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Tschechien

Unser erster Eindruck von Tschechien ist gar nicht gut, denn auf dem ganzen Weg nach Prag, erleben wir immer wieder Schreckmomente, die uns die Freude auf die Menschen in diesem Land gleich nehmen. Wenn Oliver nicht immer wieder einen Stopp reissen würde, oder den Willi abrupt nach rechts steuern würde, wäre die Gefahr sehr gross, dass wir jetzt nicht hier sitzen und diesen Bericht schreiben könnten. Es ist einfach nur die reinste Katastrophe. Einmal verwirft Oliver die Hände und zeigt dem hirnlosen Amokfahrer den Stinkefinger. Dieser hat noch die Frechheit und zeigt ihn uns auch. Na hoffen wir mal es wird noch besser, als dieser missglückte Start. Wir fahren in der Nähe der Altstadt von Prag auf einen Parkplatz gleich am Fluss und machen zuerst mal eine wohlverdiente Pause. Wir wollen die Stadt erst am Abend erkunden. Auf der gegenüberliegenden Flussseite thront das Hilton über die Stadt und wir haben das Glück, dass das Free Wifi bis auf die andere Flussseite reicht. Da wir ja eh nur ein paar Tage in Tschechien sind, haben wir beschlossen, keine Simkarte zu kaufen. So entspannen wir mit Fernsehschauen, bis wir uns wieder bereit fühlen, uns ins Getümmel dieser Stadt zu werfen. Leider regnet es immer wieder kurz, aber nichts desto trotz machen wir uns auf. Wir pilgern durch die wunderschöne Altstadt von Prag und sind begeistert, dass hier diese herrlichen Altbauten nicht nur in der Altstadt zu sehen sind. 

 

Auch in den Aussenquartieren sieht man diese prächtigen Häuser. Leider haben wir das Gefühl, dass es hier noch mehr Obdachlose gibt, als in den anderen grossen Städten wo wir bis jetzt waren. Sie legen sich einfach auf einen Karton und sind schon froh, wenn sie einen trockenen Platz zum Schlafen haben. 

Wenn wir so die Menschen beobachten, gehen sie einfach ohne eine Gesichts-Regung an ihnen vorbei. Es scheint, als wären diese Menschen für die Einheimischen wie unsichtbar, sie sind einfach da. Wobei wir sagen müssen, keiner dieser Menschen ist am Betteln. 

Das ist so einer wunderschönen Stadt nicht würdig. Trotzdem ist es für uns ein Armutszeugnis für eine Hauptstadt. So machen wir uns dankbar wieder zurück in unseren warmen Willi. 

 

Am nächsten Morgen wollen wir noch zum Jüdischen Friedhof und zur Karlsbrücke. Wir hoffen, einen Parkplatz in der Nähe zu finden. Was wir aber innert kürzester Zeit aufgeben und wieder zurück zu unserem Parkplatz fahren. So gehen wir nochmals mit Laila, und machen uns dann auf dem direkten Weg zum Friedhof. Schon bald wird es, zumindest für uns, nur noch ätzend. Wir laufen in einem Ameisenstrom von Menschen durch die Gassen. Ja da war es ja gestern noch richtig schön, aber da hat es halt immer wieder ein bisschen geregnet, und da blieben die Touristen anscheinend im Hotel. Trotzdem kämpfen wir uns bis zum jüdischen Friedhof durch die Menschenmasse. An einem Häuschen, gleich neben dem Friedhof steht ganz gross Tickets. 

Also gehen wir mal rein. Oh je. Da gibt es tatsächlich eine Frau, die ist zuständig zum Tickets verkaufen, Audio Guide erklären, Weg erklären und auch einfach nur für Verkaufsberatung. Oliver löscht es ab. Er meint, wenn Du hier anstehen willst, kannst Du ja. Ich warte draussen. Wir sprechen uns noch kurz ab, für welche Tour wir Tickets wollen, und so wartet Moni geduldig, bis sie endlich an der Reihe ist. Da sie hört, wie die Verkäuferin die Leute auf Spanisch, Englisch, Italienisch und Französisch bedient, fragt sie, als sie an der Reihe ist, ob sie denn auch Deutsch spreche. Sie meint, ein bisschen. Na das reicht doch. Leider ist es so, dass sie an diesem Verkaufsstand nur die ganze Tour verkauft. Das heisst, mit Audio-Guide, alle vier Synagogen und allen Friedhöfen. Wir möchten aber nur den alten jüdischen Friedhof besichtigen. Da meint sie, für andere Tickets müssen wir hier die Strasse runter und dann rechts, etwa 600 m von hier. Dort kann man andere Tickets kaufen. So geht Moni raus und fragt Oliver, ob er alles möchte. Eigentlich haben wir ja schon vorher gesagt, nur den alten Friedhof. Also laufen wir zum besagten anderen Ticket-Shop. Dort ist die Warteschlange noch grösser und die Menschen drängen dicht aneinander gereiht durch dieses kleine Strässchen. Nein, wir lassen das Ganze sein. Es ist einfach nicht unser Ding, zwischen so vielen Menschen stehen und irgendetwas anschauen, und dann sieht man eh nur den Hinterkopf der anderen.

Nein, wir machen uns aus dem Staub. Da Prag ja auch ausserhalb der Altstadt wunderschön ist, spazieren wir nun friedlich durch die Gassen und bestaunen die vielen schönen Häuser. In einem Hinterhof, sehen wir noch zwei kleine Restaurants, herzig mit Wolldecken und Gartenbeizli. So genehmigen wir uns noch einen Drink, bevor wir wieder zurück zu Willi laufen. 

Wir geniessen einen gemütlichen Fernsehabend und fahren dann nach einer ruhigen Nacht weiter. Unser nächstes Ziel ist Pilsen. Mitten in der Stadt ist alles abgeriegelt und es laufen sehr viele Securitas umher. Wir fragen uns, was denn hier los ist, bis wir sehen, dass es ein riesiges Festgelände hat. Ob die hier auch Oktoberfest feiern? Aber wir sehen nirgends Leute im Dirndl und in Lederhosen. Aber Oliver ist guter Dinge. Wenn alle hier an diesem Fest sind, dann ist die Altstadt mit den Sehenswürdigkeiten ja Menschenleer. Juhe. Wir finden einen super Platz, wo wir problemlos stehen bleiben können. Heute gibt es wieder einmal Kohlrouladen. Und so bereiten wir diese zuerst vor. Am Abend spazieren wir durch das Pilser - Dorf. Auf dem grossen Dorfplatz gleich neben der grossen Kathedrale findet das Pilcher-Fest statt. 

Das muss ja ein grosses Fest sein, denn die Stadt ist in zwei Festplätze geteilt. Die Stimmung ist super und trotz viel Bier und Life-Band ist es friedlich in der Stadt. Als wir am Rathaus vorbeikommen, sehen wir ein Kerzenmeer mit Blumen und eine lange schwarze Fahne hängt über dem Eingang. Der Weltbekannte Sänger Karel Gott ist gestorben. Alle kennen ihn unter anderem auch vom Biene Maya Song. 

So gehen wir wieder Richtung Willi, da wir ja mit Laila auch noch einen Spaziergang machen wollen. Am nächsten Morgen ist von der Veranstaltung nicht mehr viel zu sehen, die haben bereits in der Nacht die Zelte abgebrochen und alles wieder aufgeräumt. Auch heute ist die Stadt wunderschön zu besichtigen. 

Wir beschliessen, uns in Zukunft vermehrt den kleineren Orten zu widmen, da wir einfach nicht so Massentauglich sind. Die Stadt gefällt uns auf jeden Fall sehr gut. Gegen Abend suchen wir uns dann noch ein Restaurant, wir möchten mal noch die Tschechische Küche ausprobieren. Wir bestellen uns eine Wildschweinpastete zur Vorspeise und Moni möchte dann das Original Pilcher Bier Ragout mit Knödel. Oliver bestellt die langsam, knusprig, gebratene Schweinshaxe mit einer Auswahl der verschiedenen Knödel. Oh mein Gott, hier kommt ein halbes Schwein auf dem Teller daher. Da hat man nur schon genug vom Anschauen. Leider ist sie überhaupt nicht knusprig, sondern nur schwabbelig fettig. Oliver muss nach der Hälfte aufgeben. 

Nach einer dementsprechend üblen Nacht, fahren wir Richtung Deutschland. Nur ein verlassenes Zollhaus erinnert an die ehemalige Zollstation. Wir geniessen es uns fahren beschwingt durch. Im selben Augenblick begrüsst uns die Sonne. Das erste was uns nach so langer Zeit in fremden Ländern auffällt sind die vielen Solarzellen. Ganze Scheunendächer sind mit Solarzellen bedeckt. Unser nächstes Ziel Sulzmoos. Dort haben wir uns bei einer La Strada Vertretung angemeldet. Bei einem der kleinen Lampen im Schlafzimmer hat die Elektronik den Geist aufgegeben, und dann wollen wir sonst noch einiges kaufen. Mal schauen was er so am Lager hat. Ja mit den La Strada Vertretungen ist es so eine Sache, von La Strada direkt bekommt man keine Ersatzteile, und die Vertretungen haben auch nichts am Lager und müssen alles zuerst bestellen. Das ist echt mühsam. So fahren wir weiter Richtung Schweiz. Unser heutiger Schlafplatz ist ein Parkplatz direkt an der Strasse, aber dafür haben wir schöne Feldwege, wo wir mit Laila noch spazieren können. 

Die nächsten 14 Tage werden wir in der Schweiz verbringen. Zuerst die Pflicht. Willi muss auf Vordermann gebracht werden und dann freuen wir uns jetzt schon auf die vielen schönen Begegnungen mit Euch.  

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Kommentare: 1
  • #1

    s'Tanti (Montag, 28 Oktober 2019 08:51)

    Wow, Prag und Pilsen, schöner Abschluss vor dem Heimaturlaub. Wieder wunderschöne Fotos.
    Ha, ha, haa, Oliver, waren die Äuglein wieder mal grösser als das Mägli ? Sieht aber doch gut aus !