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Frankreich

Am Sonntag, 29. März 2020, stehen wir bei Irun an der Grenze. Die Strasse ist abgesperrt und es stehen viele Polizisten rum. Von weitem sehen wir, wie sie sich freuen. Wir haben schon ein bisschen ein mulmiges Gefühl. Aber es wird sicher gut gehen. 

Alle sind ganz freundlich und tragen auch keine Mundschütze und Handschuhe. Sie fragen, wo wir denn hinwollen, und ob wir das Formular für die Selbstbescheinigung haben. Oh, oh. Ja, gelesen haben wir davon, aber wir haben ja kein solches Formular. Der eine meint, wir sollen zu seinem Auto fahren, er habe noch welche im Fahrzeug, doch die Polizistin hat das nicht gehört, und als Oliver losfährt ruft sie, halt Stop!!! Ja, das erinnert uns doch schwer an Russland. Zum guten Glück ruft der andere, nein, es ist ok, und so können wir zum anderen fahren. Er gibt uns zwei Formulare zum Ausfüllen, was wir sogleich machen. Oliver steigt aus und bringt ihm die Formulare. Er wirft einen kurzen Blick darauf und sagt, ja, das ist ok. Aha, also werden wir nirgends registriert. Jetzt müssen wir einfach immer, wenn wir das Fahrzeug verlassen, einen Zettel schreiben, mit Datum und warum und wieso und gut ist’s. Also, wenn das alles ist und hier alle so nett sind, dann können wir getrost weiterfahren. 

So geben wir im maps.me den Intermarché ein, in der Hoffnung, dass dieser draussen auf dem Parkplatz Waschmaschinen und Tumbler hat. Perfekt. Jetzt können wir endlich Laila’s Tücher und ihr Bett waschen und tumblern, weil diese trotz auslüften, immer noch den markanten Geruch der Hundekäfige der Fähre hat. So haben wir schon wieder etwas was wir von unserer to-do Liste streichen können. Morgen gehen wir dann noch im Intermarché einkaufen. Daher übernachten wir auch gleich auf diesem Parkplatz. Schnell ist ein Zettel für den Morgen-Spaziergang ausgefüllt. Oliver ist es zu kalt. Er muss sich erst wieder an die Kälte gewöhnen und so bleibt er im warmen Bett und liest die Online-Zeitungen. Laila gefällt es hier sehr gut, anscheinend riechen die Franzosen interessant. O là là. Sie schnuffelt auf jeden Fall wie verrückt an jedem Gebüsch. Schon fast wieder bei Willi, bekommen wir Besuch von einem mega herzigen VW-Bus. Der Fahrer steigt aus und fotografiert die zwei Fahrzeuge, die nun nebeneinanderstehen. Auch Moni kann nicht widerstehen und macht ein Foto. Noch kurz ein paar Worte wechseln und weg ist er wieder.

Also die ersten Begegnungen in Frankreich sind wirklich herzig. Aha, Oliver ist nun auch bereit. Zuerst wollte Moni eigentlich wieder alleine einkaufen gehen, aber er meint, hier in Frankreich gibt es wieder so feine Sachen, ich möchte auch mitkommen. Da der Laden von 9 bis 10 Uhr nur für Leute ab 60 Jahren frei ist, warten wir noch ein wenig.

So gehen wir also getrennt, jeder mit einem Einkaufswagen in den Intermarché. Ob das so eine gute Idee ist? Wir beide, jeder mit einem Einkaufswagen?! Für den Intermaché sicher. Du kannst Dir ja vorstellen, wie der Einkauf eingeteilt wird. Oliver ist zuständig für Getränke und Fleisch. Dafür schaut Moni für feine Sachen für Laila, Gemüse und Früchte, und sonstiges, hi hi. Obwohl die älteren eigentlich vorher Zeit gehabt hätten, hat es auch jetzt noch ganz viele, die gemütlich am Einkaufen sind. Wir laufen zwischendurch aneinander vorbei und führen dann so komische Selbstgespräche, wie, hast du das schon? Ein kurzes nein, oder ja und schwupp, wird der Gang gewechselt. Oder, einer schaut im rechten Regal, natürlich mit 2 Meter Abstand, der andere schaut im linken Regal, und wenn keiner in der Nähe ist, wird besprochen was noch alles fehlt. Auch bei der Kasse geht jeder an eine andere. Erstaunlicher Weise kostet Moni’s Einkauf nicht halb so viel wie der von Oliver. Aber er findet, das sei gemein, denn sie habe immer die teuren Sachen in seinen Wagen gelegt. Na wie auch immer. Ein bisschen Spass und Abwechslung muss doch auch in dieser Zeit sein. Also auch bei den Einkaufsläden gibt es einen markanten Unterschied zu Spanien. In Spanien wird kontrolliert, dass immer nur einer reingeht, wenn einer rauskommt. Man wird begleitet zum Hände desinfizieren, Einkaufswagen desinfizieren, dann nochmals Hände desinfizieren und dann darf man rein und beim raus gehen dasselbe. In Frankreich muss einfach jeder einen Zettel dabeihaben, warum er sich draussen aufhält und fertig. Da finden wir es schon spannend, dass wir in der Zeitung lesen, Frankreich finde es nicht richtig, dass wir Schweizer keine Ausgangssperre haben, aber ganz ehrlich, hier merkt man gar nichts von Ausgangssperre. Keine Polizei, kein Militär. Nichts. Dafür überall viele Leute. Also, für uns ist das natürlich jetzt gut so, und wir hoffen, es bleibt in ganz Frankreich so. In Bayonne übernachten wir auf einem Parkplatz gleich gegenüber des geschlossenen Mac Donalds. Zum Glück haben sie das Internet nicht abgestellt, so kommen wir in den Genuss von Free Wifi. Allerdings nur sehr langsames, aber immerhin. Doch Punkt Mitternacht ist fertig lustig. Das Internet ist aus und somit auch der Film. Moni ist sehr pflichtbewusst und schreibt am Morgen gleich ein paar dieser Bescheinigungszettel. Auch zur Morgenrunde wird einer in die Jacke gesteckt. Schliesslich weiss man ja nie. Nach kurzer Fahrt mit doch viel Strassenverkehr, halten wir an einem Waldrand und geniessen ein feines Mittagessen. Da jetzt endlich die Sonne wieder zaghaft hervorkommt, füllen wir wieder einen Zettel aus und machen eine ausgiebige Runde mit Laila. Wieder bei Willi, Oliver ist schon drinnen, während Moni noch mit Laila spielt, fahren zwei Polizisten auf ihren Motorrädern auf dem Feldweg zu uns. Moni holt schnell im Willi ihre Jacke mit dem Zettel, als es draussen schon hupt. Ha, endlich kann sie dieses Ding einmal ausprobieren. So geht sie mit dem Zettel in der Hand wieder raus. Nachdem der eine etwas sagt, streckt sie ihm den Zettel hin, doch dieser macht eine abwehrende Handbewegung, als ob sie die Pest hätte. In der Zwischenzeit ist auch Oliver ausgestiegen. Der Polizist fragt nun auf Englisch, „you stay here“?! Oliver macht so eine Handbewegung und sagt „manger“ und dann pfeift er durch die Zähne und macht so eine Fahrbewegung. Aha, diese Sprache verstehen sie anscheinend und fahren wieder ab. Ja und für was müssen wir dann diese Zettel schreiben?! Da hält man sich daran und keiner will es sehen. Nun sitzen wir im Willi und wissen nicht wohin, denn hier können wir jetzt nicht mehr bleiben. Da sie uns schon entdeckt haben. Na ja, fahren wir mal ein bisschen ins Landesinnere, vielleicht ist dort nicht mehr so viel los und tatsächlich, es gibt weniger Verkehr, und auch hier sind jetzt die Dörfer und Quartiere leerer. 

Auch am nächsten Tag bestätigt sich dieser Eindruck. Es ist anscheinend wirklich so, dass im Landesinneren die Ausgangssperre besser eingehalten wird, als in den grösseren Städten. So fahren wir weiter durch einsame Dörfer und halten immer mal wieder, wenn die Sonne gerade scheint, für einen kleinen Spaziergang, natürlich immer mit dem Zettel in der Tasche.

Unser heutiger Schlafplatz ist entgegen unserer Gepflogenheiten, eine Ausbuchtung an der Strasse. Aber wir fahren ja nur Überland, und somit hat es so gut wie keinen Verkehr. Unser Abendspaziergang führt uns entlang des Kanals, wo wir dann auch noch diese pelzigen Tierchen beobachten können. Es sind definitiv keine Biber. Wir vermuten, dass es sich hier um Bisamratten handelt.

Wir geniessen die Fahrt durch Frankreich und sehen vieles, dass wir gerne besichtigen möchten. Na vielleicht dann zu einem späteren Zeitpunkt nochmals. 

Für heute haben wir in einem Wald einen guten Schlafplatz gefunden. Hier sieht uns keiner. Doch am Morgen fährt ein Auto auf den Platz. So können wir beobachten, wie ein altes Grosi schnell aus dem Auto steigt. Schon ihre ganze Art lässt uns vermuten, dass wir jetzt dann gleich Zeuge einer Tat werden. Entweder muss sie dringend mal, oder... Ja genau, sie geht zum Kofferraum, nimmt einen Eimer heraus und kippt ihn neben dem Auto aus. Dann läuft sie noch schnell hinter Willi und schaut sich die Autonummer an. Genau so schnell wie das Ganze von statten ging, braust der Opa mit seinem Auto wieder davon. Ja da sind jetzt anscheinend beide, sie und wir, froh, dass wir beide nichts voneinander wollen. Da wir so problemlos unterwegs sind, und heute einfach keinen guten, das heisst, einen versteckten Parkplatz finden, beschliessen wir an einem offiziellen Parkplatz zu halten und hier die Nacht zu verbringen. Was definitiv keine gute Idee war. Denn schon nach einer Stunde fahren zwei Gendarmerie Fahrzeuge vor. Drei Männer und eine Frau, alle in Uniform, stehen auf einmal um Willi herum. Moni öffnet die Seitentüre. Die Frau fragt nach dem „Conducteur“ des Fahrzeuges. „Conducteur“? So meint Moni zu Oliver, dein Typ wird verlangt. Nun muss er aber noch hinter das Steuerrad sitzen. So geht Oliver nach vorne. Die vier haben keine Handschuhe und auch keine Masken an. Sie wollen irgendwelche Papiere. So gibt Oliver mal den Fahrzeugausweis. Die Dame muss anscheinend ihren 3 männlichen Partnern gegenüber, das Männchen markieren. Nur Oliver nimmt ihr den Wind aus den Segeln, da er auf Deutsch sagt, sorry ich sprechen kein Französisch. Nur Deutsch oder Englisch. So meldet sich einer der Herren. Ein sehr sympathischer Mann wendet sich nun an uns. Na ja, sympathisch oder nicht, wir müssen trotzdem gehen. Es ist „interdite“, also verboten, hier zu sein. So meint Oliver, wir wollen nur etwas essen und fahren dann weiter. Hmm. Die können ja nicht von uns verlangen, dass wir die ganze Zeit nur fahren. Das wäre ja auch unverantwortlich, wenn wir müde weiterfahren. Na ja, wir sind ja selber schuld. Man muss ja das Glück nicht unbedingt so herausfordern. Aber es ist halt immer das gleiche. Wenn man einen guten Platz braucht, findet man keinen, und jetzt müssen wir schon ein bisschen fahren, dass wir nicht noch in deren Umkreis bleiben. Aber von jetzt an, wird wieder nur noch versteckt übernachtet. Zumindest ist das unser Vorsatz. Wir fahren durch Stadtgebiete und angebliche Grünzonen und finden trotzdem nichts. Nach einer Stunde kommen wir endlich wieder in ein Gebiet, wo es nur noch vereinzelt Höfe hat. So wagen wir es trotzdem und nehmen einen schönen Parkplatz an der kleinen Strasse. Die Nacht dürfen wir ungestört verbringen, was uns natürlich wieder zuversichtlich stimmt. Doch also von heute an, suchen wir definitiv bessere, das heisst versteckte Plätze.

Es gefällt uns wirklich sehr gut. Die meisten dieser Dörfer haben diesen französischen Charme, mit ihren kleinen typischen Häuschen. So geniessen wir die Fahrt durch Frankreich. Die Tage werden immer wärmer, die Wiesen immer grüner und alles blüht. 

Was uns aber am besten gefällt, unsere Schlafplätze sind so ruhig. Ausser dem Vogelgezwitscher hört man einfach nichts. Keine Flugzeuge, keine Autos, nichts. So wollen wir nun also die Grenze nach Deutschland überqueren. Frankreich hat gar keinen Grenzübergang, nicht für raus und auch nicht für rein, was uns nun doch sehr erstaunt. Ausser, die haben gerade Schichtwechsel oder Pause. Na, uns kann das ja egal sein, wir wollen ja nun nach Deutschland. Die sechs Uniformierten machen sich schon von weitem bereit. Warum nur bekommt man immer gleich ein ungutes Gefühl? Wir machen ja schliesslich nichts Verbotenes. Die junge Dame fragt uns, wohin wir denn wollen? Na in die Schweiz. Sie meint, einen Moment bitte, das muss ich abklären. So kommt sie wieder mit einem zurück und dieser will nun wissen, warum wir nicht auf direktem Weg durch Frankreich gefahren sind. Er meint, wir müssten zurück und durch Frankreich in die Schweiz.  So meint Oliver enttäuscht, ja ok, dann nehmen wir halt diesen Umweg auf uns. Aber da nun auch noch die anderen kommen und finden, sie müssen uns das jetzt einfach sagen, wir hätten ein mega cooles Fahrzeug, entspannt sich die Situation gleich wieder. Einer meint, wir sollen mal hier auf die Seite fahren, damit wir nicht die ganze Grenze blockieren, für die Lastwagen die hinter uns stehen. So fragt uns ein anderer, wo wir denn hinwollen in der Schweiz?  Wir wollen bei Konstanz über den Zoll. Dieser schaut sogleich im Google Maps nach und sieht dann, dass das ja wirklich der kürzeste Weg in die Schweiz ist. Soeben fährt ein grosses Polizeiauto vor, der nette Mann gibt uns schnell unsere Pässe zurück und meint, jetzt macht aber, dass ihr weiterkommt, denn unser Chef würde sie sicher nicht durchlassen. Wir bedanken uns ganz schnell und machen uns aus dem Staub. Jetzt sind wir aber doch sehr froh und dankbar und fahren beschwingt durch Deutschland. Was anscheinend alle anderen Deutschen auch machen. Also, wir meinen jetzt, das beschwingt. Hier merkt man noch weniger vom Corona. Man könnte fast denken, es ist Ferienzeit. Es hat viele Motorradfahrer, extrem viel Verkehr und alle geniessen diesen warmen Frühlingstag. Am See wird gegrillt, Eltern spazieren mit ihren Kindern, die quietschend vor Freude auf ihrem Laufrad davonfahren. Jogger, Velofahrer, man spürt förmlich die Lebensfreude, die der Frühling in den Menschen geweckt hat. 

Unser bisheriges 3-Länder-Corona-Fazit. Am sichersten fühlten wir uns in Spanien, da dort merklich am meisten dafür getan wurde, um eine Ansteckung zu verhindern. Auch die Leute nehmen es extrem wichtig und halten sich an alle Regeln. Was allerdings einen rigorosen Einschnitt in die Freiheit der Menschen bedeutet. 

 

In Frankreich scheint es, als ob ein Formular reichen würde, um eine Ansteckung zu verhindern.

 

Und in Deutschland könnte man meinen, nur die Ausländer sind potentielle Virenträger und die möchte man eigentlich nicht ins eigene Land lassen. 

 

Jetzt sind wir natürlich gespannt, wie es dann in Konstanz an der Grenze geht und wie das Leben in der Schweiz ist. 

 

Auf jeden Fall, sind wir froh, dass wir an unserer ursprünglichen Reiseroute festgehalten haben. Ja klar, rückblickend kann man das schon sagen. Aber wir sind der Meinung, dass so wie wir jetzt reisen, also immer alleine, nur 1x in der Woche einkaufen usw. weniger Gefahr da ist, als wenn wir in der Schweiz wieder unter Leuten wären. Auch beim Diesel tanken besteht keine Gefahr, da Oliver immer brav seine Handschuhe anzieht und die Tankstellen auch nicht mehr bedient sind. So bleiben nur noch als potentielle Ansteckungsgefahr, die Polizei und die Grenzschützer. Wobei auch diese den Abstand immer schön einhalten. 

Zudem würde es uns schon noch brennend interessieren, ob wir damals auf La Palma eine normale Grippe hatten oder den Corona. 

Nach einer entspannten Fahrt durch Deutschland, das heisst, ohne irgendwelche Polizeikontrollen und mit vielen kleinen Spaziergängen, fahren wir also zum Konstanzer Zoll. Es fühlt sich eigenartig an. Hier, wo man sonst immer in langen Kolonnen anstehen muss, sind wir die einzigen, die zu diesem Zeitpunkt hier durchwollen. Oliver fährt brav die Zickzackumfahrungen und hält an. Der Zöllner fragt, woher kommen sie? Oliver antwortet, von Deutschland und davor von Frankreich, Spanien, allen Kanaren Inseln. Der Mann schaut Oliver nur an und unterbricht dann seine Aufzählung und meint, ist ok, sie können weiterfahren. Moni fragt Oliver, warum er denn so säuerlich reagiert hätte, jetzt sei er doch immer so nett und höflich gewesen, bei all den anderen Grenzübertritten. Aber er ist der Meinung, auf eine dämliche Frage kommt so eine Antwort. Ja, nun sind wir also in der Schweiz. Wie es weitergeht, und ob alle unsere Termine eingehalten werden, wird sich noch zeigen.

 

Bleib gesund und bis bald wieder einmal. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Leve (Samstag, 18 April 2020 10:34)

    Welcome Back. Freut mich.