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Kirgisistan I

Am Donnerstag, 13. Juni 2019 stehen wir um 11 Uhr vor dem Usbekischen Zoll. Das Tor ist verschlossen, und Menschen laufen, wie früher die Tiger im Zirkus, durch so einen schmalen Käfiggang. Wir sind gespannt, wie lange die uns hier unter der brütenden Hitze warten lassen. Aber das ist ja das Schöne an einem Wohnmobil, Essen, Trinken, Toilette, Ventilator, alles vorhanden. So schliessen wir einen Teil unserer Frontläden, damit wir nicht in unserem eigenen Saft Schmorren. 

Nach einer gefühlten Ewigkeit, macht einer das Tor auf und ein Auto und wir dürfen durchfahren, doch zuerst will er noch unsere Pässe sehen. Wir halten beim nächsten Stopp-Schild und warten. Weit vorne sehen wir einen, der mit seinen Armen wild gestikuliert. Hmm. Wir stehen ja hier und warten, was will er denn noch? Da kommt der Mann aus dem hinteren Auto und meint, wir müssen hier das Fahrzeug nach rechts abdrehen, damit die Kamera uns fotografieren kann. Ach so. Ja gut, dann machen wir das doch. Aber man könnte die Kamera ja auch ein wenig anders platzieren. 

Jetzt winkt er wieder, also fahren wir mal zu ihm. Auch hier verstehen wir wieder nicht, was er von uns will, mal winkt er uns nach links, dann wieder nach rechts. Wir bleiben mal sitzen, weil wir nicht wissen wie es weitergeht. Irgendwann kommt einer und meint, wir sollen aussteigen. Er will die Pässe sehen und dann schickt man uns weiter zu einem der vielen Fenster. Doch was müssen wir denn hier? Es ist keiner im Häuschen, aber da jetzt noch mehr Fahrer mit ihren Pässen anstehen, warten wir mal. Nun muss Oliver mit einem mit, denn sie wollen Kopien machen vom Fahrzeugausweis und vom Pass. Moni wartet mit ihrem Pass in der Hand mit den anderen drei Männern vor dem verlassenen Häuschen. Jetzt kommt ein Uniformierter und begrüsst die Männer mit einem freundlichen Händedruck. Er streckt Moni die Hand hin, worauf sie, freundlich wie sie ist, seine Hand nimmt. Dieser schaut sie verwirrt an und meint: „Passport!!!“ Ach herrje, jetzt hat sie den armen Mann genötigt, ihr die Hand zu geben. Was soll’s. Er wird es hoffentlich überleben. Endlich kommt auch Oliver wieder zurück, und nun kommt noch ein Beamter, der sämtliche Pässe einsammelt und dann davonläuft. Nach einer Weile kommt er wieder zurück mit unseren Pässen und will nun noch kurz den Willi checken. Doch dieses Mal ist das Handschuhfach und die beiden kleinen Schiebetürchen bei der Küche interessanter. Die grossen Kästen will er zu unserer Überraschung nicht inspizieren. Spannende Sache. Jetzt dürfen wir mit unseren Pässen zum hintersten Fenster. Das ist immer gut. Wir wissen ja nicht, was da alles kontrolliert wird an unseren Pässen, aber es dauert ewig bis wir die zwei Stempel bekommen. Super, jetzt also weiter.Beim nächsten verschlossenen Tor müssen wir nochmals die Pässe zeigen und dann verlassen wir Usbekistan endgültig. 

Wieder vor verschlossenem Tor warten wir bis uns Einlass gewährt wird. Es geht nicht lange bis einer kommt und unsere Pässe sehen will. Dann können wir reinfahren und schön im Schatten, gleich neben dem Zoll parkieren. Wir werden freundlich begrüsst, also Oliver natürlich wieder per Handschlag und dann können wir ins Haus zur Passkontrolle. Wieder zurück, wollen sie die Papiere sehen, welche Papiere denn? So wird Oliverfreundlich von einem begleitet, um die Einfuhrpapiere für Willi zu machen. 

Als er wiederkommt, können wir gleich losfahren, ohne Willi-Kontrolle. Beim nächsten verschlossenen Tor nochmals die Pässe zeigen und wir sind in Kirgisien, oder Kirgisistan oder Kirgistan. Das ist alles richtig. Direkt nach dem Zoll wechseln wir unsere restlichen SUM in KGS und sogleich wird Oliver wieder ziemlich intensiv von einem bettelnden Mädchen zum Willi begleitet. Wir schauen uns noch weiter um nach Telefonanbietern und Autoversicherungen. Aber weit und breit nichts. So beschliessen wir in Osch weiterzusuchen. Wir gehen zu einer der grossen Beeline-Shops und kaufen uns eine Simkarte mit 30 GB Datenpaket für 600 KGS, das sind ca. 8 Euro. 

Hier mal ein Vergleich zu den Preisen in der Schweiz, da wir ja immer bei jedem Grenzübertritt eine SMS mit den Roamingkosten von Sunrise erhalten. 

Auf dem iOverlander App hat Oliver eine Adresse von einer Versicherung gefunden. Da wir aber immer wieder feststellen, dass die Koordinaten nicht stimmen, wird es ein mühsames Unterfangen. Wir kennen die Stadt schon beinahe wie unsere Hosentasche und haben immer noch keine Versicherung. So beschliesst Moni in einem Reisebüro zu fragen. Eine wirklich sehr sympathische, schwangere Frau begleitet Moni nach draussen zu Oliver, wo sie dann, als sie merkt, dass wir „schwyzer dütsch“ sprechen, uns in einem perfekten Hochdeutsch begrüsst. Überrascht fragen wir sie, wieso sie so gut Deutsch spreche. Da erzählt sie uns, dass sie Germanistik studiere. Wow! So gut. Sie macht kurz zwei Telefonate und dann sagt sie, ich begleite Euch schnell. Es ist gleich hier in der Nähe. Aber auch sie findet es nicht auf Anhieb. Also nochmals ein kurzes Telefon, ok, Richtungswechsel. Nach ein paar Metern bleibt sie stehen und sagt, seht ihr den Mann da, der macht euch die Versicherung. Wir bedanken uns ganz herzlich und verabschieden uns, denn der Mann wartet schon. 

Wir gehen ein paar Stufen hinunter, in ein kleines, kühles Büro. Aber ehrlich gesagt, das findet man ohne Hilfe nicht, denn es ist nirgends etwas angeschrieben. Eigentlich hätten sie ja um 17.30 Uhr Feierabend, und jetzt ist es schon 17.45 Uhr. Aber sie zeigen keine Spur von Hektik. Wenig später halten wir glücklich die Versicherungspapiere in der Hand. 

Moni findet, wir könnten doch gleich hier nebenan auf diesem Parkplatz übernachten, für heute ist genug. Da sind wir beide gleicher Meinung. Als wir die Fenster öffnen, steigt Oliver ein feiner Geruch in die Nase. Zur Feier des Tages gehen wir also gleich mal die Usbekische Küche probieren und sind begeistert.

Auch hier ist das Essen im Restaurant sehr günstig, die Salate sind frisch zubereitet und Oliver ist begeistert von seinen Schaschlik-Spiessen. 

Am nächsten Tag sind wir wieder mal auf der Suche nach Wasser und fahren an einen Ort der im iOverlander angegeben ist. Dort angekommen denken wir, also Flusswasser möchten wir eigentlich nicht, erst dann sehen wir weiter hinten die Wasserröhre mit dem Wasser. 

Zuerst müssen wir den kleinen Fluss überqueren und dann stellt sich die Frage, wer in das kühle Nass geht, um die Flaschen zu füllen. Moni meldet sich freiwillig. Auch Laila geniesst die doch sehr kühle Erfrischung. 

Als wir so am Wasserfüllen sind, kommt ein kleines Auto angebraust und fährt einfach bis zur Frontscheibe unter den Wasserstrahl. Na das sind ja zwei Herzchen. Wir können uns ein Lachen auf den Stockzähnen nicht verkneifen, als ihm der Motor abstirbt. Verzweifelt versuchen die zwei Männer das Auto wieder aus dem Wasser zu schieben. Sie schaffen es aber nicht. Moni meint, komm wir helfen. Aber Oliver findet, wenn einer so doof ist und mit einem überhitzten Motor einfach ins Wasser fährt, ist er selber schuld. So geht Moni alleine und hilft. Als er schon fast wieder oben steht, geht nichts mehr. So zieht er die Handbremse an und die zwei schauen sich ziemlich ratlos an. Wir füllen weiter unsere Flaschen und in der Zwischenzeit haben sich die Männer Unterstützung geholt. Sie haben die Motorhaube offen und hoffen, dass der Rest die Sonne macht. Wenn wir schon Wasser haben, können wir ja auch noch gleich zwei, drei Sachen putzen und dann machen wir uns wieder vom Acker. Es ist heute drückend heiss, bei 37 Grad, dass wir beschliessen einen Platz am See oder am Fluss zu suchen. Aber anscheinend ist hier das Bedürfnis nicht so gross, dass man zum See fahren kann. Nach einer kurzen Irrfahrt durch kleine Quartierstrassen, finden wir, ein Schattenplatz tut es auch. Werden dann aber doch noch fündig, gleich in der Nähe des Flusses, so dass Laila immer wieder ihre Füsse kühlen kann. 

Am Nachmittag, kommen 3 Jungs am Willi vorbei, haben aber Angst vor Laila, die unter dem Willi im Schatten liegt. So geht Moni raus und der Jüngste der dreien, begrüsst sie gleich auf Englisch. Er fragt wegen Laila und als sie ihm erklärt, dass Laila angebunden ist, ruft er den beiden Grossen etwas zu. So bedankt er sich herzlich und erzählt, sie gehen jetzt baden. Ein paar Stunden später wieder dasselbe Spiel. Die Grossen machen sich fast in die Hosen nur, weil Laila bellt. Also geht sie wieder raus und schon kommt der Jüngste und fragt, ob wir in dem Auto wohnen. So fragt er ungeniert, ob er mal reinschauen darf. Höflich begrüsst er Oliver mit der Hand und schaut sich dann anerkennend um. Er ist total fasziniert und kriegt sich kaum mehr ein. Er bedankt sich und verabschiedet sich von Oliver. Draussen fragt er sie, ob die anderen zwei auch reinschauen dürfen. Aber ja doch, wir haben heute Tag der offenen Tür, kein Problem. Der eine kommt, geht rein, schaut sich um, geht wieder raus und schnell wieder ausser Reichweite von Laila. Der Jüngste ruft auch dem anderen nochmals, aber seine Angst ist grösser als die Neugierde. Der Junge bedankt sich ganz herzlich und geht dann wieder zu den anderen. Wir verbringen den Tag mit Füsse kühlen und Blog schreiben. 

Am nächsten Morgen fahren wir ein bisschen weiter, bis wir in einem Dorf am Strassenrand einen Bäcker sehen. Wir parkieren und gehen mal schauen. In einem runden Lehm-Ofen werden hier an der Strasse frische Brote gebacken.

 

Hmm, frisches Brot, also schnell zurück zum Willi und dann gibt es ein ausgiebiges Frühstück. Nach kurzer Fahrt, sehen wir einen Weg, der in die Nähe des Sees führt. Das müssen wir uns jetzt genauer ansehen. Und wirklich, wir finden einen super Platz wo wir bleiben. Es wäre herrlich hier ein bisschen zu baden, das Wasser ist angenehm, aber es sind immer nur Kinder und Männer im Wasser, und mit den Kleidern möchte Moni nicht baden gehen. Wir bleiben auch am nächsten Tag noch hier. Gegen Mittag hält ein Auto neben uns, ein Mann steigt aus und hält Oliver sogleich seinen Ausweis unter die Nase. Er macht uns mit Zeichensprache verständlich, dass schwimmen hier verboten ist. Nun verstehen wir auch, warum alle schnell aus dem Wasser gesprungen sind und die Männer ihre Fischerruten weggelegt haben. Nur 3 fischende Jungs haben es nicht mitbekommen, dass der Parkaufseher im Anmarsch ist und müssen nun eine Geldstrafe bezahlen. Kaum ist er hinter der nächsten Kurve verschwunden, hüpfen alle wieder ins Wasser, packen ihre Fischerrute aus und machen weiter als ob nichts wäre. 

Kirgisien ist ein sehr fruchtbares Land. Überall sieht man Ackerbau, und immer wieder finden wir, es sieht so Oasenmässig aus. Auf der einen Seite die hohen kargen Berge und dann das saftig grüne Tal. Einfach nur wunderschön. 

Auch unser nächster Schlafplatz lässt sich sehen. Laila kommt uns vor wie ein Einzelkind. Sie geht immer wieder alleine zum Fluss und kommt wieder zurück und stupst uns an, bis Moni die Badeschuhe anzieht und mit ihr den Fluss abmarschiert bis zum See. Dass man Steintürmchen baut, anstatt ihr die Steine ins Wasser zu werfen, bleibt ihr ein Rätsel. 

Auf dem Weg nach Bischkek fahren wir an einer Mautstelle vorbei. Wir bezahlen 700 KGS, also etwa 9.20 Euro. Wir haben gelesen, dass man die Quittung unbedingt aufbewahren soll, weil man auf der anderen Seite wieder an einer Mautstelle vorbeikommt und sonst nochmals bezahlen muss. 

Wieder fahren wir an einem ziemlich deftigen Autounfall vorbei. Die beiden Autos sind Totalschaden, und wir fragen uns wieder einmal, warum die Leute so fahren. Ist ihnen ihr Leben nichts wert? Aber anscheinend schockiert das die Leute hier nicht, denn sie fahren genau gleich weiter. In einer unübersichtlichen, kurvenreichen Strecke werden wir und der Lastwagen vor uns von einem überholt. Dass der entgegenkommende Lastwagenchauffeur und die anderen Autofahrer einen halben Herzinfarkt haben, interessiert ihn nicht. Dank dem sofortigen Reagieren aller, wurde hier ein schlimmer Unfall verhindert. Da auch immer wieder Tierherden auf der Strasse getrieben werden, weiss man nie was nach der nächsten Kurve kommt. Daher verstehen wir nicht, wie man so fahren kann.

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Kommentare: 2
  • #1

    s'Tanti (Sonntag, 23 Juni 2019 19:01)

    Wünsche Euch viele schöne Tage in der grandiosen Natur. Muss für Dich Monika eindrücklich gewesen sein, diese grosse Pferdeherde in der Front vom Willi.
    ..... und Laila, geht es ihr wieder besser, wenn es kühler ist ? Knuddel, knuddeln vom Tanti

  • #2

    Vreni (Freitag, 19 Juli 2019 15:41)

    Endlich komme ich mich wieder einmal dazu, mich in Eurem Reiseblog zu vertiefen und in Gedanken mitzureisen ! Herrlich spannend, wunderschöne Natur, interessante Kultur, freundliche Menschen..... Einzig diese Blödmänner von korrupten Polizisten müssen immer alles verderben !
    Total fasziniert bin ich natürlich von dieser grossen Pferdeherde. Du Moni: das könnten Achal-Tekkiner sein. Ihr
    Zuchtgebiet ist Turkmenistan, Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan. Achal-Tekkiner zählen zu den ältesten Pferderassen der Welt, durch Wüstenoasen und wasserarmer Wüstenklima sind sie auf extreme Härte ausgerichtet. Sie haben einen wunderbaren Goldglanz in ihrem Fell, was vermutlich vom dortigen Boden kommt.
    Du Moni: könntest Du das nächste Mal bitte eine Nahaufnahme machen von einem Exemplar, möglichst von vorne und von der Seite, das eine Hinterbein leicht versetzt, damit man das Exterieur schön sieht. Danke !!!!