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Usbekistan V

Am Samstag, 8. Juni 2019 stehen wir punkt 7 Uhr am Flughafen und verabschieden uns von Matthias, der mit gemischten Gefühlen dem Zoll entgegensieht. Was ist, wenn die doch etwas sagen, weil das Hotel ihn nur für die gebuchten Tage registriert hat. Oliver ist überzeugt, dass da keiner danach fragen wird. Moni meint, gibt doch kurz Bescheid, wenn alles geklappt hat. 

 

Es war wirklich eine schöne und lustige Zeit mit Dir. Wir hoffen, unsere einfache Art zu reisen hat Dir gefallen und hoffen, dass Du trotz des fast etwas zu kurzen Notbett im Willi trotzdem gut geschlafen hast und dich erholen konntest. Unserer Ansicht nach hat es wunderbar geklappt, doch wir sind uns die Enge im Willi ja auch gewohnt. Danke für die schöne gemeinsame Zeit mit Dir. 

 

Wir machen uns jetzt auf die Suche nach Diesel, denn mit den 20 Litern die wir gestern bekommen haben, kommen wir nicht sehr weit. Doch bei jeder Tankstelle die wir anfahren, heisst es nein, obwohl gleich neben uns ein Usbekischer Car seinen Tank mit Diesel füllt. So fahren wir zur Mercedes Garage in der Hoffnung, dass wir wenigstens Ad Blue bekommen. Eigentlich müssten sie um 9 Uhr öffnen, aber erst um halb 10 Uhr kommt der Erste. Jetzt heisst es, derjenige der Englisch spricht kommt erst in 20 Minuten. Also wieder warten. Moni meint, sie gehe mal auf Diesel suche, wir müssen hier ja nicht beide warten. Oliver schaut auf die Tankanzeige und meint, ca. 50 Liter müssten es dann aber schon sein. Bei der angrenzenden Volvo Garage hat es grosse Bagger ausgestellt, und die brauchen ja sicher auch Diesel. So fragt sie sich durch, bis jemand Mister Chung ruft. Der kleine Chinese spricht gebrochenes Englisch, was Moni sehr gut versteht. Er will wissen, wieviel wir denn brauchen und fängt gleich an zu telefonieren. Er meint, sie haben 100 Liter Diesel für den eigenen Gebrauch, wir können 50 Liter davon haben. Hei das wäre ja perfekt. Mit dieser freudigen Überraschung macht sie sich auf zu Oliver. Er ist auch gerade mit jemandem am Diskutieren, der via Telefon versucht auf dem Schwarzmarkt etwas zu mischen für uns. Das Angebot von Mister Chung können wir uns aber nicht entgehen lassen und so fahren wir also schnell rüber zur Volvo Garage wo Mister Chung schon wartet. Er gibt seinen Mitarbeitern kurz Anweisungen und schon kommen sie mit einer aufgeschnittenen Coca-Cola-Flasche und 3 Diesel-Kanister. 

 

Unser Tank ist anscheinend schon bei ca. 40 Litern voll und so gibt Mister Chung Oliver die Differenz vom bereits bezahlten Betrag zurück. Obwohl Oliver meint es sei ok, wir sind froh und dankbar, dass wir wieder Diesel haben. Das ist uns hier schon öfters aufgefallen, wenn wir den Betrag aufrunden, lehnen sie es kategorisch ab und geben uns das Rück-Geld. So, also wieder die 50 m zurück zur Mercedes. Kurze Zeit später braust ein Auto heran, ein Mann steigt aus und bringt uns einen runden 20 Literkanister Ad Blue für 300'000 SUM. Etwas teuer, aber besser als kein Ad Blue ist es allemal. Hei, das ist ja super, dann können wir jetzt also weiterfahren. In der Zwischenzeit hat sich auch Matthias gemeldet, es ist alles ok und keiner hat nach der Registrierung gefragt. Jetzt fragen wir uns, ob wir uns wohl vergebens für die ganzen Tage hier in Usbekistan registriert haben. Aber das werden wir dann bei der Ausreise erfahren. Wir haben uns ja für 25 Tage registriert. Obwohl, das ist auch ok so. Wir hoffen, hiermit einen Beitrag an die Strassen und das Allgemeinwesen geleistet zu haben. Nun ruft aber das Fergana Tal. Also los. Die Gegend ist faszinierend und wir können zusehen, wie das Thermometer kontinuierlich sinkt. Ach ist das herrlich hier. Am Strassenrand hat es immer wieder kleine Marktstände. Aber parkieren, um eine Pause zu machen, oder um etwas zu spazieren, kann man hier nirgends. Wirklich schade. Wir hoffen, Dir anhand der schönen Fotos einen Einblick in diese Natur zu geben.

 

InunmittelbarerNähe der Grenze zu Tadschikistan finden wir einen schönen Schlafplatz. Wir geniessen die angenehme Temperatur und auch Laila fühlt sich sichtlich wohler. Vor allem kann sie hier wieder einmal frei herumschnuffeln. 

Am nächsten Morgen fahren wir weiter Richtung Kokand, wo wir gleich in der Nähe des Khanspalastes einen schattigen Parkplatz finden. Das ist ein interessanter Palast. Irgendwie finden wir es schade, dass er gerade renoviert wird, aber so erhalten wir hier auch einen Einblick in das Handwerk der Usbeken. Aus einer Gips-Wand wird von Hand das Muster herausgeschnitten, herausgekratzt und dann vorsichtig ausgefeilt.

Auch den Holzschnitzern können wir zusehen. Hier wird das Handwerk über Generationen weitergegeben. Die Kinder lernen schon sehr früh, wie das gemacht wird, wobei wir hoffen, dass sie auch zur Schule gehen, aber im Moment haben sie Schulferien.

Der Maler verewigt sich ohne Skizze mit seinem Kunstwerk an der Wand. Es ist wirklich spannend zuzuschauen, wie hier richtige Kunstwerke entstehen.

Wir sind froh wieder im kühlen Willi zu sein. So fahren wir weiter Richtung Rishtan, wo wir total schockiert sind. Die ganze Stadt sieht aus wie nach dem Krieg. Überall sind die Häuser bis zur Hälfte oder ganz abgebrochen und die Menschen retten noch das weiter brauchbare Baumaterial wie Steine und Holzbretter und Balken. 

Wir fragen uns, warum das wohl so ist, und müssen dann feststellen, dass hier ganze Städte „verschönert“ werden. Alles was zu Nahe, an der Strasse steht, wird abgerissen, und nachher werden lange Häuseralleen gebaut mit einer riesigen Hauptstrasse dazwischen. Ob das wirklich schöner ist, ist Geschmack Sache. Wir fahren noch weiter bis Fergana. Hier finden wir einen guten Schlafplatz beim Stadtpark, sodass wir am Abend noch durch den Park mit seinen vielen Bahnen schlendern. Es riecht nach Zuckerwatte und Popcorn, wobei Oliver eher die Hoffnung hat, dass es irgendwo sonst noch einen Essensstand hat. 

Sogar ein kleiner Touristenbus fährt durch den Park. Nur zu Essen gibt es nichts.

Hier haben wir das erste Mal ein 4G Netz. Aber komischer Weise können wir immer noch keine WhatsApp Fotos oder Videos senden und auch nicht empfangen. Aber immerhin funktioniert das Internet schnell und ist beständig.

 

Am nächsten Morgen regnet es, und wir beschliessen hier einen ruhigen Tag zu verbringen, denn schliesslich wurden wir schon gefragt, was denn los sei, warum wir nichts Neues mehr auf dem Blog haben. Wir sind also fleissig dabei, unser gemeinsam mit Matthias Erlebtes niederzuschreiben, damit wir Dich auch daran teilhaben lassen. 

 

Am nächsten Morgen findet Oliver, wir sollten weiter, so fahren wir gemütlich Richtung Namangan. Doch dort endlich angekommen, müssen wir feststellen, dass wir hier so schnell wie möglich wieder wegwollen. Die Hauptstrasse ist die reinste Kraterlandschaft, es hat Millionen von Menschen und Auto’s. Velofahrer kommen uns auf unserer Seite entgegen und wir müssen zuschauen, wie ein kleines Mädchen beinahe von einem rücksichtslosen Autofahrer überfahren wird. Also nichts wie weg hier. 

Wir beschliessen uns auf dem Weg nach Andijon einen Schattenplatz zu suchen, aber leider gelingt uns das nicht. Seit wir im Ferganatal sind, reihen sich die Dörfer aneinander, sodass wir nur anhand der Dorfschilder merken, dass wir schon wieder in einem anderen Dorf sind. Hier ist das Ganze viel mehr Bevölkert als auf der anderen Seite. In Andijon gibt es anscheinend auch wieder einen Luna-Park. Dort finden wir dann sicher einen Schlafplatz. Die Provinz Namangan und die Provinz Andijon werden durch einen Fluss getrennt, und diesen müssten wir nun überqueren. Leider hat es am Anfang der Brücke einen Wachposten und eine Höhenbeschränkung wo wir definitiv nicht durchpassen. Hmm, was nun. Das würde bedeuten, dass wir einen riesigen Umweg fahren müssen. Als wir aber sehen, dass viele Lastwagen eine kleinere Querstrasse nehmen, beschliessen wir, dass wir diesen einmal folgen.  Doch nach etwa 20 Minuten Fahrt haben wir das nächste Problem. Wir stehen wieder vor einer Barriere mit Soldaten. Etwa 50 Meter weiter hinten geht die Strasse normal weiter. Irgendwie sind diese 50 Meter anscheinend Sperrgebiert. Aber warum nur? Einheimische werden kontrolliert und durchgelassen. Wir dürfen nicht. Da unser Übersetzer dank schlechtem Internet wieder einmal nicht brauchbar ist, stehen wir nun hier und mittlerweile sind noch 5 andere Männer hier, aber keiner spricht eine Fremdsprache. Wir wollen ja nur hier durchfahren, wo ist das Problem? Er hat ja auch schon die Garage und den Willi inspiziert und gesehen, dass wir nur zwei „trümmlige“ Touristen mit einem alten Hund sind. Irgendwann hält einer Oliver ein Telefon hin. Anscheinend haben sie jemanden gefunden, der englisch spricht. Auf die Frage, warum wir hier nicht durchdürfen, erhalten wir aber keine Antwort. Diese Frage wird sauber übergangen. Ein weiterer Mann (Einheimischer) kommt dazu. Auf einmal heisst es, wir können durchfahren, müssen ihm aber folgen. Ok. Geht doch. Als wir im Zickzack an den Absperrungen vorbeifahren, fragen wir uns, was wohl hinter dieser Mauer mit Stacheldraht so extrem wichtig ist. Egal! Hauptsache wir müssen nicht diesen riesigen Umweg fahren. Was wir jetzt aber doch nicht ganz verstehen, will der uns jetzt begleiten bis nach Andijon? Hm, Fragen über Fragen und keine Antworten. In Poytug trennen sich dann aber unsere Wege. Frei und beschwingt fahren wir nun also nach Andijon, drehen eine kurze Stadtrundfahrt und finden dann einen Platz unter Bäumen, direkt neben dem Lunapark. Da wir heute doch sehr lange unterwegs waren, beschliessen wir, früh ins Bett zu gehen. Das erste Mal seit der Türkei, klopft es an der Türe. Als Oliver rausgeht, sieht er nur ein paar halbstarke die es anscheinend lustig finden, an die Türe zu klopfen. Etwa 30 Minuten später noch einmal. Dieses Mal macht Moni das Aussenlicht an, und schaut dann zur Frontscheibe raus. Da stehen sie. Moni blickt sie finster an, ob das was nützt? Aber nachher kommen sie auf jeden Fall nicht mehr. 

Nach einer ruhigen Nacht, beschliessen wir, da wir ja immer noch viel zu schreiben haben, den Tag hier zu verbringen.

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