· 

Finnland I

So verlassen wir St. Petersburg und fahren Richtung Finnische Grenze. Aber zuerst wie immer, nochmals alle unser Lebensmittelvorräte auffüllen, Ad Blue und Gas füllen. Wir haben in Russland immer mal wieder eine Tankstelle gesehen mit LPG-Gas oder Ad Blue Zapfsäulen, aber aus Gewichtsgründen warten wir bis zum Schluss. Doch wie das Leben halt so spielt, Lebensmittel haben wir schnell gekauft, Ad Blue müssen wir uns mit zwei 10 Liter Kanister begnügen, das heisst, einen Kanister mit einem Rest von ca. 3Liter haben wir jetzt in der Garage und Gas finden wir nirgends mehr. Na, dann müssen wir halt in Finnland Gas tanken. Die 256 km bis zur Grenze haben wir zügig hinter uns gebracht und so entscheiden wir uns, doch noch heute Abend über die Grenze zu fahren. Kurz vor dem Zoll passieren wir eine Strassenkontrolle. Nach der Passkontrolle verabschiedet er sich mit den Worten, „good luck“. Wir fragen uns, was er damit meint, aber Oliver lacht und sagt, das ist vielleicht alles was er auf Englisch sprechen kann. Anscheinend ist es ein sehr guter Entscheid, heute über die Grenze zu gehen, denn es hat so gut wie keine Autos vor dem Zoll. Wir parkieren und gehen mit unseren Pässen zum Zoll. Aber die etwas forsch wirkende Frau will den Einfuhrzettel für unseren Willi und nicht unsere Pässe. Wir geben Ihr einfach mal alle Zettel die wir haben, aber keiner passt ihr, so zeigt sie uns wie dieses Dokument aussehen müsste. Sie meint, gehen sie nochmals nachschauen. Im Willi wird jedes Fach nochmals durchgeschaut, obwohl wir eigentlich immer alles in einer Mappe haben, aber man weiss ja nie. Nichts. Einfach nichts. So nimmt Oliver den Computer hervor und wir sehen uns, zur Unterstützung unserer grauen Hirnzellen, nochmals das Video und die Fotos von unserer Einreise in Russland an. Auf einmal wird uns alles klar. Bei der Einreise hatten wir ja diese junge Frau, die immer wieder die Hilfe ihres älteren Arbeitskollegen brauchte. Damals war es ja noch lustig, dass sie unsere Pässe anschaute, als ob sie noch niemals einen anderen Pass gesehen hätte. Aber das nützt uns jetzt auch nichts mehr. Tatsache ist, wir haben das Einfuhrdokument für Willi nicht. Mit einem leicht beklemmenden Gefühl in der Magengegend gehen wir wieder zum Zollhäuschen. Und? Fragt sie. Wir verneinen, worauf sie ziemlich derb antwortet, dann habt ihr jetzt ein grosses Problem. Vielleicht müsst ihr noch eine lange Zeit hier in Russland bleiben und das wird eine grosse Busse geben. Na toll. Oliver entgegnet, es hat uns niemand am Zoll gesagt, dass wir das brauchen. Aber sie sagt, ohne mit der Wimper zu zucken, das läge in unserer Verantwortung dies zu tun. Ja klar, da hat sie sicher recht, aber was nun? So will sie von uns wissen, an welchem Zoll wir denn eingereist seien und meint regungslos, dann müssen sie halt nach Pawlodar zurück. Oliver verschluckt sich fast und fragt lachend, ob das jetzt ein schlechter Scherz sei? Etwas genervt schickt sie uns zurück zu Willi, wir sollen nochmals suchen und sie gehe in der Zwischenzeit zum Zolldirektor. Das nervt uns jetzt gewaltig. Zurückfahren kommt nicht in Frage, denn dann hätten wir ja auch Probleme mit den Visa. Es kostet ja nichts ein Einfuhrdokument zu machen, also kann man uns ja nicht vorwerfen, wir hätten es absichtlich nicht gemacht. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt sie auf einmal freundlich lächelnd zu uns zum Willi. Sie erklärt uns, dass wir uns beeilen müssen, sie helfe uns jetzt ein paar Dokumente auszufüllen und dann sei es ok und wir können weiterreisen. Es wäre noch interessant zu wissen, woher dieser plötzliche Sinneswandel bei ihr kommt. Doch egal, wir sind ihr auf jeden Fall dankbar für ihre Hilfe. Sie gibt uns zwei Formulare zum Ausfüllen und meint, wenn Ihr nicht weiterkommt, fragt mich, ich helfe euch. Moni schreibt, Oliver diktiert. Da die Zeit drängt, füllen wir nur das aus, was wir sicher wissen und verstehen und gehen wieder zu ihr. Jetzt müssen wir mit ihr in das grosse Bürogebäude. An einem Stehtisch fühlt sie die restlichen Sachen mit uns aus und erklärt uns, wir müssen jetzt einen Brief schreiben, in dem wir das alles erklären. Als sie Olivers Schrift sieht, findet sie, Moni solle doch lieber schreiben, sie könne das nicht lesen. So diktiert sie uns die Sätze und Moni kommt unfreiwillig zu einem Englisch Diktat. Am Schluss muss Oliver noch unterschreiben. Sie wünscht uns eine schöne Weiterreise und verabschiedet sich freundlich. Da jetzt gerade Schichtwechsel ist, müssen wir warten, bis die neue Schicht mit ihrer Arbeit beginnt. So können wir dann etwa nach 20 Minuten unseren Einfuhrzettel abstempeln, und beim nächsten Häuschen unsere Pässe abstempeln. Wir sind wie auf Nadeln und hoffen die Frau macht den Ausreisestempel nicht auf den Visa, denn wir möchten dann ja nochmals nach Russland einreisen. Aber nein, sie macht alles richtig. 

So, jetzt noch Willi und Laila kontrollieren und dann nichts wie weg. Laila wird nicht kontrolliert und nach der üblichen Kühlschrankbesichtigung können wir tatsächlich weiter. Das Niemandsland ist hier sehr gross und beim Finnischen Zoll sind wir auch gerade die einzigen. Als wir aussteigen, meint einer der drei Zöllner, was habt ihr am Russischen Zoll für Probleme gehabt? Wir fragen uns, woher die das wissen. Denn die beiden Grenzen liegen mehrere Kilometer auseinander. Oliver erklärt ihm ganz freundlich, dass wir bei der Einreise keinen Einfuhrzettel für unser Fahrzeug bekommen haben und ohne diesen wollten sie uns nicht raus lassen. Worauf der neugierige Zöllner wissen will, ob wir in Handschellen abgeführt wurden und wieviel Geld wir bezahlen mussten. Doch Oliver verneint und sagt, es waren alle ganz freundlich mit uns und man hat uns geholfen die Formulare auszufüllen, worauf wir anstandslos ausreisen konnten. Die Zöllner blicken uns erstaunt an, und wir sind doppelt froh, dass wir jetzt in Finnland sind. Wir müssen noch kurz zur Passkontrolle und nachher gibt es noch eine kleine obligate Willi Besichtigungstour. Auch hier werden Laila und ihre Dokumente nicht kontrolliert. Obwohl wir ja jetzt wieder in die EU einreisen. Für heute ist definitiv genug. Das einzige was wir jetzt noch wollen ist ein Schlafplatz. So nehmen wir den ersten Tankstellenparkplatz und parkieren in der hintersten Ecke des Lastwagenparkplatzes und schlafen den Schlaf der gerechten. Nach einer ruhigen Nacht fahren wir gemütlich weiter und sind wie immer erstaunt, wie gleich nach der Grenze alles anders ist. In der ersten grösseren Stadt parkieren wir und uns wird schlagartig bewusst, dass wir wieder in der EU sind. Wir bezahlen für 1 Stunde parkieren 3 Euro. So gehen wir ins Einkaufscenter zum Elisa-Stand und wollen uns eine Sim Karte kaufen. Leider verkauft er keine, aber er schickt uns gleich um die Ecke zu einem Kiosk. Dort kaufen wir uns dann nicht eine Elisa Sim-Karte, sondern eine Telia Sim-Karte, speziell für den Wifi-Router mit unlimitierten Daten für einen Monat. So müssen wir uns wieder einen Monat lang nicht mehr darum kümmern. Das ist doch perfekt. Und gekostet hat es 17.90 Euro. 

Das ist ok. Auf der Weiterfahrt sehen wir die wohl höchste Fahnenstange die wir je gesehen haben. Mit einer dementsprechend riesigen Finnland-Fahne. 

Auch diese neon-grünen Strommasten stechen uns ins Auge. Ob das wohl ist, damit sie im Schnee gut sichtbar sind? 

Genauso, wie die herzigen Holzhäuser in den Farben blau und rot.

In Venjärvi finden wir einen herrlichen Schlafplatz mitten im Wald an einem See mit Badehäuschen und Bootssteg. Das Badehäuschen ist eine öffentliche grosse Umkleidekabine und hat eine schöne Holzterrasse. 

Wir sind nicht die einzigen die diesen Platz geniessen, immer wieder kommen ganze Familien, die in diesem warmen See baden und die herbstliche Sonne noch gierig in sich aufsaugen. Auch wir geniessen es in vollen Zügen und da es keine Mücken hat, essen wir auch draussen an der warmen Sonne. Wir fahren am nächsten Tag nach Tampere und beschliessen in einer ruhigen Seitengasse zu parkieren. Der abendliche Spaziergang durch den Park lässt Ferienfeeling aufkommen. Einer sitzt im Rasen und spielt für sich alleine Gitarre, ein anderer hat seine Hängematte zwischen zwei Bäumen befestigt und überall hat es fröhliche Menschen. 

Unsere Weiterfahrt bringt uns nach Pori und hier finden wir einen wunderschönen Platz, an einem Sandstrand gelegen. Oh hier möchten wir bleiben. 

Doch es hat ein dickes fettes Campingverbot. Was wir ja auch verstehen. So geniessen wir einfach den Nachmittag inmitten dieser herrlichen Natur. Leider müssen wir uns jetzt doch auf die Suche nach einem Platz machen wo wir auch übernachten können. Ja und den finden wir in einem Naturschutzgebiet. Wir spazieren noch durch den mystisch wirkenden Wald bis wir zu einem kleinen Aussichtsplateau kommen. 

Von hier hat man eine gute Sicht auf das Meer, die Vögel und die grosse Viehherde, mit ihren enormen Hörnern. Am nächsten Tag machen wir die Morgenrunde in eine andere Richtung, von wo die Aussicht auch Interessant ist. Wir sehen und vor allem hören wir, hunderte von Gänsen. Sie sind sehr weit weg, aber der Himmel verfärbt sich fast schwarz und das Geschnatter ist enorm. 

Von der Natur und Tierwelt beflügelt fahren wir weiter Richtung Rauma, wo uns das sonnige Herbstwetter geradezu einlädt, auf einen Stadtbummel zu gehen. Auf einer Wiese neben der Kirche macht eine Frau wunderschöne grosse Seifenblasen und die Hochzeitsgäste haben soeben die Kirche verlassen. 

So können wir jetzt in aller Ruhe einen Blick hineinwerfen. Was gleich auffällt, die Kirche hat ein Spielzimmer für die Kleinen, denen es noch zu lange dauert, auf den Holzbänken still zu sitzen.

Im ersten Moment denkt man, ups, da sitzt jemand. Ob das wohl ist, dass sicher immer jemand während dem Gottesdienst da ist? Nein, Scherz. Auf jeden Fall sieht es lustig aus. 

 

So spazieren wir noch durch die schöne Altstadt mit ihren bezaubernden Holzhäusern. Irgendwie bekommt man das Gefühl, hier ist die Zeit stehen geblieben. Es ist alles so ruhig und friedlich. 

Jetzt wollen wir weiter Richtung Schäreninseln. Wir hoffen wir können dort noch diesen schönen sonnigen Herbsttag am Strand ausklingen lassen. Doch weit gefehlt. Wir sind uns das gar nicht mehr gewohnt. Bis jetzt haben wir immer wunderschöne Schlafplätze gefunden, aber hier ist alles verbaut. Jeder noch so kleine Feldweg führt irgendwo zu einem Haus. Wow, und die meisten haben einen perfekt gepflegten Umschwung mit schon fast so üppig grünem englischen Rasen. 

Tja, aber leider finden wir nirgends einen Platz für uns. Schade. Die Gegend ist wirklich sehenswert. Leider bleibt es beim Sehen. So suchen wir unser Glück in einem hoffentlich unbewohnten Wald. Auf einem grossen Felsplateau in einer Lichtung, entscheiden wir uns, hier bleiben wir. 

Wir hoffen, dass wir vielleicht noch einen Elch sehen. Aber die Nacht verläuft ruhig, und ausser einem riesigen Elchhaufen den wir auf der Morgenrunde sehen, gibt es nicht viel zu berichten. 

Unsere Lebensmittel gehen wieder mal zur Neige und so fahren wir in Turku zu einem Lidl. Die gibt es ja fast auf der ganzen Welt. Nach Russland ist dieser Lidl das reinste Schlaraffenland. Bei dieser Gemüse- und Früchte Auswahl macht unser Herz, oder ist es wieder einmal unser Bauch einen Freudentanz. Aber wir wollen jetzt nicht nur vom Essen schreiben. Was in Turku wirklich sehenswert ist, ist das Freilichtmuseum. In dem kleinen alten Stadtteil, wird einem gezeigt, wie es vor noch nicht allzu langer Zeit hier war. Auch die Leute die hier arbeiten sind einfach nur goldig. 

Wenn wir eh schon an der Kirche vorbeikommen, besichtigen wir diese natürlich auch gleich noch. 

So, jetzt fahren wir aber noch zum Hafen. Da kommt immer gleich so ein Ferienfeeling auf. Wir setzen uns auf eine Bank und schauen den kleinen und grossen Schiffen zu. Es ist ein emsiges kommen und gehen. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0