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Polen I

Voller Freude zum letzten Mal, zumindest für die nächste Zeit, einen Grenzzoll hinter uns zu bringen, freuen wir uns auf das freie Europa und die einfachen Grenzübergänge. Doch was soll denn das? Am russischen Zoll waren wir doch fast die einzigen. 

Jetzt stehen wir in einer langen Kolonne vor dem polnischen Zoll. 

Warum denn nur? Ja wir stehen hier, und ca. alle dreissig Minuten lassen sie wieder ein paar Autos in das Zollareal reinfahren. Ach, was soll’s. Wir haben ja keine Termine. Nach dem Schlagbaum, werden die Autos aufgeteilt. Eine Linie für EU/EFTA/CH und zwei weitere Linien für alle anderen Bürger. 

So korrekt wie wir Schweizer ja sind, stellen wir uns selbstverständlich in die EU/EFTA/CH Kolonne. Wobei dies alle anderen nicht interessiert. Die Deutschen und die Polen nehmen einfach die Kolonne, wo sie ihrer Meinung nach am schnellsten vorankommen. Inklusive gegenseitiges umrangieren von links nach rechts. Man könnte meinen hier kennt jeder jeden. Wir beginnen doch tatsächlich aus lauter Langeweile die Zeit zu stoppen, wie lange unsere Beamtin hat, um ein Auto abzufertigen. Man muss sich das so vorstellen. Ein Zöllner kontrolliert immer drei Autos hintereinander. Das heisst, er sammelt die Pässe ein und kontrolliert das ganze Auto. Ein Auto darf bis zum nächsten Schlagbaum vorfahren. Der Fahrer darf nicht aussteigen, sondern muss im Auto sitzen bleiben. Im Rückspiegel muss er jetzt das Fenster des Kontrollhäuschens beobachten, den nach ungefähr 6 Minuten winkt sie wie wild aus dem kleinen Fenster, so dass man schon fast ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn man nicht gleich rausspringt und zum Fenster rennt. Dann muss man zurück zum Fahrzeug und alle Türen, Kofferraum und Motorhaube öffnen und wieder im Fahrzeug Platz nehmen. Sie kommt irgendwann und kontrolliert alles, dann darf man wieder alles zu machen und muss wieder warten. Irgendwann winkt sie wieder und man darf wieder zum Häuschen. Dann wird der Schlagbaum geöffnet und man darf rausfahren. Das Ganze dauert zwischen 9 und 15 Minuten. Kein Wunder dauert es so lange. Aber das ist ja wie im Einkaufsladen an der Kasse, dort wo wir stehen dauert es am längsten. Bei den beiden anderen Kolonnen geht es etwas schneller. Keine Ahnung, warum unsere so langsam ist. So, endlich dürfen wir vorfahren, das heisst, eine sehr unsympathische und unhöfliche, junge Frau will unsere Pässe. Jetzt soll Oliver aussteigen, um alles zu öffnen. So etwas Unsympathisches am Zoll, wo sie doch eigentlich ihr Land repräsentieren sollten. Oliver versteht nicht was sie will, so antwortet sie auf einmal auf Deutsch, aussteigen!! Öffnen!!! Oliver macht was ihm befohlen wird. Sie will bei der Seitentüre einsteigen. Oliver meint nur bitte, und nimmt aber unser Treppchen nicht weg. So murrt sie als sie aussteigen will. Oliver nimmt die Treppe in die Hand und macht ihr den Weg frei um auszusteigen. Ohne Treppe. Die ist ja schliesslich original auch nicht dabei. Ja so wie man in den Wald schreit kommt es auch zurück. Normalerweise stellt er den Zöllnern immer die Einstiegshilfe hin. Jetzt dürfen wir warten, bis wir an der Reihe sind. Endlich können wir zum Schlagbaum vorfahren. Oliver will keine Genickstarre riskieren und schaut nicht die ganze Zeit in den Rückspiegel, darum reagiert er erst, als sie mit einem Gegenstand an ihr Häuschen poltert. So nimmt Oliver die Fahrzeugpapiere auch gleich mit, damit wir sie schon dabeihaben. Sie will von uns wissen, ob wir Wein mitführen. Oliver, ja klar, zwei Flaschen. Und Diesel? Hä? Diesel? Ja klar, wir schieben ja den Willi nicht. Was soll die Frage. Aber sie will wissen wieviel. Oliver meint, voll. Nein wieviel, will sie beharrlich wissen. So sagt Oliver 90 Liter. Warum sie das wissen will, wissen wir nicht. Aber auf einmal nimmt sie ihr Telefon und ruft jemanden an. Wir verstehen nur, dass wir Schweizer sind und 90 Liter Diesel dabeihaben. Aber anscheinend ist es ok. Sie schickt uns zu Willi um alles zu öffnen. Klar machen wir doch. Nach einigen Minuten kommt sie, guckt sich alles so pseudo mässig an und verschwindet wieder im Häuschen. 

Wir schliessen alles und sitzen wieder im Willi und warten. Endlich ruft sie und wir können nun zur Passkontrolle. Wir bekommen unsere Pässe wieder und dürfen gehen. 

Der Schlagbaum ist schon offen. Aber jetzt muss Oliver zuerst noch alle Papiere versorgen und wir haben es ja auch nicht eilig. Danach fahren wir noch bis zum Meer und erholen uns dort vom vielen warten. Auch in Polen gibt es wunderschöne Strände, mit Bar und Spielplatz für die Kleinen.

Mitten am Nachmittag treffen wir in Warschau ein. Wie so oft kurven wir zuerst einmal durch die ganze Stadt. So finden wir einen Parkplatz am Rande der Altstadt, gleich neben einem der vielen Parkanlagen. Jetzt wieder die grosse Frage, braucht es ein Parkticket und wenn ja, wie löst man das. Moni sieht gerade, dass ein Mann, zwei Autos vor uns einsteigen will. So hüpft sie raus und überfällt ihn einfach mir nichts dir nichts. Zum Glück spricht er sehr gut Englisch und meint hilfsbereit, er komme mit und zeige es ihr. Am Kasten, muss er es aber auch dreimal versuchen, bis es klappt. Als Moni dann mit der Kreditkarte bezahlen will, geht es nicht, so nimmt er einfach seine spezielle Parkkarte und bezahlt. Sie will ihm den Betrag in Münzen geben, aber er verneint und sagt, wir sollen den Aufenthalt in seiner Stadt geniessen. Auf dem Rückweg zum Auto meint er, falls wir noch etwas wissen möchten oder sonst noch Fragen haben, er könne uns gerne helfen. So holt Moni schnell Oliver aus dem Willi und sagt, komm schnell und frag noch alles was wir wissen wollen. Oliver ist ein wenig überrumpelt. Der Mann gibt uns einen kurzen Überblick wo sich was befindet und sagt schelmisch, dort hinten befindet sich die teuerste Einkaufsstrasse, genau richtig für euch reiche Schweizer. Er verabschiedet sich und steigt in seinen Porsche Cayenne. Bevor wir uns ins Getümmel stürzen brauchen wir aber noch einen Kaffee und Laila muss auch noch raus. So Städtebesichtigungen sind für sie mittlerweile einfach zu streng. Da kommen schnell mal 10km zusammen und das ist für sie zu viel. Dafür bekommt sie auch noch einen feinen Knochen. So machen wir uns auf, durch die neue Altstadt in die alte Altstadt, zumindest hat er uns das so erklärt. 

Was uns immer wieder auffällt in den Städten, die ganz alten, grossen Gebäude, die etwas Besseres darstellen sollen, sind meistens im Stil der Griechen gebaut, mit diesen riesigen Säulen und den Figuren in den Dachgiebeln. 

Wir geniessen das warme Wetter und die Sonne die durch die Gassen scheint. Auch hier ist alt mit modern durchmischt. Die vielen riesigen Parkanlagen gefallen uns sehr und sie werden auch rege benutzt. Was uns allerdings auffällt, es hat sehr viele Randständige, was uns in dieser grossen und modernen Stadt doch sehr nachdenklich stimmt. 

Zurück beim Willi werden wir stürmisch begrüsst und obwohl wir uns eigentlich nur noch hinsetzen möchten, geht’s zuerst noch einmal in den schönen Park. Wir machen uns noch schnell einen feinen Tomatensalat mit Basilikum aus unserem Gärtchen und dann ab ins Bett die Beine hochlagern. Wir freuen uns auf morgen, denn dann geht es in den schönen Tazienki Park. Heute sind wir schon früh unterwegs, da unsere Parkzeit um 8 Uhr abläuft. Der Tag begrüsst uns mit Sonnenschein und so nehmen wir das gerne in Kauf. Wir teilen uns auf, Oliver macht Willi startklar und Moni geht mit Laila in den Park. Schon von weitem sieht sie einen Mann, der seine Kapuze ganz tief ins Gesicht gezogen hat. Er schaut unauffällig nach links und dann nach rechts, bückt sich und nimmt etwas aus dem Abfallkübel heraus. Sie sieht wie er ein Papier das ganz zerknautsch ist, vorsichtig auseinanderfaltet. Hat da jemand einen Brief weggeworfen? Aber als sie an dem Mann vorbeiläuft, sieht sie, wie er den Rest eines Hamburgers ganz vorsichtig ist. Es zerreisst Moni fast das Herz. Der Mann tut ihr so leid. Schnell läuft sie zu Willi zurück und bittet Oliver ihr doch den Rest des Brotes und einen der schönen Äpfel zu geben. Die ablaufende Parkuhr im Genick, eilt Moni mit Laila durch den Park. Der Mann ist immer noch mit seinem Hamburger beschäftig. Er macht mit einem Plastikmesser kleine Stückchen. Als Moni den Apfel aus der Jackentasche nimmt und ihm gibt, strahlen seine Augen und als ihre Hand in die andere Jackentasche greift, verfolgen seine Augen sie aufmerksam. Als er das Brot sieht bedankt er sich und hört mit reden nicht mehr auf. Ziemlich bedrückt verabschiedet sie sich und beeilt sich, damit wir nicht noch eine Parkbusse bekommen. Solche Momente gehen uns immer nahe und obwohl wir ein bescheidenes Leben führen, wird uns bewusst wie extrem gut es uns doch geht. Wir diskutieren noch lange darüber, wie wir helfen könnten. Aber wie soll man entscheiden, wem man etwas gibt und wem nicht. Und wenn wir jedem etwas geben würden, ständen wir irgendwann auch am Strassenrand. Während unserer Diskussion sind wir bereits im Park angekommen. So wollen wir jetzt bei strahlendem Sonnenschein den Lazienki Park besichtigen. Leider ist hier ein Hundeverbot, so müssen wir diesen Park alleine geniessen. Der Blick von der Brücke aus ist wunderschön mit diesen doch schon herbstlichen Bäumen. 

Dieses Denkmal ist eines der schönsten, dass wir die letzte Zeit gesehen haben. 

Wir staunen über die vielen Details wie das Bärenfell als Sattelunterlage, die Hufeisen und dass der Riemen für den Steigbügel immer noch hält. 

Es hat auch sehr viele Tiere, die sich absolut nicht von uns stören lassen.

Es ist herrlich, durch den Park zu schlendern. Zurück bei Willi schauen wir mal, was wir denn sonst noch besichtigen könnten. So fahren wir noch zum Fort der Festung in Warschau. Es gehörte zum äusseren Verteidigungsgürtel und steht unter Denkmalschutz. Haben es uns ein bisschen anders vorgestellt.

So machen wir uns auf den Weg Richtung Krakau. Leider hält das Wetter nicht lange und schon bald regnet es und es wird so richtig herbstlich mit Nebel. Das inspiriert uns, um unsere Weiterreise zu planen. Nach so vielen Kilometern und interessanten, schönen Gegenden, Städten und Menschen, möchten wir den Winter an einem warmen Ort verbringen und endlich einmal Zeit haben um all das zu verarbeiten und um unser ganzes Foto und Videomaterial zu überarbeiten. Mal schauen wohin es uns treibt. Am nächsten Morgen scheint die Sonne wieder. So fragt Moni noch bei einem Friedhof, ob wir unser Wasser füllen dürfen, damit wir wieder für die nächsten Tage Ruhe haben.

Unterwegs nach Krakau fahren wir an diesen Strassenlaternen vorbei. Hier wollten sie anscheinend die Gleichberechtigung von Frau und Mann einhalten. Was aber unserer Meinung nach ziemlich in die Hose ging. Ha Ha.

Unterwegs nach Wieliczka sehen wir noch diese hübsche Kirche. Da sie ganz anders aussieht halten wir doch kurz an.

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