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Rumänien

Am Freitag, 14. August 2020 nehmen wir noch das letzte Stück von Ungarn unter die Räder. Wir sind gespannt, was uns an der Grenze zu Rumänien erwartet. Die Gegend ändert sich schon langsam. Der ungarische Zoll scheint ziemlich leer. Da uns keiner aufhält, fahren wir einfach langsam durch. Der rumänische Grenzübergang hat definitiv schon bessere Zeiten erlebt. Die Gebäude sehen ziemlich heruntergekommen aus. Doch tatsächlich, hier werden wir angehalten. Zuerst will er unsere Pässe und verschwindet mit ihnen in seinem Häuschen. In der Zwischenzeit kommt ein anderer, und der möchte gerne einen Blick in Willi werfen. Alles ok. Jetzt kommt der erste mit unseren Pässen wieder zurück und möchte auch noch den Fahrzeugausweis sehen. Ja das war’s dann auch schon. Er heisst uns herzlich willkommen in Rumänien und schon ist er wieder in seinem Häuschen verschwunden. Gleich nach dem Zoll kommt ein Parkplatz mit einem Vignetten-Verkaufsstand. Wow, sogleich fühlen wir uns nach Russland versetzt. Die Verkäuferin sitzt in einem rostigen Käfig. Es hat eine alte Holzpritsche darin, mit einer Tigerdecke darauf. Die Frau spricht gebrochen Englisch, und so kaufen wir für 7 Tage eine obligatorische Vignette für 17 Euro. Eigentlich schade, da es jetzt schon nach 16 Uhr ist, ist ja einer dieser 7 Tage schon fast vorbei. 

Das wird dann doch eng, mit unserer Route bis nach Bulgarien. Vorallem, weil uns jetzt auch noch zusätzlich wegen der Zeitverschiebung eine Stunde geklaut wird. So müssen wir noch alle Uhren umstellen. Gleich nach der Grenze ändert sich der Zustand der Strassen und der Häuser. Es erinnert uns wirklich alles an Russland. So suchen wir uns schon bald einen Schlafplatz, denn immer, zu Beginn eines neuen Landes, müssen wir uns zuerst anklimatisieren, und schauen wie es hier so läuft. So fahren wir, völlig ausserhalb auf eine kleine Schotter-Piste. Wir finden, cool, völlig einsam. Doch schon bald braust ein Auto heran, um dann ein paar Meter vor uns, im Kriechtempo an uns vorbeizufahren. So ca. alle 10 Minuten das gleiche. Anscheinend, muss hier doch noch irgendwo ein Dorf sein. Als wir schon im Bett liegen, hupt einer genau neben uns, so doll, dass wir fast vor lauter Schreck den Kopf an der Decke anschlagen. Ja, das ist wieder mal einer von der lustigen Sorte. Kurze Zeit später fährt einer vorbei und lässt seinen Motor gleich neben uns aufheulen. Hm, unser vermeintlich schön versteckter Schlafplatz entpuppt sich als doch nicht so ruhig und einsam. 

Während wir so durch Rumänien fahren, fällt uns auf, dass es hier jede Menge Deutsche Einkaufsketten gibt. Aldi, Lidl, Kaufland, Penny, Praktiker, Müller, dm, Deichmann, Dr. Oetker, und noch viele andere. Es scheint, dass ganz Europa von den Deutschen Einkaufsketten überflutet ist. Was für die einheimischen Läden und die kleinen Früchte- und Gemüsehändler nicht gerade förderlich ist. Nicht etwa, weil die Preise billiger sind, sondern weil die Leute in einem Einkaufscenter gleich alles bekommen und nicht noch in verschiedene Läden müssen. Klar muss man sagen, die Läden sind natürlich schöner und aufgeräumter, dennoch kaufen wir unser Gemüse und die Früchte immer bei den Einheimischen. 

Unser heutiges Ziel ist eines von den sieben bekannten Schlössern. Schon von weitem sehen wir den Stau. Diese Sehenswürdigkeit ist anscheinend sehr beliebt. Oliver will gleich weiterfahren, aber eigentlich schade, wenn wir schon extra hierhergefahren sind. Wir finden in dem Gewusel trotzdem einen Parkplatz, aber irgendwie ist es uns jetzt doch nicht so wohl bei der Sache. Hier wird mit Autos und Wohnwagen rangiert, dass wir doch ein wenig Angst um unseren Willi haben. Zudem fängt es jetzt auch noch an zu regnen. Schade, aber nun fahren wir doch weiter. Zu viele Menschen, Regen und ein nicht sicherer Parkplatz ist für uns Grund genug um weiterzufahren. 

Unser Weg führt uns über die Trans-Alpinstrasse. Durch wundervolle Wälder, Natur pur. Eigentlich möchten wir schon lange eine Pause machen, aber bei jeder kleinen Ausbuchtung, findet Oliver, nein, hier hat es so viel Müll, hier möchte ich nicht Pause machen. Da meint Moni, dann wirst Du nirgends Pause machen, denn jede Möglichkeit, wo man halten kann, sieht so aus. Das verstehen wir wirklich nicht, sie fahren hierhin, parkieren, machen Picknick inmitten des ganzen Abfalls und lassen ihren Müll dann auch gleich an Ort und Stelle liegen. Dementsprechend ist es für uns schwierig einen Schlafplatz zu finden. 

Nach einer, dieses Mal, herrlich ruhigen Nacht, fahren wir weiter. Unterwegs sehen wir diese wunderschöne Wasserstelle. Was uns sogleich veranlasst, den Wasservorrat aufzufüllen. Das ist doch herrlich, wenn man ohne zu suchen Wasser findet. Wir sind auch bestens ausgerüstet, sodass wir bequem Wasser füllen können. 

Seit wir in Rumänien sind, ist uns schon dreimal einer auf unserer Seite begegnet. Es ist echt schlimm, wie hier gefahren wird. Die Kurven werden regelmässig geschnitten, es wird überholt, so nach dem Motto, der andere bremst ja dann schon. Was wir halt absolut nicht verstehen, überall liegt Abfall herum, und inmitten von diesem Abfall, setzen sie sich und machen ihr Picknick. Da müssen wir uns erst noch daran gewöhnen. Es ist wirklich so, egal ob im Flachland oder in den Bergen, es sieht überall gleich schlimm aus. Unser Weg führt uns über die Panoramastrasse. Es ist unglaublich, wir stehen tatsächlich im Stau. 

 

Eigentlich ist das ja kein Problem, denn wir haben eine Toilette und eine Küche an Bord. So trinken wir gemütlich Kaffee und essen ein paar „Guetzli“, während Oliver die ganze Zeit mit seiner Tochter Marielle am Telefon ist. Ihr seht, das kann auch Oliver, nicht nur Moni.  Zwischendurch darf Laila sogar noch ein „Bergspaziergängli“ machen. Ja und irgendwann nähern wir uns tatsächlich der Passhöhe. Die fahren wirklich alle hier herauf, um dann etwas in diesen zahlreichen Souvenirständen zu kaufen und wieder runter zu fahren. Fasziniert filmt Moni das geschäftige Treiben, während Oliver versucht, Willi durch die kleine Fahrgasse zu quetschen. Oh, hier gibt es wieder die feinen Teigrollen, die über dem Grill gebacken werden. Anscheinend sieht der Verkäufer die „gluschtigen“ Augen von Moni. Er deutet mit einer Rolle, ob sie eine will. Na und ob sie will. Schnell wirft sie die Kamera in die Ecke und holt das Geld hervor, denn schliesslich stehen wir ja in der Kolonne. Ach herrje, es kostet 10 Lari, aber wir haben nur 50. Hoffentlich kann er wechseln. Mmmmh wie das herrlich duftet. 

So ein Ding muss man ja noch warm essen, also wird Oliver während der Fahrt mit dieser Köstlichkeit gefüttert. Spannend, auf der anderen Seite des Passes hat es auch einige Verkaufsstände, aber dort hält niemand an. Wie schön, die Strasse gehört uns jetzt wieder fast alleine. Auf einmal hören wir ein ohrenbetäubendes „Gepippe“. Im ersten Moment schauen wir beide auf das Armaturenbrett. Was ist denn jetzt los?! Aber nein, es sind unsere Natels (Mobiltelefone), die hier so einen schrillen Alarm geben. Jetzt ist auch noch eine Nachricht gekommen, nur leider verstehen wir nichts. Moni kopiert sie und lässt sie übersetzen.

Anscheinend ist ein Bär gesichtet worden. Wow und die machen hier gleich eine Meldung! Da sieht man wieder einmal wie wir unter Kontrolle sind. Die wissen ganz genau, wo man sich gerade aufhält. Während wir so am Diskutieren sind, finden wir, es wäre jetzt schon noch cool, wenn wir den Bären treffen würden. Anscheinend müsste er ja jetzt, hier irgendwo in der Gegend sein. Kaum ausgesprochen fahren wir um eine Kurve und sehen ihn. Was für ein Erlebnis. Moni meint, halt doch schnell an, doch Oliver findet, das ist ein Wildtier und das soll man nicht stören, wo er ja auch wieder recht hat. Aber es wäre schon cool gewesen. Der war keine 3 Meter vom Fenster entfernt.

Ein paar Kurven weiter finden wir einen schönen Parkplatz mit Sicht auf den See. Da wir uns nicht mehr so ans stundenlange fahren oder sitzen gewohnt sind, nehmen wir ihn. Obwohl wir genau wissen, dass das keine gute Idee ist. Denn es fahren immer wieder Leute hin, um ein Selfie mit dem See zu machen. Was ja eigentlich auch wieder verständlich ist, da es einer der wenigen Plätze ist, wo man den See überhaupt sieht.

Der nächtliche Spaziergang mit Laila fühlt sich nach der Begegnung mit dem Bären schon etwas anders an. Jedes Knacken und Geräusch, dass wir hören, versetzt uns in Alarmbereitschaft um die Flucht zu ergreifen. Wer wohl bei diesem Rennen gewonnen hätte? Doch mit der genügenden Vorsicht und Wachsamkeit ist das ja gar kein Problem, wie uns später dann auch im Bärenpark bestätigt wurde.

 

Ja, unser Gefühl hat uns nicht getäuscht. Morgens um 6.45 Uhr hält ein Auto neben uns. Eine Frau und zwei Männer steigen aus und lachen und reden in einer Lautstärke, dass einem die Ohren bersten. Das ist doch ein wundervoller Einstieg in einen neuen und schönen Tag. Also los. Kaffee machen und der Tag kann beginnen. Freude herrscht.

 

Unser heutiges Ziel ist das Schloss Bran, auch Törzburg genannt. Das sogenannte Dracula Schloss. Endlich dort angekommen, geht die Suche nach einem Parkplatz los. Etwas ausserhalb sehen wir nochmals ein Parkplatzschild. Da hat es einen neuen, grossen Parkplatz. Entweder sind sie noch nicht fertig mit bauen, oder dann ist ihnen das Geld ausgegangen, denn die Barriere und die Kasse fehlen noch. Das ist wieder einmal ein Ziel aus unserem Reisebuch. Danke Dir, Philippe, das lange anstehen hat sich echt gelohnt. 

Der Weg zum Ticketschalter führt uns durch ein kleines Dorf von Souvenirläden. So stellen wir uns, natürlich mit Maske, in die Kolonne. Der Abstand wird auch hier nicht eingehalten. Dafür misst ein Mann vor dem Eingang noch am Handgelenk die Körpertemperatur. Weiter geht es den Berg hinauf. Trotz Markierung am Boden werden die Abstände nicht eingehalten. Man kann sich jetzt aufregen oder auch nicht. Denn nützen tut es eh nichts. Wir sind nach einer Stunde bei der Eingangstreppe. So sind wir gespannt wie es sein wird. Es ist, ein verhältnismässig kleines Schloss, aber wir würden es sofort nehmen. Es befindet sich in einem super Zustand und ist so herrlich wohnlich. Vor allem gefallen uns die vielen herzigen Nischen, die vielen Sitzgelegenheiten und die Sicht in den Innenhof. Es wirkt einfach alles heimelig und gemütlich. Für uns ist es fast nicht vorstellbar, dass dieses herzige Schlösschen als Vorlage für solche Gruselgeschichten gedient haben soll. 

Auf dem Rückweg zum Willi, kaufen wir uns noch ein Brot und eine Nussrolle, denn schliesslich haben wir jetzt einen Bärenhunger. Apropos Bär. Gleich hier in der Nähe gibt es einen Bärenpark, wo ehemalige Tanzbären jetzt einen bärengerechten Lebensabend geniessen dürfen. Leider ist der Park bei unserer Ankunft schon geschlossen. Der Parkwächter schickt uns weg vom Parkplatz, in die etwas oberhalb gelegene Wiese. So geniessen wir noch die Sonne und die schöne Aussicht. 

Pünktlich zur Türöffnung um 9 Uhr stehen wir an der Kasse. Es hat schon ziemlich viele Leute. An der Kasse wird Oliver gefragt, ob er Fotos machen will, weil er seine Kamera dabeihat. Nein, die trägt er ja nur so als Attrappe mit sich. Klar will er Fotos machen. Also bekommt er für zusätzliche 50 Lei eine Etikette, die er sich an die Brust kleben muss. Dafür darf er jetzt Fotos machen. 

Da er der Einzige ist mit einem solchen Kleber, fragen wir uns, ob die anderen mit ihren Natels alle keine Fotos machen wollen. Erst jetzt sehen wir die Mitteilung, dass man 50 LEI bezahlen muss, wenn man mit einem Fotoapparat fotografieren will. Aber egal, schliesslich ist es ja für einen guten Zweck. So können wir auch ungeniert filmen und fotografieren wie wir wollen. Wir wussten nicht, dass man nur in Gruppen den Park besichtigen kann und da leider die englische Führung wegen Corona ins Wasser fällt, werden wir mit der rumänischen Gruppe durch den Park geführt. Zuerst wird uns ein Film gezeigt, wo wir sehen, wie die Tiere vorher gehalten wurden, wieso dieses Bärengehege zustande kam und wer die treibende Kraft dafür war. 

Nachher stehen wir lange vor einem riesigen Gehege, ohne Sicht auf einen Bären, während sie sehr lange den Einheimischen Sachen erzählt. Die Übersetzung in Englisch ist in 5 Sätze abgehandelt und dann gehen wir weiter. Na hoffen wir mal, dass wir hier nicht nur leere Gehege zu sehen bekommen. Jetzt wo wir weglaufen, zeigen sich 2 Bären von weitem. 

Es ist ein riesiges Grundstück, und die verschiedenen Gehege seien alle mit unterirdischen Tunnels verbunden, erklärt sie uns. Wenn wir so die Geschichten der verschiedenen Bären hören, und die originalen Käfige sehen, läuft es uns eiskalt den Rücken runter. Dem einen Bären, haben sie die Augen mit Nadeln ausgestochen, sämtliche Krallen und Zähne ausgerissen und ihn dann mit Alkohol gefügig gemacht, damit die Menschen schön posieren konnten mit ihm. Dieser Bär war der absolute Liebling aller Mitarbeiter, weil er das ganze restliche Leben extrem lieb und dankbar war. Ihm wurde sogar eine kleine Gedenkstätte errichtet nach seinem Tod. 

Uns fällt auch auf, dass die meisten Bären Haltungsschäden von der jahrelangen Haltung in den kleinen Käfigen haben. Da hat sich unser wunderschöner Bär am Strassenrand anders bewegt. Es ist unglaublich zu was Menschen fähig sind. 

So, unser nächstes Ziel ist das Schwarze Meer. Mal schauen wie lange wir bis dorthin brauchen. Eigentlich sind es nur rund 450 km, aber das Navy gibt 4 Tage an. Nach dem wir schon wieder Kolonne fahren, beschliessen wir zuerst etwas zu essen. Doch leider befinden wir uns danach schon bald wieder in einem Stau. Jetzt verstehen wir, warum das Navy findet, es gehe 4 Tage bis wir dort sind. In Argesch sehen wir ein Mausoleum, und auch hier gibt es die obligaten Verkaufs- und Souvenirstände.

In Rumänien ist der Tourismus noch nicht angekommen. Dafür kann man hier am Schwarzen Meer überall problemlos parkieren. Es kommt uns fast vor wie am Baikalsee. Hier sind die Leute am Zelten, oder schlafen in ihren Autos. Dementsprechend sieht es im angrenzenden Land aus. Es ist alles „zugekackt“ und überall liegt Papier rum. 

Genau das kritisieren wir auch an den vielen Camper-Vans die keine Toilette haben und jetzt überall verkauft werden. Wo werden all diese Naturliebhaber ihr Geschäft verrichten? Wenn sie es wenigstens „verbuddeln“ würden, oder halt wie die Hundehalter ihr Säckchen füllen und dann entsorgen. Was ist so schwer daran? Aber sonst gefällt es uns am Schwarzen Meer sehr gut. 

So fahren wir weiter Richtung Bulgarien, immer dem Schwarzen Meer entlang. Es bietet sich uns überall das gleiche Bild, wenn es irgendwo die Möglichkeit gibt, um ans Meer zu gelangen, dann ist sicher alles voll mit Zelten. Auch in Shabla finden wir wieder ein einsames Plätzchen mit herrlicher Aussicht. Am Morgen schwimmen sogar Schwäne im noch nicht so salzigen Meer. Ja, hier macht die Morgengymnastik noch mehr Spass. 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    s‘Tanti (Mittwoch, 16 September 2020 18:10)

    So, heute haben wir die wunderschöne Geigerin in Thundorf besucht, die Ihr bei Eurem Heimaturlaub im Blog erwähnt und gezeigt habt. Ja, was für eine herrliche Skulptur. Leider konnten wir den Knopf für die musikalische Darbietung nicht finden !!!!!

    Ui, ui, ui, Rumänien, da habt Ihr ja wieder einiges erlebt. Ist doch wirklich schade, dass die schöne Natur von den Menschen so zugemüllt wird. Lernt man das denn heute nicht mehr in den Schulen ?
    Wow, Bärenalarm, das war ja mehr als Glück, dass Ihr die beiden Bären auch gleich noch sehen konntet. Da wäre ich aber nachts mit der Laila nicht mehr rausgegangen !!
    Jö, das muss traurig ausgesehen haben, diese Tanzbären -Auffangstation. Diese armen verkümmerten Wesen. Schön, dass sie wenigstens die letzten Lebensjahre noch einigermassen frei verbringen können.

    Ja wirklich - ein bombastischer Wohnsitz, dieses „Schlösschen“. Das wäre doch was, ein bisschen Touris mit Gespenstergeschichten erschrecken...!