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Polen III Auschwitz

Mit einem komischen Gefühl in der Magengrube, kommen wir Auschwitz immer näher.

So fahren wir dem Wegweiser, Museum Auschwitz I, durch den Ort Oswiecim nach und staunen nicht schlecht, als wir auf einmal vor dem Parkplatz von Auschwitz stehen, mitten in der Stadt. Wir fragen uns, wie man hier, in unmittelbarer Nähe von so einem grauenvollen Ort leben kann. Für 20 Zloty können wir solange parkieren, bis wir Auschwitz angeschaut haben. Es gibt kein Zeitlimit. Für weitere 20 Zloty hätte man auch übernachten können, doch das können wir uns nun wirklich nicht vorstellen, dass man hier eine gute Nacht verbringen kann. Oliver macht noch kurz eine Runde mit Laila, bevor wir uns ohne viele Worte auf den Weg machen. Vor dem Eingang sehen wir nirgends eine Kasse und viele Leute laufen ein wenig orientierungslos zwischen den Informations-Ständen hin und her. Wir fragen eine junge Frau die unter einem Stoff Pavillon sitzt, der angeschrieben ist mit Information. Genervt sagt sie, dass man da drüben bei dem Informations-Häuschen die Tickets kaufen müsse. Oliver sagt ihr, so freundlich wie er in der Situation kann, vielleicht wäre es eine gute Idee, dass man dort Kasse anschreiben würde, dann wüsste man wo man hinmuss. Also auf zur Information um ein Ticket zu kaufen.

Da nur am frühen Morgen und am späteren Nachmittag der Eintritt ohne Führung möglich ist, beschliessen wir ein Ticket zu kaufen.

Wir denken sowieso, dass es wichtig ist eine Deutsche Führung zu buchen, damit wir die Eindrücke auch richtig einordnen können. Schliesslich ist es ein sehr wichtiges und heikles Thema und wir möchte auch etwas lernen. 

So kaufen wir uns einen Deutschen Rundgang der aber erst in 2 ¼ Stunden los geht. Also machen wir uns zurück zu Willi und Laila. Nun haben wir ja auch noch genügend Zeit um etwas zu Essen und nochmals mit Laila eine kleine Runde zu drehen, bevor es dann Los geht. 

Beim Eingang wird nochmals, wie schon beim Kauf der Tickets, der Ausweis gecheckt. Keine Ahnung wieso, doch die Sicherheitskontrolle ist höher als am Flughafen.

Nun sitzen wir also in einem kahlen Raum und warten bis es losgeht. Spannend ist, dass in diesem Raum sicher gegen 70 Leute sind und trotzdem ist es sehr ruhig, niemand spricht laut oder lacht. Alle warten mit einer inneren Anspannung bis es losgeht. Um 13:30 Uhr geht es los. Wir verlassen das Gebäude um davor weitere 10 Minuten zu warten. Eine Gruppe Inder schafft es nicht die Kopfhörer und das Gerät in Betrieb zu nehmen, so dass Moni sich erbarmt und ihnen zeigt, dass der Kopfhörer ja angeschrieben ist mit R und L und das man für die Lautstärke nicht den Sendekanal verstellen muss, sondern dass man einfach am Rädchen drehen kann.

 

Unsere Führerin ist eine polnische Frau, ca. 45 Jahre alt, macht in Auschwitz die Deutsche und Französische Führung. Sie erklärt uns wie der Ablauf sein wird.  Alle müssen dicht zusammenbleiben, da es so viele Besucher hat. Man soll nicht stehen bleiben, sondern immer langsam vorwärtsgehen und wenn es Fragen gibt, könnten diese gerne im zweiten Teil der Führung gestellt werden.

Auschwitz I dauert ca. 2 ½ Stunden, danach gibt es eine kleine Busfahrt von ca. 10 Min. nach Auschwitz II Birkenau. Nach einer kurzen Pause geht dann die Führung nochmals ca. 1 ½ Stunden. Wer danach noch mag, kann bis 19.30 Uhr Birkenau auf eigene Faust erkunden.

 

So machen wir uns auf durch das berühmt berüchtigte Tor «ARBEIT MACHT FREI». Ja das ist wirklich zynisch. Denn die einzige Freiheit die man hier erlebte, war der sichere Tod und vorher musste man sich zu Tode schuften und hungern.

Sie erzählt uns, dass die Stacheldraht-Anlage unter Strom stand und dass am Abend jeweils vor den Baracken die Gefängnis Kapelle, die aus Häftlingen bestand, spielen musste, wenn die Häftlinge von der Arbeit zurückkamen. Und zwar immer einen schnellen Marsch und die Gefangenen mussten dazu marschieren. So konnten die SS-Leute sehen, wer noch konnte und wer schon am Ende ist und somit nichts mehr brachte. Das war dann für denjenigen auch schon das Todesurteil. Wow, und das schon gleich auf den ersten Metern, man sieht in allen Gesichtern tiefe Betroffenheit. Alle schweigen und gehen weiter zwischen den Steinbaracken hindurch. 

 

Im ersten Gebäude hängen einige Tafeln mit Informationen, woher die Menschen kamen und die Zahl der Opfer die in Auschwitz produziert wurden. Sie erzählt uns, dass die Tafel an einem Punkt nicht ganz richtig ist und zwar bei den Polen. Denn ein riesiger Teil der Juden waren Polen und wenn man die zusammenzähle, habe Polen 10% der gesamten Bevölkerung in Auschwitz verloren.  

In einer Urne befindet sich die Asche der letzten vergasten Menschen von Auschwitz Birkenau die man noch gefunden hat. Sie wird hier als Gedenken an die vielen Toten aufbewahrt. Sie soll sinnbildlich für alle Ofer die man hier geschaffen hat stehen.

In vielen Vitrinen werden Dokumente ausgestellt. Leider ist das Programm zu dicht um sich da lange aufzuhalten, darum haben wir ein paar fotografiert. Vielleicht ist es auch besser, wenn man die nicht alle liest, denn es ist nur grauenvoll und nieder schmetternd, was man da zu sehen bekommt. 

Anhand von einem Model wird einem der Vernichtungs-Vorgang erklärt. 

In einem langen unterirdischen Korridor wurden die Menschen zu den vermeintlichen Duschen geführt. Wenn die Kammer voll war, hat man alles dichtgemacht und das Zyklon in die Schächte geworfen. 

Nach ca. 30 Minuten mussten höhergestellte Häftlinge mit Gasmasken hinein um nachzusehen ob alle tot waren. Dann wurden allen Leichen der Schmuck abgenommen, die Goldzähne rausgebrochen und die Haare abrasiert. Nachher wurden sie zu den Verbrennungs-Öfen gebracht. Fünf Öfen à vier Brennkammern standen im ersten Teil von Birkenau zur Verfügung. Das Ganze war ein vierundzwanzig Stunden Betrieb und die Kapazität reichte nicht aus, um diese Menge an Leichen die sie produzierten zu verbrennen. 

Mit der Asche wurden Strassen und Häuser gebaut. Die zuvor abrasierten Haare zu Perücken, Matratzen und was man sonst noch alles damit machen konnte verarbeitet. 

 

Hinter Glas kann man die Koffer sehen, die alle mit Namen und Adresse angeschrieben sind. Man hat ihnen gesagt, so sei es für sie nach dem Duschen einfacher ihre Koffer wieder zu finden. Auch Bein-Prothesen, Bürsten, Tassen und was den Menschen sonst noch alles abgenommen wurde ist zu sehen. In einem weiteren Raum, in dem man nicht fotografieren darf und zu unserer Überraschung halten sich auch wirklich alle daran, zeigen sie einen riesigen Berg mit menschlichem Haar und Brillen und persönlichen Sachen. 

Ja irgendwie Stockt einem der Atem und man ist froh wieder an die frische Luft zu kommen. 

 

Als den Nazis das Film Material ausging und sie ihre Opfer nicht mehr fotografieren konnten, fingen sie an, stattdessen die Menschen mit Nummern zu tätowieren.

Im sogenannten Gerichts-Gebäude und Gefängnis erklärt sie uns, wie so ein Gerichtsverfahren gehandhabt wurde. Erstens, es gab keinen Verteidiger, zweitens, wer kein Deutsch spricht hat Pech, denn die Verhandlung ist nur in Deutsch. Was aber eh keine Rolle spielt, denn es gab keinen einzigen Freispruch. Wen die Nazis hierhin brachten, der war so oder so dem Tode geweiht. Nach dem Schuldspruch mussten sich die Leute nackt ausziehen und wurden dann nackt in den Hof geführt, wo sie vor der Mauer mit einem Genickschuss ermordet wurden. Der Grund warum sie nackt erschossen wurden ist, damit die Kleidung nicht voller Blut wird und diese so weiterverwendet werden konnte.

In diesem Gebäude gab es auch Zellen die so klein waren, ca. 1m2, dass nur eine Person darin Platz fand. Aber damit nicht genug. Sie pferchten 4 Menschen in eine solche Zelle, sodass sie nur noch stehen konnten. Zudem war die Luftzufuhr so gering, dass wenn etwas Schnee auf die Blechabdeckung fiel, alle qualvoll erstickten. In einer Zelle hatte es 3 Kerzen die von Papst Johannes Paul der II, bei seinem Besuch in Auschwitz hier hingestellt wurden, um einen Priester zu ehren der sich anstelle eines Familien Vaters zur Rechenschaft ziehen liess. Da dieser aber die 15 Tage ohne Essen und Trinken überlebt hat, hat man ihn mit einer Giftspritze ins Herz getötet. Der Vater hat so immerhin überlebt.

 

Ja das war sehr deftig, all diese Geschichten und wir sind froh, dass wir nun wieder draussen sind. Doch zu diesem Zeitpunkt wissen wir noch nicht, was als Nächstes auf uns zukommt. 

 

So gehen wir quer durch die Anlage bis wir vor einem Bunker stehen. Das war nun die Erste Vernichtungs-Anlage der Welt. Die erste Gas Kammer und der Verbrennungs-Ofen der Nazis. Unweit davon das Wohnhaus des Lagerkommandanten.

Zwischen Wohnhaus und Gas-Kammer steht ein Galgen. An dem wurde der letzte Nazi- Kommandant von den Alliierten erhängt. Das war wie eine kleine Erleichterung für alle Anwesenden, denn es gab einem ein klein wenig das Gefühl von Gerechtigkeit.

Wie man mit seiner Familie, mit Frau und Kind so wohnen kann, ist uns ein Rätsel. Was sagt man den Kindern, was da im Lager vor sich geht, wie kann man überhaupt noch einem Menschen aufrecht in die Augen schauen.

 

Wir gehen in den ersten Raum, die Gas Kammer. Unsere Führerin sagt uns, dass die Kratzspuren an den Wänden nicht etwa von den vergasten Menschen seien, sondern von respektlosen Besuchern. Unglaublich, aber das war ja nur der Anfang. Es kommt noch schlimmer.

Nach all dem ist es gut, dass es eine Pause gibt und wir nun zum Bus laufen um nach Auschwitz II Birkenau zu gelangen. 

 

Da angekommen erschlägt einem die pure Grösse der Anlage. In der Mitte ist der Bahnsteig auf dem die Häftlinge angekommen sind.

Da das Baumaterial, dass sie vom Abriss der umliegenden Dörfer hatten, nicht sehr weit reichte, wurde hier der grösste Teil mit Holz gebaut, so dass hier nur noch die Stein-Kamine stehen. Auf den ersten Blick denkt man, Kamine? Da war man ja etwas humaner mit den Menschen, sodass sie immerhin die Häuser heizen konnten. Doch weit gefehlt. Es gab kein Heizmaterial und wenn man etwas zum Verbrennen hatte, war die Heizwirkung ja höchsten auf ein paar Metern zu spüren, doch bei der Grösse der Baracken nützte das absolut nichts.

Die Baracken waren einfache, lange Schläuche, mit 3-stöckigen Kojen. Gedacht war mal pro Koje 4 Personen. Doch das reichte bei weitem nicht und so waren es bis zu 10 Personen pro Koje. Die Schwächsten, die nicht mehr in die oberen Kojen kamen, mussten zuunterst schlafen. Aber wer in der untersten Koje Leben musste, hatte nur ein kurzes da sein, denn die lagen auf dem nassen, kalten Boden, auf schimmligem Stroh. Es ist absolut unvorstellbar wie diese Menschen leben mussten. In der Kinder Baracke haben die Gefangenen eine Wand bemalt und den Boden mit Pflastersteinen gemacht um den Kindern etwas Normalität und Ablenkung zu geben. Auch ein Waschraum haben sie für die Kinder gebaut, doch dieser führte nie auch nur einen Tropfen Wasser. 

Wie sie uns an dieser Stelle auch erzählt, wurden polnische Kinder zwischen 2 und 10 Jahren, welche blaue Augen hatten und blond waren, an deutsche Familien verkauft. Auch ihre Namen und Pässe wurden gefälscht. So mussten die Kinder Deutsch lernen und wer dies nicht gut genug konnte, wurde zurück ins KZ gesteckt.

Wir fragen uns ob die kleinen Kinder das später erfahren haben, dass sie verkauft wurden und wie es ihnen später ergangen ist. Angeblich wussten die Deutschen Adoptiveltern nicht, dass es sich nicht um Deutsche Kinder handelt. Und wie ist das zu vereinbaren mit dem reinen Blut der Herren Rasse, die die Nazis ja propagierten. Wie immer geht es nur um Geld und Macht.

 

Unglaublich aber wahr, es gibt wirklich Menschen die sind der Ansicht, dass es toll sei sich mit dem Gekritzel in den Wänden der Gebäude zu verewigen. Was für eine Schande. So eine Respektlosigkeit. 

Ein neu renoviertes Gebäude, erzählt sie uns, dürfe man nur mit Führer besichtigen. Aber die würden sich alle weigern, da sie die Verantwortung übernehmen müssten, dass niemand sich da verewigen werde. So auch Sie. Das können wir gut verstehen und niemand aus der Gruppe sagt etwas dagegen.

Drei Deutsche Männer, so um die 60 Jahre, finden es auch lustig, sich lässig an den Elektro-Zaun zu lehnen oder vor dem Eisenbahnwagon, der ja die Menschen transportierte, zu Posieren und Selfies zu schiessen. Uns kommt das blanke Kotzen. Als sie merken, dass wir sie beobachten und Moni ungeniert, wie im letzten Bericht ja angekündigt, sie fotografiert, machen sie sich schnell vom Acker. 

Hier haben die Nazis die Vernichtungsanlage gesprengt, so dass nur noch die Trümmer der Anlage zu sehen sind. Irgendwie gut, den langsam kann man einfach nicht mehr.

Es belastetet einem doch mehr als man denkt. Nochmals durch eine Gas Kammer, hätten wir nur schwer ertragen

Unsere Führerin meint, dass hier nun die Tour beendet sei, es aber allen offenstehe, noch auf eigene Faust den Rest des Geländes zu besichtigen. Wir fragen sie, da wir nicht mehr so richtig mögen, was sie uns denn noch empfehlen würde. Sie meint das Latrinen Haus sei vielleicht noch sehenswert und vermittle ein wenig wie es war. Ja, das wie es war, ist schwer nach zu vollziehen. Heute wächst überall Grass und es ist ein schöner, warmer Herbst Abend mit schönem und warmen Licht, das mag irgendwie nicht so recht passen. Unsere Polnische Führerin meint, dass die Franzosen das richtigmachen, die kommen ausschliesslich mit den Schulen im Winter. Denn da wirkt das Ganze komplett anders, wenn Schnee liegt und alles sumpfig ist und es eiskalt durch die Baracken zieht. Ja, dann könne man vielleicht ein ganz klein wenig spüren, wie es den armen Menschen hier ergangen ist.

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Kommentare: 1
  • #1

    s'Tanti (Donnerstag, 24 Oktober 2019 16:54)

    Oh mein Gott, Kommentar überflüssig !!!!