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Russland V Jekaterinburg

So, unsere nächste Stadt liegt endlich vor uns, Jekaterinburg. Wir freuen uns und hoffen wie immer auf einen guten Parkplatz. Tatsächlich finden wir gleich in der Nähe der bekannten Blutskirche einen Parkplatz. Wir parkieren auch gleich so, dass wir eventuell auch hier übernachten können. Das angenehme Glockenspiel im Hintergrund gefällt uns. So machen wir zuerst mit Laila eine Runde im Park und nachher gehen wir alleine weiter. Aber bei diesen Temperaturen ist das ja auch kein Problem mehr. Wir sagen nur, gewaltig diese Kirche. 

Warum heisst sie eigentlich Blutskirche? Diese Kirche wurde genau an dem Ort erbaut an dem fast die ganze Zarenfamilie Romanow ermordet wurde. Nur eine Tochter der Familie, überlebte das Massaker, da sie gerade in Frankreich in den Ferien war. Oliver hat es ja langsam gesehen mit den vielen Kirchen, aber auch er ist begeistert von dieser Kirche. Die filigrane Arbeit der Maler, diese gewaltige Höhe. Bombastisch.

Nur unten in der Gruft hat Moni dann etwas Mühe. Sie marschiert kurz durch, schaut sich alles an und schon ist sie wieder draussen. Die Weihrauchgeschwängerte, dicke, schwere Luft raubt ihr den Atem. Da kann auch der viele Kitsch und Prunk nichts daran ändern.

Wir laufen wieder einmal den roten und blauen Linien nach und erkunden dieses Quartier. 

Jetzt gibt es zuerst eine Kaffeepause im Willi und danach gehen wir mit Laila den Teil um den Fluss herum erkunden. Es ist wunderschön. Die Leute spazieren auf der Flaniermeile, von weitem hören wir ein Rockkonzert, es gibt eine wunderschöne Springbrunnen Anlage im Fluss. Herrlich. 

Nach so vielen Kilometern nur durch die Wälder und die Weite Russlands sehnen wir uns genau nach so einem herrlichen Ort. Am nächsten Tag machen wir noch einen Abstecher in das grosse Einkaufscenter. Was definitiv ein bisschen ausartet. Aber hier gibt es Gemüse, oh und Koriander, Bohnen, Maiskölbchen und Thaibasilikum. Das muss man einfach kaufen. Aber das Beste kommt ja noch. Wir finden ein Schweizer Käsefondue und Raclette-Käse in einem Gestell. 

Hei und das Wetter ist genau richtig für ein Fondue. Regnerisch und kalt. Also da können wir wirklich nicht einfach vorbeilaufen. Nein, das wird in unseren prall gefüllten Einkaufwagen gepackt und zu unserem Glück finden wir auch noch ein super feines, knuspriges, gut riechendes Brot. Ach ist das Leben doch schön. Jetzt muss natürlich auch noch eine Flasche Weisswein her. Da es hier keinen Schweizer Wein gibt, geben wir uns mit einem französischen Sauvignon Blanc zufrieden. Unser Einkaufswägelchen quietscht nur noch vor sich her beim Schieben. Das grosse Problem kommt eigentlich erst, als wir all die Sachen in unserer kleinen Küche verstauen müssen. Aber wir packen einfach alles rein und freuen uns riesig auf unseren „Znacht“. Wir müssen uns wirklich zusammennehmen, dass wir nicht einfach beim erst besten Platz halten und unser Fondue essen. Nein, ganz tapfer und pflichtbewusst fahren wir weiter. Kurze Zeit später kommen wir zur neuen Grenze zwischen Asien und Europa. Das müssen wir uns natürlich etwas genauer anschauen. Eigentlich noch interessant, die alte Grenze liegt rund 30 km weiter weg. Also ist Europa über die Jahre grösser geworden. 

Jetzt sind wir aber gespannt auf die alte Grenze. Erstaunlicher Weise hat es hier einige Cars und viel mehr Leute. Als wir aussteigen werden wir auf Deutsch begrüsst. Ein paar Leute, anscheinend sonst auch mit dem Camper unterwegs, begrüssen uns. Sie sind mit der Transsibirischen Eisenbahn von Peking nach Moskau unterwegs. Aber sie waren nicht so begeistert. Sie seien froh, dass sie alle zwei bis drei Tage in einem Hotel übernachten können. Der Mann hätte gerne noch ein wenig geplaudert, aber die Frauen wollten die extra für diese Reisegruppe organisierte Musik und Tanzeinlage nicht verpassen. 

So fahren wir weiter, denn wir müssen heute sicher noch 300 Kilometer fahren. Denn wie gesagt, der Herbst sitzt uns länger wie mehr im Nacken und wir haben ja keine Heizung. Endlich ist es soweit, wir haben unser Tagesziel erreicht und ein Nachtlager gefunden. Schon spannend, wie einem ein Fondue glücklich machen kann. In unserer unsäglichen Gier, haben wir uns auch gleich das Raclette einverleibt. Es war wirklich gut, aber an den feinen Raclette Käse von Marianne aus dem Wallis, kommt er bei weitem nicht heran. 

Am Freitag, 09. August treffen wir um die Mittagszeit in Perm ein. Da Moni nichts Spannendes im Internet finden konnte, hat sie für sich die Adresse eines Coiffeurs rausgesucht. Na mal schauen, ob der einfach so Zeit hat. Gleich in der Nähe finden wir einen Parkplatz, sogar mit guter Internetverbindung. Also ist auch Oliver gut versorgt, falls sie wirklich einen Termin bekommt. Ja es ist eine Herausforderung. Also Zeit hat sie, Moni soll sich mal kurz setzen. Nach drei Minuten kommt sie und will wissen wie sie heisst. Anhand von ihrer Gestik will sie Moni einen Carre Haarschnitt verpassen. Ums Himmelswillen, nein. So zeigt die Frau ihr auf dem Natel ein paar Fotos, und als Moni auf eines zeigen will, nimmt sie das Natel schnell weg und meint, ich weiss was Schönes für Dich. Oh je, da heisst es vertrauen haben. Sie macht den ganzen Haarschnitt nur mit einer Rasierklinge. Aber am Schluss passt es und Moni macht sich zufrieden zu Oliver. Er meint zwar, na du Russen-Tussi? Aber er findet die Frisur immer noch besser als letztes Mal in Italien. 

Noch kurz den Betrag von 1000 Rubel, also 14.80 Euro in der App eingeben und weiter geht die Fahrt Richtung Fluss. Dort hat Oliver auf Google Maps für heute einen Schlafplatz gefunden. Als Moni mit Laila spazieren geht, kommt ein Mann und fragt, ob wir Strom brauchen, Moni lehnt dankend ab, aber als er Wasser erwähnt, leuchten Ihre Augen. Ja wo gibt es denn hier Wasser? So begleitet er sie und zeigt ihr, wo sie Wasser bekommt. Das hätten wir alleine nie gefunden. Wir finden es wirklich schön hier in Russland. Es hat immer wieder wunderschöne Grillstellen, oder Spielplätze die einfach so öffentlich zugänglich sind. 

Oder auch hier, dass einfach jemand kommt und fragt ob wir Strom oder Wasser brauchen. Das ist doch so eine liebe Geste und so Gastfreundlich. Ab und zu fliegt eine russische Mig vorbei und ein paar Leute feiern in normaler Lautstärke in einem der hübschen Grillhäuschen. Aber ansonsten verbringen wir hier einen herrlichen Abend. 

 

An nächsten Tag geht unsere Fahrt weiter, bis Moni meint, hier ist es schön, halt mal an. Wir gehen ein wenig am See spazieren. Laila geniesst wie immer ihr Fussbad und wir sehen, wie das Wasser langsam aber sicher die Erde zurückerobert. 

Irgendwann ist unsere Fotoshooting Zeit um und er fliegt munter weiter. Ja unser nächstes Ziel ist Kasan. Mal schauen wie lange wir noch brauchen bis dorthin. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Vreni (Sonntag, 18 August 2019 21:49)

    Wow, im geschichtsträchtigen Jekaterinburg wäre ich auch gerne dabei gewesen ! Und beim Fondue hätte ich dann auch noch mitgeholfen.....