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Kasachstan I

Am Donnerstag, 27. Juni 2019, reisen wir ohne Probleme von Kirgisien nach Kasachstan. Was sollen wir hier erzählen, es ist ja immer dasselbe an der Grenze. Es ist extrem heiss und es braucht sehr viel Geduld. Nur eines möchten wir Dir doch erzählen. Bei der üblichen Kontrolle von Willi durch einen Kirgisischen Zöllner, wird Oliver wieder einmal auf die Probe gestellt. Da dieser sehr unsympathische, übelriechende und bei dieser Hitze stark schwitzende Mann überall alles anfasst und seine Nase reinsteckt. Er reisst an der Türe des Kühlschrankes, bis Oliver stopp ruft und die Sicherung öffnet. Er schaut sich alles genau an und meint die ganze Zeit, oh oh. Dass er nicht noch ein Bier von Oliver fordert, grenzt an ein Wunder. Dann zwängt er sich durch die kleine Badezimmertüre, an unseren Badetüchern vorbei ins Bad, sieht den Wasserhahn und fängt an daran rumzuriegeln. Da kein Wasser kommt, stellt Oliver den Hauptschalter ein, worauf sich dieser freut wie ein kleines Kind und unser kostbares kühles Wasser mit freudigen, oh oh rufen, über seine Hände laufen lässt, bis Oliver den Hauptschalter genervt wieder ausschaltet, damit nicht noch mehr Wasser verschwendet wird. 

Nach der Grenze wollen wir gleich wieder die Versicherung für Willi machen. Bei einem Mann, der in einer Ecke eines kleinen Restaurants seinen Tisch hat, fragen wir, was es kosten würde. Doch er meint: „Moment bitte, ich muss zuerst alles ausfüllen.“ Das dauert ja immer eine kleine Ewigkeit, und bei dieser Hitze dauert es unendlich lange. Als er endlich fertig ist, gibt er Oliver die Zettel zum Unterschreiben. Da will der lustige Mann doch tatsächlich 19'851 Tenge für 14 Tage in Kasachstan. Wir stehen auf und sagen: „Nein, das ist ja teurer als letztes Mal für 30 Tage. Das bezahlen wir nicht!“ Da meint er, wir sollen uns doch wieder setzen, nimmt den Fahrzeugausweis und fragt nach dem Gewicht. „Ach so, das ist nicht so ein grosses Auto, dann ist es auch nicht so teuer, einen Moment bitte.“ Ja klar, man kann es ja versuchen. Doch die Milchkuh hat einen Milchstau und will nicht. Wieder füllt er alles aus und gibt uns dann die neuen Zettel zur Unterschrift. Obwohl es eigentlich mit 9706 Tenge für 14 Tage immer noch zu teuer ist, unterschreibt Oliver, weil er nicht noch ein langes hin und her will. 

Unsere alte Simkarte von Kasachstan können wir angeblich auch nicht mehr aufladen, so kaufen wir uns eine Neue mit 12 GB Daten für 3500 Tenge. Jetzt sind wir also ausgerüstet und machen uns auf den Weg. Kurze Zeit später halten wir bei einem schönen See, und geniessen die abendliche Stimmung in Kasachstan.

Am nächsten Morgen erfrischt sich Laila noch ausgiebig im See und dann fahren wir weiter Richtung Almaty. Auf einmal werden wir hupend von einem Deutschen Wohnmobil-Lastwagen überholt. Gleich beim nächsten Parkplatz stellt er den Blinker und so machen wir einen kurzen Plauderhalt. Es gibt einen interessanten Austausch über die Mongolei, das Kleider waschen, Visa-Geschichten usw. So verabschieden wir uns wieder und fahren weiter nach Almaty. 

 

Gleich bei einer unserer Sehenswürdigkeiten finden wir einen schönen Parkplatz im Schatten. So laufen wir durch den schönen Park der uns zur Christi-Himmelfahrt-Kathedrale führt. Es ist ein russisch-orthodoxes Kirchengebäude das um 1905 aus Holz gebaut wurde. Im Moment wird sie gerade restauriert und sie sieht aus wie neu, schon fast ein wenig kitschig. 

Auf dem grossen Vorplatz der Kirche befindet sich ein kleiner Lunapark. Ein Londoner-Stadtbus, ein kleiner Zug, aber was natürlich auf keinen Fall fehlen darf, sind die kleinen Elektro-Mercedes-Autos. Aber schliesslich braucht es ja auch das richtige Auto, wenn man schon in so jungen Jahren mit Anzug herumläuft. 

So fahren wir zu unserer nächsten Sehenswürdigkeit, und dort, wie könnte es auch anders sein, hat es Autos für die etwas Älteren. Mindestens ein Dutzend Hummer Limousinen stehen da auf dem Parkplatz. 

Der First President’s Park scheint ein sehr beliebter Ort für die Hochzeitsfotos zu sein. Überall wird wie wild fotografiert. Irgendwie tun uns die Frauen ein wenig Leid. Die einen können kaum mehr gehen, sie haben entweder zu kleine Schuhe gekauft, oder aber die Hitze lässt ihre Füsse über die Schuhe hinausquellen. Aber Hauptsache es sieht gut aus und das tut es definitiv. So schöne Kleider und Frisuren. Da hatten die vielen Frisöre und Kosmetikerinnen wohl einiges zu tun. 

Wir könnten hier stundenlang sitzen und zuschauen. Ach, jetzt haben wir ja gar nichts vom Park geschrieben. Eigentlich wäre hier ein gigantisches Wasserspiel, aber entweder es ist etwas defekt, oder aber sie sparen Wasser. Denn alles ist knochentrocken. Schade, das sähe sicher spektakulär aus. Wir geniessen die angenehme Temperatur hier inmitten der vielen Bäume. Zurück beim Willi, setzen wir uns aufs Trottoir und essen unsere 8 Kilo Wassermelone. Das war übrigens die kleinste die wir gefunden haben und gekostet hat sie auch so gut wie nichts. 

Mit unseren Wassermelonen-Bäuchen fahren wir dann weiter in der Hoffnung, dass wir es noch bis zum See ausserhalb von Almaty schaffen, aber die Strassen sind nicht sehr gut, und so suchen wir uns dann schon vorher einen Schlafplatz, schön versteckt hinter den Bäumen.

Den nächsten Tag verbringen wir mit Fahren und diskutieren, denn wir müssten jetzt in Nur Sultan/Astana auf die Botschaft wegen dem Mongolei-Visum. Aber wenn wir uns vorstellen, dass die Strassen noch schlimmer sind als hier, dann wollen wir uns das nicht antun. In sämtlichen Berichten die wir lesen, werden die Strassen in der Mongolei und die vielen Schäden an den Fahrzeugen hervorgehoben. Wollen wir das wirklich? Aber nachdem wir den ganzen Tag auf dieser Strasse verbracht haben, ist der Entscheid gefallen. Das halten wir nicht aus. Den ganzen Tag rüttelt und schüttelt es, es gibt immer wieder Staubhosen, die zwar faszinierend aussehen und das Thermometer klettert auf 39 Grad. Die Hitze lässt den Hintergrund flimmern und wir sehen einen See, den es gar nicht gibt.

Da es auch nirgends Bäume gibt, hat es auch nirgends einen Schattenplatz. Während dem Fahren ist es ja noch angenehm mit der Klimaanlage, aber diese Strasse hält man nicht den ganzen Tag aus. Zum Glück finden wir um 16 Uhr eine Strasse die uns direkt zum See führt. Herrlich!!! Hier bleiben wir. Der Wind und das Wasser kühlen uns wunderbar ab.

Auch am nächsten Tag spulen wir Kilometer um Kilometer ab und irgendwie nimmt es einfach kein Ende. Irgendwann haben wir genug und so fahren wir wieder zum See, übrigens immer noch der gleiche See. Der ist so lang, wie wenn wir von der Schweiz nach Amsterdam fahren würden. Wahnsinn oder?

 

Wir fahren an einem sogenannten Ferienressort vorbei und schon entbrannt eine hitzige Diskussion. Oliver findet, hier geht man doch nicht in die Ferien, schon die Zufahrt löscht einem ja ab, aber Moni meint, wenn man sich anschaut, wie die Menschen hier überall leben, und wie das hier aussieht, dann ist das doch herrlich um hier Ferien zu machen. Wir fahren ein Stück ausserhalb des Dorfes zum See und hoffen wir finden etwas Schönes. Na ja, es ist kein Sandstrand, aber man kommt direkt zum See. Also nichts wie raus. Hilfe, nichts wie wieder rein. Die Bremsen und Mücken fressen uns, als ob sie das Ganze Jahr noch nichts bekommen hätten. Schade, so kochen wir uns was und bleiben im Willi. Doch einer muss sich opfern und Laila und das Einstiegstreppchen reinholen. Wer das wohl sein wird? Einige von Euch erinnern sich bestimmt noch an den Midges - Angriff in Schottland. Somit ist ja wohl klar, wer rausgeht. So, jetzt noch die heimlich an Bord gekommenen Blutsauger erledigen und dann kann unsere Fahrt weitergehen. Mitten in der Steppe von Kasachstan finden wir dann einen wunderschönen Schlafplatz mit herrlichem Sonnenuntergang und erst noch Insektenfrei. Wir verbringen eine schöne, ruhige und kühle Nacht. Man merkt schon, dass wir jetzt wieder einige hundert Kilometer nördlicher sind. Es ist herrlich angenehm kühl. Am nächsten Morgen heisst es wieder, los Richtung Astana, oder Nur Sultan.

 

Wir waren ja früher auch sehr oft mit dem Auto unterwegs, aber so viele Unfälle wie in den letzten paar Monaten haben wir das ganze Leben lang noch nie gesehen. Aber wie ja schon oft erwähnt, bleibt es uns auch ein Rätsel, wie man so Autofahren kann.

 

Heute ist wieder einmal ein Grosseinkauf fällig. So gehen wir in Qaraghandy einkaufen. Über den Plastiksackärger schreiben wir nicht mehr, es nützt auch nichts, wenn wir als Tourist keine Plastiksäckchen möchten, es wird trotzdem alles einzeln verpackt und verklebt. Es muss so gemacht werden. Schade. An der Kasse bezahlen wir mit unserer Kreditkarte und da meint die Frau, wir müssen uns dort hinten registrieren. Registrieren? Für was denn? Also gehen wir zum Schalter. Dort möchte die Frau den Einkaufszettel sehen. Sogleich steht eine andere Frau auf und geht weg. Hmm?! Kurze Zeit später kommt sie mit einer Torte zurück. Die sei für uns. Oh welch schöne Überraschung. Ist das jetzt, weil wir so viel eingekauft haben, oder weil wir der Tausendste Kunde waren? Was auch immer, wir freuen uns riesig. Leider haben wir die Torte so schnell zur Hälfte gegessen, dass wir erst nachher daran dachten sie zu fotografieren. Dabei war sie sooo schön.

Hier in diesem Dorf gibt es auch noch eine Wasserstelle. Also fahren wir noch kurz dorthin. Wir stehen mit Willi schon auf dem Parkplatz und müssen noch die Wasserflaschen rausnehmen, als zwei mit einem Auto schnell neben uns parkieren und ohne Flaschen zur Wasserstelle gehen. Als Moni dann mit zwei Flaschen kommt, wird ihr klargemacht, wie hier die Reihenfolge abläuft. Da die anderen einfach schnell ausgestiegen sind und ohne Flaschen zur Wasserstelle gingen, sind sie ja logischer weise vor uns dagewesen. Also, alles klar? Aber das ist ja kein Problem, wir haben ja Zeit.

So deponieren wir die Flaschen, damit die Reihenfolge auch klar ist, und Moni geht zurück zu Willi um Laila zu holen. Das wird sonst zu warm für Laila. Ein junger Mann kommt mit einem kleinen Wasserbehälter und einem kleinen Eimer mit Deckel. Er schaut uns immer wieder an und läuft mit seinen zwei kleinen Behältern unruhig hin und her. Da wir 90 Liter brauchen, finden wir, er kann ruhig vor uns ran und deuten ihm, als der Mann vor uns den letzten Kanister füllt, er könne vor uns hin. Er freut sich und rennt auf die andere Strassenseite und kommt mit weiteren Behältern zurück. Wir schauen uns an und finden, nein, so geht das nicht. Da kommt die ganze Familie daher, und jeder hat noch einen Behälter mehr. Nein, unser Angebot wird storniert. So beginnen wir mit dem Wasser füllen. Auf einmal deutet die Frau zu Moni, warum der Hund keinen Maulkorb anhat. Da sie das ziemlich unfreundlich immer wiederholt, meint Moni auf Deutsch, nein der Hund braucht keinen Maulkorb, der beisst nicht. Wobei im Gegensatz zu der Frau, hat Laila wenigstens noch alle Zähne zum Beissen. So fahren wir also schon gegen Abend weiter. Astana, immer noch knapp 200 km entfernt. Auf einmal, wird unsere holprige Strasse zu einer wunderschönen Mautstrasse. Keine einzige andere Strasse ist in Sichtweite und auf beiden Seiten hat es einen hohen Zaun. Wie sollen wir hier einen Schlafplatz finden? Moni lacht und meint, mit so einer Strasse sind wir ja schnell in Astana, aber Oliver findet für heute reicht es. So fahren wir bei einer Ausfahrt raus und haben Glück. Noch in der Ausfahrt ist der Zaun bei einer kleinen Feldstrasse aufgeschnitten. Das ist unsere Chance. Schnell fahren wir das kleine Strässchen, bis wir ausser Sichtweite sind. Mitten in der Weite der kasachischen Steppe finden wir einen wunderschönen Schlafplatz unter herrlichem Sternenhimmel und freier Natur. 

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Kommentare: 1
  • #1

    s'Tanti (Sonntag, 07 Juli 2019 13:24)

    Wow, das sind ja Distanzen, aber wunderschön die Gegend.
    Hey, Hochzeitsgucken, keine Lust ? Wäre auf Einladung hin auch gekommen.....hi,hi,hiiiiii !