klein. 

Trotz des kargen Futters, dass die Tiere hier in der Steppe finden, sehen alle sehr gut ernährt aus. Durch das beobachten der Herden, können wir auch noch einiges erleben, was die Herdenhierarchie anbelangt. Oder einmal, als wir so über eine Sandstrasse fahren, sehen wir eine Schildkröte, die wir genau platt fahren würden. So geht Moni raus und will sie beherzt aus der Gefahrenzone tragen. Dass eine Schildkröte knurren kann wie ein Hund, wusste sie bisher nicht.

Es ist wirklich schade, dass wir uns mit den Einheimischen nicht verständigen können. Denn meistens, wenn wir irgendwo stehen, dauert es nicht lange, bis einer vorbeikommt, und immer wird die Hand von Oliver geschüttelt, Moni ist hier nur lampiges Beigemüse. Hi hi. In Russland konnten wir uns wenigstens gegenseitig mit dem Natel und dem Translater unterhalten, aber hier funktioniert das leider nicht. Wobei hier das Wifi auch sehr schlecht ist. Aber das wird wahrscheinlich jetzt eh immer schwieriger werden.

Ja, wenn man so stundenlang immer geradeaus fährt, fängt man an die Autos und Lastwagen zu studieren. Immer wieder sehen wir ausrangierte Lastwagen, die immer noch die Werbung des vorherigen Besitzers auf der Plane haben. Ganze Cars, noch mit Skiexpress.de beschriftet. Eigentlich ist das ja schon schlimm. Bei uns werden sie ausrangiert, weil sie den hiesigen Anforderungen nicht mehr entsprechen, und hier fährt man dann nochmals Jahre damit herum und verpestet die Umwelt weiter. 

Wir zeigen Dir jetzt noch ein paar Fotos von Häusern. Es ist ganz unterschiedlich, zum Teil sind es noch so alte Lehmhäuser, andere sehen so aus, wie wir sie kennen. Bereits sehen wir auch vereinzelt Jurten in der Steppe.

Wir sind schon bald in Baikonur und hoffen, dass die Sicht noch ein bisschen klarer wird. Da Baikonur ja eine Enklave von Russland ist, können wir sie leider nicht besichtigen. Dazu bräuchten wir erneut ein Russland-Visum. Die Hoffnung auf klare Sicht hat sich auch nicht erfüllt. So können wir in der Weite nur die Umrisse der Startrampen des Kosmodroms sehen und erahnen, wie es ungefähr aussieht. Irgendwie sind wir schon enttäuscht, denn wir haben uns gefreut, endlich wieder einmal etwas Anderes zu sehen, ausser nur Steppenlandschaft und Staub in den Schubladen. 

Doch unsere Enttäuschung wechselt schon sehr bald in „oh was ist denn das? Stimmung. Das sehen wir uns jetzt aber genauer an. Moni zieht trotz 36 Grad eine lange Hose und eine Bluse an und nimmt den Schaal mit, damit sie dann auch hineindarf. Doch weit gefehlt. Es ist ein grosses Gebäude mitten in der Steppe, mit einem grossen Turm. 

Zuerst denken wir noch, wer macht denn hier Musik, bis wir dann sehen, dass dieser Turm eigentlich eine grosse „Windorgel“ ist. 

Gleich neben dem Turm hat es noch ein kleines Amphitheater und auf dem Retourweg sehen wir, dass es noch ein Museum hat. Das wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Für nur 400 Tenge, also ca. 1 Fr. für uns beide, können wir zwei Zimmer besichtigen. Die hier ausgestellten Musikinstrumente sind faszinierend, und wir stellen uns vor, wie die Musik wohl getönt hat.

Eigentlich müssten wir unsere Weiterfahrt planen. Die grosse Frage ist nur wohin? Bei einem Russland Visa mit zweimaliger Einreise haben wir trotzdem nur 30 Tage in Russland. Ob wir wohl unseren Traum vom Baikalsee und der Mongolei begraben müssen? Falls Du eine gute Idee hast, melde Dich doch bei uns. 

Wir fragen uns, wo wohl die beiden Jungen aus Tibilis jetzt schon sind und welche Route sie wohl fahren werden. Moni meint, ich schreib doch mal eine Mail, vielleicht haben sie ja noch eine Idee wegen den Russland Visa. 

Etwa 45 Km vor Türkistan sehen wir auf der rechten Seite eine grosse Ruine aus früheren Zeiten. Trotz Hitze wollen wir sie besichtigen. Unsere Herzen machen einen Hüpfer als wir sehen, dass der Parkplatz sehr grosszügig überdacht ist. Endlich Schatten. Schnell fahren wir darunter, um der glühenden Hitze zu entkommen. Nach einer erholsamen Pause machen wir uns auf Entdeckungstour. Laila erfreut sich an den vielen Erdmännchen-Löchern und wir bewundern diese ehemals riesige Karawanenstadt aus der Zeit der Seidenstrasse. 

Zurück beim Willi haben wir Besuch von einem jungen Hund, wie könnte es auch anders sein, mager und eine schlimme Verletzung am Rücken. Da wir diesen Platz, trotz Eisenbahn, super finden, und eh noch ein bisschen hier sind, können wir den herzigen Hund auch noch ein bisschen verwöhnen. Einige der Lokführer hupen jeweils, wenn sie vorbeifahren und wenn Moni dann winkt, lehnen sie sich aus dem Fenster und winken zurück.

Auf einmal verdunkelt sich der Himmel und es ergiesst sich ein erfrischender Regen über die staubige Landschaft. Der Regen drückt die Hitze auf eine angenehme Temperatur runter. Schnell verstauen wir unsere Stühle und schliessen die Seitenfenster, da der Wind echt stark ist. Herrlich. Leider ist es nach einer Stunde schon wieder vorüber. Oliver geht nach draussen und nimmt die Stühle wieder raus, als ein Wohnmobil auf den Platz fährt und der Fahrer ruft, ist das Monika hier? Hei, das glauben wir jetzt aber nicht, dass ist Timmy und Duygu aus Tbilisi. Wow, das letzte Mal, dass wir uns sahen, war vor rund 4200 Km und hier mitten in der Steppe von Kasachstan sehen wir uns wieder. Wir haben einander viel zu erzählen. So erfahren wir auch, dass die zwei einen Online Shop betreiben, wo sie viele schöne Sachen verkaufen. Vielleicht gefällt Dir ja auch das eine oder andere. www.archeamystic.com

Wir beschliessen,den nächsten Tag mit Blog schreiben und gemütlichem Beisammen sein zu verbringen und geniessen die Gespräche über weitere Reiseziele, vergangene Probleme mit den Fahrzeugen, Salatöl als Notfalldiesel-Ersatz und die mühsamen Visa-Beschaffungen.

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns. Und wer weiss, da unser beider Ziel als nächstes Usbekistan ist, sehen wir uns ja vielleicht wieder.

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Kommentare: 1
  • #1

    s'Tanti (Samstag, 08 Juni 2019 20:54)

    Schön, was man auf einer solchen Reise immer wieder aufs Neue für Überraschungen erlebt. Seien es eigenartige Gebäude, Musikinstrumente, die unendliche Natur mit den dazu gehörigen Tieren, oder einfach eine Schildkröte, die knurrt. Ha, ha, haa, die wollte vielleicht die Strassenseite gar nicht wechseln !

    4'000 km dazwischen - und man trifft sich irgendwo in der Steppe wieder. So ein Zufall, auch eine von diesen Überraschungen !!
    Schöne Sachen auf ihrer Webseite, jööö, die Püppchen, weiter sagen, gell.