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Nord Mazedonien April 2021

Nach knapp einem Monat in Albanien zieht es uns weiter. Da wir noch immer etwas an Daten Volumen haben, nutzen wir diese, um uns ein wenig auf Nord Mazedonien vorzubereiten. Am frühen Nachmittag des zweiten Aprils, also Karfreitag machen wir uns auf den Weg zur Grenze die nur ein paar Kilometer entfernt von unserem Schlafplatz liegt. 

 

Das haben wir nun wirklich selten erlebt. Wir wurden in eine Garage geleitet, wo sie Willi von unten begutachten, um in anschliessend von innen zu durchsuchen. Moni weist den Zöllner darauf hin, dass er nur mit richtig sitzender Schutzmaske in den Willi dürfe und da gehört die Nase nun auch mal dazu. Zudem steht sie mit dem Desinfektionsmittel bereit, damit er sich vor Betreten des Innenraumes die Hände desinfizieren kann.

 

Oliver muss nun voraus gehen und die jeweils gewünschten Kästen öffnen. Er wird mehrmals gefragt, ob wir Waffen oder Drogen dabei hätten, was er mit gutem Gewissen verneinen kann.

 

Nach der Innenraum Inspektion muss Laila wieder ins Fahrzeug, da sie jetzt mit einem vermeintlichen Drogenhund kommen, der aber, wie uns scheint, nur die Stellen „abschnuffeln“ will, die Laila zuvor gerade besucht hat. Denken sie, dass wir aus ihrem Land Drogen hinausschmuggeln? Ob sie wohl Angst haben, dass sie dann zu wenig haben? Scherz bei Seite. Nun gut. Auch diese Aktion bleibt für sie ohne Erfolg, sodass wir nun endlich ausreisen dürfen. Es kommt uns alles so übertrieben vor, sodass uns unweigerlich ein Gedanke kommt. Sie wollen um jeden Preis in die EU und dass sie es ernst nehmen, zeigen sie jedem, der aus dieser Richtung kommt, zumindest den Ausländern. Bei den Einheimischen reichen ein paar Worte und sie dürfen über die Grenze. Auch die Lastwagenfahrer. Stimmt, bei deren Lastwagen gibt es ja auch überhaupt keine Versteckmöglichkeiten.

 

Am Nordmazedonischen Zoll geht alles sehr schnell und unkompliziert, sodass wir uns aufmachen können, in die nahe Stadt, in der wir uns mit frischen Lebensmitteln und einer Datenkarte eindecken wollen.

 

In Struga sehen wir einen Geldautomaten. So parkieren wir gegenüber von einem Getränke Händler und gehen uns zuerst Geld besorgen. Im Anschluss kaufen wir beim Getränkehändler Mineralwasser, Wein und Bier. Moni fragt ihn, wo es einen Telecom Shop habe, um Daten fürs Internet zu kaufen. Der kleine Sohn meint auf englisch, dass er uns hinbringe, es sei nicht sehr weit, wir könnten gleich zu Fuss gehen.

 

Zu unserer grossen Überraschung ist hier alles anders. Die Leute wirken auf uns viel freundlicher. Die Frauen sind nicht mehr so aufgedonnert und auch die Männer laufen adrett herum. 

Wir sehen einen Laden in dem viele Einheimische einkaufen und so tun wir es ihnen gleich. Oh, das haben wir seit Griechenland nicht mehr gesehen, einen Laden, der sogar richtig viel Auswahl hat. So versorgen wir uns mit allem, was wir schon seit längerem nicht mehr gefunden haben und machen uns auf den Weg, einen Schlafplatz zu suchen. 

 

 

Wir haben am Stadtrand von Ohrid unsere Nacht verbracht und nun wollen wir schon früh am Morgen in die Stadt hinein, um die vielen Sehenswürdigkeiten zu besichtigen.  Das erste was wir besichtigen ist eine der vielen Kirchen mit ihren schönen Freskos und Ikonen. Als wir gerade die ersten Bilder bestaunen, werden wir von einem älteren Herrn angesprochen, ob wir vielleicht Interesse hätten an einer Stadtführung. Da es ausserhalb der Saison ist, bietet er uns eine Führung von 2 ½ - 3 Stunden für 1200 MKD an, was ungefähr 20 € entspricht. Ja das ist sicher mal wieder eine gute Abwechslung und zudem trägt auch er, so wie wir, eine Maske und den Abstand hält er auch sehr schön ein. 

 

Also beginnt er sogleich mit der Führung durch die Kirche und weiter geht es zum Amphitheater und zur nächsten Kirche. Das ist die älteste erhaltene Kirche, die nicht von den Osmanen zerstört wurde. Nur die Fresken haben sie verunstaltet, in dem sie ihnen die Augen ausgestochen haben. 

 

Er erklärt uns, dass Jesus am Kreuz bei den Orthodoxen Christen, die Beine immer gekreuzt hat und bei den Katholischen Christen die Füsse nebeneinander stehen, doch wieso dem so ist, weiss auch er nicht. Er meint, dass ist sicher nur, um sich zu unterscheiden.

Im Anschluss begeben wir uns zur Burg Samuil’s  Fortress, von der wir eine super Aussicht auf die Berge und den schönen See geniessen. 

 

Im Hintergrund sehen wir das Industriegebiet von Ohrid, das einst viele Leute beschäftigte. Aber seit dem Jugoslawien Krieg ist 90% davon nicht mehr in Betrieb oder nur noch ein sehr kleiner Teil und jetzt mit Covid ist es gleich nochmals massiv weniger geworden. Ja, die Leute leiden stark, aber niemand mag sich so richtig beklagen. 

Weiter unten entsteht die neue Theologische Universität von Nordmazedonien, die von Skopje hierher verlegt werden soll. 

 

Ja, ja, so viele Informationen und so wenig bleibt hängen. Moni meint, vielleicht hätten wir alles aufnehmen sollen, damit wir es beim Blog schreiben noch genau wissen. Oliver ist aber der Ansicht, dass es auch dann nichts bringt. Denn es geht ja nur um das, was in unserem Kopf hängen bleibt. Wenn man etwas wissen will, kann man ja heute ganz einfach das Internet konsultieren und man weiss alles besser und genauer als das, was man im Kopf hat. Eigentlich schade, denn die vielen kleinen Geschichten die er uns erzählt, stimmen vielleicht nicht immer, aber es ist schön, sie zu hören. So wie die Geschichte über den Namen der Stadt Ohrid, ausgesprochen als Ochrid. Vorher hiess die Stadt  Lychnidus, das war der griechische Name. Ein alter Mönch, der gleich unterhalb der Burg wohnte, ging in die Stadt um einzukaufen. Auf dem, Rückweg, den steilen Hügel hinauf, musste er sich setzen und sagte, Ohhhhhh Rid. Oh, für wie für anstrengend und Rid für Hügel. So soll der Name Ohrid entstanden sein. 

 

Zum krönenden Abschluss gehen wir nochmals durch die Altstadt und den Strand entlang, was wirklich sehr schön ist, mit den vielen kleinen Gassen und Restaurants mit bester Aussicht auf den See.

 

Nun aber nichts wie zurück zu Willi und Laila.

 

Wir fahren weiter am See entlang, da wir über den Berg Bajrace zum Prespasee wollen. Unterwegs machen wir noch einen Halt bei einem Pfahlbauer Museum. Gulf of Bones, das wir trotz Kälte und Regen besichtigen wollen. 

Als wir dann den Berg langsam hinauf kommen, wird der Nebel immer dichter, sodass wir uns dazu entschliessen auf einem Parkplatz zu übernachten, zudem hat es hier frisches Quellwasser mit dem wir unseren Tank am nächsten Morgen füllen. 

 

Am Morgen machen wir uns dann bei schönstem Wetter wieder auf den Weg über den Berg. Doch wir kommen nicht sehr weit, da die Strasse schneebedeckt und vereist ist. Eine grosse Schnee und Stein Lawine hat den grössten Teil der Strasse bedeckt, und die eine Leitplanke, die vor dem Abgrund schützen sollte, ist schon ziemlich schräg, von den Autos die hier durchgefahren sind und mit ihrem Gewicht die Erde immer mehr den Abhang hinunter gedrückt haben. 

 

So beschliessen wir umzukehren und den weiteren Weg, durchs Tal zu nehmen. Doch die Aussicht ist wirklich grandios. Man kann den ganzen Ohridsee überblicken.

 

Am Nachmittag finden wir einen Platz, etwas verborgen, an einem künstlichen See, mitten im Wald. Die Strasse besteht aus mehr Sumpf und Löcher als aus Strasse. Doch wir finden, dass sich das lohnt für einen 

schönen Schlafplatz. Wir geniessen die Sonne und gehen spazieren. 

 

Am Abend ist es stockdunkel. Kein Mond, kein Licht von nirgendwo. Wir hören nur von weitem eine Stimme die etwas singt oder rezitiert. Wir beide meinen, es sei vom anderen, da wir gerade die Kopfhörer aufhaben und etwas hören. Doch dem ist nicht so. Es kommt von aussen. So machen wir noch den Nacht «Bisi» mit Laila und legen uns schlafen. Nach kurzer Zeit geht unser Alarm los und Oliver meint, das ist sicher, weil das Fenster zu wenig offen ist und bei Wind den Kontakt auslöst. Also Fenster etwas weiter auf und den Alarm wieder rein. Doch kurz darauf geht er wieder los. Jetzt wird es uns etwas mulmig, denn hier ist weit und breit nichts, das den Alarm stören könnte, nicht wie in einer Stadt, die voller störender Signale ist und es immer mal wieder vorkommt, dass es einen Fehlalarm gibt. Wir versuchen es noch zwei, drei Mal doch immer geht er los. Nun, das kann ja nicht sein und wir beschliessen weiterzufahren, denn unser oberstes Kredo ist: Wenn es einem von beiden unwohl ist, gehen wir weiter und nun ist es uns beiden nicht so richtig wohl. 

So machen wir uns also auf den Weg einen neuen Schlafplatz zu finden, was immer eine Herausforderung ist, wenn es dunkel ist. Bei einem grossen Platz vor einer Kirche immer noch mitten im Wald versuchen wir es nochmals mit dem Alarm. Nein, auch hier geht er „subito“ ab und wir machen uns weiter auf die Suche. Moni hat im Navi ein Kloster gefunden und meint, wir können doch da auf dem Parkplatz schlafen.

Oliver findet es nur eine halb gute Idee, denn er ist der Ansicht, dass auch Mönche, die abgeschieden im Wald wohnen, vielleicht ein ungutes Gefühl bekommen, wenn da irgendwelche Ausländer vor ihrem Kloster, in einem dunklen Bus mitten in der Nacht parkieren. Aber gut, wie gesagt, besser als nichts. Kaum sind wir im Bett, kommt ein Auto angebraust und hupt. Ein Mann steigt aus und klopft an den Willi. Ja super, das wär es dann also. Er gibt uns zu verstehen, dass dies ein privates Gelände sei und wir hier nicht bleiben dürfen. Also machen wir uns erneut auf die Suche. Ja die Ansprüche an einen Schlafplatz sinken in so einem Fall rapide und so nehmen wir den nächst besten kleinen Weg, fahren rückwärts rein und Basta. Kein Alarm, nur schlafen und nicht verscheucht werden.

 

Die Nacht war ruhig und wir haben trotz allem gut geschlafen. Die grosse Überraschung kommt jeweils am Morgen, wenn wir dann bei Tageslicht sehen, wo wir effektiv stehen.

 

Heute wollen wir die Mosaike von Stobi ansehen, doch leider regnet es immer wieder und so sitzen wir im Willi, trinken Tee und schreiben an unserem Blog. Als die Sonne dann doch noch kommt, machen wir uns schnell auf Entdeckungstour und besichtigen es. Das berühmte Mosaik von Stobi wurde uns leider verwehrt, da sie es zum Schutz über den Winter mit Sand bedecken. Doch dafür entdecken wir den feinen Wein von Stobi. 

 

Auf der Weiterfahrt finden wir einen schönen Platz an einem See. Das ist für uns immer ein Grund um einen Stopp einzulegen. Dennoch fahren wir heute noch weiter, bis wir, total abgelegen, eine schöne Kapelle sehen. Innen ist sie total schlicht und leer.

 

Im Internet werden hier die Wasserfälle als sehenswert empfohlen, und da die Sonne scheint, beschliessen wir spontan, den Spaziergang zu den Wasserfällen zu machen. Es führt uns ein Wanderweg durch den Wald. Immer wieder hat es schöne Grillstellen und nur die Eiszapfen die wir hier immer wieder sehen, erinnern uns an die doch kühle Temperatur. Gemäss Oliver ist es nicht nur kühl sondern arschkalt. 

Hier in den Bergen, ist es einfach an Wasser zu kommen, immer wieder sehen wir Wasserquellen. Sonst ist es eher schwieriger in Nordmazedonien.

Unser nächster Halt ist wieder an einem schönen See, dem Kalimanci See. Da unsere Fensterfolie schon ziemlich übel aussieht und wir sie dann in der Schweiz sowieso ersetzen wollen, beschliessen wir sie ganz zu entfernen, in der Hoffnung, dass wir so, ohne zu heizen, ein bisschen Wärme in unseren Willi bringen. 

 

Am nächsten Morgen geniessen wir die Fahrt über die Berge nach Skopje. So machen wir mit Willi eine Sightseeing - Tour durch die Stadt.

Im Matka Valley wollen wir wandern gehen, doch der Wetterbericht gibt Regen, die düsteren Wolken bestätigen den Wetterbericht. Und da wir finden, wenn wir dann pitschnass retour müssen und uns erkälten, ist das vielleicht dann für unsere Rückreise nicht so förderlich. So machen wir nur eine kleine Runde. 

Für unsere Weiterreise brauchen wir einen PCR-Test aus einem anerkannten Labor. In Ckonje können wir einen Test machen und morgen das Ergebnis abholen. Wir bezahlen 4800 MKD, das sind rund 80 Euro für uns beide. Obwohl bei unserem Lebensstil eigentlich gar keine Ansteckung möglich ist, ist die Erleichterung beim erhalt des negativen Testresultates gross. Denn für unsere Weiterreise ist es existentiell.

Sogleich nutzen wir die Gelegenheit und fahren zur Grenze bei Tabanovce , Richtung Serbien. Vor uns ist ein Auto mit Schweizer Nummernschildern. Als wir sehen, dass sie unter den Ausweisen auch noch eine Schweizer Schokolade hinhalten, hoffen wir, dass sie uns auch ohne „Schoggi - Presäntli“ reinlassen. Unser PCR-Test wird nicht einmal angeschaut. Aber wir halten uns lieber an die geltenden Regeln, als dann ein Problem zu bekommen. Nach 60 Minuten freuen wir uns, dass wir endlich einreisen dürfen. Aber zu früh gefreut, noch auf dem Grenzareal, werden wir noch einmal angehalten und komplett kontrolliert. Doch auch dieser will unseren teuer erkauften PCR - Test nicht sehen.

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