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Russland zum Zweiten, Bericht I

Am Montag, 8. Juni 2019 fahren wir um 13.04 Uhr zum Kasachischen Zoll. Alles geht ruckzuck.

Um 13.15 Uhr sind wir schon im Niemandsland. Wir stellen uns schön brav in die Kolonne, gehen wie die anderen auch zum ersten Zöllner und füllen die Migrationskarte aus. Wir freuen uns, dass wir endlich zuvorderst in der Reihe stehen. Als wir endlich das ok für die Einfahrt zum Zollhof bekommen, heisst es „niet“. Wir müssen wieder 2 m zurückfahren und dann werden die Autos und Lastwagen hinter uns Etappenweise durchgelassen. Keine Ahnung was los ist. So warten wir bis um 16.35Uhr. Da fragt Moni, als er wieder ein paar Lastwagen und Autos durchlässt, wo denn das Problem sei. Aber irgendwie kann er uns das, auch nicht sagen. Wir warten, und da wir gerade unseren Blog schreiben, bis Du jetzt live dabei. Wir warten. Wir warten immer noch, und wieder dürfen ein paar Autos durchfahren und dann wieder ein paar Lastwagen, und wir warten immer noch. Irgendwann kommen ein paar Männer aus den Lastwagen hinter uns und fragen, warum wir nicht reindürfen. Tja, wenn wir das wüssten. So geht einer der Männer zum Zöllner und fragt, warum wir nicht reindürfen. Er kommt wieder zu uns und meint, wir müssten warten, bis bei den Lastwagen wieder etwas frei wird. Als der Zöllner erneut einem Chauffeur zuwinkt, dass er fahren dürfe, geht der Mann schnurstracks wieder zum Zöllner und setzt sich für uns ein und siehe da, schon dürfen wir fahren. Wir bedanken uns ganz herzlich und fahren los. Wir parkieren Willi und steigen aus. Ein Zöllner meint, wir müssen da in dieses Häuschen. Aber hier ist ja gar niemand drin. Also warten wir. Innert kürzester Zeit ist das kleine Häuschen voll mit wartenden Chauffeuren, es ist stickig und heiss, in dem 4m2 grossen Raum. Endlich kommt eine jüngere Frau in Uniform. An ihrer Reaktion als sie unsere Pässe sieht, müssen wir annehmen, dass sie zum ersten Mal einen Schweizer Pass in den Händen hat. Irgendwie ist sie überfordert. Aber ist ja auch verwirrend. Schweizer Pass mit Visa Eintrag aus Deutschland. Auf jeden Fall kommt ihr jetzt ein älterer Kollege zu Hilfe. Wir fragen uns, was es da immer zu lachen gibt, sie hält die Pässe nach oben gegen das Licht, und unter die UV-Lampe und dann nimmt sie unsere Gesichter ins Visier. Zum Glück fragt sie nochmals ihren Arbeitskollegen, wo sie den Einreise-Stempel machen soll, denn wir bekommen schon Angst, als sie den Stempel über dem Visum gehalten hat, denn dann wäre es ungültig. Aber irgendwann bekommen wir unseren Stempel. Ok, die erste Hürde ist genommen. Draussen wartet schon der Zöllner für die Willi Inspektion. Dieses Mal wird aber wirklich alles aufgemacht, sogar das Toilettentörchen und den Gaskasten müssen wir öffnen. Laila und ihre Papiere interessieren niemanden. Aber da sind wir auch froh darüber. Gleich nach der Grenze hat es wieder Versicherungen. Oliver meint, wir könnten das ja auch morgen in einer Stadt machen, aber Moni findet, nein, lieber hier, dann müssen wir nicht Stundenlang eine Versicherungsgesellschaft suchen. Oliver fragt, und wie willst Du bezahlen? Ich sehe nirgends einen Geldautomaten. Aber schliesslich, wissen wir ja gar nicht wieviel es kostet. Also gehen wir mal rein und fragen. 

Also, Visa nimmt er nicht, und einen Bankomaten hat es nirgends. Moni fragt, wie teuer die Versicherung ist und nachdem wir wissen was es kostet, sagt sie ihm, wir hätten noch genau 18'400 Tenge und 1980 Rubel. So macht der nette Mann uns eine Mischrechnung. Das passt ja perfekt. Jetzt sind wir unsere Tenge los, und den Rest hat er in Rubel genommen. Nun fehlt uns also noch ein Geldautomat und eine neue Simkarte. Also fahren wir mal weiter, irgendwann finden wir sicher was. Es ist für uns jedes Mal erstaunlich, wie ein neues Land schon gleich wenige Meter nach der Grenze völlig anders aussieht. Wir staunen über die saftigen Felder und die schönen Bäume und Wälder. Auch die Menschen und ihre Kleidung sehen wieder ganz anders aus. In der nächst grösseren Stadt bekommen wir Geld und auch eine Simkarte. Aber es ist jedes Mal schwierig, bis wir die richtige Simkarte bekommen. Zum Glück haben wir uns angewöhnt, den Laden erst zu verlassen, wenn es auch wirklich funktioniert. Auch heute muss die Verkäuferin einen zweiten Antrag ausfüllen, da die erste Simkarte nicht funktioniert. So, jetzt wären wir also wieder vollständig ausgerüstet. Jetzt aber nichts wie los, einen schönen Schlafplatz suchen und endlich etwas kochen.

Wir finden einen superschönen Platz, aber es hat Millionen von Mücken. Auch unsere Mückensprays nützen nichts. Wir hoffen schwer, dass es am Baikalsee nicht auch so ist. Irgendwie bringen wir das summen der Mücken gar nicht mehr aus unseren Ohren. Dabei wäre es so schön hier. Nachts um 22 Uhr ist die Sonne gerade am Untergehen und es ist immer noch 23 Grad warm. Die Zeitverschiebung zur Schweiz beträgt jetzt schon 5 Stunden, und so wird es für Moni immer schwieriger um eine Zeit zu finden, um mit ihren Lieben in der Schweiz zu telefonieren.

 

Die nächsten Tage verbringen wir mit Fahren. Es sind ja noch rund 1900 km bis zum Baikalsee. Die unendlich weite Natur in Sibirien begleitet uns.

Riesige Felder sind von Wäldern und Baumgruppen umgeben, nur dann und wann erscheint ein kleines Dorf mit kleinen Holzhäusern und geschnitzten, farbigen Holzläden. 

Genauso wie im Film Dr. Schiwago. In den Läden ist zu unserer Freude wieder eine grössere Auswahl an Früchten und Gemüse erhältlich. So fahren wir gemütlich mit Tempo 70 über die Landstrasse. Übrigens, unser Willi mit seinen über 4 Tonnen Gewicht, verbraucht bei diesem Tempo einen Schnitt von 10.7 Liter Diesel auf 100km. Oliver’s ganzer Stolz, denn er meint, dass liege ausschliesslich an seinem Fahrstil. Wir lassen das mal so stehen. Wir fahren um die nächste Kurve und sehen einen riesigen Stau. Oh nein. So kommen wir ja nie ans Ziel. Ob es wieder einen Unfall hat. Denn wir fahren immer wieder mal an einem vorbei.

Tröpfchenweise rollt die Kolonne vorwärts. Da jetzt unsere Tagesplanung betreffend fahren und Pausen machen nicht mehr stimmt, nutzen wir die Zeit im Stau um zu essen. So wird Oliver hinter dem Steuer sitzend von Moni verköstigt. Dieser X-Kilometer lange Stauverursacher entpuppt sich, als simpler Bahnübergang.  

 

In den nächsten zwei Tagen sind die einzigen Highlights das Wasserfüllen und das Dieseltanken. Im i-Overlander sind die Wasserstellen zwar angegeben, man muss aber dennoch die Augen offenhalten, damit man sie auch findet.

Da uns ja die Tankstelle Gazprom empfohlen wurde und wir lieber keine Probleme wegen dem Diesel haben möchten, haben wir bis jetzt zweimal dort getankt. Aber die wollen, dass man an der Kasse sagt, wieviel Liter, dass man will, oder für wieviel Rubel man tanken möchte. Wir aber möchten Volltanken, damit Oliver immer genau weiss, wieviel Benzin wir verbraucht haben, und halt auch, weil es so riesige Distanzen zum Fahren sind, damit wir wissen, wie weit wir kommen. So bezahlen wir zuerst für 50 Liter, tanken, und dann nochmals für 20 Liter. Die Anzeige zeigt jetzt zwar voll an, aber es würden sicher doch noch ein paar Liter reingehen. Wir werden es dann das nächste Mal bei einer anderen Tankstelle versuchen. Vielleicht ist es ja nicht bei allen gleich.

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Kommentare: 1
  • #1

    s'Tanti (Samstag, 27 Juli 2019 09:30)

    Jööööö, Appenzeller Häuschen auf Russisch, so herzig - und in herrlicher Umgebung.
    Ihr könnt wohl bald ein eigenes Buch schreiben über die Zollübergänge und die dazu gehörigen Zöllner. "Geschichten" gibt es ja überall. Mal bemerkenswert, mal kriminell, mal freundlich und mal nicht enden wollend ! Ui, ui, ui....