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Baltikum II

Am nächsten Morgen beschliessen wir, dass wir in Vilnius zur Mercedes Garage fahren, um unserer Fahrspur zu kontrollieren, da unsere Pneus auf der Vorderachse einseitig ablaufen und dann müssen wir uns endlich gutes Werkzeug kaufen, damit wir im Notfall auch einen Pneu wechseln können. Die Mercedes-Garage hat leider keinen freien Termin für uns, aber dafür haben sie für uns gleich telefonisch bei der Mercedes in Kaunas einen Termin vereinbart. So fahren wir noch zum grossen Werkcenter Prisma. Es muss doch möglich sein, dass wir anständiges Werkzeug bekommen. So kaufen wir ein Zwischenteil und ein 4m langes Eisenrohr, dass wir selbstverständlich nur dann benutzen, wenn wir nicht gerade wütend sind. Nein, das wäre ja dann auch viel zu lang. Wir haben es noch auf 1.20m kürzen lassen, so ist es handlicher.  Noch auf dem Parkplatz versucht Oliver sein Glück mit dem neuen Werkzeug und tatsächlich, mit der langen Hebelwirkung geht es wie geschmiert. 

Oliver will das andere Teil des Eisenrohrs einfach bei den Einkaufswagen lassen, aber Moni findet, ich bring es zurück. Die können es ja entweder entsorgen oder nochmals verkaufen. Es dauert nicht lange, und sie bereut ihren Entscheid. Denn, wie will sie denen jetzt klarmachen, dass sie dieses Rohr nur retour geben möchte, damit es nicht einfach irgendwo rumliegt. Manchmal wäre es vielleicht doch besser auf Oliver zu hören. Aber schlussendlich, nachdem bereits 3 Verkäufer auf Moni einschwatzen, kommt „unser netter Verkäufer“ mit dem Stapler angefahren. So kann sie ihm erklären, was sie will. Er fragt sie, ob er dieses Rohr haben kann. Moni nickt und denkt sich, Hauptsache ich bin es endlich los. So begleitet er sie zur Kasse. Dort erklärt er dem Lagerchef die Angelegenheit, bedankt sich ganz herzlich bei ihr und läuft mit dem Rohr davon.

Ja, dann können wir uns ja jetzt einen schönen Abend in Vilnius machen. Hier gibt es eine Kirche an der anderen, aber am besten gefällt uns die Schaukel am Fluss. Anscheinend weiss niemand, wer sie so schön über dem Fluss aufgehängt hat. 

Am nächsten Morgen suchen wir uns wieder einmal eine Wäscherei und planen unsere Weiterfahrt. Auch unsere Wassertanks müssten wieder gefüllt werden. Fündig werden wir bei einem grossen Friedhof. Car weise kommen Franzosen, aber nicht zur Beerdigung, sondern nur zur Besichtigung. So laufen wir nach dem füllen unserer Wassertanks auch noch über den Friedhof. Hier ruhen die französischen Soldaten aus dem Russlandfeldzug von 1812 von Napoleon dem 1. Aber für uns machen vor allem diese originellen Grabsteine den Friedhof sehenswert.

In Trakai soll es noch ein schönes Wasserschloss geben. Es liegt ja fast auf unserem Weg. Das ganze Dorf scheint sehr touristisch zu sein. An jedem Haus hat es ein grosses Plakat mit einem P darauf. Jeder will ein bisschen was verdienen. Aber es ist ja zum Glück nicht mehr Hochsaison, und die vielen Parkplätze sind nicht gross besetzt. Wir finden gleich beim Informationscenter vom Schloss einen Parkplatz und freuen uns schon fast kindlich. Der Ärger ist dann eher Teenager mässig. Die Frau reisst das Fenster auf und ruft uns irgendetwas zu. Anscheinend dürfen wir hier nicht parkieren, aber warum ist für uns nicht ersichtlich. Was soll’s. Also fahren wir weiter zum nächsten grossen Parkplatz. Da stehen eh nur 3 Autos drin. Oliver setzt den Blinker und verlangsamt Willi um hinein zu fahren, als uns schon ein Mann heftig winkt. Ach sind die Leute hier alle nett. Die winken schon, bevor man überhaupt anhält. Wir sollen weiterfahren. Hä? Warum denn? Der Parkplatz ist ja fast leer. Oliver meint, die können mich mal, das Schloss sieht eh Scheisse aus. Das will ich gar nicht mehr anschauen. Ja und tatsächlich ist es so, dass wir auf allen Parkplätzen, obwohl sie leer sind, nicht erwünscht sind. Sie wollen, dass wir auf den Camperparkplatz fahren. Der natürlich ganz ausserhalb des Dorfes liegt und erst noch Schweine teuer ist. So fahren wir wieder ins Centrum, wo wir in einer Seitenstrasse am Strassenrand parkieren. Jetzt schlendern wir doch noch zum Wasserschloss. Aber auf eine Besichtigung können wir gut verzichten. Für uns ist es ein Neubau und nicht einmal schöngemacht, und so unfreundlich wie wir begrüsst wurden, müssen wir denen die Kasse nicht auch noch füllen. 

Zudem ist es ja gar kein Wasserschloss mehr und nur, weil früher der Wasserpegel höher war, nennen sie es heute noch Wasserschloss. 

Wir trinken im Willi mit Seesicht noch einen feinen Kaffee und fahren am späteren Nachmittag zu einem kleinen See wo wir dann den Abend geniessen. Ja und schon wieder fahren wir zu einer Mercedes Garage. Aber da wir noch zu früh sind, gibt es noch einen Kaffeehalt und einen schönen Spaziergang wo wir noch auf dieses Monument hier stossen. Es ist als Erinnerung an den Holocaust gebaut worden und ist gigantisch. 

Pünktlich wie eine Schweizer Uhr, also 5 bis 10 Minuten zu früh, stehen wir bei Mercedes auf der Matte. Zu unserer Überraschung sprechen hier einige der Männer auch Deutsch und so werden wir auf einen Kaffee in der Cafeteria eingeladen. Wir möchten aber lieber zuschauen und fragen, ob das ok ist, denn das würde uns viel mehr interessieren. Er meint lachend, solange wir kein Geld für das mithelfen wollen, sei das in Ordnung. Zuerst wird geprüft, ob mit der Lenkung etwas defekt ist, aber zum Glück ist alles ok. Ja es ist wirklich die vordere Fahrspur die nicht stimmt. Nach knapp einer Stunde ist alles wieder gerichtet. Wir kaufen noch eine Batterie für Oliver’s Fernbedienung und bezahlen im Ganzen 76.85 Euro. Da sind wir ja nochmals gut weggekommen. 

 Wir schauen uns die Weiterfahrt an und Oliver ist der Ansicht, wir könnten doch hier auf dieser kleinen Landzunge nach Russland fahren, das ist sicher noch schön. Und wie kommen wir da rüber, fragt Moni. Oliver ist ganz begeistert, da gibt es eine Fähre, aber das ist ja nicht weit, das sind ja höchstens 150m, das kostet sicher nicht alle Welt. So fahren wir zur Fähre, die bereits dasteht. 5 Minuten später wird die Fähre beladen, und nochmals 6 Minuten später sind wir schon auf der anderen Seite. Hei was für ein Schnäppchen und das kostet nur 25 Euro, was für ein Schnäppchen. Nach hundert Metern stehen wir vor einer Barriere, dort kostet der Einlass in den Nationalpark von Litauen dann noch 15 Euro. Na jetzt hoffen wir mal, dass sich dieser Ausflug auch lohnt. Wir finden einen schönen Platz, wo wir dann auch gleich übernachten. So geniessen wir den etwas stürmischen Nachtspaziergang und das feine Essen.

Am nächsten Morgen sehen wir, dass heute anscheinend Tag der Wanderung sein muss. Es hat Tausende von Wanderern schon von frühmorgens an, die sich wie eine grosse Ameisenspur durch die Wälder und dem Strand entlang zieht. Immer wieder kreuzen sich unsere Wege. 

Auf dem Weg zur Grenze sehen wir in einem kleinen touristischen Dorf ein paar Sandskulpturen. 

Nach einer weiteren kurzen Fahrt durch den Wald, stehen wir schon bei der Grenze von Litauen nach Russland. Von weitem sehen wir eine Barriere und ein kleines Häuschen. Ein einzelner Zöllner steht da. Er will die Wagen Papiere und unsere Pässe und verschwindet damit für einige Minuten in seinem Häuschen. Als er wiederkommt will er, dass Oliver aussteigt. Er muss ihm die Seitentüre öffnen. Oliver öffnet die Türe und geht zur Seite. Da meint er, „open“! So öffnet Oliver ihm auch noch den Fliegenvorhang. Alles ok. Wir dürfen weiterfahren. Beim russischen Zoll stehen wir als einzige da. Anscheinend will hier niemand über die Grenze. Hier müssen wir zuerst unsere Pässe zeigen, und anschliessend schicken sie uns ins Gebäude, um die Einfuhrzettel für Willi auszufüllen. Da muss man ja das gleiche Formular zweimal ausfüllen. Jetzt mit diesen Papieren zum nächsten Häuschen. Ja dieses Mal machen wir alles korrekt. Dann heisst es, ok sie können gehen. Wir steigen ein und wollen abfahren, als wir von einer Frau in Uniform zurückgepfiffen werden. Sie will noch den Willi kontrollieren. Wir müssen beide vorderen Türen öffnen, die Motorhaube, und die Garage. Dann will sie, dass wir die Fenster öffnen. Die Fenster? Ok. Als die gute Frau jetzt unseren Willi innen kontrolliert, weiss Moni warum sie wollte, dass wir die Fenster öffnen. Die Frau hat eine gewaltige Alkohol Fahne. Na uns egal. Hauptsache wir können jetzt weiterfahren. Schon nach einigen Metern stehen wir wieder an einem Schlagbaum. Ah ja, klar, jetzt kommt der russische Nationalpark. Dieser Eintritt kostet 450 Rubel, ca. 7.50 CHF. Wir bekommen hier auch noch ein kleines Prospekt. 

Schon kurze Zeit später kommen wir an einen Parkplatz mit vielen Cars und Autos und Essens- und Souvenirhäuschen. Anscheinend muss es hier eine grosse Sanddüne geben. Die können wir uns ja nicht entgehen lassen, wenn wir schon extra hier entlangfahren. Um auf den Weg zur Düne zu gelangen, muss man zuerst durch einen langen, überdeckten Korridor, der links und rechts voller Verkaufsstände ist. Das nennt sich Verkaufsstrategie. Vor allem Bernsteinprodukte gibt es hier zu kaufen. 

Auf einem schönen Holzweg laufen wir den Wald hinauf, bis wir die ersten Aussichtsplattformen sehen. Oliver meint, von mir aus können wir wieder gehen, aber Moni hat die Hoffnung, auf der obersten Plattform mehr zu sehen. Was natürlich nicht der Fall ist. 

Da wir davon ausgehen, dass wir im Park nicht übernachten dürfen, fahren wir noch nach Baltijsk. Dort soll es, gemäss maps.me, noch eine Zitadelle haben. 

Wir parkieren auf einem grossen Parkplatz direkt am Meer. Während dem Abendessen haben wir noch gratis Unterhaltung. Wir sehen zwei Männer, ca. 35-Jährig, stock besoffen, torkeln sie über den Weg, bis der eine in einen Busch fällt. Ach herrje, wie kann man nur so viel saufen. Aber auch die vielen riesigen Kriegsschiffe, die direkt vor unserer Nase in den Hafen fahren, ziehen unsere Blicke auf sich. Als es so dunkel ist, dass wir Licht brauchen, schliessen wir unsere Läden und jassen noch ein wenig. Auf einmal rumpelt es hinten am Willi und irgendetwas poltert an den Willi. Oliver hechtet in Rekordgeschwindigkeit aus dem Willi und ist entsetzt. Da pissen doch die beiden Besoffenen an unser Reserverad und da sie nicht mehr stehen können, haut es sie immer wieder an unseren armen Willi. Oliver befiehlt ihnen ihre Würstchen einzupacken und sich vom Acker zu machen. Anscheinend verstehen die beiden „Züridütsch“. Denn sie geben sich grosse Mühe den Schauplatz des Grauens zu verlassen, was ihnen sichtlich schwerfällt. Denn nach ein paar Vorwärtsschritten, ist bereits der Rückwärtsgang drin. So hilft Oliver ein wenig nach, indem er den einen am Ärmel packt und ihn in die Richtung des Dorfes führt. Unser schöner Schlafplatz gefällt uns auf einmal nicht mehr so gut. So fahren wir direkt zu dem grossen Denkmal mit der reitenden Frau. In der Hoffnung, sie beschützt uns vor weiteren ungebetenen Gästen. 

Nach einer ruhigen Nacht fahren wir am Morgen nach Kaliningrad. Ein kleines beschauliches Städtchen. Auf der Brücke zur Kathedrale wo Emanuel Kant beerdigt ist, sehen wir eine junge Frau die da, mit einer Plastikblockflöte und einem roten Plastikschälchen steht. Immer wieder bläst sie leise und völlig unkoordiniert in die Flöte und dafür gibt es auch noch Geld. Ok, vielleicht bekommt sie auch etwas, damit sie für kurze Zeit ruhig ist. Aber diese Frau löst bei uns gleich eine Diskussion aus. Denn Moni durfte ihre geliebte Mundharmonika aus Kinderzeiten nicht mitnehmen, das ist doch gemein. Angeblich aus Gewichtsgründen und weil sie es nicht kann. Dabei wäre das doch die Gelegenheit um unsere Reisekasse aufzubessern.  

Am anderen Ende der Brücke sehen wir einen, der angeblich edle Fundstücke verkauft. Moni meint, ach schade und ich habe solche Sachen ins Broki gebracht.

Ganz interessant finden wir den Zebrastreifen-Maler.

Das Haus der Sowjets war früher sicher ein interessanter Bau. Leider ist es inzwischen nur noch eine einsturzgefährdete Ruine. 

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Kommentare: 1
  • #1

    s'Tanti (Samstag, 05 Oktober 2019 13:56)

    Wow, was Ihr wieder alles erlebt und gesehen habt !