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Baltikum

Am frühen Nachmittag scheint die Sonne. So halten wir schnell an und machen wieder einen schönen Strandspaziergang. 

Zurück beim Willi trifft Moni auf einen Vorarlberger der hier wohnt. Er erzählt ihr, dass es gleich nach der Grenze in Lettland einen Outback-Alk-Laden gibt, der hier sehr beliebt ist. Sogar aus ganz Estland sollen sie hierherkommen, um hier billigen Alkohol einzukaufen. Den werden wir jetzt genauer unter die Lupe nehmen. Denn Oliver ist schon lange nicht mehr so glücklich mit der Auswahl der Weine. Die Grenze passieren wir, ohne dass wir überhaupt merken, dass es hier einen Zoll hat. So nehmen wir also den Alk-Laden in Augenschein. Es ist einfach spannend, wie unterschiedlich doch die Meinungen der Menschen sind. Oliver findet den Laden nicht speziell und die Preise schon gar nicht. Aber egal. Wir kaufen ein bisschen Weinvorrat und fahren dann weiter Richtung Riga. In der Nähe der Altstadt gibt es einen gratis Parkplatz. Das ist halt der Vorteil, wenn man mit einem kleinen Fahrzeug unterwegs ist, dann hat man auch eher die Chance auf einen Parkplatz. Oliver meint, schau Dir mal den vorderen Pneu an, irgendwie fühlt es sich komisch an. Aber der Pneu ist einwandfrei. Zuerst kochen wir noch was und machen ein wenig Pause. Als wir aussteigen, trifft uns fast der Schlag. Der hintere rechte Pneu hat viel zu wenig Luft. Wir hoffen, dass wir nicht irgendeine Schramme im Pneu haben, aber wir sehen nichts. Na, vielleicht hat uns ja auch einer die Luft abgelassen. Wir pumpen den Pneu und besichtigen Riga in der Abenddämmerung. 

Eine wunderschöne Stadt, mit vielen, nein, extrem vielen Restaurants und Bars. Eines schöner und gemütlicher als das andere. Zum Teil sogar mit Live-Band. Riga gefällt uns sehr gut. Die Stimmung, die Häuser, einfach alles. Wir sind länger unterwegs, als wir eigentlich wollten, denn auch die schönen Parkanlagen mit den vielen Sitzbänken und den beleuchteten Bäumen haben es uns angetan. 

Jetzt sind wir gespannt wie es unserem Pneu geht. Der Druckverlust scheint enorm zu sein.

 

So pumpen wir nochmals und rechnen uns aus, dass er morgen früh ganz platt ist und auf der Felge steht. Wir finden im Internet eine Adresse, die anscheinend einen 24 h Dienst haben soll. So wollen wir morgen mal dorthin fahren. Der Anblick des platten Reifens am Morgen, ist nicht gerade motivierend

So pumpen wir nochmals und fahren los. Doch wir finden diese Firma nirgends. Dort wo sie gemäss Navi sein müsste, ist nichts. Wir halten wieder auf einem Parkplatz um den Pneu zu pumpen, denn der ist schon fast wieder platt. Moni fragt eine junge Frau, ob sie wisse wo diese Firma sei, oder ob sie evtl. für uns dort anrufen könnte. Tja, also der 24 Stunden Service gilt am Sonntag nicht. So bleibt uns nichts Anderes übrig als einen unserer Reservereifen zu montieren. Aber mit diesem Original Mercedes Baby-Schlüssel haben wir nicht den Hauch einer Chance um die Radmuttern zu lösen. 

Ein Rohr um die Hebelwirkung zu verstärken, können wir nicht montieren, da man damit nicht an der Karosserie vorbeikommt. Das ärgert uns jetzt noch mehr. Oliver meint, dann kaufen wir an einer Tankstelle so einen Pneu-Reparatur-Spray, vielleicht hilft das ja. Aber an den ersten beiden Tankstellen haben die nichts. Bei der dritten geht Oliver guter Hoffnung rein, die ist ja auch ein wenig grösser. Moni schnappt sich in der Zwischenzeit einen jungen Mann und fragt, ob er evtl. einen Pneu-Händler kennt, der am Sonntag offen hat. Als Oliver mit der Spraydose in der Hand rauskommt, ist der junge Mann gerade fertig mit telefonieren und so zeigt er Oliver auf dem Navi gleich, wo der „Pneufritze“ ist. Und angemeldet sind wir ja jetzt auch schon. Wir sehen wieder Licht am Horizont. Nein, so schlimm ist es nicht, aber der Tag ist immer gleich vorbei, bis man nur irgendwie etwas findet. Es dauert nicht lange und schon stehen wir am Strassenrand, neben der Garage. Wow, die stehen hier Schlange. Moni drängt Oliver, er solle sich bei dem Typen anmelden, da geht es schön der Reihe nach, und wenn wir uns nicht melden, können wir noch lange warten. Denn in der Zwischenzeit versuchen schon zwei weitere Autos zu parkieren. Der nette Mann meint, ah ja, aber es dauert etwa 30 Minuten. Wir finden, das ist kein Problem, und machen uns einen Kaffee, und da es gleich auf der anderen Strassenseite eine Bäckerei hat, holen wir uns noch was Feines dazu. Aus den 30 Minuten sind 90 Minuten geworden, aber wir staunen wirklich, denn anscheinend haben alle nur mit einem Pneu Probleme, denn er nimmt immer ein Rad weg, repariert es und montiert es wieder. Hoffen wir mal, dass das bei uns auch so ist. Er tut uns schon leid, weil Willi zu gross ist, können wir nicht unter das Dach fahren. So regnet es ihm schön auf den Rücken. Auch er hat Mühe mit unseren Radmuttern und holt sich ein Eisenrohr um die Hebelwirkung zu vergrössern. 

Er nimmt unser Rad und legt es in eine Art Badewanne, wo er das Rad mit einer Vorrichtung unter Wasser drückt. So sehen wir, dass es beim Ventil blubbert. Puh nochmals Glück gehabt. Er holt eine Zange und zieht das Ventil an, aber es blubbert genau gleich weiter. Jetzt schaut er uns besorgt an und meint, das ist nicht gut. Er nimmt den Pneu von der Felge und es kommt ein feiner Haarriss, gleich neben dem Ventil zum Vorschein. Das ist gar nicht gut. Was nun? Ein schneller Entscheid. Einzige Möglichkeit, wir nehmen ein Reserverad und montieren den guten Pneu darauf. So fragt Oliver, ob wir die Felge und den abgelaufenen Pneu hierlassen können. 

Für 5 Euro können wir beides hierlassen. Das Rad kommt auch wieder zur Sicherheit ins Wasserbad und am Schluss kostet es 20 Euro. Wir sind glücklich und froh, dass dieses Problem nun behoben ist und geben ihm 25 Euro für den super Service. Ja der junge Mann macht das richtig. Am Sonntag läuft sein Geschäft bestens, das ist eine super Geschäftsstrategie. Wie meistens nach solchen Aktionen, belohnen wir uns mit etwas Feinem. Die Markhallen hier in Riga gelten ja auch als Sehenswert und anhand der vielen Leute die es hier hat, als beliebte Einkaufsmöglichkeit. 

So kaufen wir ein schönes Rindsfilet und machen uns heute Abend wieder einmal ein Stroganoff. Auch die Lammkoteletten stechen Oliver ins Auge. Ja und als er auch noch einen Hasen sieht, haben wir bis jetzt noch nie gesehen, ist für ihn die Entscheidung gefallen. Er will morgen lieber selber einen feinen Coniglio kochen, als irgendwo ein Restaurant zu suchen für sein Geburtstagsessen. Schwer beladen mit Einkaufstüten kehren wir zu Willi zurück und fahren wieder zu unserem Parkplatz, wo wir froh sind, dass wir gerade noch einen erwischen. Nach einem feinen Essen machen wir wieder einen Rundgang durch diese wunderschöne Stadt. Am nächsten Morgen regnet es wieder ziemlich heftig, so dass Oliver findet, so macht es ja auch keinen Spass um hier in einem Gartenbeizli einen Drink zu nehmen. So fahren wir weiter Richtung Siauliai, dort will er zum Berg der Kreuze. Moni fragt besorgt, muss ich mir Sorgen machen, oder warum willst du an deinem Geburtstag zum Berg der Kreuze??? Schliesslich weiss man ja nie, was Männer in diesem Alter für Gedanken haben. Aber es liegt ja eh auf unserem Weg, also nichts dergleichen mit Lebenskriese oder so was. 

(Keine Kirchen nur Kreuze, extra für Leve)

Auch hier kann man selbstverständlich kleine Holzkreuze oder Rosenkränze kaufen und die dann auf dem Berg deponieren. Etwa 100km vor Vilnius sehen wir einen schönen Platz der uns perfekt scheint um noch etwas spazieren zu gehen und dann den feinen Geburtstagshasen zu kochen. 

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Kommentare: 1
  • #1

    s'Tanti (Sonntag, 29 September 2019 20:46)

    Oh je, so sieht also ein platter Reifen aus !

    mmm..... da läuft einem ja wieder das Wasser aus dem Mund !!!

    Interessante Geschichte über den Berg der Kreuze. Und ja, Monika, da hätte ich mir am Geburtstag von Oliver auch Gedanken gemacht !