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Bulgarien

Nach kurzer Fahrt stehen wir heute an der Grenze zu Bulgarien. Auch hier müssen wir wieder eine Vignette kaufen. So gehen wir frohen Mutes zum Vignettenverkaufsstand. Dort fragt sie uns nach unserer Autonummer, und ob wir 3.5t schwer sind? So ehrlich wie wir sind, verneinen wir, was sich leider als grossen Fehler herausstellt. Denn sie meint, oh, dann kann ich euch keine Vignette verkaufen. Sie schickt uns zurück, vis a vis vom Zollgebäude hat es ein Häuschen mit einem Automaten. Wir sollen dort die Vignette lösen. Also marschieren wir zurück. Wir versuchen krampfhaft eine Vignette für ein Wohnmobil über 3.5t zu lösen. Doch für Fahrzeuge über 3.5t kann man nur einzelne Streckenabschnitte lösen und sie geben einem auch noch eine Zeitangabe zur Bewältigung dieser Strecke vor, und ob man die schnellste oder kürzeste Route will. Da wir aber ja nie wissen, was wir wollen oder wohin wir wollen, kommt das für uns gar nicht in Frage. Moni meint wie immer, das muss doch gehen, ich gehe fragen. Draussen sitzt ein junger Zöllner gemütlich, ja schon fast regungslos in seinem Auto. Doch nicht mehr lange. Schnurstracks läuft sie auf das Auto zu, und fertig ist es mit der Ruh. Doch freundlich kommt er mit ihr mit ins Häuschen und versucht zusammen mit Oliver unser Problem zu lösen. Nach etlichen Versuchen, muss auch er aufgeben. Er versteht auch nicht, warum, dass das nicht geht und meint, dann müssen wir halt jeden Tag die Strecke online lösen. Also zurück zu Willi. Wir versuchen es online und verzweifeln fast an der Geschwindigkeit des Netzes und jetzt sollen wir das jeden Tag machen. Das kann doch nicht sein. Nach dem 3. Versuch brechen wir entnervt ab und laufen nochmals zum Automaten zurück. So lösen wir für 1 Monat eine Vignette für Wohnmobile bis 3.5t. Wie schmälern unser schlechtes Gewissen, indem wir uns sagen, wir brauchen ja keine 30 Tage, somit bezahlen wir ja mehr als wir müssten und schliesslich haben wir ja alles versucht. Hoffen wir mal, dass die das bei der Ausreise dann auch so sehen. 

Auf unserer Weiterfahrt sind wir immer wieder sprachlos über die riesigen Felder. Oliver hat eine Sehenswürdigkeit im Internet entdeckt, und da sie fast auf unserem Weg liegt, wollen wir doch mal schauen. Doch dort angekommen sehen wir nur ein paar Steine. Hmm, und dafür müsste man auch noch Eintritt bezahlen. Wir beschliessen, das Geld lieber in eine Glace zu investieren. 

Bulgarien ist komplett anders als Rumänien. Riesige Felder mit Ackerbau, und am Schwarzen Meer boomt der Tourismus. Wahnsinn. Zum Teil echt wunderschöne Hotel-Anlagen, Souvenir Shops, Strassenkaffees, Essstände. Die machen wirklich was.

In Nesebar finden wir einen Parkplatz und gehen an den Strand. Heute ist es fast windstill und Moni ist nicht mehr zu halten. Sie geht schwimmen. Oliver meint, er bewacht unsere Sachen am Strand, wir können nicht beide schwimmen gehen. Da es hier eine Strandbar hat, genehmigen wir uns wieder einmal einen Drink. Ferienfeeling, Sonne, Strand, Meer, Musik und etwas Feines zu trinken. Was will man mehr.

Wir suchen uns ziemlich abseits einen Schlafplatz. Ausser einer kleinen Pferdeherde, kommt hier die ganze Zeit niemand vorbei. Die aufgehende Sonne wärmt aber unseren Willi am Morgen so schnell auf, dass wir uns schon bald vom Acker machen. 

Heute sind wir in Burgas und möchten eigentlich wieder einmal eine Stadt besichtigen. Aber zuerst ist die Parkplatzsuche an der Reihe. Oliver zirkelt durch enge Gassen und wir wissen beide, lange darf das so nicht weitergehen. Zum Glück finden wir dann nicht weit von der Parkanlage und dem Meer einen Schattenparkplatz. Nur wissen wir nicht, ob man hier parkieren darf oder nicht. Moni meint, ach ich geh mal einen fragen, als ob man hier jemanden finden würde, den man versteht. Doch gleich der Erste, den sie anspricht, erklärt ihr in Englisch, wie das hier geht mit dem Parkticket. Oliver meint nur, ich staune immer wieder ab dir. Gleich auf der gegenüberliegenden Strassenseite sehen wir ein wunderschönes Restaurant mit herrlicher Gartenanlage. Oliver meint, das sieht aber sehr schön aus, hier würde ich auch noch essen gehen. Damit hat er also bereits einen kleinen Samen gesetzt. So schlendern wir durch den kühlen Park. Hier soll es Sandskulpturen geben. Während wir so durch den Park laufen, sind wir immer ein bisschen am Schauen, wo wir denn etwas essen könnten. Aber keines dieser Restaurants macht uns wirklich an. Bei den Sandskulpturen kostet es Eintritt. Oliver findet, er warte lieber mit Laila auf einer schattigen Parkbank. 

Auf dem Weg durch den Park hören wir schon von weitem einen Mann singen. Mit nacktem Oberkörper steht er da und singt voller Inbrunst. Leider wissen wir nicht, ob er singt, damit er etwas bekommt, denn es hat nirgends einen Hut oder Topf. Moni meint, das ist vielleicht eine Strafe, weil er irgendwas gemacht hat, denn man hat das Gefühl, er singt alle Strophen von einem Gebetbuch. Keine Ahnung. Das sind dann halt so Gedanken die man sich macht. Am Strand ist Hundeverbot und im Park hat es keine Bars. Dennoch lechzt Oliver nach einem Drink. So meint Moni, komm setz dich doch hier im Park mit Laila in den Schatten. Ich versuche mal einen Drink zu organisieren. Oliver meint lachend, ja du glaubst wohl, die geben Dir einen Drink, damit du mit den Gläsern im Park verschwindest. Aber so wie ich dich kenne, bekommst du das hin. So marschiert sie Richtung Strandbar. Tatsächlich, wenig später kommt sie mit zwei schönen Gläsern und einem feinen Aperol Spritz zurück in den Park. Oliver freut sich riesig. So können wir also, wunderbar im Schatten des schönen Parks, mit Blick auf den Strand und das Meer unseren Drink geniessen. 

Es ist uns wirklich zu warm für eine Stadtbesichtigung. Darum beschliessen wir, es muss wohl so sein, dass wir keine Stadttour machen, sondern, dass wir in dieses wunderschöne Restaurant gehen. Herrlich. Nach einem weiteren feinen Drink, geniessen wir nun die Vorspeise, den Hauptgang, das Dessert und den Kaffee. Das war jetzt wirklich sehr gut. Bestimmt teurer als in der Strandbar, aber sicher auch besser.

So völlig voll und müde möchten wir jetzt nur noch einen schönen Strandparkplatz. So schaut Oliver auf dem Navy, wo wir hinkönnten. Leider hat es bei diesem Strand sehr viele Leute, so fährt er auf die andere Seite, wo wir tatsächlich einen ganzen Strand für uns alleine haben. 

Aber Moni meint nach dem Strandgang, sorry, aber hier kann ich nicht bleiben. Es ist absolut windstill, das halte ich nicht aus bei 37 Grad im Schatten. So fahren wir wieder auf die andere Seite, wo es wunderschön windet, und fahren ein bisschen oberhalb vom Strand in eine einsame Einbuchtung. Perfekt, direkte Sicht aufs Meer, es windet, wir sind alleine, und zum Strand sind es keine 2 Minuten zum Laufen. Hier bleiben wir. 

Am nächsten Tag beschliessen wir, da es nun bis nach Griechenland die letzte Möglichkeit für einen Strandtag ist, dass wir noch hierbleiben und dafür nachher wieder viel und lange fahren werden. Endlich wieder einmal Zeit zum Kochen und zum Schreiben. Wir hinken mit dem Blog schreiben ja wieder einmal gewaltig der Zeit hinterher. 

Hier könnten wir gut noch ein paar Tage bleiben. Aber man soll ja bekanntlich weiter, wenn es gerade am schönsten ist. So suchen wir uns wieder einmal eine Wasserstelle, die wir auch finden. Nur leider sind schon einige hier am Wasserfüllen. Eine ältere Frau beschwert sich, weil einer 3. Wasserhähne belegt, und das ganze Auto voller leerer Wasserkanister hat. Irgendwie ja auch verständlich. Wir fragen uns, was er mit diesen vielen Wasser-Kanistern macht. Ob er die wohl verkauft und sich so etwas dazu verdient? Während dem sie ihre 2 kleinen Kanister füllt, deutet sie uns, dass wir ihren erkämpften und nun freien Platz haben können. Was wir natürlich dankend annehmen. Denn wir warten hier in der prallen Sonne bei gefühlten 100 Grad schon eine Ewigkeit. Der Früchte- und Gemüsehändler macht es richtig. Während dem sich hier alle in Geduld üben, kommt er mit einer feinen Melone daher und verteilt allen einen saftigen Schnitz. Die meisten kaufen nach dem Wasserfüllen auch gleich noch bei ihm ein. Wir natürlich auch. 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wir haben gehört, hier soll vor langer Zeit ein Ufo gelandet sein, dem wollen wir nun auf den Grund gehen. Tatsächlich, es ist immer noch hier. Schon von weitem sehen wir es auf dem Berg thronen.

Wow, wir wissen jetzt schon, dass das unser nächster Schlafplatz sein wird. Trotz riesigem, rostigem und fast nicht mehr erkennbarem Fahrverbot, und weil wir sehen, dass es noch mehr Fahrzeuge hat, fahren wir unserem Ziel unerschrocken entgegen. Wahnsinn, was die früher für Bauten hingestellt haben.

Das Ganze wurde einmal von der Kommunistischen Partei Bulgariens als Parteisitz gebaut. Doch nach dem Zusammenbruch des Ostblocks wird hier nichts mehr gemacht und so zerfällt es in seine Bestandteile. Eigentlich schade. Trotzdem wird das Gebäude Tag und Nacht durch einen Security bewacht, der am Morgen dann mit seinem Schlagstock die Runde macht und somit Moni während der Morgenrunde mit Laila in Angst und Schrecken versetzt. 

Da wir ja unsere Fotos und Flugaufnahmen haben, suchen wir uns also ein neues Ziel. Ein paar Hügel weiter, stehen wir auch schon vor dem Turm, den wir am Abend vorher von weitem gesehen haben.

Die lange Treppe bringt uns am morgenfrüh, obwohl es noch keine 30 Grad hat, schon zum Schwitzen. Die Tatsache, dass die Türe verschlossen ist, finden wir nach dieser Anstrengung nicht lustig. Da wir sehen, dass es einen Ticketschalter hat, erkundigen wir uns, ob man den Turm besichtigen kann. Sie meint, ja, aber wir müssen noch 20 Minuten warten, wegen dem Virus. Was auch immer das heissen mag. So laufen wir zum Aussichtspunkt und sind dann pünktlich zur angegebenen Zeit wieder retour. Doch nun kommt ein Mann und erklärt uns, dass der ganze Turm immer wieder desinfiziert wird und wir noch warten müssen. Da sind wir jetzt aber froh, dass wir die ersten sind, die in den Corona freien Turm dürfen. Also schnell, schnell, bevor die anderen kommen, die ja meistens die Maske nicht richtig tragen.

So, genug Denkmale, jetzt zieht es uns in eine Naturhöhle. Doch auf dem Weg, finden wir wieder Wasser. Grund genug für uns zum Halten. Auf einmal braust ein Auto mit einem ganz grimmig dreinschauenden Mann daher. Er steigt aus und zu unserem Erstaunen, ändert sich seine Gesichtsmimik sogleich. Lachend spricht er uns an. Er erzählt uns, dass es gleich hier in der Nähe ein sehenswertes Kloster gibt und wenn wir eh schon hier sind, gibt es auch noch so eine Art Ballenberg, mit vielen alten und schönen Häuser von Bulgarien zu sehen. Also los. Neues Ziel. Das Kloster hätten wir mit Sicherheit nicht gefunden. Es ist wirklich ganz hübsch und strahlt eine wunderbare Ruhe aus, aber extra würden wir wahrscheinlich nicht hierherfahren. 

Nun sind wir aber gespannt auf den Ballenberg von Bulgarien. Da es immer wieder mal regnet, und die vielen Vorführungen der alten bulgarischen Bräuche schon vorbei sind, warten wir einen regenfreien Moment ab und schauen uns die schönen Häuser von der Strasse her an.

So fahren wir nun also gegen Abend zu unserer Höhle, in der Hoffnung, dort einen Parkplatz zu finden, sodass wir dann morgen gleich mit der Höhlenforschung beginnen können. Bei unserer Abendrunde, sehen wir, dass es Öffnungszeiten hat und Eintritt kostet. Die Dimensionen überwältigen uns. Es ist nicht eine Höhle wie wir sie uns vorgestellt haben. Es ist eine riesige Höhle in der auch noch ein Bach durch fliesst. Der hinterste Teil der Höhle ist abgesperrt, da dort die geschützten Fledermäuse wohnen, und ihr Revier auch ziemlich stark markieren, oder wie auch immer. Auf jeden Fall ist alles „zugekackt“ und riecht auch dementsprechend, und sie machen einen Höllenlärm. 

 Nach diesen impossanten Eindrücken sind wir richtig gespannt auf die nächste Höhle. Unser Weg führt uns durch sehr, sehr schmale und eher selten befahrene Strassen. Hier holt sich langsam aber sicher die Natur ihr Revier zurück. Aber das kennen wir ja schon, und so bekommt Willi noch ein paar zusätzliche Kratzer. Wir staunen nicht schlecht, als uns ein Holztransporter entgegenkommt. Mitten im nirgendwo, gleich nach einer Kurve, ist auf der sonst schon schmalen Strasse schön sauber Holzgestapelt. Ja und dann erfahren wir auch noch, warum es störrischer Esel heisst.

Ab und zu sehen wir mal einen Wegweiser zur nächsten Höhle, und so finden wir sie dann doch noch. Warum wir hier keinen Eintritt bezahlen müssen ist uns zwar nicht klar. Denn auch diese Höhle ist beeindruckend.

Eigentlich gibt es noch eine 3. Höhle, doch Oliver findet, nein jetzt ist genug mit Höhlen. Da wir bei unserem letzten Einkauf, so etwas wie Cervelats gekauft haben, suchen wir uns einen Platz am See und sind gespannt, ob man diese Wurst auch wirklich essen kann.

Die Wurst ist genauso gut wie der schöne Platz am See. Es macht einfach Spass, die Natur so intensiv geniessen zu dürfen.

Unser nächstes Ziel ist Belogradschick. Dort wollen wir die Kaleto-Festung inmitten der hoch aufragenden Felsen besichtigen. Da wir keinen Schattenparkplatz für Laila finden, muss sie trotz der Hitze mitkommen. Aber uns ist es eh auch zu heiss und so sind wir gemächlich unterwegs. 

Am Ende der steilen Treppe kommt uns eine Familie mit zwei jungen Männer entgegen. Einer der Männer fragt uns irgendwas und wir nehmen an, er fragt, ob das kleine Mädchen den Hund streicheln darf. Dem ist aber nicht so. Er will sein Wasser mit Laila teilen. So macht Moni mit den Händen ein Trinkbecken und er leert sein Wasser rein. Laila aber, steuert direkt auf die Wasserquelle hin und trinkt direkt aus der Flasche. Alle finden das lustig, nur uns ist es ein wenig peinlich, denn verständlicher Weise, möchte er diese Flasche nun nicht mehr für sich selber und schenkt sie uns. Mit so einem Wasserbauch, muss Laila sich nun gemütlich in den Schatten legen, und da man sie ja nicht alleine lassen kann, opfert sich Moni und nutzt die Gelegenheit für die Hitzepause. Oliver macht sich nun an die nächste steile Treppe nach ganz oben, um die schönen Felsformationen zu fotografieren.  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach einer gefühlten Ewigkeit sieht ihn Moni wieder oben an der Treppe auftauchen.

Unser Weg führt uns wieder am gleichen See entlang, und so suchen wir uns erneut ein schönes Plätzchen, wo wir dann, nach den Anstrengungen des Tages noch lange draussen sitzen und den lauen Abend mit einem Glas Wein ausklingen lassen. 

Wir informieren uns über die Internetseite, www.auswaertiges-amt.de über die Einreisebestimmungen für Griechenland. Beziehungsweise über deren App. „Sicher Reisen“. Diese Seite benutzen wir immer wieder, weil sie mit Abstand die besten Informationen zum Reisen bietet. Für die Einreise brauchen wir also einen zertifizierten PCR-Test, das wäre also ein Corona-Test. Dieser darf nicht älter als 72h sein. Zudem muss man sich 24h vor der Einreise in Griechenland online registrieren unter travel.gov.gr. Da wir nun aber nicht wissen, welches Labor zertifiziert ist, schreibt Moni der Schweizer Botschaft in Sofia, in der Hoffnung auf Antwort. Zu unserem Erstaunen bekommen wir in wenigen Minuten auf Deutsch Antwort. Sie schreibt uns, dass wir in ein Ramuslab-Labor müssen und möchte unsere Reiseroute wissen, damit sie uns mitteilen kann, welches Labor für uns am nächsten ist. Diese schnelle Information freut uns riesig. So fahren wir am Freitag gegen 17 Uhr, voll in der rush-hour durch Sofia. Wir wollen wissen, wo wir dann am Montag hinmüssen, und vor allem, wo wir parkieren können, da wir einen Schattenplatz brauchen, weil wir Laila sicher nicht mitnehmen können. So kämpft sich Oliver tapfer durch den dichten, mühsamen, nervigen Wochenend-Feierabend-Verkehr, was eindeutig seine Lieblingsbeschäftigung ist, während Moni die Stadtrundfahrt nutzt um Fotos zu machen. 

Den Schattenparkplatz haben wir, jetzt müssen wir nur noch das Labor suchen. An zwei Orten ist es angeschrieben, also wird eines sicher das richtige sein. Also nichts wie weg hier und wieder durch den Stadtverkehr. Wir hoffen, auf dem Hausberg von Sofia einen Schlafplatz zu finden, denn zu allem Elend des dichten Verkehrs, meldet sich jetzt auch noch unsere Unterzuckerung an. Wie man ja weiss, ist das für uns eine schlechte Kombination, Stress im Verkehr und Hunger, ist dem Klima im Willi nicht gerade förderlich. Wie meistens in solchen Situationen, kommt dann erschwerend dazu, dass die Plätze die wir finden, zu krumm, zu viele Leute, kein Schatten oder gar mit einem Parkverbot versehen sind. Wir halten uns dann daran, obwohl es die Einheimischen keinen Deut schert. Endlich finden wir einen Platz. Man könnte ja schon fast meinen, wir seien heikel und kompliziert, sind wir aber nicht. Für einen Schlafplatz müssen für uns einfach einige Sachen stimmen. So geniesst Moni mit Laila den wunderschönen Wald und die herrlichen Wanderwege, während sich Oliver im Willi von den Strapazen beim Kochen erholt. Moni kommt mit schönen Fotos zurück, die uns dann aber doch nicht erfreuen. Denn das bedeutet, dass hier wahrscheinlich halb Sofia wandern geht. 

So ist es dann am nächsten Morgen auch! Wir ergreifen die Flucht. Doch die gestaltet sich gar nicht so einfach. Da stellt doch tatsächlich einer seine Imbissbude an den Strassenrand, was ja eigentlich kein Problem wäre, wenn er nicht seine Markise/Sonnenstore ausgefahren hätte. Für Autos ist das ja kein Problem, die fahren einfach unten durch. Doch unser Willi passt da nicht durch, vor allem, weil auf der gegenüberliegenden Strassenseite ein privater Secondhand-Buchhändler seine Bücher auf einem Tuch ausgebreitet hat. Der Tag fängt ja gut an. Wir wollen nur noch raus aus Sofia. Als wir etwas ausserhalb die grosse Werbetafel von IKEA sehen, denken wir uns, wenn so viele Leute am Wandern sind, hat es ja vielleicht nicht so viele in den Läden und das coole ist, bei IKEA können wir trotz unserer Höhe in der überdeckten Parkgarage parkieren, was bei diesem heissen Wetter von Vorteil ist. Da unser „Einstiegs-Treppli“ schon seit geraumer Zeit defekt ist, und wir nirgends ein neues finden, wollen wir schauen, ob die evtl. eines haben, das passen würde. Da wir auch hier nicht fündig werden, beschliessen wir, es zu reparieren, und zwar mit einem Rüstbrett und einem Teppich. Das Rüstbrett stützt die gerissene Aluminiumplatte und der Teppich dient als zusätzliche Rutsch- und Schmutzschleuse. Also bringen wir unsere Einkäufe in Willi und gehen nun auch noch gerade einkaufen, wenn wir schon einen kühlen Parkplatz haben. Ach ja, ganz vergessen zu schreiben. Zu unserem Erstaunen hat es fast keine Leute in der IKEA und auch in den anderen Läden, was uns natürlich umso mehr freut. So machen wir uns dann doch noch auf den Weg, in der Hoffnung am See einen Platz zu finden. Doch diese Idee hat die andere Hälfte von Sofias Einwohnern auch, was wir auch voll verstehen. Also weiter, wir finden schon noch was. So fahren wir zu einem Fluss, wo wir dann auch fündig werden. Hier bleiben wir also bis Montagmorgen. Es ist wunderschön, das „geplätscher“ vom Fluss, einfach genial. Die Idee mit dem Brett und dem Teppich ist perfekt. Siehe Foto.

Am Sonntag parkiert eine Familie mit einem kleinen Mädchen unweit von uns. Er bricht an den umliegenden Bäumen kleine Äste ab, um ein Feuer zu machen. Wir finden, das brennt doch nie mit dem grünen Zeugs, vor allem, weil hier bei uns so viel dürres Holz liegt. So packt Moni einen Stapel Holz, läuft rüber und bringt es ihnen. Da sie sich freuen, holt sie den Rest auch noch, und weil sie sieht, dass sie keine Sitzgelegenheit und auch keine Decke dabeihaben, und immer nur rumstehen, bringt sie ihnen auch noch das Holzbrett mit den zwei Plastikrohren, die bei unserer Grillstelle als „Bänkli“ dienen. Oh da freuen sie sich jetzt aber. Wenig später kommt die ganze Familie mit zwei Teller Melonenschnitzen zu uns rüber. Auf Englisch bedankt sich die Frau und erzählt uns, dass sie in der Hektik zu Hause alles vergessen hat und sehr dankbar ist für das Bänkli. Dann fragt sie uns, ob wir Deutsch sprechen. Wie sich herausstellt, spricht sie sehr gut Deutsch, weil sie lange in Deutschland gelebt hat und da jetzt aber die Tochter eingeschult wird, wollten sie lieber wieder nach Hause. 

 

 

 

 

 

 

Mit gemischten Gefühlen machen wir uns am Montag auf den Weg zum Testlabor. Was ist, wenn einer von uns positiv getestet wird? Was ja eigentlich kaum möglich ist, entweder beide oder keiner. Also weg mit diesen unnötigen Gedanken. Wir parkieren also an unserem Schattenparkplatz und sehen schon von weitem die Kolonne beim Labor. 

 

Na dann sind wir hier sicher richtig. Wir stellen uns hinten an und finden, dass es eigentlich noch zügig vorwärtsgeht und das eine gute Einnahmequelle für das Labor ist. Nun sind wir an der Reihe. Zuerst will die Gehilfin unsere Pässe und dann müssen wir bezahlen. Wir bekommen noch eine Etikette, die wir dann der Ärztin geben müssen und ein weiteres Zettelchen, mit dem wir unser Testergebnis abholen können. Jetzt dürfen wir also nach hinten zur Ärztin. Sie nimmt es sehr genau. Zuerst macht sie mit einem Wattestäbchen solange am Halszäpfchen rum, bis der Würgreflex fast nicht mehr zu unterdrücken ist. Dann wird das Stäbchen sauber eingepackt und schon ist die Verschnaufpause vorbei und sie holt dir mit dem nächsten Stäbchen durch die Nase einen Teil des Hirns herunter. Ha ha, und dafür bezahlen wir, beide zusammen,104 Euro. Die Dame am Empfang meint in 24 bis 36 Stunden können wir das Ergebnis abholen. Hm, das ist eine ziemlich grosse Zeitspanne, vor allem, weil wir uns ja auch noch online registrieren müssen und zur Grenze fahren müssten wir ja auch noch. Ach das wird schon irgendwie gehen. Noch an unserem Schattenparkplatz registrieren wir uns online. Das geht ja einfacher als gedacht. So, das wäre also auch gemacht. Jetzt müssten wir dann eine Bestätigung bekommen und dann später noch den QR-Code, den wir dann an der Grenze brauchen. Jetzt suchen wir uns einen Platz in der Nähe. Dieses Mal haben wir Glück und finden an einem See sogar ein bisschen Schatten. Wir sitzen gerade gemütlich draussen beim Mittagessen, als ein Lastwagen angefahren kommt. Der Fahrer sagt uns, wir müssten hier weg, weil in 30 Minuten die Strasse die hierher führt gesperrt wird. Moni packt das feine Essen in Tupper und macht sich an den Abwasch und Oliver packt draussen alles zusammen. Oh das lieben wir doch. Aber wir haben nirgends eine Absperrung gesehen. Wo wollen die denn die Strasse sperren. Als wir wieder in die Hauptstrasse einbiegen, sehen wir am Strassenrand zwei riesige Steine und anhand der Spuren nehmen wir jetzt mal an, dass diese anscheinend dann auf die Strasse geschoben werden. Sachen gibt es. Aber nicht unweit davon finden wir wieder einen Platz. Leider ohne Schatten und die Sonne brennt ohne ein bisschen Wind ungehindert auf uns nieder. Vor allem Willi heizt sich enorm auf, und ohne Wind bringt man die Temperatur im Willi nicht wirklich runter. Dank unserer neuen Batterie können wir aber unseren kleinen Ventilator und den Ventilator von der Heizung laufen lassen. Dennoch gibt es eine erbarmungslose Tropennacht. Wir stehen dann am Dienstag um 11 Uhr wieder vor dem Labor. Auch heute stehen wieder alle brav in der Kolonne, erst als eine Frau meint sie müsse vordrängen, beginnt das Chaos. Alle drücken zur Tür als die Gehilfin herauskommt. Doch sie hat es gut im Griff, sie sammelt von allen Anwesenden den Abholschein ein und geht wieder rein. Wir warten auf der anderen Strassenseite, denn Moni findet, ich bin doch nicht doof und stelle mich hier ins Getümmel. Für was muss ich denn einen Test machen. Oliver meint, sie sei pingelig, aber das ist ihr egal. Widerwillig stellt er sich zu ihr. Auf einmal geht die Türe auf, und die Frau kommt mit einem Stapel Zettel heraus. So, jetzt haben wir also die schriftliche Bestätigung. Endlich mal etwas Positives. Ein negatives Testergebnis. Juhu!!! Griechenland wir kommen. 

Ein Bestätigungsmail von der Registrierung haben wir auch, einfach den QR-Code haben wir noch nicht. So fahren wir also los. Denn unterwegs möchten wir noch einen kleinen Abstecher zum Rila-Kloster machen. Wow, dieser Abstecher lohnt sich auf jeden Fall. Wir sind hin und weg. Und auch die Stimmung hier ist sehr schön. 

Wir beschliessen auch noch das kleine Museum zu besichtigen. Schon beim ersten Foto, dass Oliver macht, wird er von einer stämmigen Frau auf das übelste zurechtgewiesen. Aber wir haben wirklich nicht mitbekommen, dass man hier nicht fotografieren darf. Tja, tut uns leid. Es gibt also keine Fotos vom Museum. Nur dieses eine, denn nachher haben wir eine persönliche Eskorte durch das ganze Museum bekommen. 

Wir möchten gerne noch etwas trinken und die Stimmung hier auf uns wirken lassen. So setzen wir uns in ein Gartenrestaurant gleich ausserhalb, mit Blick auf das Kloster. Obwohl es keine Leute hat, wird man im Garten nicht bedient. Die junge Dame meint, wir könnten uns drinnen oder auf der Terrasse hinsetzen. Wir bekommen eine ziemlich spezielle Menukarte. Leider verstehen wir wenig bis gar nichts und sie ist echt schmuddelig und die Bedienung ist leider auch nicht daran interessiert, uns zu helfen. Eigentlich, sollten wir wieder gehen, aber warum sich die Stimmung verderben lassen. So entscheidet sich Oliver für ein Corona (Bier). Ein Corona in Corona Zeiten passt doch, vor allem, mit negativem Test im Sack. Moni bestellt sich ein Smirnoff und ist über den Blick der Frau erstaunt. Na, als sie wiederkommt, weiss sie warum. Eigentlich wollte Moni so ein Smirnoff, dieses Alcopop-Getränk, aber sie bekommt einen puren Smirnoff Vodka, mit einem zweiten Glas mit Eiswürfeln. Sie findet, das ist doch gut, das wirkt desinfizierend. Doch Oliver ist mit seinem lauwarmen Corona, ohne Limetten-Schnitz auch nicht besser bedient. Schade. Aber jetzt verstehen wir auch, warum es hier keine Leute hat. Trotzdem, auch der zweite Gang durch das Kloster gefällt uns sehr und so gehen wir beschwingt zurück zum Willi. Für unseren letzten Schlafplatz in Bulgarien hat Oliver noch etwas ganz Tolles im Internet gefunden. Eine natürliche Thermalquelle. Für Oliver ist es zu warm, aber Moni legt sich gleich in das heisse Wasser. Interessant, hier schmieren sich die Leute den Schlamm ins Gesicht oder auf den ganzen Körper und gehen dann raus, um es trocknen zu lassen. Da es inzwischen schon dunkel ist, herrscht eine mystische Stimmung. Das Wasser ist so heiss, dass es sogar ein bisschen dampft, obwohl wir immer noch 28 Grad haben und der Mond tut seine Sache auch noch dazu. 

Auf dem Weg zurück zu Willi, tönt auf einmal ein „Grüezi“ aus dem dunkeln. Da sie niemanden sieht, sagt sie einfach ins dunkle hinaus „Grüezi“. Da kommt ein Mann hinter einem Auto hervor und fängt mit ihr an zu plaudern. Wie sich herausstellt, hat er lange im Kanton Appenzell gewohnt, und wollte jetzt aber wieder nach Hause. Er erzählt ihr, dass seine Familie, nicht weit von hier ein Restaurant hat, und wir sollen doch morgen dort vorbeikommen. Das wäre jetzt wirklich eine sehr schöne Gelegenheit gewesen, um noch ein bisschen mehr von diesem schönen Land und seinen Leuten zu erfahren, aber unser Einreisezeitfenster nach Griechenland lässt das leider nicht zu. Am nächsten Morgen machen wir uns schon früh auf den Weg. Um unser letztes Bulgarisches Geld sinnvoll loszuwerden, füllen wir noch lpg(Gas) und Diesel, bis auch der letzte Heller weg ist. Jetzt ist auch endlich noch das Mail mit dem QR-Code gekommen. Dann kann ja unser Griechenland Abenteuer losgehen. Wir freuen uns schon riesig. Schon 4 km vor dem Zoll stauen sich die Lastwagen. Zum Glück sind wir ja keiner und brausen an der Kolonne vorbei. Bei den Bulgaren interessiert sich niemand für unsere Ausreise. Da ist weit und breit kein Mensch zu sehen. Wir schnaufen auf, da uns die Sache mit der Vignette immer noch auf dem Magen lag. Doch warum nur sind die Menschen so egoistisch? Sie drängeln links und rechts und fahren mit ihren Autos auf die Bus und Car Spur, wo sie ja wirklich nichts zu suchen haben. Es geht so weit, bis einige aussteigen und es zu einer hitzigen Diskussion kommt, wobei sich dann eine Frau so vor die Autos stellt, dass diese Kolonne so lange zum Stehen kommt, bis ihr Mann mit dem Auto vorbei ist. Wir nehmen es gelassen, da wir ja Zeit haben und alle notwenigen Dokumente bereitliegen. So müssen wir noch durch ein Desinfektionsbad fahren und mit Willi durch die Desinfektionsdusche fahren, welche interessanterweise nur bei den grossen Fahrzeugen funktioniert. Bei den Autos sprüht es nicht. 

Wir sind mal gespannt wie lange wir hier noch stehen werden.

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