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Russland II Registration

Auch dieses Mal wird es wieder zur Herausforderung. Von der Deutschen Visa Agentur haben wir zusammen mit unseren Pässen einen Zettel erhalten, wo und wie man sich registrieren muss. 

So versuchen wir unser Glück in Novosibirsk. Oliver wartet im Parkverbot und Moni sucht die Poststelle, die hier eigentlich irgendwo sein muss. Endlich wird sie fündig, und als die erste Beamtin ihr sagt, sie müsse zum Schalter 3, freut sie sich schon. Das klappt ja wie am Schnürchen. Jupi. Leider ist die Beamtin an Schalter 3 nicht so hilfsbereit. So, à la, was Du sprichst kein Russisch, dann kann ich Dir auch nicht helfen, obwohl Moni ihr mit dem Translater sagt, was sie möchte. Da sie dann ja meistens einfach stehen bleibt, bis ihr geholfen wird, ruft die Frau etwas durch den Gang, und so kommt eine Jüngere, die eigentlich, anhand ihres Natels und der Zigarettenpackung, anscheinend auf dem Weg in die Pause ist. Sie liest Moni’s Frage und nimmt dann ihrerseits ihr Natel zu Hilfe. Ja, kein Problem, einen kleinen Moment, ist auf dem Display zu lesen. Moni stellt sich schon vor, wie sie freudestrahlend zu Oliver läuft und ihm dann erzählt, dass alles geklappt hat. Aber man soll sich ja nie zu früh freuen. Ein Mann diskutiert mit der netten jungen Frau, und als sie wiederkommt, meint sie, ein Hotel müsse uns registrieren. Sie könne nicht ohne Adresse eine Registration machen. Oder, wir sollen zum Migrationsamt gehen. Tja, das wäre ja auch zu schön und vor allem zu einfach gewesen. 

Mit der Adresse des Migrationsamtes macht sich Moni zurück zu Oliver. Also los, nächster Versuch. Dort angekommen, sieht es so aus, dass gerade Mittagspause ist. Also beschliessen wir, diese Zeit zu nutzen und kurz unseren Einkauf zu machen und vor allem auch etwas zu essen. Nächster Versuch. Da die Türe immer noch verschlossen ist, übersetzen wir die Tafel die neben der Tür hängt im Translater. Ist ja klar, oder? Am Mittwoch ist das Amt den ganzen Tag geschlossen. 

Wir müssen uns innert 7 Werktagen in Russland registrieren. Also wenn wir jetzt zügig nach Irkutsk fahren, müsste das eigentlich reichen. Immer noch besser, als hier einen Tag zu warten und dann können sie es vielleicht doch nicht machen.

 

Am Samstag, 13. Juli 2019 sind wir dann endlich in Irkutsk. Wir haben unterwegs immer wieder versucht herauszufinden, wie und wo man sich denn registrieren kann. Aber da wir für Camper, die jeden Tag weiterfahren nichts finden, beschliessen wir in einem kleinen Hostel zu fragen, ob sie uns registrieren würden. Das erste das wir nach mühsamer Parkplatzsuche finden, existiert nicht mehr. Das zweite, dass wir uns rausgesucht haben, finden wir nicht und beim dritten hat Oliver wenigstens die Möglichkeit zu parkieren, während Moni Fragen geht. Eigentlich macht sie nur bei Übernachtungen eine Registrierung, aber Moni meint, ob wir denn auch einfach Duschen dürfen und Wäsche waschen, da wir einen Hund haben, möchten wir lieber im Wohnmobil schlafen. So muss sie kurz mit Ihrer Chefin telefonieren und meint dann, ob es ok sei, für 800 Rubel, ca. 12 Fr. dürfen wir zwei Maschinen Wäsche waschen, duschen und sie registriert uns. Na wenn das kein super Angebot ist. Sie freut sich, dass wir das Angebot annehmen und wir freuen uns, dass es jetzt endlich klappt. Schliesslich ist es in der Zwischenzeit schon 21 Uhr. 

Am nächsten Morgen füllen wir noch an einem Wasserhahn unseren Wasservorrat und besichtigen nun Irkutsk. 

Wir haben nur gutes von dieser Stadt gelesen, von wegen das kleine Paris von Russland und so. Da sind wir jetzt natürlich erst recht gespannt und unsere Erwartungen sind dem entsprechend hoch. Unser erster Weg führt uns zur Kazanskaya Church. Schon draussen werden wir mit Kirchenmusik empfangen. 

Es besuchen sehr viele Einheimische die Kirche und draussen hat es sogar noch einen kleinen Zoo. In einem Brunnen mit Statue schwimmt ein schwarzer Schwan, der die ganze Zeit von zwei Kindern mit Wasser angespritzt wird. 

Er ist sichtlich verärgert, und wir sind froh, als zwei Frauen, die Kinder zurechtweisen. Diese laufen kurz zu ihrer Mutter zurück und klagen ihr leid. Leider nützt es nichts, denn jetzt ärgern sie einfach die anderen Tiere. Unter uns gesagt, bei uns gäbe es einen Aufschrei, wenn wir die Tiere so halten würden. In einem kleinen Gehege hat es Geissen, Enten und Hühner, in einem weiteren kleinen Gehege hat es zwei Pony’s. Ganz zuhinterst hat es in einem noch kleineren Gehege zwei graue Füchse, wobei der eine nochmals in einem kleinen Käfig ist.  

Nachher fahren wir zum Angara River, wo wir drei weitere Kirchen, ein Monument und eine Art Triumphbogen besichtigen. 

In diesem Quartier riecht es extrem fein nach frischem Gebäck. Erst nach längerem Suchen finden wir heraus, dass es gleich neben der Kirche eine grosse Fabrikkonditorei gibt. So stürzen wir uns in den kleinen Verkaufsladen und kaufen uns ein riesiges Prussien und eine Schokozimtschnecke. So fahren wir wieder weiter. Die vielen herzigen kleinen Holzhäuser faszinieren uns einfach. 

Die strahlen so einen Charme aus und jedes dieser Häuschen, so haben wir zumindest das Gefühl, möchte Dir seine eigene Geschichte erzählen. Die einen sind schon ganz schräg, als ob sie demnächst im Erdboden versinken. Zum Teil müssen hier wahre Schnitzkünstler am Werk gewesen sein. Hoffentlich bleiben diese alten Häuser noch sehr lange erhalten. Denn sowas sieht man wirklich nicht alle Tage. Jetzt ist noch der Distrikt 130 an der Reihe. Doch oh weh, nein bitte, das tut schon fast weh. Total touristisch ist hier ein ganzes Quartier mit neuen Holzhäusern erbaut worden. Da es so kitschig aussieht, müssen wir uns immer mal wieder vergewissern, ob das tatsächlich aus Holz ist.

Anhand der vielen Internetberichten, gefällt das den Leuten anscheinend. Wir sind nur enttäuscht. Es sieht einfach irgendwie kitschig aus und Charme hat es absolut nicht. Also, wir sind da halt vielleicht ein bisschen speziell. Das ist jetzt einfach unsere Meinung über dieses Quartier. In Russland wird sehr viel für die Kinder gemacht. In jeder grösseren Stadt hat es riesige Hüpfburgen, Spielplätze, Wasser- Autoscooter usw. und für die Erwachsenen viele Einkaufsläden. 

Da uns der Hunger schon wieder plagt, setzen wir uns in ein herziges Gartenrestaurant. Aber die Bedienung fühlt sie wegen unserer Sprachbarriere total überfordert. So ruft sie ihren Kollegen, der uns dann in Englisch begrüsst. Unser Wunsch nach einem Mojito überfordert den jungen Mann komplett. Er erklärt uns, dass er Pharmazie studiere und über Alkohol nicht Bescheid weiss. Aber er kläre das für uns ab. Wenig später bringt er uns freudestrahlend unsere Drinks und meint, with alcohol. Nach ausführlichem Studium der Menükarte auf Russisch, benötigen wir dann doch die Hilfe unseres Kellners. Oliver bestellt sich, was meinst Du? Jawohl, die grosse Fleischplatte und Moni eine hiesige Spezialität die aussieht wie ein Gemüse-Wrap.

Jetzt fahren wir schon seit Monaten bei schönstem und heissem Wetter Richtung Baikalsee und jetzt, wo unser Ziel in greifbarer Nähe ist, sind die Temperaturen am Sinken, der Himmel bewölkt. Trotzdem freuen wir uns, schon bald an Oliver’s langersehntem Baikalsee zu stehen. Wir finden einen schönen Platz, doch leider machen uns die doch recht kühle Abendstimmung und die vielen hungrigen Mücken einen Strich durch die Rechnung. Obwohl wir es uns nicht nehmen lassen und die Füsse kurz in das glasklare Wasser halten. In der Nacht regnet es wie aus Eimern, aber wir schlafen herrlich. Am nächsten Morgen beschliessen wir weiterzufahren. Wenigstens regnet es nicht mehr. Wieder finden wir einen wunderschönen Platz, nur für uns alleine. Wir trotzen dem immer wieder kehrenden Nieselregen, indem wir die Markise rausfahren, und mit Socken und langen Hosen trotzdem draussen sitzen und um ganz sicher zu gehen, montieren wir noch unser Mückennetz an der Markise. 

Moni meint, da wir so riesige Mückenstiche haben, das sind sicher Tigermücken und nimmt eines der kleinen Monster mal genauer unter die Lupe. Keine Ahnung, aber die Biester sind hungrig.

Nach dem vielen Fahren tut ein kleiner Verschnauftag doch sehr gut. Da Moni unbedingt zu einem Schamanen oder zu einem Buddhistischen Mönch möchte, fahren wir nach Ulan-Ude. Aber zuerst müssen wir noch über ein paar Berge. Das haben wir so nicht erwartet. Die Strasse ist übrigens sehr gut, sie sind zwar noch überall am Bauen, aber bis auf ein paar kleine Stücke, die noch als Schotterpiste zu betiteln sind, ist die Strasse super. Wir parkieren mitten in der Stadt und besichtigen die Sehenswürdigkeiten. Besonders eindrücklich ist die riesige, überdimensionale Lenin-Kopf-Statue. Einfach gewaltig. Mit über 3m Höhe ist es die grösste Lenin Statue die es gibt. 

Heute ist es wie könnte es auch anders sein, heiss und sonnig. Trotzdem laufen wir den grünen Pfeilen nach. Das haben wir schon in Irkutsk so toll gefunden. So kommt man sicher an jeder Sehenswürdigkeit vorbei und verläuft sich sicher nicht. 

Gegen Abend fahren wir noch Richtung Ivolginsky Datsan, im Dorf Werchnjajav Iwolga. Es befindet sich rund 20km entfernt von Ulan-Ude. Mitten in den Hügeln finden wir einen super schönen Schlafplatz, wo die absolute Ruhe herrscht. Kein Summen der Mücken, keine Möwen, kein Auto, einfach nichts. Nur Stille.

In einem Reiseblog über Ulan-Ude schreiben Reisende von einem Schweizer, der sich hier niedergelassen hat, und da sie zum Glück die Webseite von ihm angegeben haben, entschliesst sich Moni spontan, ihm eine Mail zu schreiben, ob er ihr vielleicht eine gute Adresse von einem Schamanen, Mönch, oder Arzt hat. Da es schon mitten in der Nacht ist, rechnet Moni nicht damit, dass sie so schnell etwas von ihm hört. Aber als sie am Morgen auf ihr Natel schaut, hat sie tatsächlich eine WhatsApp Nachricht und eine Mail bekommen. Sie freut sich riesig und bedankt sich sogleich für seine sehr schnelle Antwort. 

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Kommentare: 1
  • #1

    s'Tanti (Samstag, 27 Juli 2019 10:00)

    Wow, Oliver, hast Du das wirklich alles gegessen, oder haben sie Dir noch was eingepackt ?!?! Habe diese sehr schöne Aufnahme noch Valentin gezeigt, damit er auch einen erfreulichen Tag hat .... schauen muss für heute genügen !
    Oh je, diese Mücken müssen ja riesig gewesen sein, wenn sich sogar die Laila unter dem Netzli ausruht.
    Hey, Wahnsinnsstrecke, die Ihr da wieder zurück gelegt hat, die Karte sagt alles.