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Russland IV 1. AUGUST

Am Donnerstag, 01.08.2019 sind wir immer noch etwa 370 km vor Omsk. Das heisst, wie schon die Tage davor, fahren, fahren, und nochmals fahren. Denn wir möchten gerne den heutigen Abend in Omsk verbringen. Wie so oft werden wir von einem Lastwagen überholt, aber hier müssen wir wirklich lachen. Da hat ihm jemand auf die schmutzige Wagenfläche ein Schwein und einen Schaltknüppel gezeichnet. 

Ja, und wir müssen dieser Person absolut rechtgeben, denn er fährt wie eine gesengte Sau an uns vorbei, und überholt die ganze Kolonne. Am späteren Nachmittag haben wir es endlich geschafft, wir treffen in Omsk ein. Und als Belohnung für unsere Strapazen finden wir einen super Parkplatz in einem sehr schönen Quartier. Moni’s Herz schlägt gleich höher, als sie sieht, dass die Leute hier fleissig am Aufbau eines riesigen Festgeländes sind. Überall werden mit Blumen Skulpturen gebaut. So besichtigen wir ganz interessiert unser heutiges Nachtquartier.

Vor der wunderschönen Kirche kommen doch gleich 1. August Heimatgefühle auf. 

In einem Gartenrestaurant machen wir eine Verschnaufpause. Laila lässt sich schnell unter dem Tisch nieder und Moni geht hinein zur Theke um zu bestellen. Wir möchten einen kühlen Drink, aber hier gibt es kein Alkohol. Ausser Bier. Also bestellt sie für Oliver ein Bier und für sich selber empfiehlt ihr der Barkeeper einen echten russischen Drink. Ja, das tönt doch nicht schlecht. Die Zeit während dem Warten nutzt sie gleich um ihn zu fragen, was den hier für ein Fest vorbereitet wird. Das wird ein ganz grosser Anlass. Es ist das grosse Blumenfest. Jetzt weiss Moni auch, warum ihr vorher eine jüngere Frau mit einem enthusiastischen, russischen Redeschwall eine Blume überreicht hat. Schade, der Start ist erst morgen Abend, aber die Strassen sind bereits gesperrt, und die vielen schönen Blumensujets nehmen immer mehr Gestalt an. Also das Bier schmeckt Oliver und das russische Spezialgetränk entpuppt sich als ein ganz gewöhnliches „Plastikfläschli“ mit einem Früchtesaft drin. So spazieren wir zurück zu Willi, durch eine Baumallee, die komplett mit Rosenknospen aus einer Art Moosgummi geschmückt ist. Es sieht wunderschön aus. 

Zum Glück weht jetzt gerade ein heftiger Wind, der ein paar dieser wunderschönen Knospen fliegen lässt. Da liegen sie nun vor uns auf dem Boden. Wir denken, ist doch schade, wenn die da so liegen und schmutzig werden, und stecken uns still und heimlich vier Stück in die Tasche. Ja klar, wir hätten sie auch einfach wieder an den Baum hängen können. Aber dort hingen ja schon Tausende von diesen schönen Knospen. Zurück beim Willi gönnen wir unseren Füssen eine Pause und suchen nochmals die Adresse von diesem koreanischen Restaurant heraus, welches im Internet sehr gelobt wurde. Also machen wir uns mit Hunger und Vorfreude auf den Weg. Leider finden wir es nicht. So laufen wir nochmals um das Quartier und finden es dann. Oh. Das kann doch nicht sein. Das ist ja nur eine Imbissbude. Also das wollen wir jetzt garantiert nicht. Da wir irgendwie genug haben, vom langen fahren und jetzt noch der Stadtbesichtigung, beschliessen wir in die angrenzende Pizzeria zu gehen. 

 

Wir bestellen uns endlich den wohlverdienten Aperol Spritz und stossen auf den Schweizer Nationalfeiertag an. Nein, natürlich auch auf Moni’s Geburtstag. Wir bestellen uns ein Mineralwasser, je eine Vorspeise und dann zwei Pizzas. So kommt sie wieder mit einem Glas und einer Flasche Mineralwasser. Aber das ist ja kein Problem, wir teilen uns das Glas. Nach 3 Minuten kommt sie schon mit der Pizza daher. Moni hat eigentlich eine Pizza Peperoni bestellt, aber es hat keine einzige Peperoni auf dieser Pizza. So fragen wir sicherheitshalber, ob das wirklich die richtige Pizza ist. Im Brustton der Überzeugung sagt sie. „Da, da!“ Was ja bekanntlich ja heisst. Egal, die Pizza ist gut. Aber, hat sie unsere Vorspeise vergessen? Nein, denn als wir schon die Hälfte der Pizza gegessen haben, liefert sie die Vorspeise doch noch. Eigentlich hätten wir es wissen müssen, denn es ist jedes Mal das gleiche. Sie bringen einfach, was gerade fertig ist in der Küche. 

Das nächste Mal bestellen wir nur eine Vorspeise, und wenn wir die bekommen, gleich den Hauptgang. Auf einmal kommt ein kleiner Junge, nur in Hosen bekleidet, mit nacktem Oberkörper, Babyspeck und pausbäckigem Gesicht mit einem Scooter durch das Restaurant angebraust. Zugegeben, es ist ein herziger „Knilch“ aber fast gleichzeitig sagen wir zueinander, also das hätten wir unseren Kindern nie erlaubt. Aber nicht einmal, als er der hübschen „Platzzuweiserin“ in ihrem schönen Kleid, von hinten in die Ferse fährt, bekommt der kleine einen Benimmkurs. Das Dumme ist nur, irgendwann ist der Kleine aus dem Jööö Effekt rausgewachsen, und was dann? Von selbst wird er es ja kaum lernen. Aber das ist ja nicht unser Problem. Als wir nachts um 23 Uhr zu Willi zurücklaufen, ist es immer noch 28 Grad. 

Am Morgen werden wir von heftigem Regen geweckt und so wie der Himmel ausschaut, wird es auch nicht so schnell aufhören. So muss Laila ihr „Regenmänteli“ anziehen, was ihr gar nicht passt. Vielleicht ist es ihr auch einfach zu peinlich. Aber wenn sie nachher so triefend nass wieder rein will, ist es ja auch nicht gerade lustig. Die Blumensujets sind jetzt alle fertig, aber zum Teil ist die Farbe nicht Wasserfest. 

Das ist schon gemein, wenn man so viel Zeit und Energie in ein Projekt steckt, und dann macht einem das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Aber es ist traumhaft.

Mit Blick auf den Fluss hat es hier auch noch ein Outdoor-Fitnesscenter und mal ehrlich, wer hätte bei so tollen Geräten nicht Lust auf Fitness? Oder vielleicht doch eher auf ein Soft-Ice beim angrenzenden Glace-Stand?

 

Irgendwie sind wir total gerädert. So fahren wir heute nicht weit und halten an einem schönen Platz am Fluss, und beschliessen, hier bleiben wir und erholen uns. Dieses lange Fahren, und immer auf der Hut sein, weil sie links und rechts überholen und einem auch noch abdrängen, das ist einfach sehr anstrengend. So geniest Laila das Baden und wir das süsse nichts tun. 

Moni nutzt die Gelegenheit und dekoriert Willi ein bisschen. Ja, bis zur nächsten Gewichts- Entrümpelung dürfen die wunderschönen Rosenblüten sicher hängen bleiben. 

Wir geniessen unseren Kaffee mit Russischer Schokolade. Die Verpackung hat so schön ausgesehen, und darum wollten wir wissen ob die Schokolade auch so gut ist. Also das Foto auf der Verpackung sieht super aus. 

Während wir so quer durch Russland fahren, stellen wir betrübt fest, dass der Herbst langsam Einzug hält. Die Blätter an den Birken sind zum Teil schon gelb und auch am Boden liegt schon Laub. Auch die Temperatur ist jetzt erheblich gesunken. Nachts ist es draussen um die 10 bis 13 Grad und am Tag ist es zwischen 16 und 24 Grad. 

Ausserorts wird extrem viel Radar gemacht. Zum Teil können wir keine 5 Minuten fahren, ohne dass wir nicht schon wieder an einem vorbeifahren. Und trotzdem wird hier überholt auf Teufel komm raus, ohne Rücksicht auf Verluste. Aber anscheinend sind hier die Bussen nicht so hoch. Was wir auch sehr oft sehen, sind ganze Birkenwälder die, weil sie total im Wasser stehen, abgestorben sind. 

Oder was manchmal schon fast unheimlich ist, sind die vielen Sumpfgebiete gleich neben der Strasse. Stell Dir mal vor, Du bist mit dem Motorrad unterwegs, hast einen Unfall und fliegst samt Motorrad in den Sumpf. Da wärst Du auf alle Ewigkeiten erfolgreich verschwunden.

Da ist eine Klippe komplett überflüssig.

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Kommentare: 4
  • #1

    Leve (Dienstag, 13 August 2019 22:59)

    Kulturell beeindruckt Russland sehr. Wie die Menschen allerdings heute ihr Leben meistern müssen, stimmt mich eher bedenklich.

  • #2

    Andreas (Montag, 19 August 2019 19:01)

    Ein Schwein und ein Schaltknüppel? Ein Schwein von hinten und einen PANZER von vorn. Nix Schaltknüppel. Smile :-)

  • #3

    moliwillreisen (Samstag, 24 August 2019 14:55)

    Ups Sorry, dann eben ein Panzer.

  • #4

    s'Tanti (Samstag, 24 August 2019 17:05)

    ha, ha, haaa, Schaltknüppel oder Panzer !? Egal - das Schwein ist klar !

    Wunderschöne Blumenarrangements und schöne Ideen. Und ja, das Kreuz mit dieser aussergewöhnlichen Form an der Kirche hätte meine Heimatgefühle so weit weg von der Heimat am 1. August auch geweckt.
    Hey Monika, schaust gut aus am 1. August !!
    Ui, ui, uii, sooooo eine lange Strecke.