Unsere Neujahrsreise ins 2016    (26.Dezember 2015 bis 02.01.2016)

Wir nutzen jede Gelegenheit um unseren Willi auf seine Reisetauglichkeit und uns auf unsere Fähigkeit uns auf ca. 8m2 Wohnfläche zurechtzufinden. Was wirklich nicht immer einfach ist. Vor allem, weil ja jeder der Meinung ist, er sei einfach und unkompliziert aber der andere sei schwierig.

Unser Plan besteht aus hoffentlich Sonne und sicher Meer. Mehr ist nicht geplant. Also brechen wir auf Richtung Italien.

 

Am Sonntag, 27. Dezember erreichen wir das Meer in Savona, wo wir unverzüglich unser Badetuch schnappen und uns für eine kleine Fotosession an den Strand schmeissen um unsere Daheimgebliebenen ein bisschen zu foppen. 

Am Montag, 28. Dezember beschliessen wir am Abend unseren Pizzaofen einzuweihen, deshalb kaufen wir in Alessio ein. Ganz gespannt stellen wir den Backofen und die selbstgemachte Isolationshaube auf den Gasherd. Bei 100 Grad raucht es so aus dem Ofen, dass wir alle Fenster öffnen müssen. Bei 200 Grad ist dann alles klar, so dass wir die Fenster wieder schliessen und unsere selbstgemachte Pizza in den Ofen schieben. Die Backzeit wäre um einiges kürzer, wenn uns unsere Neugier nicht übermannt hätte, da wir ständig den Ofen öffneten um reinzuschauen und Fotos zu machen, worauf die Backtemperatur jedes Mal aufs Neue zusammenbrach. War das eine Freude, als wir eine feine, knusprige Pizza aus dem Ofen zogen. Die zweite Pizza, die wir während dem Genuss der Ersten in den Ofen schoben, ging um einiges schneller, da wir mit geniessen beschäftigt waren und nicht ständig die Ofentüre öffneten. Unsere Isolationshaube hat sich mehr als nur bewährt.

Am Dienstag, 29. Dezember 2015, nach einer traumhaften und ruhigen Nacht in den Bergen, fahren wir die kurvenreiche Strasse wieder Richtung Meer. Durch viele kleine Bergdörfchen, meistens mit eigener Kirche, vorbei an Olivenhainen. Es überrascht uns, dass erst jetzt, Ende Jahr, die Oliven geerntet werden. Da die Bäume alle im Hang stehen, werden unter den Bäumen Netze ausgebreitet, die bis auf die Strasse reichen, wo dann die abgeschüttelten Oliven in Bottichen  gesammelt werden. So müssen wir im Zickzack Kurs die Netze umfahren, damit wir die Oliven nicht schon jetzt zu Olivenöl verarbeiten.  In Imperia finden wir mit unserem Willi leider keinen passenden Parkplatz, darum fahren wir weiter Richtung San Remo. Ausgangs Imperia sticht uns der Stadtteil Il Gira Parasio mit seiner grossen Kirche ins Auge, so dass wir beschliessen, wieder nach einem Parkplatz Ausschau zu halten.

Es ist ein altes, italienisches Dorf, mit diesem unbeschreiblichen Charme der alten Gässli und den Bogen zwischen den Häusern, um sich gegenseitig abzustützen. Frisch gewaschene Bettwäsche und Grossmutters Nachthemd flattern in der leichten Brise die durch die Gassen weht. Rosen und Buganvilea die blühen, Kakteen die aus Mauerritzen wachsen. 

Eine wunderbare Kirche, prunkvoll mit viel Marmor und Stuck aber ohne dem typischen goldigen Kitsch. (Sorry, ist natürlich Geschmacksache) Was wir noch nie in einer Kirche gesehen haben,  elektro Kerzen, die man für 1 Euro  reinstecken kann. Oliver kann sich ein schmunzeln nicht verkneifen, als sogar Monika, die sonst in jeder Kirche ein oder gleich mehrere Kerzli anzündet, das Portemonnaie in der Tasche lässt. 

Nach diesem schönen Stadtrundgang  fahren wir weiter Richtung Sanremo an der Grenze zu Frankreich. Es ist schon wieder ein Uhr und der Magen knurrt, so dass wir den nächsten Parkplatz am Jachthafen ansteuern. Trotz Wohnmobil Parkverbot parken wir unseren Willi und kochen uns  Parmesan Tortellini al Ragu. Ein kleiner Genuss den wir uns gönnen mit einem Tropfen Weisswein, so muss das Leben doch immer sein. Kurze Zeit später gesellt sich  ein weiteres Wohnmobil zu uns, was Oliver zum Voyeur werden lässt, oder mindestens unterstellt ihm das Monika. 

Damit wir nicht noch negativ auffallen schlägt Monika vor, dass wir uns weiter auf den Weg machen sollten, was wir auch machen.

 

Wir entschliessen uns, jetzt schon einen Schlafpatz zu suchen, damit wir unsere Fotos und Filme sortieren können, was gleich zu einer Meinungsverschiedenheit führt. Monika träumt von einem Schlafplatz am Meer, Oliver hingegen ist felsenfest überzeugt, dass es das nicht gibt, und er keine Lust hat jetzt 3 Stunden nach einem Schlafplatz zu suchen um dann doch noch ins Landesinnere zu fahren. Kurze Zeit später finden wir diesen Platz am Meer. Mal ehrlich, ist doch herrlich oder?

Aber so gehen die Meinungen halt auseinander. Oliver meint, so genial ist der Platz jetzt auch wieder nicht. 

Hm. Ok. Vielleicht hat er ja Recht. Nach einem traumhaften Nachmittag und super Abendstimmung, muss Monika nun doch zugeben, dass jetzt wo man nichts mehr sieht vom Meer der Glanz dieses Schlafplatzes langsam erlischt. Es hat relativ viel Verkehr und einige Fussgänger verwechseln uns mit den Tieren im Zoo. Wir haben echt Angst, dass sie nicht noch die Türe aufmachen um Pop Corn reinzuwerfen. Aber das Meeresrauschen ist herrlich.

Am Mittwoch, 30.12.2015 fahren wir Richtung Landesinnere. Die kleinen Bergdörfer sehen aus wie Schwalbennester, die an die steilen Flanken der Berge geklebt wurden. Da uns diese Bergdörfer und die Gegend so fasziniert, beschliessen wir, eine kleine Strasse zu nehmen, was sich allerdings als Fehlentscheidung erweist. Da es nur eine Gewichtlimitierung auf 12t hat, ohne Breiten oder Höhenbegrenzungstafeln, machen wir uns freudig auf den Weg, über steile und enge Haarnadelkurven.  Allerdings nicht sehr lange, bei der ersten grösseren Ortschaft bleiben wir stecken. Ein zurück gibt es nicht mehr, weil wir nirgends wenden können. Da müssen wir jetzt durch, ob wir wollen oder nicht. Und so kommt Willi zu seiner ersten Nahkampferfahrung mit einer Hausecke die unten ein bisschen vorstand. Mit ach und Krach und Millimeter Arbeit haben wir es geschafft. Als wir auf einem kleinen Parkplatz gleich ausserhalb des Dorfes durchschnaufen, kommt ein Anwohner mit der ernüchternden Information, dass wir wieder retour müssen, weil es für uns unmöglich ist, weiter zu fahren. Schreck lass nach, aber nach einem weiteren Schweissausbruch haben wir es geschafft.  Unsere Abenteuerlust ist für heute gestillt. Wir finden einen ruhigen Schlafplatz neben einem kleinen Fluss, und lecken unsere Wunden. Übrigens, die Werbung mit der Bépanthen Salbe, wo der kleine Junge den Kratzer am Auto mit Salbe behandelt, funktioniert nicht. 

Am Donnerstag, 31.12.2015 , tuckerln wir durch Frankreich und halten im herzigen Dorf Tende, da wir bei der Durchfahrt einen Bäcker, Metzger und einen kleinen Einkaufsladen gesehen haben. Wir haben uns so über die feinen Baguettes gefreut, dass wir gleich zwei gekauft haben, wobei dann nur noch eines im Willi ankam. Nach diesem kleinen Halt fahren wir Richtung Saluzzo weiter. 

Wir sehen einen Fluss und hoffen auf einen abgelegenen Schlafplatz. Über einen nicht enden wollenden, löchrigen und holprigen Feldweg fahren wir dem Fluss entgegen. Auf einmal taucht auf der linken Seite ein steiles Irgendwas auf, das in einem Steinkiesschotter Flussbett endet. Und was denkt Ihr kommt nun? Jawohl, das Kind im Manne, schliesslich hat ja der Willi einen 4- Rad Antrieb mit Untersetzung. Und die will ja auch mal ausprobiert werden. Wir denken uns jetzt mal, wenn wir runter kommen dann kommen wir auch wieder rauf. Oder?

Das Neue Jahr beginnen wir stehend aus der Dachluke schauend mit einem Glas Moskato. 

Freitag, 1. Januar 2016, das neue Jahr beginnt ja nun gleich mit der ersten Herausforderung. Aber Willi macht das mit links. 

 

Leider hat es Hochnebel, so dass wir nicht gerade viel sehen. Aber unser Schlafplatz entschädigt uns. Direkt am Ortasee mit Blick auf die Insel San Giulio. 

Samstag, 2. Januar 2016, nach einem ausgiebigen Frühstück machen wir uns auf den Weg, über Domodossola Richtung Brig. Was uns auf allen unseren Reisen immer wieder frappant auffällt, ist der Unterschied, unmittelbar nach der Schweizer Grenze, wie sauber und schon über perfekt alles ist. Kein Abfall am Strassenrand, nicht einmal eine Bodenwelle, geschweige denn ein Schlagloch. In der Schweiz stimmt das Sprichwort: „Das Geld liegt auf der Strasse.“  Also fahren wir Richtung Furka zur Zugverladestation, da alle Alpenpässe geschlossen sind. Die 3 Stunden Wartezeit haben wir locker überstanden, mit spielen, Kaffee trinken und der Realityshow „ der Familienüberlebenskampf im Stau“. Fazit, Kinder gewinnen, Eltern schreien. So sind wir bei der Zahlstation angekommen. Da der nette Herr im Kabäuschen (Kabine) nicht die ganze Höhe unseres Willis sehen kann, fragt er, was wir meinen, ob wir denn da vorne unter dem Dach durchkommen? Olivers hochintelligente Antwort: „ das hören wir ja dann.“  Er verrechnet uns den Wohnmobiltarif von Fr. 33.—und lässt uns durch. Kaum durch, kommt schon ein anderer Bahnarbeiter angerannt und fragt uns, was wir bezahlt haben. So fing die Diskussion an über unsere effektive Höhe und die Fahrleitung. Worauf ein Dritter mit der Messlatte kam um den Willi neu zu vermessen. Sie beschlossen, uns zum Ärger der wartenden Familien aus der Kolone zu lotsen, damit wir ganz nach vorne fahren können. Kurze Zeit später fährt der Zug in den Bahnhof ein und wird entladen. Da wir ja den Sonderplatz gleich hinter der Lokomotive (dieser Platz ist nicht überdacht) bekommen, muss der ganze, leere Zug rangiert werden. Oliver fährt rückwärts auf den Bahnwagen, als ob er das jeden Tag machen würde. Jetzt werden wir noch mit einem Kabel geerdet, aus Sicherheitsgründen, falls wir doch noch die Fahrleitung tuschieren würden. Dann endlich kann der Zug wieder an seine ursprüngliche Position rangiert werden, so dass die anderen nun doch auch noch verladen werden können. Um 20.30 Uhr treffen wir zu Hause ein, worauf Monika gleich zum Putzlappen greift, um Willi wieder Startklar für unseren nächsten Ausflug zu machen.