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Geierberg, Geier Canyon und Segovia

Am nächsten Tag leuchtet schon wieder das Motorblockzeichen, wenn wir Willi starten. Da es aber innert ein paar Sekunden wieder verschwindet, geben wir dem jetzt keine Beachtung. Aber es stört halt einfach, wenn immer irgendwo etwas aufleuchtet. Obwohl wir ja gesagt haben, dass wir es jetzt ruhiger nehmen wollen, sind wir doch sehr zügig unterwegs. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass wir nirgends im Internet eine gute Auskunft bekommen betreffend Fähre mit Hund. Auf einer Reiseblogseite lesen wir, dass es Hundekabinen gibt, dann wieder, dass die Hunde draussen, an einem windigen Platz gleich neben den stinkenden Kaminen in einem Käfig sein müssen. Auch auf den Fährseiten bekommen wir keine Antworten. Das passt Moni natürlich gar nicht. Sie will immer genau wissen, wie oder wo Laila untergebracht wird. Auf jeden Fall schären wir sie nicht, obwohl es in Spanien deutlich wärmer ist als in der Schweiz. Aber falls sie dann die Fahrt auf dem zügigen Deck verbringen muss, hat sie wenigstens genügend Fell. So fahren wir also auf dem direkten Weg zu unserem Geierberg. Es ist schon dunkel, als wir die schmale, steile, löchrige und am Abgrund entlangführende Strasse nach oben fahren. Aber Oliver meint, jetzt in der Nacht hat es sicher keinen Gegenverkehr. Wow, die Aussicht ist auch in der Nacht spektakulär. 

Wir sind wieder total überwältigt von der gigantischen Aussicht und den vielen Geiern. 

Dieses Mal sind wir ja bestens ausgerüstet mit Wasser, Lebensmittel, Video und Fotokamera. Wir geniessen es einfach. Die Natur, diese atemberaubenden Vögel. Wir wandern zu einer Stelle von wo wir uns erhoffen, mit der genügenden Geduld, dass uns sicher der eine oder andere Schnappschuss gelingen wird. 

Schade nur, dass es so kalt ist. Aber wir haben ja eine funktionierende Heizung. Im Laufe des Tages kommen leider noch zwei weitere kleine Wohnmobile und ein Mann, der in seinem Auto übernachtet. Doch schon am nächsten Morgen fahren die anderen weiter und wir haben unseren Berg wieder für uns. Wir spazieren viel und machen wieder jede Menge Fotos und Videos, dabei haben wir doch die ersten vom 2017 noch gar nicht aussortiert. Am Nachmittag des dritten Tages bekommen wir Besuch von einem Park-Ranger. Er erklärt uns freundlich, dass man hier nicht übernachten darf. Was? Warum denn? Hier ist ein offizieller Parkplatz und wir zelten ja nicht? Wir haben wegen dem kalten Wetter auch keine Stühle draussen. Wir verstehen die Welt nicht mehr, aber wir wollen ja keinen Ärger. So müssen wir wohl oder übel unseren Geierberg früher als geplant wieder verlassen. Oliver hat aber im Internet noch einen Canyon gefunden, den Parque Natural de la Hoces del Rio Duraton. Dort soll es angeblich sogar verschiedene Geier geben. Ist aber leider 414km entfernt. Also los, packen wir es an. Als wir so über Land fahren, sehen wir schon von weitem ganz viele Geier am Himmel kreisen und wir fragen uns, ob dort wohl irgendeine Leiche liegt. Tatsächlich sehen wir dann beim Vorbeifahren ein totes Schaf, ganz in der Nähe der Strasse liegen und ca. 3m daneben sitzen sie und warten. Die Aasgeier. 

Die Autos, die vorbeifahren, schrecken sie leider immer wieder auf. Wir halten weiter vorne, richten unsere Kameras ein und wollen dann versuchen, relativ langsam daran vorbei zu fahren. Leider klappt auch das nicht. Warum sind die nur so ängstlich? Oder ist der Hunger nicht gross genug. Irgendwie hat man das Gefühl, keiner getraut sich, der erste zu sein. So parkieren wir weiter vorne und Oliver pirscht sich über die angrenzende Wiese an das Festmahl heran. 

Ja was macht er nicht alles für einen guten Schnappschuss. Doch leider wird er von den Geiern entdeckt und so fliegen sie davon. Als Moni sieht, dass er auf der Strasse retour läuft, fährt sie ihm entgegen und holt ihn ab. Tja, ausser, dass er die ganzen Hosen und Schuhe voller dieser kleinen stacheligen Kugeli hat, gibt es leider nichts zu berichten. Schade. Das wäre jetzt doch zu schön gewesen. Als wir endlich im Park ankommen, finden wir einen wunderschönen Schlafplatz und die ersten Fotos der hier ansässigen Geier sind auch bald gemacht. 

Am nächsten Morgen fahren wir weiter zu einem anderen Platz. Wir wollen ja nicht, dass wieder jemand kommt, nur, weil wir länger hier sind. Aber auch der nächste Platz ist wunderschön. 

Damit wir nicht beide die gleichen Sujets fotografieren, macht sich Moni mit Laila auf den Weg. Diese Ruhe, diese faszinierende Gegend einfach unbeschreiblich. Als Moni zurück im Willi das Mittagessen macht, parkiert ein Ranger neben uns. Er schaut sich aber nur kurz unseren Willi an und läuft dann davon. Bald danach kommt Oliver zurück und erzählt, dass er mit dem Ranger geplaudert hat, so gut das ohne Übersetzung geht. Der Ranger hat sich gefreut, dass wir extra hierhergekommen sind um die Geier zu beobachten und zu fotografieren, daher ist es auch kein Problem hier zu Übernachten. So bleiben wir natürlich hier und verbringen eine absolut ruhige Nacht. Am nächsten Morgen gehen wir schon ganz früh, in der Hoffnung, sie dann gleich beim ersten Flug zu erwischen. Im Laufe des Nachmittags, fahren wir dann zu einem weiteren Hotspot. Wir sind gespannt. 

Auch nicht schlecht, oder? Auch hier sind wir wieder ganz alleine.

 

Jetzt machen wir uns aber doch auf den Weg nach Huelva. Doch Segovia und Toledo stehen noch auf unserer Liste. 

 

Als wir endlich in Segovia eintreffen, sehen wir schon von weitem das Schloss und machen uns sogleich auf die Suche nach einem schattigen Parkplatz. Denn so Stadtbesichtigungen sind für Laila zu streng geworden. Wir haben Glück und finden unweit des riesigen Aquädukt einen Parkplatz. Das Wetter ist perfekt und trägt bestimmt auch dazu bei, dass uns diese Stadt sehr gut gefällt. Das Aquädukt begeistert uns total, vor allem, weil es auch heute noch in einem exzellenten Zustand ist. Wenn man bedenkt, wie dieses Bauwerk anno dazu mal gebaut wurde, empfinden wir tiefen Respekt für diese enorme Leistung. Man beachte die extreme Höhe und die vielen Bögen. 

Auch die Altstadt, die sich gleich dahinter befindet, gefällt uns sehr gut mit den kleinen Gassen und Läden. Vor allem die riesigen feinen Schinkenbrote in den Schaufenstern gefallen Oliver. Aber tapfer läuft er weiter, bis Moni es nicht mehr mitansehen kann, und ihm so ein riesiges Sandwich kauft. Moni kauft sich ein Empanada-Tuna. Das ist eine Art Pastete mit Tomaten, Gemüse und Thunfisch. Jetzt suchen wir uns einen sonnigen Platz auf der majestätischen Treppe vor dem gigantischen Bauwerk und machen uns genüsslich über unsere gekauften Spezialitäten her. Ach ist das Leben doch schön.

Nach dieser feinen Stärkung geht es weiter zum Schloss. Irgendwie erinnert Moni dieses Schloss an die Lego-Burg ihrer Kinder. 

Was uns immer wieder aufs Neue negativ auffällt, sind die vielen Chinesen, die in Bussen vorfahren, mit ihren Lunchboxen in den Taschen die Städte besichtigen und dann ungeniert die Tische vor den Restaurants oder Verkaufsständen belegen, ihre Boxen auspacken und essen. 

 

Da kommt uns doch gleich wieder Natsuda und ihr Spruch in den Sinn. It’s okay, andere Kultur. J

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Kommentare: 2
  • #1

    s'Tanti (Freitag, 17 Januar 2020 08:44)

    Hey, wiederum wunderschöne Fotos von Natur, Städten, Gebäuden und Kunstwerken.

  • #2

    Paola (Samstag, 18 Januar 2020 17:16)

    Habe so eben entdeckt, dass ihr wieder begonnen habt zu schreiben. Dies freut mich sehr!
    Ich danke euch, an der "MoniOliver-Reise" von der schweizer Stube teil zu haben.