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Kreta im Lockdown (November 2020 - Januar 2021)

Am 7. November tritt Griechenland in den Lockdown. Am Tag vor dem Lockdown haben wir das Gefühl, dass alle noch einmal raus wollen, noch einmal in eine Bar, noch einmal shoppen. Wir wollen nur Lebensmittel und aus dem Chaos raus. So suchen wir uns einen schönen Platz, wo wir sicher ein paar Tage stehen können. Wir sehen weiter oben noch ein weiteres Wohnmobil. Es ist ein Tscheche,  der alleine unterwegs ist. Es kommen sehr viele Leute aus der Umgebung hierher, um mit ihren Hunden zu spazieren. So lernen wir unter anderem auch eine Thurgauerin mit ihren 2 Hunden und eine Deutsche kennen. Beide leben hier, was für uns natürlich immer interessant ist. 

Nach ein paar Tagen wird es uns hier «wettertechnisch» zu stürmisch. So fahren wir ein wenig ins Landesinnere. Doch es zieht uns bald wieder ans Meer. Wir hoffen auf einen Wind geschützten Platz und werden in Agia Galini fündig. Gleich am Ende der langen Strandpromenade stellen wir uns auf den Parkplatz direkt am Strand. Wow, uns gefällt es hier sehr gut. Über die Strandpromenade kommt man in den malerischen Hafen von Agia Galini. Ja wir fühlen uns hier wie zu Hause. Wir laufen mit dem Rucksack ins Dorf und machen unsere Einkäufe. 

Die Leute, die hier täglich vorbei spazieren, lernen wir mit der Zeit auch kennen, und so erfahren wir auch einiges über den Ort, und die hier lebenden Menschen. Leider beginnt es auf einmal heftig zu stürmen, sodass wir nach einer sehr lauten und sehr schaukligen Nacht finden, wir brauchen etwas ruhigeres. So fahren wir nur gerade hinter den Hügel. Der einzige den wir hier treffen, ist der Gärtner vom geschlossenen Hotel. So fragen wir ihn, ob es ok ist, wenn wir hier parken bis der Sturm vorbei ist. Sogleich zeigt er uns auch noch, wo wir unser Wasser füllen können. Wow, ist das lieb. Am Abend kommt er mit ein paar Orangen vorbei. Direkt vom Garten. Irgendwie schmecken die halt einfach besser. Am nächsten Tag kommt er mit Granatäpfeln. Zuerst denken wir noch, oh schade, die hat es ja schon aufgesprengt, aber ehrlich gesagt, haben wir bis jetzt noch nie so gute Granatäpfel gegessen. Der Sturm ist schon längstens vorbei, so fahren wir wieder runter zu unserem schönen Plätzchen mit Blick auf den Hafen. Moni möchte Weihnachtsguetzli machen, aber da wir keine Guetzliformen haben, und sie nicht einfach nur irgendwelche Klumpen backen will, sucht sie sich im Internet irgendwelche Formen und versucht diese auf Papier zu zeichnen. Danach werden die Formen auf einen Karton gezeichnet und ausgeschnitten. So, also die Vorlagen sind nun bereit. Jetzt nur noch den Teig von Hand kneten. Ja, was bei Dir zu Hause schnell und locker geht, wird hier fast zur Tagesaufgabe. Nun also wird der Teig ausgerollt, Kartonvorlage auf den Teig und mit dem Messer ausschneiden, danach in der Bratpfanne backen. So haben wir also Mailänderli, Zitronenherzli und Brezeli (einfach ohne Brezeleisen). Doch nun haben wir schon das nächste Problemli. Wir haben keine Blechdosen um die Guetzli aufzubewahren. Aber das ist ja für uns kein Problem, die werden bei uns eh nicht alt. Wobei sich Moni schon fragt, ob sie nicht still und heimlich 2 oder 3 Guetzliformen und einen kleinen Pinsel kaufen soll. So schwer und gross ist das ja nicht. Doch genau da ist das Problem. Bei allem und jedem denkt man, ach so schwer ist das ja nicht, und braucht auch nicht so viel Platz, daher bleiben wir unseren Prinzipien treu. Alles ist zu schwer und hat keinen Platz. 

Unser Fliegengitter am Dachfenster der Küche, haben wir schon x-mal runter genommen und gewaschen, aber irgendwann wird es halt einfach nicht mehr sauber. Da es uns nicht möglich war eines zu bestellen, haben wir noch vor dem Lockdown im Praktiker von Heraklion ein Fliegengitter für die Türe gekauft. Wir wollen nun versuchen, daraus eines für unser Dachfenster zu machen. Oliver will es einfach zuschneiden und reinmachen, aber Moni findet, ohne Falten hängt ja das Ganze dann einfach so runter. Lass uns mit dem Bügeleisen falten machen. Er schätzt wie viele Falten das sein müssten, und wie lange wir dann am Bügeln sind, aber schliesslich haben wir ja Zeit. Tatsächlich, wir freuen uns spitzbübisch über unsere Falten. Jetzt noch mit dem Feuerzeug die Aale erhitzen und Löcher schmelzen und fertig ist unser Fliegengitter. Das alte wäscht Moni und versorgt es sicherheitshalber in einer Kiste. Sie will erst sicher gehen, dass das Neue auch wirklich so gut ist, wie es jetzt gerade scheint. 

Heute ist der 6. Dezember, so will Moni Gritibänze backen. Oliver meint nur, ja mach das, aber so einfach kommt er ihr nicht davon. Er wird zum Teig machen und kneten verdonnert. Dafür muss er nachher nicht mitmachen. Wenn wir in der Bratpfanne Brot backen, können wir das zwischendurch auch umdrehen, aber einen Gritibänz kann man ja nicht auf beiden Seiten backen, so sind wir mal gespannt, ob wir sie dann doch essen können. 

Weil sie so fein sind, essen wir gleich beide «ratzfatz» auf.

Wir sind jetzt schon bald 14 Tage an diesem schönen Platz beim Hafen von Agia Galini und fragen uns, ob das wirklich so gut ist. Denn wir sind bisher immer gut gefahren, wenn wir spätestens nach 2 - 3 Tagen den Platz gewechselt haben. Aber auf die eine Seite ist es ja Lockdown und man darf gar nicht herumfahren. Na auf jeden Fall, am nächsten Tag, ein Sonntag, kommt einer und meint in einem freundlichen und doch sehr energischen Ton, es ist verboten hier zu stehen, der Platz ist nicht sicher, nächste Woche werden sie hier mit Baggerarbeiten beginnen, und zur Krönung setzt er noch einen drauf und meint, er habe unsere Auto-Nummer der Polizei mitgeteilt. Wir nerven uns über uns selber, dass wir nicht auf unser Bauchgefühlt gehört haben. Aber auch, dass er uns mit der Polizei droht, ist ja klar dass wir weiterfahren. Wenn wir irgendwo unerwünscht sind, fahren wir ohne zu diskutieren weiter und räumen das Feld. Tja, man sollte nicht etwas ändern an den Gewohnheiten, wenn es doch bisher immer gut war. Doch wir sind auch noch nie so nah und so lange bei einem Dorf gestanden. 

Ach es gibt ja noch so viele schöne Plätze hier, also machen wir Willi abfahrbereit und zack, sind wir schon weg.

So fahren wir, der Nase nach und landen irgendwann in Klein-Triopetra, wo wir uns auf einem Parkplatz mit Blick über die ganze Bucht niederlassen. Der perfekte Ort, um unsere defekte Positionslampe auszutauschen. Nach einem Erkundungsspaziergang fährt Oliver neben eine kleine, schmale Mauer, damit er auf diese klettern kann. Doch einfacher gesagt als getan. Da die Lampe total verschweisst ist, muss er zuerst in die Rückwand der Positionslampe ein Loch schneiden, damit er die Kabel dann verbinden kann. 

Nach getaner Arbeit, geniessen wir den schönen Tag mit Blick auf die Bucht und das Meer. Im Laufe des nächsten Tages fährt ein Wohnmobil bei uns auf den Platz. Ein junges Paar mit Säugling. Sie finden, da der Platz weiter hinten so «matschig» ist, sie stellen sich gleich neben uns, ob uns das stören würde? Da wir uns an die Einsamkeit und Ruhe gewöhnt haben, ist uns das zu nah und wir übergeben ihnen unseren trockenen Parkplatz und machen uns schnell von dannen. Doch schon ein paar Kurven weiter, finden wir in Triopetra einen ca. 3km langen Traum-Strand, wo wir ganz alleine sind. Wow. Wir fragen uns, warum es an diesem schönen Ort nur gerade 3 Tavernen und nur wenige Appartements gibt. Das wäre doch genial, hier ein eigenes Haus zu haben und ein paar Zimmer zu vermieten. Ja schliesslich darf man ja träumen, oder? 

Beim Strandspaziergang sieht Moni viele angespülte Naturschwämme. So sammelt sie die schönsten ein. Beim Willi werden sie noch einmal aussortiert, gereinigt und gewaschen, getrocknet, und wieder gereinigt und gewaschen. Die werden ja mit jedem Mal waschen noch heller und schöner. Leider fängt es bald an heftig zu winden, und so muss sie die ganzen Schwämme vor der Sturm retten. Die kommende Nacht wird es sehr laut und es schaukelt wie auf der Fähre. So ist es nicht verwunderlich, dass Oliver am nächsten Tag findet, Moni stopfe den Willi mit lauter Müll zu und wo wir denn nun die Schwämme aufbewahren wollen. Kurzerhand packt Moni die Schwämme und schmeisst sie aus der Tür. Zurück in die Natur wo sie auch hergekommen sind. Ja manchmal ist es nicht einfach auf so kleinem Raum. Beim Spazieren dann, sieht man immer wieder schön helle Schwämme zwischen den dunklen neu angeschwemmten. Da der Sturm so heftig und laut ist, fahren wir weiter. Es ist schon spannend, wie jede Bucht wieder anders ist. Wir finden bei der Preveli Bucht wieder einen Parkplatz, wo es tatsächlich nicht windet und wir wieder draussen sitzen können. Zwei junge Deutsche im Neoprenanzug wollen schnorcheln gehen. Doch der Frau ist es zu kalt und so kommt sie lieber auf einen Schwatz bei uns vorbei. Wir erfahren, dass sie für 1100 Euro im Monat eine Wohnung gemietet haben. Wir staunen nicht schlecht über den Preis. Vor allem, wenn wir an die Tatsache denken, dass es hier Leute gibt, die für 3.50Euro die Stunde arbeiten. Als sie unsere erstaunten Gesichter sieht, meint sie, es sei aber auch eine sehr schöne Wohnung mit Wifi und Waschmaschine. Von allen anderen haben wir bis  jetzt immer gehört, dass man hier Wohnungen mieten kann, für 250 bis 350 Euro im Monat. Aber man muss dazu auch sagen, sie haben die Wohnung von Deutschland aus, übers Internet gemietet. 

Am 21. Dezember 2020  läuft unser griechisches Internet ab. So fahren wir also nach Mires. Im Shop angekommen wollen wir unsere Simkarte wieder laden. Sie macht uns dieses Mal das Angebot, 15 Euro für 1 Monat Free Wifi. Da hüpft speziell Monis Herz höher. Letztes Mal hatten wir für 10 Euro, 30GB bekommen. Wow, 1 Monat Free Wifi. Da wir wieder zurück an unseren Strand möchten, entschliessen wir uns, doch schon den Weihnachtseinkauf zu tätigen. Denn sonst müssten wir wieder den weiten Weg fahren. Ui, ui, ui, man könnte meinen der Krieg bricht aus!!! Wo verstauen wir nur die ganzen Vorräte. Bei unserem Platz am Strand von Triopetra halten wir und wollen uns etwas kochen. Doch der Wind schaukelt Willi gnadenlos von einer Seite zur anderen, so dass wir beschliessen, doch wieder zum anderen Parkplatz bei Preveli zu fahren. Schon auf dem Weg wird fleissig diskutiert, ob wir denn jetzt wirklich bis zum 24. Dezember warten wollen mit unserem Weihnachtsschmaus. Das Risiko, dass unser Essen am 24. Dezember nicht mehr so frisch ist, ist gross, daher beschliessen wir unser Weihnachtsessen am 22. Dezember zu machen. Oliver findet, ihm als Atheist ist es eh egal, wann wir essen. Doch wir finden, es sollte ja schon auch einen Grund geben für so ein Festessen. Da wir uns ja auf die langen Tage freuen, beschliessen wir das Sonnwendefest zu feiern. Aber stopp, das war ja schon am 21. Ach herrje. Also feiern wir den ersten wieder länger werdenden Tag, und zudem beschliessen wir, man braucht ja auch gar keinen Grund um zu feiern und es sich gut gehen zu lassen. So freuen wir uns also auf den Abend. Wir haben uns extra noch einen Gaskocher gekauft, den wir auf den Tisch stellen können. Oliver kann es kaum erwarten und ist schon am frühen Nachmittag fleissig am Gemüse rüsten. Heute gibt es einen Mongolen Topf, natürlich jetzt halt in einer normalen Pfanne. Dann macht er noch feine Saucen dazu. Selbstverständlich darf auch ein Dessert nicht fehlen. Dafür mussten wir in mehreren Läden extra Spekulatius Guetzli suchen.

Wir haben während einem unserer Strandspaziergänge ein Haus entdeckt, dass in den steilen Hang gebaut wurde. Da wir keine Strasse sehen, muss die Zufahrt auf der anderen Seite sein und genau diese gehen wir jetzt suchen. Die Strasse schlängelt sich um den Berg

Herum. Wir staunen nicht schlecht, als wir diese Buckelpiste bei der kleinen Brücke sehen.

Anscheinend kann dieser kleine Bach zu einem reissenden Fluss werden, denn hier wurde ziemlich viel altes Schilf und Holz angespült. Einige hundert Meter weiter, müssen wir den Fluss wieder überqueren. Um auf die andere Seite zu kommen, müssen wir diese Passage überqueren. Leider finden wir nirgends eine andere Möglichkeit. Barfuss durchwaten wäre eine gute Idee, doch dann sind die Füsse nass. Also gibt es nichts anderes als mit grossen Schritten hinüber zu hüpfen. Oliver wagt es als erster. Schon fast auf der anderen Seite angekommen, fällt ihm das Natel aus der Hosentasche. Neeiiin!!! Das Telefon ist so leicht, es wird gleich von der Strömung mitgenommen. Scheisse! Doch es gelingt ihm, gerade noch 5cm vor dem Abgrund, Wasserfall kann man ja nicht gerade sagen, das Telefon raus zu fischen. 

Wow, die Erleichterung ist gross, vor allem, weil es nach dem Trockenlegen immer noch funktioniert. Ja jetzt können wir über die Aktion lachen und finden, schade hat Moni das nicht gefilmt. Aber stell Dir mal vor, sie hätte nichts anderes getan als zu ihrem Natel zu greifen und zu lachen. Das wäre sicher auch nicht gut gewesen. Doch wir müssen immer noch lachen. Da sich Oliver weigert, diese Situation nachzustellen, gibt es leider kein Video davon. Das Haus, dann endlich gefunden, gefällt uns von unten besser. Das wäre nichts für uns, also alles wieder zurück. Dieses Mal geht Moni voran, weil sie dann zur Sicherheit filmen will, wie Oliver hinüberhüpft. Aber klar, jetzt gibt es nichts zu lachen.

Anscheinend sind jetzt bei den leerstehenden Tavernen auch Leute gekommen. Aber es ist schön, wenn sie uns sehen, winken sie fröhlich und rufen Kalimera. Das gibt einem schon ein gutes Gefühl. Trotzdem wollen wir nicht mehr allzu lange hier bleiben. An einem Morgen, als Moni mit Laila über den Strand läuft, nervt sie sich über einen Roller-Pneu der da halb vergammelt im Sand liegt, so buddelt sie ihn aus und nimmt ihn mit. Unterwegs kommt auch noch ein Teil von einem Autopneu und sonst noch so eine grosse Plastikstange dazu. Sie schleppt das ganze Zeugs zum Container und wirft es rein. Auf dem Rückweg sieht sie, dass in den Wellen ein grosses Packet schwimmt. Wahrscheinlich war es früher als Puffer an einem Boot angebracht. Doch jetzt schwimmt der Müll im Meer. Sie versucht es mit einem Ast raus zu fischen, denn sie möchte ja keine nassen Schuhe bekommen. Doch das Packet ist zu schwer, der Ast bricht. Also versucht sie es mit einem dickeren Ast, doch es will nicht funktionieren. Als eine grosse Welle das Ding an den Strand spült, rennt sie hin und will es rausziehen, doch die nächste Welle ist schneller als Moni. So rennt sie zurück und muss über sich selber lachen. Ja auch so eine Putzaktion kann Spass machen. Also, beim nächsten Mal klappt es sicher. Jetzt muss sie es nur noch in den Container hieven. 

Mit einer inneren Zufriedenheit kehrt sie zurück zum Willi. Doch als sie am Nachmittag mit Laila spazieren geht und die Nachbarn freundlich grüsst, reagieren diese nicht. Huch, ob sie jetzt wütend sind? Denn eigentlich gehören ja solche Sachen nicht in den Container. Aber noch viel weniger gehören sie in der Natur entsorgt. Dennoch hat sie jetzt ein ungutes Gefühl. Vielleicht bekommen die ja jetzt Ärger, wenn es alte Pneus im Container hat. Na, es wird eh Zeit zum weiter fahren. Wir wollen noch die andere Seite vom Preveli Strand erkunden. Schliesslich schwärmen immer alle davon. Wir haben Glück. Auf dem Weg dorthin, fahren wir an einer Kapelle vorbei, und dort hat es Quellwasser. Somit ist unser Wasservorrat auch wieder gefüllt. Beim Parkplatz haben wir auch wieder Glück. Wir schnappen uns den einzigen geraden Platz den es auf diesem riesigen Areal hat. Nein, es hat keine Autos, wir sind ganz alleine, aber der Platz ist total schräg. Am nächsten Morgen, nach einem ausgiebigen Spaziergang mit Laila, machen wir uns dann ohne sie auf den Weg. Die vielen unterschiedlich hohen Treppen wären zu viel für sie. Schon auf halber Höhe sieht man wunderbar runter. Da freuen wir uns jetzt aber auf den Spaziergang durch den Palmenwald. 

Wir fahren weiter, denn es müsste hier gleich in der Nähe noch einen kleinen Wasserfall geben. Bei dieser alten Steinbrücke parkieren wir und laufen dem Fluss entlang. Es kommen Frühlingsgefühle auf, es blüht überall, die Wiesen sind saftig grün und wir hören bereits Vogelgezwitscher. Nach 1.3km müsste der kleine Wasserfall eigentlich kommen. Doch ausser Stromschnellen sehen wir nichts. Aber das macht auch nichts, denn dieser Spaziergang mit Blick in die Berge hat sich allemal gelohnt.

So fahren wir dann noch zum grossen Wasserfall. Mal schauen ob dieser existiert. Doch für heute ist es schon zu spät, denn wir wollen nicht im Dunkeln über die vielen Treppenstufen stolpern. Morgen ist ja auch noch ein Tag. Für Laila ist es hier nicht so lustig. Sie muss sich mit einem Spaziergang entlang der Strasse begnügen. So machen wir uns also gespannt auf, die wunderschönen Steintreppen hinunter zu laufen. Bei so einer super schönen Treppe sind wir echt gespannt, was uns unten erwartet. 

Zuerst treffen wir auf eine kleine Kapelle. Die müssen wir uns natürlich anschauen. (gell Leve) Dann geht es weiter nach unten in die Schlucht, immer über die schöne Steintreppe. Wow, was für ein Anblick. Das Wasser sprudelt aus dem Berg, man könnte fast meinen, dieser Berg muss ein Emmentaler-Käse sein.  Das System der Wassergewinnung wird anscheinend auch heute noch so genutzt. Es ist auf jeden Fall ein sehr eindrückliches Bild, mit welcher Kraft hier das Wasser aus dem Berg schiesst.

Wir fahren nach Foinikas, wo wir einen wunderschönen Strand für uns alleine haben. Perfekt. Auf der einen Seite, der Blick auf die Berge, auf der anderen Seite das blaue Meer. Ja, hier bleiben wir wieder ein paar Tage. Am nächsten Mittag dann, haben wir den Strand nicht mehr ganz für uns. Aber für uns ist das eine willkommene Abwechslung. Die Männer üben sich im Jonglieren, während die Frauen am Strand Yoga machen und nachher nackt baden gehen. Gegen Abend verschwinden sie wieder. Am nächsten Tag kommen sie wieder gegen Mittag und Moni meint, hei vielleicht bleiben sie ja heute am Strand. Schliesslich ist heute der 31.12.2020. Eine Strandparty, mit Feuer und Musik. Cool. Nein, wir würden nicht hingehen, aber schon nur zusehen wäre doch cool. Doch leider gehen sie alle gegen 16 Uhr wieder. Schade. Doch so ist die Bucht wieder uns. Der Abend ist schnell vorbei, so dass wir uns schon fast beeilen müssen, damit wir pünktlich um Mitternacht unter dem Sternenhimmel, am vom Mond erhellten Strand anstossen können. 

Wer weiss schon was das neue Jahr bringen mag. Also geniessen wir einfach das hier und jetzt. Am 4. Januar fahren wir nach Rethymno, wir müssen wieder einmal in den Waschsalon und unsere Lebensmittelvorräte auffüllen. Spannend, immer, wenn wir auf die andere Seite der Insel fahren, regnet es. Wir sind schon fast ein bisschen schockiert. Es hat hier so viele Menschen, Autos usw. Doch uns wird bewusst, dass es gar nicht so viele sind, sondern, dass wir uns das nicht mehr gewohnt sind, da wir immer ganz alleine irgendwo stehen. Nach dem Waschsalon machen wir wieder einen Grosseinkauf und als wir aus dem Laden rauskommen, ist es bereits wieder dunkel. Doch wir fahren trotzdem wieder auf die andere Inselseite. Die nächste Bucht ruft. Kreta ist einfach wirklich wunderschön. Wir waren ein bisschen skeptisch, als wir uns für Kreta entschieden haben, weil die verschiedenen Wettertabellen hier sehr viele Regentage angeben. Aber in Wahrheit ist es so, auch wenn es mal regnet, geht es nie lange bis die Sonne wieder scheint. Und weil der Wind hier nicht so allgegenwärtig ist, wie auf den Kanaren, ist es sehr angenehm. Wir sind auf jeden Fall immer wieder begeistert und geniessen es, wenn wir einfach so draussen sitzen können. Auch am Morgen, wenn wir die Türe öffnen und hinausgehen, kommt immer wieder dieser Wow-Effekt. Welch prachtvolle Natur wir doch haben. 

Es ist mittlerweile schon der 10. Januar 2021 und wir haben eindeutig zu viel Zeit um zu studieren. Die Berichte in den Zeitungen machen einem ja auch nicht gerade Freude und die Ungewissheit wie es weitergeht mit Reisen, lässt keinen Raum für Planungen. Aber wir wollen nicht jammern, wir haben es super. Es ist herrlich warm, wir sehen die Sonne jeden Tag, und so können wir erst noch unser Budget schonen. Wir sind schon seit Tagen hier an diesem wundervollen Ort. Vielleicht viermal am Tag fährt hier ein Auto vorbei. Ansonsten nur absolute Ruhe. Das Meer hört man von weitem sanft rauschen. Ja und so kommt man auf die verschiedensten Gedanken. Am liebsten würden wir dieses Stückchen Land hier kaufen. Wir könnten dann ja 2 oder 3 so kleine Tiny Häuser aufstellen, so dass jedes Haus seinen eigenen Sitzplatz mit Grillstelle hat, schön für sich alleine. So hätten wir die Möglichkeit, falls jemand dem kalten und nebligen Winter entfliehen möchte, die Häuschen zu vermieten, oder, oder, oder..... 

Das wäre doch was. Wir sind seit 6 Tagen hier an diesem herrlich ruhigen Platz und wir fragen uns, ob es hier in Griechenland nicht auch diese Regelung gibt, dass wenn man lange genug an einem Platz wohnt, dieser einem dann auch gehört. 

Diese Regelung gibt es in einem Land, doch wir wissen leider nicht mehr in welchen Land das war. Ja und wenn wir nicht gerade am Grübeln sind, dann sind wir am Kochen. Hier gibt es wunderbaren, wilden, fein riechenden Salbei, Rosmarin und Thymian, die dann von Oliver zu einem feinen Gericht verarbeitet werden. Wir haben uns beim letzten Einkauf einen Amaretto gekauft, und so haben wir jetzt Amaretto Guetzli in der Bratpfanne gemacht. Mmmmmh so fein. Es ist sogar in der Bratpfanne ganz einfach, darum können wir nicht ganz verstehen, dass man fixfertige Teigrollen kaufen kann. 

Schon seit zwei Tagen haben wir in den Felsen um uns herum Besuch. Eine kleine Ziegenherde ist hier. Die turnen hier auf den Felsen herum als ob nichts wäre. 

Laila geniesst das alt werden und fordert ihre Aufmerksamkeit auch während dem spazieren ein. Weit kommt man ja so nicht gerade. Aber das ist auch egal. 

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Kommentare: 2
  • #1

    s'Tanti (Sonntag, 14 Februar 2021 19:10)

    Interessant, wieder so viele schöne Geschichten rund um Euren Standplatz, das Essen, das Backen und die herrliche Natur. Ja, ich denke auch, dass Ihr mit dieser Insel die richtige gewählt habt, um dem Winter zu entgehen und diese verrückte Corona Zeit zu überbrücken, bis Ihr wieder weiter reisen könnt. Machets guet, gäll

  • #2

    s‘Tanti (Freitag, 05 März 2021 16:03)

    Bei uns regnet es und es ist kalt und mir langweilig. So dachte ich mir, schaust mal nach, was die beiden Globetrotter auf Kreta machen. Aha, kein neuer Reisebericht. Och auch egal, Eure Geschichten kann man mehrmals lesen, da findet man immer wieder etwas das sich lohnt, mehrmals auf gerade diesen Blog zu gehen.
    So zum Beispiel Mailänderli und Grittibänzen backen in der Bratpfanne. Ja, wenn man Ideen hat, so schön. Ist ja schon bald wieder Ostern, ich möchte dann gerne Eure Häsli sehen...... !