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Usbekistan IV

Am Dienstag, 4. Juni 2019 verlassen wir Buchara in Richtung Navoiy. Lange haben wir beraten, ob wir es wagen sollen nach Xiva zu fahren oder nicht. Doch wir sind zum Schluss gekommen, dass die ca. 900 Km hin und zurück vielleicht doch ein zu grosses Risiko sind für Matthias und seinen Flug. Denn was ist, wenn es da hinten noch schwerer ist an Diesel zu kommen? Und 900 Km sind auch kein Pappenstiel, nur um eine kleine Stadt anzuschauen, denn sonst gibt es da nicht sonderlich viel zu sehen und Steppe haben Monika und Oliver wirklich schon zur Genüge gehabt in Kasachstan. Es bleiben uns nun also nur noch 3 volle Tage mit Matthias und die möchten wir alle lieber geniessen als rum zu stressen. Also los nach Navoiy. Vorbei an einem alten Minarett Turm in Vsabkent. Es soll einer der wenigen erhaltenen Türme sein aus der Zeit der Karachaniden, ca. 11. – 12. Jahrhundert. 

Leider kann man den Turm nicht besteigen und so bleibt uns nur ein kleiner Rundgang durch den kleinen Markt mit Pfannen, Schüsseln und sonstigen Haushaltsartikeln. Also weiter nach Gijduvan, vielleicht gibt es ja da mehr zu sehen, da steht ja die Ulukbek Medresse.

Monika und Matthias gehen zusammen auf den Bazar und Oliver bleibt bei Laila im Willi. Ihm geht es heute nicht so gut und deshalb möchte er sich lieber etwas ausruhen. 

Im Bazar kaufen sie verschiedene Leckereien, Gemüse und Früchte. Auch wenn die Marktfrauen sie nicht wirklich verstehen können, bestehen die zwei auf 4 Aprikosen. Ja, 4 Stück, nicht 4 Kilogramm. Am ungläubigen Ausdruck auf ihrem Gesicht anzusehen, verstehen sie das anscheinend nicht so ganz. Da kann ein echter Usbeke nur den Kopf schütteln und mitleidig lächeln. Sie kaufen ja alles Sackweise. Auf dem Markt wird Matthias von einer Bettlerin mit Kind auf dem Arm stark bedrängt. Immer wieder zupft sie an seinem Ärmel. Doch er hat nur noch grosse Noten und die möchte er ihr nicht wirklich spenden. In diesen Ländern kommt man immer mal wieder in den Konflikt mit dem eigenen Gewissen, aber man sollte immer die Situation im Land im Auge behalten und nicht meinen nur, weil ein Betrag für uns klein erscheint, man sollte mehr geben. Sonst lohnt es sich schnell einmal nicht mehr für Geld zu arbeiten, wenn man mit betteln schneller und einfacher an mehr Geld kommt. Hartnäckig zupft die Frau weiter an Matthias herum, sogar die anderen Leute schütteln bereits den Kopf über ihr Benehmen. Moni zieht heimlich eine kleinere Note aus ihrem Portemonnaie und steckt sie Matthias zu. Huch, die wären wir los. Kaum hat sie ihr Geld, ist sie schon weg. 

Zurück im Willi gibt es verschiedene Teig-Taschen gefüllt mit Fleisch und Gemüse. Nach dieser Stärkung kann es ja wieder weitergehen und so beschliessen wir, weiter zu fahren zur Abdülhalik Gücdüvani Hz Mescidi, die wollen wir auch noch kurz besuchen.

Überall auf den Wegen hat es Tafeln mit Sprüchen der Gelehrten, die wir uns gerne durch den Kopf gehen lassen. Im Innenhof sitzt ein Mann unter einem Baum und einige Leute sitzen um in herum und lauschen seinen Worten. Als er uns sieht, kommt er gleich auf uns zu und schüttelt Oliver die Hand und ladet uns ein, Platz zu nehmen und zu zuhören. Auch Matthias schüttelt er die Hand. Nur Moni geht einmal mehr leer aus. Sie wird nur mit Worten freundlich begrüsst. So setzen wir uns hin und hören dem Singsang, den er aus dem Koran vorsingt, gebannt zu. Zu unserer Überraschung sagt er am Ende extra für uns Amen und alle Anwesenden sprechen es ihm nach, Amen und schauen uns mit freundlichem Blick an.

 

Die Kinder springen auf und holen sich aus dem Sack neben dem Iman eine Süssigkeit, obwohl es Oliver sehr gelüstet, getraut er sich nicht, anzustehen und ein Gebäck zu holen. Er ist ja kein Kind mehr, auch wenn Moni meint, vielleicht gelte das auch für Kindsköpfe, dann darfst du auch anstehen. Ha ha, sehr lustig. 

In Navoiy brauchen wir eine Pause und wir beschliessen ein lauschiges Restaurant auf zu suchen. Na ja, irgendwie so Post Sowjetische „Lauschigkeit“ kommt da im besten Fall auf. Beurteile es lieber mal selber. Was meinst Du zu diesen schönen Separees?

Doch um unsere Körper runter zu kühlen und das Hinterteil aus der Stanzform in eine andere Form zu bringen, hat es auf jeden Fall gereicht. So fahren wir Richtung Nurota, das 

etwas höher liegt und durch das hoffentlich auch etwas kühler ist. Auf einmal ist die Strasse gesperrt und wir überlegen uns, wie wir jetzt weiterfahren. Doch da kommt ein Taxi und umfährt die Absperrung einfach.  Was nun? Wir sind ja Schweizer, keine Usbeken und zudem wissen wir ja gar nicht wohin der will aber, wenn wir einen anderen Weg nach Nurata nehmen müssen, bedeutet dies einen riesigen Umweg. Oliver umfährt die Absperrung beherzt. Mal schauen was passiert, umkehren können wir ja immer noch. Zu unserem Erstaunen ist nichts. So fahren wir eine ganze Weile, bis uns auf einmal ein Polizist anhält und fragt, was wir da machen und wohin wir wollen. Da die Verständigung schwer ist und noch viel schwerer, wenn man gar nicht verstehen will, meint er kurzerhand Nurata? Ah ok und lässt uns fahren. Wir suchen uns einen ruhigen Schlafplatz und machen uns unser Abendessen bei einer wunderbaren Abend-Gewitter-Stimmung. Zu unserem Glück zieht das Gewitter schön um uns herum.

Nach einer ruhigen und nur mit ein paar Tropfen Regen gekühlter Nacht, machen wir uns weiter auf den Weg nach Nurata, da gibt es eine Heilige Quelle. Da soll ein Prophet, der unmöglich jemals da war, seinen Stock in den Boden gerammt haben und die Quelle fing an zu sprudeln. Na ja, glauben darf man alles, aber schön ist die Quelle und ihre Umgebung trotzdem. Die Einheimischen trinken das Wasser und füllen es in Flaschen ab, doch uns macht es nach der Besichtigung nicht an, dieses Fischwasser zu trinken. 

Da uns Samarkand sehr gut gefallen hat und wir ja noch das Reise-Buch-Foto für den Wunsch von Matthias machen müssen, beschliessen wir nochmals auf denselben Platz zufahren und da zu übernachten.

Nach dieser Foto Session haben wir richtig Hunger und machen uns auf ins gleiche Lokal wie letztes Mal. Das war so gut und so extrem günstig.

Übrigens, wer sich nun fragt, wer die alte Frau auf dem Foto mit Moni ist, hier die Lösung.

Wir wollten ein Bild mit Fahne zu dritt machen. Mit Zeitauslöser, doch Matthias hat mit seiner Frau telefoniert und Oliver war immer noch am Einrichten für den Selbstauslöser und so meinte die alte Dame, sie könne uns doch aushelfen. Das war wirklich Zuckersüss.

Übrigens, wenn Du mal in der Gegend bist und irgendwo ganz gross angeschrieben steht, Gratis Internet, glaub es nicht, denn leider funktioniert es nicht.

Matthias und Oliver gehen nochmals durch den Bazar, denn sie wollen nochmals ein richtiges Stück Fleisch auf den Grill hauen. Sie suchen den ganzen Bazar ab, finden aber nur einen Metzger der auch schon halb ausgeschossen ist, aber immerhin hat er noch zwei schöne Rindskottelet und dazu vom Bazar noch etwas Gemüse und Brot. Nicht, dass wir Moni hier diskriminieren wollen, aber sie hat keine Lust auf Fleisch, jedem wie er mag. 

 

Wir suchen uns in den Hügeln um Zomin, beim Stausee, einen schönen Schlafplatz wo wir in aller Ruhe den zweitletzten Abend ausklingen lassen. Und wie das halt so ist, wenn man einen schönen Platz hat und einem ein anderes Wohnmobil sieht, kommen sie auch gleich.  Doch sie bleiben dezent ca. 50 Meter weiter vorne.

 

 

Nach dieser sehr entspannten Nacht geht es auf Richtung Taschkent. In Gedanken nehmen wir alle schon wieder Abschied. Es war eine super Zeit. Kurz, aber intensiv. So bleibt uns nur noch in Taschkent zu tanken, was ja wieder mal ein Problem ist. Denn sie geben uns nur unter Protest von Oliver, 20 Liter Diesel, da dieser meint, ob er denn da stehen bleiben soll, da er kein Diesel mehr habe. Besser 20 Liter als nichts. Also ab in die Stadt, einen kühlen Schlafplatz suchen, den wir ganz in der Nähe des Flughafens finden und im Anschluss noch ein Nachtessen.

Leider hat unser Wunsch Restaurant auch noch andere Leute auf ihrem Plan. Na ja, dann eben nicht. Also gehen wir Usbekischen Burger essen. In einem Alkoholfreien Restaurant, wie wir schnell merken, aber dafür bekommen wir schwarze Handschuhe.  

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Kommentare: 1
  • #1

    s'Tanti (Sonntag, 23 Juni 2019 15:35)

    Na, da war ja wieder alles drinn, in diesem Abschnitt: Kultur, Natur und kulinarische Genüsse. Monika, mache Dir wegen Deiner Fleisch Abneigung nichts daraus. Denke nur, wenn Oliver und Matthias damals auf der Arche Noah Platz genommen hätten, es gäbe heute keine Tiere mehr ..... alles gemampft !!