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Kasachstan II

Es ist wunderbar kühl, sodass wir heute Morgen wieder einmal ausgeschlafen haben. Bis Nur-Sultan ist es ja nicht mehr weit. Wir fahren zur Mautzahlstelle und wissen nicht, ob wir jetzt zu den Auto’s oder zu den Lastwagen müssen. Aber da wir ja kein Lastwagen sind, gehen wir zur Kasse mit dem Autozeichen. Dumm nur, dass niemand in diesem Zahlhäuschen sitzt. Wir haben keine Ahnung wieviel wir bezahlen müssen, aber von vorne werden wir auf jeden Fall gefilmt. So schiebt Oliver mal eine 500-er Note rein, keine Reaktion, also noch eine 500-er. Jetzt rattert es, und wir bekommen eine Quittung und 300 Tenge zurück. Also 700 Tenge für eine wirklich schöne Strasse. Die Weiterfahrt durch die Stadt ist spannend. Sie ist voller riesiger, prunkvoller, spezieller Bauten. Doch unser erstes Ziel ist die Mercedes Garage. 

Nein, nein, es ist nichts defekt. Es sind zwar noch 6000km bis zum nächsten Service, aber wir machen doch schon einen Kleinen, mit Ölwechsel und Filterwechsel usw. Wir finden, nach dieser Staubpartie kann es nichts schaden. So sind wir dann wieder gut gerüstet für die nächsten rund 22'000 km. Oliver geht ohne Voranmeldung mal rein und schaut, ob wir einen Termin bekommen. Nach 30 Minuten kommt er mit einem Mann zurück und meint: „Los komm, aussteigen, der nimmt den Willi gleich mit.“ Ähm ok, aber ich muss noch lange Hosen und Schuhe anziehen, meint Moni leicht gestresst, weil der gute Mann schon im Willi sitzt und den Motor laufen lässt. Nicht mal mehr die Dachfenster kann sie schliessen. Aber wir sind ja froh, dass sie uns da einfach so dazwischen nehmen. 

 

So laufen wir also ein bisschen im Quartier umher und staunen über die Plakate.

Hier kann man also eine 3 Zimmer Wohnung mit 76,43 m2 kaufen für sage und schreibe 10'891'630 Tenge. Das sind 28'100 CHF. Nicht schlecht, oder? Im Vergleich dazu kann man diesen hübschen Mercedes für 10'230'000 Tenge kaufen, das sind 26’400 CHF. Wahnsinn! Übrigens der Hypozins für die Wohnung beträgt 2125 Tenge pro Monat, das sind 5.48 CHF. Zumindest wurde uns das so von einer Mitarbeiterin der Mercedes Garage übersetzt. Wir finden solche Vergleiche immer sehr interessant. So laufen wir nach einer Stunde wieder zurück zu Willi und warten dann noch ca. 15 Minuten. Dieser kleine Service kostet uns 93’120 Tenge, also 240 CHF. Als wir Willi wieder zurückbekommen, stehen alle ausgetauschten Teile und eine Flasche mit Öl im Willi. Was soll das denn? Als Beweismaterial? Moni meint, das ist sicher noch der Rest vom neuen Öl, aber Oliver gibt dem Mann alles zurück, worauf dieser meint, es sei neues Öl. Na toll und was machen wir jetzt mit dieser Flasche, wir haben ja bereits 1 Liter Reserve-Öl dabei. Bisher mussten wir noch nie Öl nachfüllen. Aber wer Moni kennt... schliesslich weiss man nie, ob man es doch nochmals irgendwann gebrauchen kann. 

So, jetzt suchen wir uns einen Platz zum Übernachten, denn morgen wollen wir uns dann die Stadt etwas genauer anschauen. Doch was soll denn das?! Wir werden schon wieder von der Polizei rausgenommen. Zuerst meinen wir, wir hätten das Nummernschild verloren, aber nein, der gute Mann meint, wir hätten ein falsches Nummernschild. Das ist kein Kasachisches Nummernschild. Ja, anscheinend hat er noch nie ein Ausländisches Nummernschild gesehen.

Wir möchten hierzu noch anfügen, dass wir andauernd und immer wieder von der Polizei kontrolliert werden. In der Regel sind sie ja nett und wollen einfach wissen woher wir sind, wohin wir wollen und manche wollen einen Blick ins Fahrzeug werfen. Aber leider gibt es dann diejenigen, die Dir die Ausweise wegnehmen und Dich einfach nur abzocken wollen, daher hat man halt immer ein ungutes Gefühl, wenn sie Dich rauswinken.

Auf einem Parkplatz gleich neben einem Park der als Sehenswürdigkeit gilt, bleiben wir über Nacht. Oliver ist es in den Städten immer zu laut, während Moni tief und fest schläft. Am Morgen machen wir einen ausgedehnten Spaziergang durch diesen Park. Es ist wirklich schön, viele Bäume, überall hat es Spielplätze und wir staunen über die Sicherheitsbestimmungen dieser Attraktionen. 

Der Anblick dieses künstlichen Apfelbaumes bringt uns einerseits zum Schmunzeln, andererseits fragen wir uns, ob das die Zukunft ist? Die Äpfel werden künstlich hergestellt, und damit man den Kindern zeigen kann, wie so ein Baum früher ausgesehen hat, gibt es dann diese Denkmäler??? Oh weh!!!

So fahren wir zu einem Parkplatz, wo wir dann verschiedene Sachen anschauen können. Parkavenue, Triumphbogen, es gibt römische Gebäude, Hochhäuser die uns an New York erinnern, aus aller Welt hat es hier was, nur nichts wirklich Eigenes. Schade, irgendwann sieht die ganze Welt gleich aus.

In Astana fand im Jahre 2017 die EXPO statt. Dieses spezielle Gebäude möchten wir auch noch genauer anschauen, vor allem auch, weil es hier einen riesigen, leeren Parkplatz hat. 

Als wir so durch diese Glaspaläste laufen, hören wir auf einmal Musik, so richtig „ramba zamba Party mässig“ was Moni unweigerlich anzieht. Oliver läuft unmotiviert hinterher. Hier findet ein Tanzwettbewerb statt. Von klein bis gross, darf hier jeder einzelne sein Können zeigen. Die einen werden lautstark vom Publikum angefeuert. Da es relativ laute Musik ist, gehen wir schon bald weiter, mal schauen was denn in diesem Gebäude sonst noch ist. Das ist ja ein riesiges Einkaufscenter, und das schlimmste, hier riecht es überall nach Essen. Das ist gar nicht gut für uns. Auch hier hat es wieder ein grosses Eisfeld, das rege genutzt wird. 

Wir staunen über die extreme Kauflust der Kasachen und können uns das, bei einem Durchschnittlichen Einkommen von angeblich 500 Dollar im Monat einfach nicht vorstellen. 

 

Die bunten Fische in den drei Glasröhren sehen ja sehr schön aus, aber sie tun uns wahnsinnig leid in ihrem Plastik-Riff. Bei der Vogelvoliere kann man sich gleich selber als Vogel fühlen. 

Jetzt gibt es noch einen kleinen Spaziergang, Nur-Sultan by night. 

Also wir müssen schon sagen, bei Nacht sieht diese Stadt echt super aus, aber wenn man tagsüber die Häuser ein bisschen genauer betrachtet, bröselt der imposante Schein ziemlich schnell ab. Man baut hier rasend schnell eine riesige Stadt auf, aber mit dem Unterhalt der Gebäude und Parks hapert es dann doch. Es scheint so, als ob, wenn mal fertig gebaut ist, nichts mehr gemacht wird. Die einst schönen Parkanlagen sind bereits überwuchert und sehen deshalb sehr ungepflegt aus. 

Am nächsten Tag besuchen wir noch die Hazrat Sultan Moschee. Alle Frauen bekommen einen Wickelrock mit integrierter Kapuze. Wir empfinden diese Moschee als Platz der Begegnung. Die kleinen Kinder rennen herum, Frauen sitzen plaudernd zusammen am Boden, Männer stehen zusammen und diskutieren. Auch wir fühlen uns willkommen. Die Schuhe werden ins Fach gestellt und es darf fotografiert werden. 

 

Nun möchten wir noch die Pyramide des Friedens und der Eintracht besichtigen, das tut uns sicher gut.

Zuerst finden wir aber den Eingang nicht. Der Eintritt kostet 1000 Tenge pro Person und man darf sie nur mit Führer besichtigen. Nach der Führung wissen wir dann auch warum. Hier würde man sich total verlaufen. Da es sich ja um ein Gebäude in Pyramidenform handelt, ist dementsprechend der Lift auch schräg nach oben eingebaut. Man merkt allerdings nichts beim Fahren. 

Das Beeindruckendste war sicherlich, der oberste Raum im Spitz der Pyramide. 

Nur der Präsident und seine Gäste dürfen diesen speziellen Lift benutzen, der ganz nach oben fährt, wobei uns diese sehr spezielle Treppe entlang der Blumen eh besser gefällt, als der Lift.

Am nächsten Morgen beschliessen wir noch das Ethno-Memorial zu besichtigen. Hier wurde auf gut zwei Hektar ein Miniaturmodell von Kasachstan gebaut. Wir hoffen, vielleicht noch ein paar Ideen für weitere Sehenswürdigkeiten zu finden. Doch irgendwie soll es nicht sein. Es ist alles abgesperrt, so versuchen wir einen Angriff von der anderen Seite, aber auch da ist alles abgesperrt. Wir sehen nur eine kleine Ansammlung von Menschen und hören, dass jemand spricht. Schade, es wäre schön, wenn man wüsste um was es geht. Oliver hat noch einen speziellen Lebensmittelladen entdeckt, und in der Hoffnung auf anderes Gemüse oder Früchte fahren wir jetzt mal dorthin.

Oh, wir sind total begeistert. So schönes Gemüse, endlich wieder mal Bohnen und Kefen und, und, und. Beim wiegen des Gemüses müssen wir gleich bezahlen. Uns trifft der Schock, wir bezahlen 52 CHF und dabei haben wir doch nur 1 Mango, 2 Avocados, 1 Kiwi, 1 Zitrone, 1 „Päckli“ Bohnen und 1 „Päckli“ Kefen, irgendein Kraut das wir nicht kennen und Trauben gekauft. Im Rest des Ladens kaufen wir nur noch wenig, dass wir sonst nirgends bekommen und gehen wieder. Dieses Abendessen müssen wir dann doppelt geniessen, damit es sich auch gelohnt hat. Aber es ist halt schon so, irgendwann hat man das Gefühl, man isst immer nur dasselbe, wenn es immer nur das gleiche Gemüse gibt. 

 

So fahren wir also Richtung Tamozhnya zur russischen Grenze. Unterwegs suchen wir uns immer mal wieder einen Platz um Laila noch ein wenig baden zu lassen, aber nirgends können wir die Stühle rausnehmen, weil es extrem viele Insekten jeder Art hat. 

Wir werden von riesigen Bremsen angegriffen, dass es nur so knallt auf der Frontscheibe, ganz kleine Mücken wie die Midges in Schottland und von Mücken attackiert. Da Oliver immer extrem darauf reagiert, sehen seine Beine nun wieder so aus.

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Kommentare: 1
  • #1

    s'Tanti (Sonntag, 07 Juli 2019 14:23)

    Ha, ha, haaa, aus Astana wird Nur-Sultan, nur weil ein langjähriger Regent der Stadt zurück getreten ist. Also wird Luzern dann mal Hans-Ruedi heissen, weil wahrscheinlich ein Touristik-Verantwortliche mit Namen Hans-Ruedi Matter tausende von Chinesen eingeladen hat !!!

    Imposant und modern, diese Stadt, auch wenn viel nachgemacht ist. Echte Hingucker sind die Pyramide und die Moschee. Das sieht ja bombastisch aus.
    Und ja, Oliver, die Mückenstiche sind wohl eine kleine Zugabe, sieht aus, wie wenn es beissen würde !!!