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Ankunft in Huelva Spanien

Am Freitag, 20.03.2019 kommen wir nach 20 Uhr, also nach 33 Stunden auf der Fähre, wieder im Hafen von Huelva, Spanien an.  Doch wie schon erwähnt, hat unser Willi ein Problem. Oliver kann nicht mehr steuern, die Servolenkung geht nicht mehr. Doch was nun? Oliver will auf jeden Fall aus dem Schiff und dem Hafenareal raus. Das heisst nun aber, einen über 4 Tonnen schweren Willi ohne Servo-Hilfe zu lenken, was einem Kraftakt gleichkommt. Vor allem, da die hiesige Polizei auch noch einen Zickzack Kurs ausgeschildert hat. Wir wissen beim bestem Willen nicht, wofür das gut sein soll. Und wir fragen uns, was während der Schifffahrt passiert ist? Denn als wir mit Willi auf die Fähre gefahren sind, war ja alles bestens. Nur das hilft uns jetzt auch nicht weiter. Wir hoffen, wir kommen noch bis zu diesen Parkplätzen beim Stadion. Doch nun haben wir ein anderes Problem. Das Batterie Zeichen leuchtet rot. Während Oliver sich mit Willi durch den Regen kämpft, liest Moni im Handbuch nach. Falls es das wirklich ist, müssen wir sofort anhalten. Das könnte der Rippen-Keilriemen sein. Super. Also halten wir gerade noch rechtzeitig bei besagtem Parkplatz. Sogleich funktioniert auch kein einziges Lämpchen mehr. Ha ha, 5 Grad aussen Temperatur und wieder einmal null Strom für die Heizung. Aber das sind wir uns ja gewohnt und das ist uns im Moment auch ziemlich egal. Wir haben zwar 2 Batterien, aber da die Solarzelle ja auch 33 Stunden keinen Strom produzierte, und vorher schon nicht voll war, weil wir so lange standen, sind natürlich beide Batterien leer. Wir telefonieren mit der Notfallnummer von Mercedes. In der Zwischenzeit kann Oliver auch nachsehen, und bestätigt, dass dieser Rippen-Keilriemen lose im Motorraum herumliegt. In der Zwischenzeit meldet sich Mercedes wieder und meint, der spanische Notfalldienst habe gesagt, er müsse die Ersatzteile bestellen, vor Montag werde er sie nicht haben. Da interveniert Oliver mit stoischer Ruhe und fragt, wie es möglich ist, eine Ferndiagnose zu machen, da ja bis jetzt noch keiner hier war. Spannend, ohne zu wissen, ob der Keilriemen überhaupt kaputt ist, oder ob dieser einfach, warum auch immer, rausgerutscht ist. Da Oliver immer wieder erwähnt wie spannend, dass er so eine Ferndiagnose findet, meint Mercedes-Deutschland, sie werden nochmals mit Spanien telefonieren und kurze Zeit später werden wir per Mail benachrichtigt, dass kurz nach Mitternacht noch jemand vorbeikomme. Tatsächlich dauert es nicht lange, und ein Mechaniker parkiert neben uns. Auch er kann sich nicht vorstellen, warum dieser Keilriemen rausgerutscht ist, er kann auch keinen Defekt feststellen. Er fragt uns, ob es für uns ok sei, wenn er Morgen zwischen 9 und 10 Uhr anruft und dann vorbeikommt. Dann könne er sicher auch mehr sehen als jetzt, und vielleicht regnet es dann ja auch nicht mehr.  Am Morgen muss Laila wohl oder über ihren Regenmantel anziehen. 

Denn ein nasser Hund und die feuchten Tücher von der Überfahrt, wären dann doch zu viel des Guten. Um 10 Uhr klingelt das Telefon, auf Spanisch erklärt er uns, er gehe jetzt zum Auto. Was auch immer das heissen mag. Tatsächlich kommt er 30 Minuten später. Mit dem Serviceauto fährt er neben uns, und wir hoffen jetzt einfach, dass es wirklich nur eine kleine Sache ist. Tatsächlich, keine 20 Minuten später, können wir Willi starten. 

Alles läuft bestens, auch die Servolenkung ist wieder in Betrieb. Zur Sicherheit hängt er noch das Analysegerät an Willis-Bordcomputer. Nein, alles bestens. Er kann sich das beim besten Willen nicht erklären. So telefoniert er auf Lautsprecher noch mit ..., ob es sein Chef war? Auf jeden Fall hören wir, wie er sagt, da können wir sicher nichts dafür. Ja und so können wir ohne zu bezahlen also wieder weiter. Glücklich und erleichtert machen wir uns also wieder auf den Weg. Es ist halt immer so, wenn man froh wäre, dass die Sonne scheint, regnet es, und die Waschsalons haben alle zu. So müssen wir wohl oder übel warten mit den feuchten Tüchern. Sehr weit kommen wir heute nicht mehr, wir parkieren auf einer alten Strasse und machen für heute Feierabend. Am nächsten Morgen regnet es nicht mehr, also nichts wie los, zu unserer kleinen, runden Insel im Stausee. Unterwegs sehen wir viele Störche, die mit ihren Jungen im Nest hocken. 

Ja, leider werden nun unsere Fotos immer nur aus dem Fahrzeug gemacht. Denn in Spanien herrscht ja Ausgangssperre. Wir kommen am Mittag an, und das Wetter zeigt sich wirklich von der Besten Seite. So hängen wir also alles raus, öffnen alle Fenster und lüften ausgiebig. Während unserem Inselrundgang, zum Glück ist ja Laila dabei, so dürfen wir wenigstens ab und zu raus, darf sich, oder muss sich Laila dann im blühenden Lavendel wälzen. 

Wow, das ist jetzt die reinste Wohltat, die Vögel zwitschern, alles blüht und riecht so herrlich, und das Licht ist einfach genial. So nehmen wir auch noch die Stühle raus, stellen sie natürlich ganz nah an Willi und für andere nicht sichtbar, und geniessen die warmen Sonnenstrahlen. 

Am Abend und auch am nächsten Morgen, können wir nicht widerstehen und spazieren noch einmal gemütlich um die Insel. Aber nach diesen vielen Tagen ohne Bewegung brauchen wir das jetzt. Lustig, auch die Raupen sind in einer Kolonne unterwegs. Warum wohl? 

Wir umfahren alle grösseren Dörfer und Städte und werden dann doch in einem Dorf zweimal angehalten. Der eine Polizist wollte wissen, wo wir denn hinwollen, und der zweite hat uns ermahnt, wir dürfen nicht zu zweit im Fahrzeug sitzen. Aber da Moni nicht gewillt ist, neben Willi her zu joggen, müssen wir wohl oder über weiter zu zweit im Willi sitzen. Aber wir glauben, er hat selber gemerkt, dass seine Aussage ein bisschen doof war und so winkt er uns schnell weiter. So geniessen wir die leeren Strassen und sehen von der Ferne die gigantische Stadtmauer von Avila. Schade, diese Stadt würden wir jetzt gerne anschauen. Falls wir wieder einmal durch Spanien fahren, ist das sicher eines unserer Ziele. 

Ja, leider können wir Dir nur noch Fotos aus dem fahrenden Fahrzeug bieten. Aber irgendwie haben auch diese ihren Charme. Wir finden Segovia aus dieser Perspektive hat auch ihren Reiz. Wir übernachten dann bei der Playa Blanca. Das ist ein Badeplatz mit Kiosk und Grillstelle. Aber das Beste, hier gibt es frisches klares Quellwasser. Herrlich. 

Gegen Abend erreichen wir endlich unser Ziel, den Geier Canyon. Aber wieder einmal hat uns unser Navy nicht die optimalste Route angezeigt, sondern die Abenteuerlichste. Jetzt siehst Du wieder einmal, warum Willi solch arge Gebrauchsspuren aufweist.

Wir suchen uns einen Platz, der nicht gerade so gut sichtbar ist, und hoffen, hier ein paar Tage zu bleiben. Nach dieser herrlich, ruhigen Nacht, machen wir uns auf den Weg, um die Geier jetzt im Frühling zu beobachten. Es ist einfach schön, das Wetter ist super und ausser dem Summen der Insekten und dem Gezwitscher der Vögel ist nichts zu hören. Uns fällt auf, dass es verschiedene Geier hat und tatsächlich spüren sie auch den Frühling und wie, das wird dann ganz schön laut, wenn da zwei für Nachwuchs sorgen. Eigentlich hatten wir ja die Hoffnung bereits Junge anzutreffen, aber anscheinend sind wir jetzt doch zu früh. 

So gehen wir wieder zurück zum Willi und sortieren die vielen Fotos und Videos gleich aus. Ja, das haben wir jetzt doch gelernt, wenn man es immer sofort macht, ist das Chaos dann nicht so gross. 

Wir geniessen die Ruhe sehr, doch auch hier sind wir darauf bedacht, dass uns niemand sieht, denn es herrscht ja Ausgangssperre. Wir besprechen, wie wir, oder wann wir weiterziehen. Wir wollen am Montag, 30. März nochmals zum Mercadona und einen letzten Grosseinkauf machen, vor allem wollen wir nochmals von den feinen Oliven einkaufen, die wir doch so gerne auf den Inseln gegessen haben. Aber am Samstag-Abend erreicht uns die Meldung, dass Spanien ab Montag die Ausgangsperre noch einmal verschärft. Doch was genau heisst das jetzt für uns? Der Corona Virus macht uns wirklich keine Angst. Aber was uns echt nervt ist, dass man nirgends eine Antwort bekommt. Was diese Beschlüsse für Reisende im Wohnmobil bedeuten, weiss keiner. So beschliessen wir doch noch vor dem Montag nach Frankreich einzureisen. Wir fahren durch total leere Strassen, die Dörfer sind wie ausgestorben. 

In einem grösseren Dorf, sehen wir immer wieder Menschen mit Einkaufstaschen. Es ist eh spannend, hier spazieren die Menschen ohne Mundschutz und Handschuhe durch die Gassen, Leute reden miteinander, als ob hier noch nie jemand was von diesem Virus gehört hätte. So geht Moni in einem dieser Quartierladen das nötigste einkaufen, schliesslich wissen wir ja nicht, was uns in Frankreich erwartet. Als wir aus dem Dorf hinausfahren, werden wir bei der Kreuzung von einem Polizisten angehalten. Er fragt uns, woher wir kommen. Ähm von Huelva. Huelva, fragt er erstaunt. Und wohin jetzt? Wir kommen uns vor wie ET und sagen, nach Hause. Er meint, ok. Dort ist die Autobahn. Auf direktem Weg jetzt aber! Das ist jetzt ziemlich blöd, weil er genau sehen kann, ob wir auf die Autobahn fahren. Das passt uns jetzt aber gar nicht. Mit unseren Pneus darf man ja eh nur 80 fahren und jetzt müssen wir auch noch Autobahn-Gebühren bezahlen. 

Gleich die nächste Ausfahrt schnappen wir uns. Die Autostrada del North ist parallel zur Autobahn und erst noch gratis. Also sehen wir keinen Grund warum wir auf die Autobahn müssen. Dieser kurze Autobahnabschnitt kostet, 75 Cent. Wir wollen wieder über die Grenze bei Irun. Dort sind wir das letzte Mal schon nach Frankreich gefahren. Huch, schon von weitem sehen wir die vielen Polizisten, und die Polizeiautos, die quer in der Strasse stehen. Wir sehen richtig wie sie sich freuen. Endlich gibt es was zu tun. Ob wir wohl in Frankreich einreisen dürfen?

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Kommentare: 2
  • #1

    vreni (Montag, 30 März 2020 21:57)

    zur: Raupenkolonne. das könnten die berüchtigten Prozessionsraupen gewesen sein. Sie können eklige Allergien verursachen.
    eeehm....Nach AVILA würde ich dann das nächste Mal auch mitkommen!

  • #2

    s'Tanti (Donnerstag, 02 April 2020 18:22)

    Zur, Raupenkolonne, da hättest Du nur einer aus der Reihe mit einem Stöckli zum Abbiegen zwingen sollen, dann wäre der ganze Rest ihm gefolgt und die anderen allein weiter gezogen !!
    Herrlich diese Naturaufnahmen

    Ui, ui, ui, das freie Leben wird ja gerade zur Katastrophe mit diesen Anweisungen zur Bewältigung der Corona-Krise

    Gute Weiterfahrt