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Finnland II

Da wir ja immer noch auf der Suche nach LPG sind und wir jetzt nach intensivem befragen des Internets herausgefunden haben, dass es in ganz Finnland keine LGP-Tankstelle gibt, stehen wir jetzt vor der Wahl. Also entweder auf direktem Weg nach Tallinn, denn dort gibt es sie wie Sand am Meer, oder sonst rauf nach Norwegen. Wir haben im Internet gelesen, dass die Nordlichter im September/Oktober auch schon sichtbar seien. Und das haben wir ja noch nie live erlebt. Ja und auf unserer ersten Norwegenreise, mussten wir ja aus Zeitgründen kurz vor dem Nordkap umkehren, dann könnten wir ja auch gleich noch zum Nordkap fahren. Also LPG kaufen, Nordlichter, Nordkap. Auch wenn wir keine Nordlichter sehen, dann haben wir doch immerhin Gas und das Nordkap. Wir finden, wann sind wir denn jemals wieder so weit im Norden? Also los. Der Weg ist weit, also keine unnötige Zeit verschwenden. Die Grenze nach Norwegen nehmen wir kaum wahr. Aber uns fällt auf, dass uns jede Menge Wohnmobile entgegenkommen und wir fragen uns, was ist da falsch? Alle fahren Richtung Süden, nur wir wollen in den Norden. Uns soll es ja recht sein. Auf einmal sehen wir ein riesiges Rentier am Strassenrand. Wow, der lässt sich gar nicht einschüchtern von den Autos die an ihm vorbeifahren. So ein Prachtexemplar. Man merkt, dass er weiss, dass er schön ist, so stolz posiert er für uns. 

In Alta in einem Aussenquartier finden wir dann die Gastankstelle. Das ist doch beruhigend zu wissen, dass wir jetzt wieder für 3 Monate Ruhe haben. So für heute ist definitiv Schluss. Moni hat zwar im Internet gelesen, dass etwa in 30 km ein Hot Spot sein soll für die Nordlichter, aber da es eh stark bewölkt ist, suchen wir jetzt einfach nur noch einen Platz zum Schlafen und vor allem um endlich etwas zu essen. Nach dem Essen spazieren wir weiter, auf dem Weg im Wald entlang und finden immer wieder bessere Schlafplätze wo wir, falls doch noch ein Nordlicht auftaucht, bessere Sicht hätten. So kehren wir um, um Willi zu holen. Aber da es doch schon ziemlich dunkel ist, fahren wir an unserem bevorzugten Platz vorbei. Na toll, also alles wieder retour. Endlich finden wir ihn wieder und parkieren. Irgendwie haben wir ja die Hoffnung auf ein Nordlicht noch nicht ganz aufgegeben. Also wieder raus in die Kälte, denn es geht ein rauer Wind. Völlig unerwartet ruft Moni, schnell schau da. Und so schnell wie es gekommen ist, ist es auch wieder vorbei. Schade, wir haben nur unsere Natels dabei und ob das was wird ist fraglich. Also wieder zurück zu Willi und den Fotoapparat holen. Für das Stativ und das grosse Objektiv reicht es leider nicht, denn schon wieder leuchtet es kurz grün am Himmel auf. Wow. Wir sind hin und weg. Wir können sehr gut verstehen, dass es Menschen gibt, die schon fast süchtig sind nach diesen Momenten. Und wir haben ja jetzt nur ein kleines Nordlicht gesehen. Wir bleiben noch eine ganze Weile draussen, aber leider sehen wir nichts mehr. 

Also rein, und schnell auf dem Computer unsere Ausbeute anschauen. Oh, ist das schön.

Ja da hat sich unser Ausflug nach Norwegen ja schon am ersten Tag gelohnt. Jetzt sind es noch 250 km bis zum Nordkap. Das nehmen wir morgen dann in Angriff. Der Weg zum Nordkap ist wunderschön und das Licht hier ist einfach fantastisch. Wir sind absolut gespannt. Alle schreiben immer, das Nordkap sei ein absolutes Muss. Ja und jetzt sind wir kurz davor. Die Spannung steigt, schon von weitem sehen wir die Umrisse der Gebäude. Es hat gar nicht so viele Leute, das passt doch. An der Barriere beim Eingang auf das Gelände müssen wir 570 Kronen bezahlen. Wir stellen uns inmitten der anderen Wohnmobile, mit Aussicht zum Meer. Oliver rechnet noch kurz die 570 Kronen um in Schweizer Franken. Das hätte er besser nicht getan. 63 CHF.  kostet uns der Spass. Er meint entrüstet, wenn ich das gewusst hätte, wäre ich nicht in das Gelände gefahren. Moni meint, komm lass dir jetzt deswegen das Nordkap nicht verderben. Wir gehen jetzt mal schauen was es so alles zu besichtigen gibt. Ja ok. Die Aussicht ist nicht spektakulär. Und wir fragen uns, was die Leute so spannend finden, an dieser Metallkugel. Alle wollen ein Foto oder machen Selfies. 

Also gehen wir mal rein. Da haben sie ja anscheinend drei Stockwerke in den Felsen gebohrt, wir sind gespannt.  Hm! Was sollen wir jetzt sagen? Ach schau doch selber. 

Es gibt noch einen Film zu sehen, über das Nordkap. Der läuft immer zur halben und zur vollen Stunde. Auch das schauen wir uns jetzt mal an. Warum nur sind wir so enttäuscht? Lässt man sich so beeinflussen, von den vielen Berichten und dem Internet? Das muss man gesehen haben?! Also wir finden, der Weg zum Nordkap mit den vielen Kurven und herrlichen Aussichten, dem speziellen Licht hier, das ist für uns sehenswert. So fahren wir wieder zurück und hoffen auf einen schönen Schlafplatz. Auf einmal gibt es einen Platzregen. Wow, unbeschreiblich dieses Licht, und schon gibt es einen, nein zwei Regenbogen in den schönsten und intensivsten Farben. Ja, das ist für uns Sehenswert. Da geht einem doch gleich das Herz auf. Wow, einfach nur schön diese Natur.

Immer noch diskutieren wir über diese Internetberichte mit den absoluten „must-see“ Listen. So fragt Moni, wenn man schreiben würde, ein Bad im Nordkap, das ist ein absolutes Highlight, das darfst du nicht verpassen, würden sich dann alle in die eisigen Fluten stürzen?

Oliver meint, ja das müsste man mal ausprobieren, du kannst ja morgen ein kühles Bad nehmen. Aber jetzt suchen wir uns einen perfekten Platz für die Nordlichter. Schliesslich sind wir am Nordkap. Der Platz ist perfekt, aber leider sehen wir, obwohl Moni bis spät in die Nacht den Himmel beobachtet, kein einziges Nordlicht. Ja wahrscheinlich waren wir das letzte Mal einfach genau zur richtigen Zeit, am richtigen Ort. Denn jetzt, wo wir mit Videokamera und Fotoapparat ausgerüstet und bereit sind, kommt nichts. Schade.

Der nächste Morgen begrüsst uns mit Sonnenschein. So geniessen wir die Fahrt und die schöne Aussicht doppelt. Irgendwie hat sich der Gedanke mit dem Bad im Nordkap in Moni festgesetzt und die vielen schönen Strände mit dem zum Teil schon fast türkisfarbenen Wasser tut das seine dazu. Oliver meint, ich kann ja mal halten, dann kannst Du den Finger mal ins Wasser tunken. Das war keine gute Idee. Das Wasser ist eiskalt und als sie die Tür zum Willi öffnet singt sie, „eisgekühlter Bommerlunder, Bommerlunder eisgekühlt“. Na vielleicht kennst Du ja dieses komische Lied. Oliver fragt mit einem Lachen auf den Stockzähnen, und gehst Du jetzt doch nicht? Aber da kennt er Moni schlecht. Also, ein absolutes Muss, wenn Du mal im Nordkap bist, ist ein Bad im Glasklaren Wasser.

Am 6. September 2019 machen wir mit unserem Willi unseren 99'999 Kilometer und ganz wenig später unseren 100'000 Kilometer. Wahnsinn. 

Ja, er musste schon des Öfteren ziemlich leiden, wenn wir wieder irgendwelche schmalen Wege fahren, wo es dann links und rechts beim Vorbeifahren an den Sträuchern kratzt, aber diese, sagen wir mal Erlebnisspuren, ärgern uns nicht, uns ärgert es nur, wenn andere unseren Willi mit Absicht zerkratzen, so wie das irgendwann während der letzten Tage wieder der Fall war. Die ganze Seite ist zerkratzt und an einem der Reservepneus, hat sich einer mit einem Schraubenzieher ausgelebt, und einen Hick bis tief ins Untergewebe gemacht. Ja solche Sachen ärgern uns. Aber wir haben immer noch Freude an unserem kleinen und gemütlichen Willi. Vor allem jetzt, wo auch die Heizung wieder funktioniert.

 

Am nächsten Tag fahren wir durch Rovaniemi, das ist der Wohnort von Santa Claus. Obwohl es jetzt im September ganz und gar nicht Weihnachtlich aussieht, kommen gleich Weihnachtliche Gefühle auf. Also zumindest bei Moni. Im Hintergrund hört man dezent Weihnachtslieder und an den Kassen in den Shops stehen Elfen. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Leve (Donnerstag, 12 September 2019 22:07)

    Alle Achtung Moni. Dein Bad war beeindruckend.